Retro-Gaming

Spiele-Klassiker am PC mit MAME

Mit dem Emulator MAME ist es möglich, echte Spiele-Klassiker aus der Spielhalle am PC zu zocken - Klassiker wie Pac-Man, Asteroids, Space Invaders, aber auch neuere Games wie Out Run, Arcanoid oder Street Fighter. Das alles mit Original-Grafik- und Original-Sound von damals. Wir erläutern, wie das funktioniert.

  1. Spiele-Klassiker am PC mit MAME
  2. MAME in der Kommandozeile
  3. MAMEUI und clrmamepro
Pac-Man ist einer der Klassiker, die MAME emuliert

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Pac-Man ist einer der Klassiker, die MAME emuliert

Die Wii hat es vorgemacht: Es sind nicht immer nur Grafik und Sound, die ein Spiel zu einem Hit machen, oft ist es das einfache, aber doch packende Spielprinzip. Das Ganze auch oft ohne eine komplizierte Rahmenhandlung oder aufwendiges Auswendiglernen von Steuerungsbefehlen - einfach nur starten und loslegen.

Dragon's Lair von 1983 lieferte dank Bildplatte TV-Qualität

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Dragon's Lair von 1983 arbeitete mit einer Bildplatte, heute gibt es das Spiel z.B. als iPhone-App oder interaktive Blu-ray zu kaufen.

Genau das war auch die Philosophie der ersten Spielhallenautomaten - auch wenn es hier wohl in erster Linie an den technischen Beschränkungen damaliger Hardware lag. Vor allem ging es aber auch darum, Zuseher sofort dazu zu bringen, auch mal eine Münze einzuwerfen und ein Spielchen zu wagen - mit dem einfachen Ziel, entweder die Nummer 1 in der Highscore-Liste zu werden oder das höchste Level zu erreichen. Spätere Automaten faszinierten auch durch ihre Technik: Das Geschicklichkeitsspiel "Dragon's Lair" (http://en.wikipedia.org/wiki/Dragon%27s_Lair; Video) von 1983 präsentierte sich nicht wie die Konkurrenz in grober Pixelgrafik, sondern in echter Fernseh-Qualität dank eines eingebauten Bildplattenspielers, der im richtigen Moment einen passenden Zeichentrickschnippsel abspielte. Und das Autorennen "Out Run" von 1986 (http://de.wikipedia.org/wiki/Out_Run; Video) bot durch hydraulische Mechanik und Force-Feedback ein nie zuvor dagewesenes Fahrgefühl.

Während Mitte der 80er in Deutschland die Automaten für Kinder und Jugendliche unzugänglich gemacht werden mussten, sorgte der fortwährende Einzug hochqualitativer Spielekonsolen in die Wohnzimmer in der 90ern für abnehmendes Interesse an Automatenspiele. Was jedoch bis heute geblieben ist, ist für viele die Erinnerung an die guten alten Spiele von damals, als man selbst noch Kind war und ohne die Sorgen von heute in die digitale Pixelwelt abtauchte. Ein Grund vielleicht auch, warum die Virtual-Console-Downloads der Wii sowie Neuauflagen der alten Spiele so erfolgreich sind. Aber: Neu ist nicht original.

Zurück in die Zukunft

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"Neuere" Spiele wie Daytona USA, die 3D-Grafik einsetzen, laufen mit MAME noch nicht besonders gut.

Der Multiple Arcade Machine Emulator, kurz MAME (bzw. M.A.M.E.) von http://mamedev.org hat sich zur Aufgabe gemacht, diese alten Spielautomaten zu emulieren - und das täuschend echt. Zielsetzung dabei ist nicht unbedingt, dass das Spiel 100% perfekt läuft, sondern dass die Hardware des Spielautomaten zu 100% perfekt emuliert wird - und dadurch infolge die Spiele fehlerfrei funktionieren. Das bedeutet: Wer auf einem heutigen Quad-Core-System ein Autorennen wie "Daytona USA" von 1993 (http://en.wikipedia.org/wiki/Daytona_USA_%28arcade_game%29; Video) mit MAME startet, wird ruckelnde und fehlerhaft dargestellte 3D-Grafik bekommen, da versucht wird, die 3D-Berechnungsroutinen der Original-Hardware zu emulieren und nicht die Hardwarebeschleunigung der Grafikkarte zu verwenden. In diesem Fall müsste Sie dann eher zu Alternativen wie dem "Model 2 Emulator" von http://nebula.emulatronia.com greifen. Trotz der Nähe zum Original-Automaten ist es Ihnen nicht erlaubt, MAME z.B. als "Ersatz" für einen defekten Original-Automaten zu verwenden - die MAME-Lizenz verbietet strikt den Einsatz von MAME z.B. in einem selbstgebauten Automatengehäuse zu kommerziellen Zwecken - selbst wenn Sie für das Spielen kein Geld nehmen sollten.

MAME beschränkt sich tatsächlich "nur" auf die Emulation von Automaten - auch wenn z.B. der bereits genannte Automat "Out Run" ebenso wie die Commodore-Amiga-Heimcomputer einen Motorola 68000-Prozessor einsetzt (wenn auch in doppelter Ausführung und mit 12,5 statt 8 MHz Taktfrequenz). Für die Emulation anderer Systeme gibt es das "Schwesterprojekt" Multiple Emulator Super System, kurz MESS (www.mess.org). Besonders für die Emulation alter Systeme ist MESS die erste Wahl, ansonsten sollte man besser zu spezialisierten Emulatoren greifen.

Die erste Version von MAME, Version 0.1, wurde 1997 von Nicola Salmoria entwickelt und unterstützte 5 Automaten, bei Version 0.139 von Juli 2010 sind es bereits fast 9000 ROM-Sets und damit über 4000 Automaten. MAME wird standardmäßig im Sourcecode ausgeliefert. Dieser etwas "puristische" Ansatz hat einen eindeutigen Vorteil: MAME funktioniert nicht nur unter Windows, sondern kann auch unter Linux oder MacOS genutzt werden. Mehr noch: Es gibt im Homebrew-Bereich auch Portierungen für iPhones (gejailbreaked), Windows Mobile, Nintendo DS, die Wii und viele andere Plattformen - wenn auch nicht immer mit dem vollen Funktionsumfang der "Desktop"-Version.

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Auf der Homepage von MAME gibt es u.a. auch Links zu lizenzfreien ROMs.

Windows-User haben es auf dem ersten Blick am einfachsten: Auf der MAME-Seite selbst wird eine Windows-Binärdatei angeboten. Dabei handelt es sich immer um die letzte "Release"-Version - von den Zwischenversionen gibt es bisher immer nur den Sourcecode. Leider handelt es sich bei der angebotenen Binärversion lediglich um eine Kommandozeilenvariante. Diese ist jedoch besonders schlank und erlaubt dank entsprechender Kommandozeilen-Optionen das Anzeigen vieler wichtiger Informationen und das Einstellen zahlreicher Parameter. Zudem ist diese Version die erste Wahl, wenn Sie z.B. eine grafische Oberfläche zur Auswahl der Spiele verwenden - entsprechende Erweiterungen gibt es z.B. für das Windows Media Center oder XBMC. Haben Sie das gewünschte Spiel ausgesucht, kann die GUI nämlich den Spielenamen mit den entsprechenden Parametern an die Kommandozeilenversion weitergeben. Von MAME gibt es auch eine Variante mit grafischer Oberfläche namens MAMEUI, dazu aber später mehr.

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