Elefantengedächtnis Internet

Spuren im Netz

Die Homepage bei Xing, das Profil bei StudiVZ, die Fotos bei Flickr - per Internet lässt sich vieles über Sie herausfinden. Dass dabei auch Fotos von der Party, der sprachlich rustikalere Beitrag zur Diskussion und andere Sündenfälle erscheinen, ist oftmals weniger schön.

  1. Spuren im Netz
  2. Teil 2: Spuren im Netz
Anonym surfen und downloaden

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Anonym surfen und downloaden

Unglaublich wie praktisch so eine Suchmaschine ist: Auf Kommando spuckt sie die nächste Bahnverbindung genauso aus wie das Kinoprogramm, findet günstige Fernseher und traumhafte Urlaubsreisen. Und fragt man sie, was sie über den Bewerber für die ausgeschriebene Stelle, den frisch zugezogenen Nachbarn oder das neue Vereinsmitglied weiß, dann fördert sie ebenfalls so einiges zutage.

Nicht alles was da steht ist wahr und vieles ist irrelevant, weil nur von einem Namensvetter der gesuchten Person die Rede ist. Doch geht es um den guten Ruf, dann gilt bekanntlich, dass immer etwas hängen bleibt - und seien es nur Gerüchte oder Zweifel. Wie Sie solchen Ärgernissen vorbeugen und sich selbst aktiv online vermarkten, was die neuen Personensuchmaschinen wie Yasni und myON-ID leisten und ob sich die Dienste kommerzieller Daten-Detektive lohnen, darum geht es in diesem Artikel.

Auskunftsfreudiges Netz

Wie einfach man per Internet an Infos über Mitmenschen gelangt, zeigt eine einfache Anfrage bei Google. Hier gibt man Vorname, Nachname und ggf. noch den Wohn und/oder Arbeitsort ein und schon erscheinen aufschlussreiche Details zu Personen mit dem gesuchten Namen auf dem Bildschirm. Verfeinern lässt sich die Trefferliste noch, indem Sie Vor- und Nachname mit Anführungszeichen umschließen. Dann liefert Google nur solche Seiten zurück, die genau "Max Mustermann" enthalten, und nicht etwa "Max Meier" am Anfang und "Susi Mustermann" am Ende des Textes.

Noch leichter fällt die Recherche, wenn Sie eine der neuen Personen-Suchmaschinen verwenden. Sie erleichtern die Arbeit derart, dass jedermann sich nach Bedarf über seine Mitmenschen informieren kann.

Ob diese Dienste nun wie in den USA Spock, Zoominfo, Upscoop und Maltego oder - wie hierzulande - Yasni und myON-ID heißen, die Funktionsweise ist im Wesentlichen dieselbe. Nach Eingabe eines Namens fördern sie Treffer zutage, die sie aus unterschiedlichen Quellen beziehen. Fast immer gehört Googles Websuche dazu, die beispielsweise die Adresse des persönlichen Blogs, den Eintrag auf der "Unser Team"-Seite des Arbeitgebers und Foren-Beiträge liefert. Aber auch die auf Seiten wie Xing, MySpace und Facebook hinterlegten Profile, Flickr-Fotos und YouTube-Videos und sogar der Amazon-Wunschzettel können dazuzählen.

Elefantengedächtnis - ReputationDefender

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ReputationDefender überwacht das Netz auf Infos zu Ihrer Person und hilft bei deren Beseitigung.

Yasni versucht sich mithilfe von Googles Bildersuche an der Einblendung passender Aufnahmen. Und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch der in ein Satelliten-Foto eingezeichnete Wohnort des Gesuchten erscheint und die Suche nach Eingabe einer Telefonnummer die gewünschte Person zurückliefert - inklusive allen Details.

Geister, die ich rief

Weil verbesserte Suchfunktionen immer mehr finden und weil die neuen Suchdienste die Ergebnisse clever verknüpfen, ist der einzelne Mensch transparenter denn je. Bereits angesichts dieses Umstands mag der ein oder andere schaudern. Richtig unangenehm wird es aber, wenn Google, Yasni & Co längst vergessene Peinlichkeiten und Fehltritte an den Tag fördern, unter denen die Reputation leidet. Eine hitzig geführte Stammtisch-Diskussion ist schon am nächsten Morgen kaum zu rekapitulieren. Im Web-Forum ausgetragen, bleibt sie auf Jahre hinaus für jedermann zugänglich - auch für den nächsten Chef, die Bank, die das Traumhaus finanzieren soll oder die neue Freundin.

Natürlich gibt es Fälle, in denen der Ruf leidet, weil Dritte aktiv Rufmord betreiben. Fälle, in denen der Ex-Freund seine Verflossene auf einer eigens eingerichteten Website verhöhnt oder ein enttäuschter Geschäftspartner in Web-Foren böswillige Gerüchte verbreitet, werden in diesem Zusammenhang oft zitiert - die Regel sind sie nicht.

Zurückhaltung angebracht

Meistens haben die Betroffenen die ehrenrührigen Inhalte selbst ins Netz gestellt. Ohne den viel gerühmten User Generated Content (von Benutzern generierte Inhalte) wären die meisten Web-2.0-Sites zwar keinen Mausklick wert. Doch was im Vertrauen auf die vermeintliche Anonymität des Netzes gebloggt und veröffentlicht wird, verdirbt seinem Herrn immer öfter die Reputation.

Martin Rost vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig Holstein beschreibt dieses gravierende Problem gegenüber dem Magazin BrandEins so: "Wir haben durch Erziehung und Erfahrung gelernt, mit Angehörigen in der Familie, mit Nachbarn, Bekannten, Freunden, Kollegen, Vorgesetzten oder mit Passanten auf der Straße unterschiedlich vertraut umzugehen. Im Netz aber, wo wir nicht mehr wissen, mit wem wir es überhaupt zu tun haben, ob der andere tatsächlich derjenige ist, für den er sich ausgibt, sind viele so offen, wie bei einem Gespräch im engsten Familienkreis". Und der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, beklagt sich mit den Worten "Sie werden sich eines Tages dafür verfluchen, was sie alles von sich preisgegeben haben" über die Unbedarftheit, mit der viele Nutzer Persönliches im Netz von sich preisgeben.

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