Ratgeber

Spiegelreflexsucher

Die Sucher der Spiegelreflexkameras zeigen deutliche Unterschiede, denn Größe und Helligkeit der Sucherbilder schwanken sichtbar von Modell zu Modell.

  1. Spiegelreflexsucher
  2. Elektronische Sucher
Aufmacher

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Aufmacher

Immer mehr digitale Kompaktkameras ohne Sucher kommen auf den Markt. Da muss der Monitor zur Motivsuche genügen. Zugleich taugen die wenigen noch eingebauten Sucher meist kaum etwas: Das Sucherbild ist winzig und der Bildausschnitt häufig deutlich zu klein. Bei digitalen Spiegelreflexkameras verzichtet - noch - kein Hersteller auf den Sucher. Allerdings leisten die SLR-Sucher auch deutlich mehr als ihre Namensvettern in den Kompakten. Bei SLR-Kameras sitzt vor dem Sensor ein Spiegel, der das Licht vom Objektiv nach oben in den Sucher lenkt. So schaut der Fotograf beim Fotografieren durch das Objektiv und sieht exakt den Bildausschnitt, den auch der Sensor festhalten wird. Erst beim Auslösen - also Sekundenbruchteile vor der Aufnahme - klappt der Spiegel hoch, gibt den Strahlengang zum Sensor frei, und das Licht fällt vom Motiv durchs Objektiv auf den CCD- oder CMOS-Sensor. Zunächst bildet also das Objektiv das Motiv über den Spiegel in den Sucher ab und dann auf den Sensor - was zugleich den Namen "(einäugige) Spiegelreflexkamera" erklärt, abgekürzt SLR.

Der "Trick" mit dem Spiegel führt allerdings dazu, dass das Bild im Sucher zunächst seitenverkehrt erscheint. Die Suchersysteme für einäugige Spiegelreflexkameras kehren es deswegen wieder um und sollen zugleich ein möglichst großes, helles und genaues Bild liefern.

Querschnitt/Spiegel

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Ein Spiegel lenkt hier das Licht vom Objektiv in ein Pentaprisma aus Glas, das sich im Schnittbild sichtbar von einem Spiegelprisma unterscheidet.

Pentaprisma oder Pentaspiegel Die meisten Kamerahersteller verwenden als Sucher ein spezielles Pentaprisma mit Mattscheibe und Okular: Das Pentaprisma dreht das Bild und wirft es auf die Mattscheibe, auf der es der Fotograf durch das Sucher-Okular betrachtet. Vor allem zur Verringerung der Kosten ersetzen die Kamerahersteller das Glasprisma jedoch bei einigen Modellen - häufig Einsteigerkameras - durch Spiegel. Im Vergleich zu den ersten Pentaspiegeln sind die aktuellen inzwischen sehr gut geworden. Einige Hersteller gießen sie mit hoher Präzision als einzelnes Teil. Zudem ist die Spiegellösung deutlich leichter als ein Prisma. Trotzdem bleiben einige prinzipbedingte Nachteile bestehen. So ist der Lichtverlust in einem Pentaspiegel oft viel höher als in einem Sucher mit Pentaprisma: Der Lichtverlust ist am Übergang von Luft zu den Spiegeln innerhalb des Pentaspiegels größer als der in einem Pentaprisma. Gerade wenn man bedenkt, dass es sich um mehrere Spiegeloberflächen handelt, ergibt sich ein wahrnehmbarer Unterschied.

Ein weiterer Ansatz für Spiegelreflexsucher ist die Porroprisma-Lösung, die vor allem bei Olympus und in einigen älteren Minolta-Kameras Verwendung findet: Das einzelne große Pentaprisma ersetzen die Hersteller durch kleinere Prismen oder einzelne Spiegel, damit bietet der Porroprisma-Sucher vor allem mehr Flexibilität bei der Konstruktion und ermöglicht so eine teils kleinere Bauweise und ein freieres Kameradesign. Nachteilig ist die größere Anzahl an optischen Elementen, die den Konstruktionsaufwand erhöht. Hinzu kommt, dass die bisherigen Sucher dieser Bauart meist dunkler als die klassischen Pentaprisma-Konstruktionen sind.

Dach-Pentaprisma

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Der Lichtstrahl wird an verspiegelten Oberflächen des Pentaprismas im Sucher reflektiert, durch eine spezielle "Dach" Sektion (blau) korrigiert es den Einfluss des Kameraspiegels und liefert damit ein seitenrichtiges Bild.

Vergrößerung Das in der Praxis erst einmal wichtigste Kriterium stellt sicher die Vergrößerung dar. Üblicherweise gilt die Größenwahrnehmung des Auges als Maßstab: Ein Faktor von 1x bedeutet, dass ein Objekt durch den Sucher betrachtet, genau so groß aussieht, wie man es mit dem Auge sehen würde. Dabei geht man von einem auf unendlich fokussierten 50-mm-Objektiv aus. Bei den meisten Kameras beträgt die Vergrößerung jedoch nicht 1, sondern nur 0,6x bis 0,9x: Bei großen Zahlen wirkt das Bild größer, bei kleinen entsprechend kleiner.

