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Teil 2: 200-MBit-Powerline-Adapter

  1. 200-MBit-Powerline-Adapter
  2. Teil 2: 200-MBit-Powerline-Adapter

A/V-Streaming dank QoS

Mit der Einführung der 200-MBit-Adapter werben alle Hersteller außer MSI und Allnet damit, dass ihre Modelle für die Übertragung von Audio-/Video-Streaming geeignet sind und einen Quality of Service (QoS) bieten. Der Grund ist offensichtlich, denn seit einiger Zeit sind preiswerte Medienserver erhältlich, über die sich Videofilme im Netzwerk bereitstellen lassen. Auch die großen DSLProvider wie Telekom oder Arcor koppeln ihre Angebote zunehmend mit der preisgünstigen Filmbereitstellung per Download. Wird ein solches Angebot genutzt, sind die Daten natürlich auch innerhalb der Wohnung gegebenenfalls per Powerline-Anbindung weiterzuleiten.

200-MBit-Powerline-Adapter

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Linksys liefert keine Informationen oder Tipps zur etwas undurchsichtigen Prioritätssteuerung.

Der Standard Homeplug AV unterscheidet zur Realisierung eines QoS zwischen verbindungsorientierten und verbindungslosen Kommunikationskanälen. Baut eine Anwendung einen verbindungsorientierten Kanal auf, ist der Übertragungsweg reserviert und keine andere Anwendung kann diesen nutzen. Alle Datenpakete kommen dann in der korrekten Reihenfolge nacheinander an.

Sichergestellt wird dies über eine zentrale Zeitsteuerung. Dazu übernimmt der erste Powerline-Adapter, der in das Stromnetz eingesteckt wird, die Aufgabe eines Central Coordinator (CCo). Er verteilt die Gesamtbandbreite im Zeitscheibenverfahren (TDMA) auf die verschiedenen Verbindungen.

Bei den Modellen von Allnet, Devolo, Level One, MSI und Siemens gibt es über diesen Automatismus hinaus keine Einstellmöglichkeit, um gezielt bestimmte Pakettypen oder Wege zu bevorzugen. Netgear erlaubt eine Priorisierung nach Protokolltyp (UDP, TCP), die Adapter von Linksys, Longshine und Zyxel priorisieren wahlweise IGMP, Broadcasts oder Multicasts. Eine Priorisierung nach Ports lässt sich bei Zyxel und D-Link einstellen, was vor allem für Gamer von Vorteil sein dürfte, Zyxel erlaubt zudem die Angabe von Mac-Adressen. Sollte Sie nun mit einer Applikation Schwierigkeiten haben, sollten Sie trotzdem zuerst prüfen, ob Sie nicht durch die Nutzung anderer Steckdosen insgesamt die Leistung auf den betroffenen Strecken heraufsetzen können. Beispielsweise hat der Netgear HDX101 im Test beim Video-Streaming Probleme. Obwohl sich UDP und TCP wahlweise bevorzugen lässt, hilft eine Änderung der Priorisierung hier nicht.

200-MBit-Powerline-Adapter

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Der VLC Media Player ermöglicht Senden und Abspielen von Videofilmen über verschiedene Protokolltypen.

Ob beim Video-Streaming Schwierigkeiten zu erwarten sind, hängt sehr stark vom gewünschten Video-Modus ab. Während eine normale Video-Anwendung durchaus mit 3 MBit/s auskommt, sind die benötigten Bandbreiten für typische HDTV-Video-Anwendungen deutlich höher. Natürlich ist auch zu berücksichtigen, dass in einem Powerline-Netz-werk nicht nur eine Verbindung aktiv ist. Ziel ist es, ausreichend Bandbreite für so genannte Triple-Play-Situationen (gleichzeitige Übertragung von Daten, Video und Voice over IP) zur Verfügung zu stellen, was entsprechend höhere Datenraten erfordert.

