Das Energie-Sparprogramm

Stoppen sie die Stromfresser

Gewusst wie: Mit den richtigen Geräten und ein paar einfachen Tricks können Ihre Energiekosten im Heimkino um mehr als 180 Euro sinken. Und nicht selten verbergen sich die wahren Stromfresser dort, wo Sie es gar nicht erwarten.

Glühbirne mit Baumkrone

© Archiv

Mit den richtigen Kniffs ist Stromsparen ganz einfach.

Die Stromrechnung versetzte Michael Jaegers einen Schock: Statt 359 Euro wie geplant, sollte er mehr als 490 Euro im Jahr berappen. Der Energieversorger verlangte eine Nachzahlung. Dabei gehört der Zwei-Personen-Haushalt des Diplom-Informatikers aus Bergisch Gladbach keineswegs zu den Verschwendern: "Schon beim Einzug habe ich darauf geachtet, dass alle Lampen mit Energiesparbirnen ausgestattet sind."

Eine Steckdosenleiste mit Einschaltautomatik trennt Fernseher und Stereo-Anlage bei Nichtgebrauch vom Netz. Trotzdem summierte sich der Verbrauch auf über 3.350 Kilowattstunden. Grund genug für den 35-Jährigen, sich "intensiver mit dem Thema auseinander zu setzen."

So wie Jaegers geht es derzeit vielen. Steigende Energiekosten (siehe Grafik, unten) belasten die Haushaltskasse immer mehr. Das gilt für Elektrogeräte wie Kühlschränke, Spül- und Waschmaschinen, immer öfter aber auch fürs Heimkino. Denn TV-Geräte machen einen nicht unerheblichen Teil des privaten Stromverbrauchs aus.

Strompreis Diagramm

© Archiv

Strompreis Diagramm

Jürgen Boyny von der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung GfK schätzt: "In den fünf bevölkerungsstärksten EU-Staaten gibt es zusammen ungefähr 212 Millionen Fernseher. Diese Geräte benötigen zum Betrieb etwa 21 Gigawatt."

Das entspricht der Leistung von 21 Großkraftwerken. Und der Bedarf wächst: "Letztes Jahr nahm der durchschnittliche Stromverbrauch pro Fernseher in Deutschland um 123 Watt oder 22 Prozent zu", so Boyny. Das ist auf die wachsenden Display-Diagonalen zurückzuführen. Ein Bildriese mit 42 Zoll braucht nun mal mehr Energie als ein Gerät im klassischen Schrankwandformat.

Außerdem steigt die Zahl der Fernseher pro Haushalt - von 1,3 Geräten 2006 auf mittlerweile 1,8. Die Engländer bringen es im Schnitt sogar auf 2,5 Flimmerkisten pro Wohnung. Obendrein bleiben die Bildschirme länger an: Experten rechnen mit einer durchschnittlichen "Daily Viewing Time" von 208 Minuten in Deutschland. Allerdings gilt dieser Wert pro Person - und nur fürs Fernseh-Programm. Werden alle Familienmitglieder zusammengerechnet, und DVD-Abende oder Videospiele mitgezählt, dürften die Geräte noch deutlich länger in Betrieb sein.

Führend sind auf diesem Gebiet mal wieder die Amerikaner. Nach einer Untersuchung des Marktforschungsinstituts Nielsen vom September 2006 läuft in US-Haushalten das Fernsehgerät jeden Tag acht Stunden und 14 Minuten.

Wie viel Energie dabei durch die Leitung fließt, hängt nicht nur von der Display-Diagonale ab, sondern auch vom Bildschirmtyp. LCDs stehen im Ruf weniger gierig zu sein als Plasma-TVs. Allerdings vergessen LCD-Befürworter häufig zu erwähnen, dass der Verbrauch beim Plasma mit der Bildhelligkeit schwankt. Szenen aus dem sonnendurchfluteten Olympia-Stadion in Peking lassen den Zähler schneller rotieren als schummrige Bilder.

Wer abends im Heimkino Horrorfilme schaut, deren Grusel sich überwiegend im Dunkeln abspielt, spart also Strom.

Auch ist es den Plasma-Herstellern in den letzten Jahren gelungen, den Energiehunger ihrer Geräte drastisch zu reduzieren. Das Fraunhofer-Institut IZM in Berlin, das im Auftrag der Europäischen Union die Herstellerangaben verglichen hat, stellte Einsparungen von bis zu 40 Prozent fest: Konsumierten genügsame 50-Zoll-Plasmas vor drei Jahren noch 430 Watt im Schnitt, waren es 2007 nur noch 257 Watt.

