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Steuer-Ratgeber für Freizeitfotografen

Der französische Impressionist Paul Cezanne (1839-1906), dessen Werk zeitgenössische Kunstkritiker mit Spott und Unverständnis übergossen, stellte klar: "Ich denke an nichts, wenn ich male, ich sehe Farben." Auch viele Menschen in Deutschland, die keine hauptberuflichen Fotografen sind, bekommen bei einer atemberaubenden Landschaft, dem Spiel zwischen Licht und Schatten oder leuchtenden Farben, ihren Nuancen und Kombinationen Gänsehaut.

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© okalinichenko

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Mit hochwertigen Kameras halten die Farb- und Fotobegeisterten wunderschöne Urlaubspanoramen,  ausdrucksstarke Persönlichkeiten oder andere Motive fest. Häufig nehmen sie kleinere Aufträge im privaten Umfeld an. Ihr Ziel ist es, die Kosten der heutzutage hervorragend entwickelten, jedoch teuren Bestandteile der Ausrüstung wie etwa

  • einen Hartschalenkoffer ("Case"),
  • die Kamera selbst,
  • verschiedene Objektive,
  • starke Blitzlichter,
  • Software zur Bildbearbeitung,
  • ein Stativ oder
  • Akkus
zu decken. Doch gerade für Hobbyfotografen empfiehlt es sich, dabei die steuerlichen Voraussetzungen genau zu beachten.

Vorsicht bei der Erklärung des Hobbys zum Beruf!

Die genannten Bestandteile der Ausrüstung übersteigen das Budget vieler Durchschnittsverdiener. So mancher versucht mit Blick auf die Kosten, sein Hobby zum Beruf zu erklären. Wie jedoch schon ein Urteil des Finanzgerichts (FG) München aus dem Jahr 2007 zeigt (Aktenzeichen: 5V 12/07), ist davon abzuraten. Im entsprechenden Fall waren die Ausgaben des lediglich in der Freizeit fotografisch tätigen Mannes insbesondere durch Reisekosten deutlich höher als seine Einnahmen.

Daher sprach ihm das Gericht die sogenannte Gewinnerzielungsabsicht ab. So wurden seine Betriebsausgaben in der Einkommenssteuererklärung nicht als absetzbare Ausgaben anerkannt. Der Hobbyfotograf konnte daher seine Verluste nicht mit den Einkünften verrechnen, seine Tätigkeit wurde als Liebhaberei eingestuft. Doch die Aufwendungen eines Jahres sind beileibe nicht alles.

Sind die Steuerbescheide vorangegangener Jahre nicht bestandskräftig, werden deren Verluste ebenfalls nicht anerkannt. Der Grund ist der Vorläufigkeitsvorbehalt des Finanzamts. Insgesamt sollten sich Hobbyfotografen darüber im Klaren sein, dass bei einer Einstufung als Beruf auch irgendwann Gewinne erzielt werden müssen - ansonsten wird diese Zielsetzung des Fotobegeisterten scheitern.

Fotografieren als reine Liebhaberei

Grundsätzlich braucht jemand, der Fotografie als Liebhaberei und nicht mit Gewinnabsicht betreibt, keine Angaben darüber in der Einkommenssteuererklärung zu machen. Bei der Berufsgenossenschaft oder der Handwerkskammer muss er sich ebenfalls nicht registrieren. Er kann dann aber mit keinerlei Rückerstattung durch den Fiskus rechnen. Eine gesetzliche Begrenzung für die Liebhaberei existiert aber nicht explizit.

Als Faustregel gilt, dass bei wenigen Einsätzen im Jahr, bei denen auch nur einige hundert Euro zusammenkommen, Steuerangaben obsolet sind. Das Finanzamt ist hierbei zunächst an den Einkünften selbst interessiert und nicht, durch welche Tätigkeit diese zustande kommen. Dennoch sollten Hobbyfotografen Forderungen für die Bezahlung ihrer Dienste schriftlich ausstellen. Dies sind keine Rechnungen im eigentlichen Sinne. Sie dürfen keine Mehrwertsteuer enthalten.