Vom Keller in den ersten Stock

Um den Durchsatz und Unterschiede zwischen den einzelnen Adaptern zu ermitteln, werden mehrere Tests in einem Wohngebäude durchgeführt. Zuerst wird die maximale Bandbreite ermittelt, indem beide Adapter nebeneinander in einer Doppelsteckdose betrieben werden. Diese Konfiguration ist zwar wenig praxisnah, gibt aber Aufschluss über die maximale Performance. Sofern manuell einstellbar, wird jegliche Priorisierung deaktiviert.

Die diversen Konfigurationsprogramme melden durchwegs Bandbreiten von knapp 200 MBit/s, Nun wird mit dem Synchronisationstool Superflexible eine 370 MByte große Datei nacheinander in beide Richtungen kopiert und der Durchsatz gemessen. Die meisten Adapter erreichen hier Werte zwischen 40 und 42,5 MBit/s, nur der Siemens Gigaset Homplug AV 200 (37,8 MBit/s) und der Longshine LCS-PL200 (28,6 MBit/s) liegen merklich darunter. Erstaunlich ist beim Modell von Longshine, dass die Leistung reproduzierbar besser ist, wenn die beiden Adapter eine gewisse Strecke zwischen sich haben und nicht direkt nebeneinander eingesteckt sind. Zudem fällt auf, dass bei allen Testkandidaten bei mehrfachen Tests deutliche Schwankungen erkennbar sind, bei einzelnen Kopieraktionen werden Ausreißer gemessen, die durchaus 10-20 Prozent unter den Mittelwerten liegen. Um die Eignung für ein Audio-/Video-Streaming zu ermitteln, kommt der VLC Media Player zum Einsatz. Damit lässt sich ein PC als Medienserver betreiben, der Videosequenzen per UDP zu einem zweiten System schickt, wo sie mit dem gleichen Player abgespielt werden. Zwei Demovideos mit einer Datenrate von 3 und 19 MBit/s sollen zeigen, inwiefern sich die Adapter für ein Video-Streaming eignen. In der vorliegenden Konfiguration laufen beide Videos mit allen Adaptern flüssig ab. Das Einschalten eines leistungsfähigen Verbrauchers (etwa ein Heizlüfter) verursacht in keinen Fall Störungen.