In jüngster Zeit verläuft die Stromkurve bei einigen Geräten jedoch steil nach oben. Das liegt am Trend zu FullHD-Displays, auch "HDready 1080p" genannt. Weil die hochauflösenden Schirme mehr und kleinere Plasma-Zellen auf der Bildfläche unterbringen, wird zusätzliche Energie für deren Zündung benötigt. Ansonsten würde die Leuchtkraft sichtbar nachlassen. Erst die kommende Generation Plasma-Displays soll den Verbrauch wieder senken (siehe "Sparsamere Fernseher").

Übersicht Niedriger Verbrauch Standby / Betrieb Std. Stb. / Std. Betr. kWh kW/Jahr Euro
Fernseher JVC LT-42 S90 0,3 / 113,8 20 / 4 0,4612 161,42 32,28
Blu-ray-Player Philips BDP 7100 0,5 / 23 22 / 2 0,057 19,95 3,99
HDTV-Receiver Humax iCord HD 1,5 / 28 22 / 2 0,089 31,15 6,23
VOD-Box Maxdome FritzMedia 8040 3 / 5,5 22 / 2 0,077 26,95 5,39
DVD-Recorder LG RH 388 H 0,8 / 22 22 / 2 0,0616 21,56 4,31
Heimkino-PC Appple Mac Mini 4,9 / 34,5 22 / 2 0,1768 61,88 12,38
AV-Receiver Panasonic SA-XR 59 0,9 / 140 22 / 2 0,2998 104,93 20,99
Summe: 11,9 / 366,8 1,2224 427,84 85,57

Die Redaktion konnte den Effekt im Test für die Printausgabe 6/2008 nachmessen: Der FullHD-Plasma Panasonic TH-42 PZ 80 E saugte mit Testbild fast 398 Watt aus dem Netz. Beim gleich hochauflösenden LCD-Fernseher von JVC waren es nicht einmal 114 Watt (siehe Tabellen Seite 1 und 2). Kein Wunder: Der Hintergrundbeleuchtung in einem LCD-TV ist es völlig egal, ob sie 1366 x 768 oder 1920 x 1080 Pixel erhellen muss. Sie benötigt mit jeder Auflösung gleich viel Strom.

Die Gegenüberstellung macht deutlich, wie stark sich moderne Fernseher im Verbrauch unterscheiden können. Selbst innerhalb derselben Display-Technologie beträgt die Ersparnis 20 oder mehr Euro im Jahr - bei identischer Bildschirmgröße versteht sich.

Allerdings wird es den Kunden nicht leicht gemacht, energieeffiziente Geräte zu finden. Die Prospektangaben der Hersteller sind kaum vergleichbar, weil sie mit unterschiedlichen Messmethoden ermittelt sind. Erst Ende des Jahres dürfte es ein international standardisiertes Verfahren geben (IEC 62087, Edition 2), das den Stromverbrauch von TV-Geräten korrekt wiedergibt.

Warum es nicht immer sinnvoll ist, den Power-Knopf zu drücken und was wahre Stromfresser sind, erfahren Sie auf Seite 2...

Mehr zum Thema

Fernsehsteuerung via App
Übersicht

Unsere Tester haben im Labor die beste Konfiguration der Samsung-Fernseher sowie den optimalen Sehabstand ermittelt.
Heimkino-Projektor
Heimkino einrichten

Wer Filme wie im Kino erleben möchte, sollte sich ein Heimkino einrichten. video gibt Tipps für die richtige Planung und verrät, worauf Sie bei…
Fernseher: nur schauen, nicht kaufen!
Löst die IFA die Probleme der TV-Branche?

Deutsche kaufen weniger TVs. Kann die IFA 2015 das Problem lösen? video-Chefredakteur Andreas Stumptner kommentiert.
UHD HDR Test v11
Download-Special

High Dynamic Range hält auf immer mehr Fernsehern Einzug. Wir bieten einen Testfilm zum kostenlosen Download, mit dem Sie das HDR-Bild testen…
DVB-T2 HD
Ab Mitte 2016

In unserem Artikel erklären wir alles zu DVDB-T2 HD. Die neue Antennen-Technik bringt endlich Fernsehen in Full-HD.