Wenn Freizeitknipser häufiger Schnappschüsse von Firmen machen, empfiehlt es sich, auf dem Computer ein Dokument anzulegen, in das man die entsprechenden Daten einfügen kann. Dies ist für die Ablage des Auftraggebers und die eigene Übersicht hilfreich. Wer eine solche Aufforderung zur Zahlung verschickt, sollte darauf achten, dass

  • die exakte Höhe der Entlohnung,
  • die eigene Adresse
  • mit dem vollständigen Namen sowie
  • die Bankverbindung
darauf vorhanden sind.

Ratgeber und Hilfen

Im Zweifelsfall sollte der erste Anruf eines Hobbyfotografen seinem zuständigen Bearbeiter beim Finanzamt gelten. Auch Studenten oder Schüler können dort unverbindlich Informationen erhalten. Wenn sie bisher keine Steuernummer hatten, erhalten sie eine neue. Entscheidet der verantwortliche Fiskalbeamte, dass ein nach Feierabend Schnappschüsse machender Angestellter ein Gewerbe anmelden muss, bekommt er ebenfalls eine neue Steuernummer zugeteilt. Diese beinhaltet dann die bisherige Beschäftigung sowie den neu eingetragenen Nebenverdienst durch das Bildermachen.

Alte Kamera

© Grafix132/Fotolia

Gerade bei Angestellten oder im Beruf stehenden Menschen anderer Art, die nun noch die zweite Einnahmequelle versteuern, werden Einkünfte und Ausgaben unübersichtlich, ebenso wie die steuerlichen Chancen und Verpflichtungen. Ganz grundsätzlich ist es dabei sinnvoll, sich einen Überblick zu verschaffen. Ein manuelles Haushaltsbuch zu führen, ist äußerst umständlich und nicht mehr zeitgemäß. Trialversionen aus dem Internet oder Microsoftanwendungen, beispielsweise Excel-Tabellen, sind zwar kostenlos.

Es ist aber umständlich, sie dauernd selbst zu aktualisieren. Zudem tauchen bei Freeware oft Pop-Ups auf, die für die kostenpflichtigen Upgrades werben und die nicht abgeschaltet werden können. Gesetzliche Neuerungen, etwa im Steuerrecht, sind ebenfalls nicht integriert, sodass man alle Aktualisierungen selbst vornehmen muss. Ein anderes Beispiel für eine Neuerung im Banking-Bereich ist die Sepa-Umstellung, die verpflichtend in über dreißig Ländern der EU gültig wurde.

Diese Neuerungen sind bei so genannten Lizenzprogrammen enthalten. Buchhaltungsdienstleister wie Lexware haben Software für Privatfinanzen entwickelt, welche viele weitere Features neben dem Überblick über Einnahmen und Ausgaben beinhalten. Die Lizenzprogramme sind zudem meist einen Monat lang umsonst zu testen, sodass jeder Hobbyfotograf selbst entscheiden kann, ob dies das Richtige für die persönlichen Zielsetzungen ist.

Die Registrierung als Gewerbe

Wenn Freizeitknipser merken, dass ihre Dienste in einem lokalen oder regionalen Umfeld immer mehr Menschen überzeugen und sie die Chance haben, mittel- oder langfristig mehr Geld zu verdienen, ist es sinnvoll ein Gewerbe anzumelden. Dazu müssen sie sich in die sogenannte Handwerksrolle eintragen lassen. Zu dieser Registrierung gehen sie in die zuständige Handwerkskammer.

Sie vertritt in Selbstverwaltung einen bestimmten deutschen Kammerbezirk. Auch dort sind Leute mit Erfahrung tätig, sodass ein Hobbyfotograf sich dort insbesondere über die finanziellen Konsequenzen einer Anmeldung informieren kann. In der Handwerkskammer sind alle Arten von Handwerksbetrieben (ohne und mit Zulassungspflicht), handwerksähnliche Unternehmen, Gesellen, Angestellte mit erfolgreich beendeter Berufsausbildung sowie Lehrlinge zusammengefasst.