Im Fall der digitalen Spiegelreflexkameras kommt ein weiterer Punkt hinzu: Da die Sensoren der meisten Modelle kleiner als die 24 x 36 mm des klassischen Kleinbilddias sind, stammt auch das Sucherbild von einer entsprechend kleineren Fläche. Der effektive Bildwinkel des von den Herstellern weiterhin als Bezug gewählten 50-mm-Objektivs ist an der digitalen Kamera mit kleinem Sensor deutlich kleiner als bei einer digitalen Kamera mit Vollformatsensor. An der Digitalen mit kleinem Sensor liefert - je nach Modell - ein 25-mm-, 30-mm- oder 35-mm-Objektiv den Bildwinkel, den vorher das 50er erzeugte. Der von den Firmen entsprechend dem 50er-Standard angegebene Vergrößerungsfaktor führt damit in die Irre und ist nicht mehr direkt vergleichbar: Bei derselben nominalen Vergrößerung liefert eine Kamera mit APS-C-Format-großem Sensor ein kleineres Sucherbild als ein Modell mit Vollformatsensor. Selbst wenn man davon ausgeht, dass bei einer Vollformat-SLR die Vergrößerung bei zum Beispiel 0,7x (Canon EOS 1 Ds II) liegt und bei einer Kamera mit APS-C Sensor bei 0,9x (EOS 30D), dann ist das Sucherbild der 1Ds II immer noch größer und sehr wahrscheinlich auch heller. Zum Umrechnen teilen Sie den Vergrößerungsfaktor der EOS 30D durch den Umrechnungsfaktor für die Brennweiten und erhalten 0,9/1,6 = 0,56 als vergleichbaren Vergrößerungsfaktor - vorausgesetzt beide Sucher zeigen ein 100%-Bild.

Gesichtsfeld/Sucherbild-Abdeckung Bei dem Gesichtsfeld, auch Sucherbild-Abdeckung genannt, geht es um die Größe des Bildfelds. Nur wenige Sucher zeigen exakt das gesamte Motiv, also 100%. Die meisten beschneiden das Bild ein wenig an den Rändern und erreichen häufig Werte um die 95%. Um die Verwirrung komplett zu machen, wird meist in den Datenblättern auch nicht klar angegeben, ob sich der Prozentwert auf die Fläche oder auf die Kantenlänge des Bilds bezieht. In jedem Fall zeigt das Sucherbild, außer bei Profikameras, aber weniger als später aufgenommen wird. Zum einen braucht ein 100%-Bildfeld noch größere Prismen, was zu mehr Gewicht führt und aus Platzgründen eventuell einen geringeren Vergrößerungsfaktor nach sich zieht. Zum anderen muss der 100%-Sucher deutlich präziser arbeiten: Bei 100% genau den Bildausschnitt zu treffen ist schwieriger als 95% "irgendwo" aus dem Bild zu nehmen.

Pentaprisma

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Abstand zur Austrittspupille (1), Vergrößerung (2) und Abdeckung (3).

Austrittspupille Der oft als "Austrittspupille" angegebene Wert, bezeichnet eigentlich deren Abstand vom Suchersystem. Ein größerer Wert bedeutet, dass man weiter von der Kamera entfernt sein kann und trotzdem noch das ganze Sucherbild sieht, was gerade für Brillenträger wichtig ist. Ein gern genutzter Marketingbegriff, der dasselbe beschreibt ist "High-Eye-Point". Der Vergrößerung ist das natürlich nicht immer zuträglich, da der Sucher nicht unendlich tief gebaut werden kann.

Mattscheibe Ein weiterer oft übersehener Aspekt ist die Mattscheibe. Auf ihr betrachtet und bewertet der Fotograf sein Bild, doch wegen der Beliebtheit des Autofokus wird sie bei der Kaufentscheidung gerne vernachlässigt. Wer aber öfters manuell fokussieren möchte, braucht eine geeignete Mattscheibe. Dabei sind nicht nur, wie häufig angenommen, die Helligkeit und der Kontrast wichtig, sondern auch die Oberflächenbeschaffenheit. Zudem können Zusätze wie ein Split Screen das manuelle Fokussieren stark erleichtern. Solche Mattscheiben lassen sich für fast alle aktuellen digitalen Spiegelreflexkameras von Fremdherstellern beziehen.

Download: Tabelle

Effektive Sucherbildgröße Man kann nicht alles haben. Ein leichter, kompakter Sucher zu einem günstigen Preis und ein optimales Sucherbild - hell, groß, 100% und aus größerer Distanz gut einsehbar - das geht nicht zusammen. Den perfekten Sucher mit starker Vergrößerung, großem Bildfeld zu einem geringen Preis wird es sicherlich nicht geben, die Lösung bleibt immer ein Kompromiss zwischen den genannten Faktoren.

Damit Sie die verschiedenen Sucher besser vergleichen können, erweitert ColorFoto die Ausstattungstabelle der SLR-Kameras um einen neuen Punkt: die effektive Sucherbildgröße. Hierbei berücksichtigen wir die Suchervergrößerung, den Brennweitenfaktor und das Gesichtsfeld. Unser neuer Wert gibt einen wesentlich besseren Anhaltspunkt zur Sucherqualität als die von den Herstellern angegebene Suchervergrößerung. Kleine Unsicherheiten bleiben jedoch bestehen, da, wie oben erläutert, nicht immer klar ist, ob ein Gesichtsfeld von 95% linear oder in der Fläche gerechnet ist.

Die effektive Sucherbildgröße berechnet sich wie folgt: angegebene Vergrößerung/Brennweitenfaktor x Gesichtsfeld/100. Zum Vergleich drucken wir weiterhin auch die vom Hersteller genannte Suchervergrößerung ab.

Strahlengang in der Kamera

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Bei diesem Porrosucher von Olympus wird das Licht nach der Mattscheibe durch mehrere Spiegel dem eigentlichen Sucher zugeführt.

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