Produkt dLAN 200 AVeasy PLI-2030 ALL168205 Gigaset HomePlug AV 200 DHP-300 Mega ePower 200AV HDX101 PLE200 LCS-PL200 PLA-450
Hersteller devolo Level One Allnet Siemens D-Link MSI Netgear Linksys Longshine Zyxel
Internet www.devolo.de www.level1.com www.allnet.de www.siemens.de www.dlink.de www.msi-technology.de www.netgear.de www.linksys.de www.longshine.de www.zyxel.de
Preis für Kit (bzw. 2 Adapter) 200 Euro 209 Euro 119 Euro 150 Euro 199 Euro 119 Euro Kit HDXB101 199 Euro 149 Euro ca. 200 Euro 288 Euro
Sprache deutsch englisch deutsch entfällt englisch deutsch englisch deutsch englisch deutsch
Ausstattung                    
Anzahl LEDs 3 3 4 3 3 4 3 3 3 5
Firmware aktualisierbar ja ja durch Fachhandel ja ja ja ja ja ja ja
Chipsatzhersteller / Chipsatz Intellon INT6000 Intellon INT6000 Intellon INT6000 Intellon INT6000 DS2 DSS9010 Intellon INT6000 DS2 DSS9010 Intellon INT6000 Intellon INT6000 Intellon INT6000
Homeplug-Standard Homeplug AV Homeplug AV Homeplug AV Homeplug AV UPA Homeplug AV UPA Homeplug AV Homeplug AV Homeplug AV
Konfigurationssoftware ja ja ja nein ja ja ja ja ja ja
Zusatzsoftware EasyClean, EasyShare nein nein nein Network Magic Trial nein nein nein nein nein
erfordert WinPcap nein nein nein nein ja nein ja nein nein nein
QoS für priorisiertes A/V-Streaming ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja
QoS für beliebige Ports nein nein nein nein ja nein nein nein nein ja
Sonstiges QoS nein nein nein nein nein nein Priorisierung für UDP, TCP, TOS, DSCP Priorisierung für IGMP, Unicast, Multicast/Broadcast Priorisierung für IGMP, Unicast, Multicast/Broadcast Priorisierung für IGMP, Unicast, Multicast/Broadcast, Port, MACAdresse
Bandbreitenanzeige per Software per Software per Software per LED-Farbe nein per Software per Software per Software per Software per Software
Bandbreitenanzeige für Up-/Download getrennt ja ja nein nein nein nein ja ja ja ja
Leistungsaufnahme 5,5 Watt 4 Watt 3,9 Watt 4 Watt 4 Watt <5 Watt 6,3 Watt keine Angabe keine Angabe <10 Watt
Sicherheit                    
Verschlüsselung 128 Bit AES 128 Bit AES 128 Bit AES 128 Bit AES 168 Bit 3DES 128 Bit AES 168 Bit 3DES 128 Bit AES 128 Bit AES 128 Bit AES
Aktivierung per Software ja ja ja nein ja ja ja ja ja ja
eindeutige Security-ID pro Adapter ja ja ja entfällt nein ja ja ja ja ja
Service                    
Handbuch deutsch deutsch, mehrsprachig deutsch, mehrsprachig deutsch, mehrsprachig deutsch, mehrsprachig deutsch/englisch deutsch deutsch englisch deutsch, mehrsprachig
Onlinehilfe                    
Assistenten ja nein nein nein nein nein nein ja ja ja
automatisches Update per Internet nein nein nein nein nein nein nein nein nein nein
Fazit Einfach zu bedienender Adapter mit guter Performance Etwas umständlicher konfigurierbar, optisch ansprechendes etwas großes Gehäuse Klassische, schlichte Bauform, Performance fällt etwas ab Ohne Software nur mittels Knopf am Adapter konfigurierbar Etwas umständliche Konfiguration, für schnelles A/V-Streaming nicht geeignet Klassische, schlichte Bauform, Performance fällt etwas ab Hoher Datendurchsatz, aber für schnelles A/V-Streaming nicht geeignet Etwas umständlicher konfigurierbar, optisch ansprechendes etwas großes Gehäuse Schlechte Leistung bei Direktverbindung, ansonsten durchschnittliche Performance Gleichzeitig WLAN-Accesspoint, umfassende Prioritätssteuerung

Anschließend müssen die Adapter mehrere Strecken überbrücken, wobei der Durchsatz ermittelt wird. Die größte Herausforderung stellt dabei die Verbindung zwischen einem Partyraum im Keller und der Küche im ersten Stock dar. Dabei liegen die beiden Räume im Gebäude fast übereinander, der Sicherungskasten, an dem alle Leitungen zusammen kommen, befindet sich jedoch am gegenüberliegenden Ende des Hauses, sodass das Signal insgesamt lange Strecken überwinden muss. Der Durchsatz liegt bei maximal 26 MBit/s und im Mittel bei 24 MBit/s, wobei nun auch zwischen den Adaptern Performanceunterschiede sichtbar werden. Am schlechtesten schneidet hier der DHP-300 von D-Link mit einem Durchsatz von 16 MBit/s ab. Weniger Leistung erzielen auch die baugleichen Adapter von MSI und Allnet mit rund 20 MBit/s sowie der Netgear HDX101 mit 22 MBit/s.

Bildergalerie

200-MBit-Powerline-Adapter
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Um Büro, Wohnung oder auch ein ganzes Haus ohne aufwändige Verkabelung zu vernetzen, greifen die meisten Anwender zur WLAN-Funktechnik. Dabei lässt…

Unterschiede zeigen sich weiterhin beim Streaming-Test. Während das 3-MBit-Video bei allen Testkandidaten flüssig übertragen wird, bleibt das Bild bei dem 19-MBit-Video beim D-Link DHP-300 einfach stehen. Beim Netgear HDX101 ist die Übertragung durch Bildfehler und Artefakte sehr stark gestört. Versuche, durch eine UDP-Priorisierung die Übertragung zu verbessern, sind nicht erfolgreich. Nur wird durch eine TCPPriorisierung die Übertragung noch schlechter, dann zeigt sogar das 3-MBit-Video erste Fehler. Auch bei kürzeren Entfernungen ist bei den Adaptern von D-Link und Netgear die HDTVÜbertragung fehlerhaft, sie sind für ein A/V-Streaming letztendlich nur bedingt geeignet.