Die Registrierung des Gewerbes bei der Handwerkskammer ist in der Regel kein großes Problem. Zudem ist der Beitrag für jemanden, der sich neu anmeldet, nicht sehr hoch. Gewerbesteuern fallen aufgrund des Freibetrages zunächst nicht an, wenn der Gewinn des Hobbyfotografen 24.500 Euro im Kalenderjahr nicht übersteigt - eine relativ hohe Summe. Zwar muss die Steuererklärung eingereicht werden, da die Umsatzsteuer abgeführt werden muss. Eine Sozialversicherung fällt jedoch nicht an. Generell muss das so angemeldete Fotogewerbe die EÜR (= Einnahmenüberschussrechnung) einreichen, außer wenn der Gewinn des Geschäftsjahres unter 17.500 Euro liegt. Der große Vorteil der geschilderten Registrierung liegt darin, dass die Aufwendungen für die eingangs genannten Foto-Utensilien, benötigte Software oder andere Kosten abgesetzt werden können. Dabei ist allerdings entscheidend, dass diese vom Hobbyfotografen benötigt werden, um seine Tätigkeit durchzuführen.

Kamera

© Tomasz Zajda/Fotolia

Noch ein weiterer Hinweis zur Gewerbeanmeldung: Der in München sitzende Bundesfinanzhof (BFH) hat bereits 1998 entschieden, dass ein Fotograf sich in jedem Falle registrieren muss, wenn seine Bilder hauptsächlich den Wünschen seiner Auftraggeber dienen. Dies bedeutet, dass sie weniger künstlerischen, sondern zum Beispiel werblichen Charakter haben. So kann ein Freizeitknipser beispielsweise beauftragt werden, die Eröffnung eines lokalen Möbelhauses festzuhalten, woraufhin die Bilder im Katalog oder der Kundenzeitschrift abgedruckt werden. Der werbliche Charakter ist in diesem Fall gegeben, da das Möbelhaus den Hobbyfotografen beauftragt, um das Interesse der Zielgruppe zu steigern.

Ohne Gewerberegistrierung knipsen: Freiberufler

Eine Möglichkeit, um ohne Gewerberegistrierung als Hobbyfotograf zu arbeiten, ist die Eintragung als Freiberufler. Dazu zählen bestimmte Berufe, die nicht gewerblich orientiert sind. Diese sind in Paragraf 18 des EStG (= Einkommenssteuergesetzes) aufgeführt. Offiziell im Gesetzestext erwähnte Beispiele dieser Berufe sind

  • Ärzte aller Art,
  • Rechtsanwälte,
  • vereidigte Buchprüfer,
  • Journalisten,
  • Lotsen
und viele weitere Berufe, denen eine "selbstständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit" zu Eigen ist. Insgesamt geht eine freiberufliche Tätigkeit dann eher in die künstlerische Richtung. Die Einstufung in diese Tätigkeit muss jedoch durch das Finanzamt getroffen werden. Daher sollte sich ein Hobbyfotograf bei Interesse an dieser Kategorisierung in jedem Fall an seinen zuständigen Bearbeiter wenden.

Rechnungsstellung

Eine wichtige Frage bei der Rechnungsstellung im Falle der gewerblichen Anmeldung ist die der Mehrwertsteuer. Wenn der Hobbyfotograf im gewerblichen Sinne die verminderte Besteuerung von 7 Prozent wählt, kann das Finanzamt jedoch Nachforderungen hinsichtlich der Steuer stellen. Doch wenn er andererseits den regulären Steuersatz von 19 Prozent integriert, kann es ebenfalls zu Problemen kommen.

In gewissen Fällen erlaubt der Fiskus nämlich nur Vorsteuerabzüge auf dem Level von 7 Prozent. Die Bilder sind dabei jedoch in jedem Falle durch das Urheberrecht geschützt. Es spielt keine Rolle ob es sich um eher künstlerisch orientierte oder nicht-schöpferische Bilder handelt. Eine Lösung wäre die Mischung beider Mehrwertbesteuerungen. Diese wird jedoch in der Regel durch die Finanzbehörden nicht gewährt. Ansonsten wäre eine Berechnung der Fotohonorare mit 7 Prozent und alle anderen Leistungen mit 19 Prozent Mehrwertsteuer sinnvoll. Im Endeffekt ist es am besten, die Risiken individuell abzuwägen und sich bei der zuständigen Finanzbehörde zu erkundigen.

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