Einfache Konfiguration

Alle Adapter außer dem Zyxel PLA-450 sind ohne jegliche Konfiguration im öffentlichen Modus sofort out of the box einsatzbereit, da sie mit einem einheitlichen Kennwort schon werkseitig vorbelegt sind. Sie verhalten sich für das Netzwerk transparent und benötigen auch keine eigene IP-Adresse.

Eine Ausnahme bildet der Zyxel PLA-450 deswegen, weil die zusätzliche WLAN-Funktionalität über ein integriertes Web-Interface einzurichten ist. Aber auch hier ist die IPAdresse nur hinsichtlich der WLAN-Funktion relevant.

200-MBit-Powerline-Adapter

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Als einziger Kandidat wird der Zyxel PLA-450 mittels Browser konfiguriert, da er als WLANAccesspoint auch eine eigene IP-Adresse besitzt.

Alle Adapter, außer dem Zyxel PLA-450 und dem Siemens Gigaset HomePlug AV 200, werden mit einer Konfigurationssoftware geliefert. Diese erlaubt es, Kennwörter für die Verschlüsselung zu ändern sowie teilweise die Datenpriorisierung anzupassen. Außer beim D-Link DHP-300 können Sie bei allen Modellen auch die verfügbaren Bandbreiten zu anderen Adaptern auslesen.

Bei den mittels Software konfigurierbaren Adaptern lassen sich stets diejenigen, die vom PC mit dem Konfigurationstool lokal, also direkt über das Ethernet-LAN, erreichbar sind, ohne Weiteres umkonfigurieren.

Fazit

Den größten Funktionsumfang aller getesteten Modelle bietet der Devolo dLAN 200 AVeasy, der sich wahlweise per Software und per Taster am Gehäuse konfigurieren lässt. Für größere Installationen eignen sich auch der Allnet ALL168205, der MSI Mega ePower 200AV und der Zyxel PLA-450, da sich hier ebenso wie bei Devolo die Security-IDs aller Adapter hinterlegen lassen, was vereinfachte zentrale Folgekonfigurationen erlaubt.

Wer beim Zyxel PLA-450 keine WLAN-Funktionalität benötigt, kann auch auf den preiswerteren Adapter PLA-400 ausweichen, der jedoch nicht im Test vertreten ist. Hinsichtlich der Performance fallen die beiden Modelle von Allnet und MSI gegenüber dem PLA-450 zurück. Mit besserer Performance, ähnlich dem PLA-450 und dem dLAN 200 AVeasy, schneiden die Modelle von Level One, Linksys und Longshine ab. Hier erweist sich nur die entfernte Konfiguration als etwas umständlicher, da die Security-IDs nicht gespeichert werden.

200-MBit-Powerline-Adapter

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Mit Abstand die umfangreichste Prioritätssteuerung besitzt der Zyxel PLA-450.

Nicht zum A/V-Streaming mit höherer Bandbreite sind der D-Link DHP-300 und der Netgear HDX101 geeignet, obwohl der HDX101 ansonsten sehr flott überträgt. Das Testmodell DHP-300 aus dem Hause D-Link ist insgesamt relativ langsam.

Geschmacksache ist der nur per Taster konfigurierbare Siemens Gigaset HomePlug AV200, der gänzlich ohne Software daherkommt. Denn in einer Umgebung mit mehreren Powerline-Adaptern fehlt hier die Möglichkeit zur zentralen Umkonfiguration, außerdem gibt es kein Werkzeug, um sich einen Überblick über alle aktiven Adapter zu verschaffen. Kommt durch eine versehentlich falsche Bedienung der Taster die Synchronisation der Verschlüsselung durcheinander, ist es mühevoll, dies wieder einzurichten.

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