Ratgeber: "TV-Kalibration"

So holen Sie das beste aus Ihrem TV-Bild heraus

Ein perfektes Bild ist den Käufern von TV-Geräten immens wichtig. Sie bekommen es jedoch niemals, wenn sie den Fernseher nur auspacken und aufstellen. Das Spektrum der Optimierungen reicht von der Sichtkontrolle bis zur professionellen Kalibration.

  1. So holen Sie das beste aus Ihrem TV-Bild heraus
  2. Optimale Einstellungen
TV-Bild-Einstellung

© Josef Bleier, Stefan Rudncik

So holen Sie das beste aus Ihrem TV-Bild heraus

Die Werkseinstellungen von TV-Geräten sind ein ewiger Streitpunkt zwischen Herstellern, Testern, Händlern und Kunden. Den Markenherstellern geht es nämlich nicht um eine normgetreue, angenehme Performance im Wohnzimmer, sondern um einen bestmöglichen Auftritt in den Verkaufsregalen. Und dort herrschen andere Regeln als zu Hause - schon weil die Beleuchtung deutlich greller und kälter ist und der Blickwinkel größer sein muss. "Wer am lautesten schreit, bekommt den Zuschlag", scheint die These zu sein, nach der TV-Geräte im Handel kunterbunt und überschärft mit maximal aufgerissenem Kontrast stehen.

Eine Frage des Standorts

Zum Glück fragt jeder gute Händler mittlerweile bei der Erstinstallation, ob der TV im Wohnzimmer oder im Geschäft stehen soll, und gleicht alle Einstellungen auf akzeptable Werte ab. Die Shop-Presets ("dynamisch") erscheinen hingegen überzogener denn je.

In der Regel bilden die Voreinstellungen fürs Wohnzimmer den Durchschnittsgeschmack für übliche TV-Kost ab: Das Bild ist leicht kühl, Rauschen in dunklen Partien wird geschwärzt, und der Kontrast ist so hoch, dass eine Automatik ein Überstrahlen vermeiden, die Schärfe etwas erhöhen und versuchen muss, das Quellsignal zu reinigen und aufzupolieren. Mit der Auswahl "daheim" als Aufstellungsort werden die meisten TV-Nutzer zufrieden sein und sie bekommen auch ein recht ordentliches Bild - jedenfalls verglichen mit den Werkseinstellungen von vor ein paar Jahren.

TV-Programm und Filme mit klaren Normen

Doch es geht mehr. TV-Sendungen und Blu-ray-Filme werden nicht ohne Grund nach klaren Regeln erstellt: Normen, die peinlich genau Farbräume, Gammakurven, Farbtemperaturen und Kontrastverhältnisse definieren. Wohl nicht zuletzt aufklärende und kritische Berichte in Testmagazinen haben dazu geführt, dass fast alle Hersteller den richtigen Weg eingeschlagen und einen Filmmodus, auch "Kino", "Movie", oder "Cinema" genannt, eingeführt haben. Meistens reicht die einfache Auswahl dieser Voreinstellungen, um eine Bildqualität zu bekommen, die schön nah an den geforderten Normen liegt.

Auf den ersten Blick wirkt das Bild jetzt wärmer und nicht so spektakulär, nach längerem TV-Genuss wandelt sich dieser Eindruck jedoch in "angenehmer", "natürlicher" und "ehrlicher". Je nach Quellmaterial darf der TV-Konsument gern noch mit Bildverbesserern spielen, denn das Kinobild ist auch die Norm für die TV-Ausstrahlungen - und ein verrauschtes, blockiges oder zu fahles Bild kann angepasst werden.

Bei einer guten Blu-ray sollten sich solche Fehler im Rahmen halten. Sie sollte einen Bildcharakter als Intention des Regisseurs übermitteln, und das bei möglichst neutraler, normgerechter Einstellung des TVs.

Eine Voreinstellung im TV-Gerät kann jedoch niemals wirklich optimal sein, da sie wichtige Parameter übersieht oder gar nicht kennt. Etwa die Serienstreuung des Geräts: Kein Hersteller hat bei der Massenfertigung Zeit für einen perfekten Endabgleich. Für den muss das Gerät eine halbe Stunde laufen, um auf Betriebstemperatur zu kommen - ein Unding beim Durchsatz moderner Produktionsstraßen.

Serienstreuung sorgt für Abweichungen

Die Serienstreuung aller Bauteile summiert sich im TV-Gerät, was zu nennenswerten Abweichungen in den optimalen Einstellungen führen kann. Manchmal wird sogar die Panel-Reihe während der TV-Serienproduktion gewechselt, wobei die Werkseinstellungen hoffentlich angepasst werden. Bei unseren Tests mehrerer TVs aus derselben Serie zeigen sich jedenfalls immer andere optimale Einstellungen, die wir während der Kalibration ermitteln. Und niemals sind die Mittelstellungen aller Regler so neutral und normgerecht, wie man es erwarten würde.

Nicht zu unterschätzen ist auch die Alterung der TV-Geräte. Farbkurven und Ansprech-Empfindlichkeit von Panels ändern sich alle paar hundert Betriebsstunden, und die Hersteller gleichen das intern aus. Will man alles perfekt haben, darf jedes Jahr nachkalibriert werden.

Werksvoreinstellungen berücksichtigen zudem weder Zuspielgeräte noch die Bedingungen im Wohnzimmer. So sind die für Helligkeit, Kontrast und Farbstärke verantwortlichen Videopegel und der Frequenzgang, der die Schärfe beeinflusst, oft in Playern manipuliert.

Zusätzlich ändert die Lichtsituation im Raum die Bildbedingungen. Im zu hellen Raum darf beispielsweise die Helligkeit des TVs höher sein, um dunkle Bildinhalte noch differenzieren zu können. Und entgegen der eigentlichen Norm empfehlen wir sogar, die Farbtemperatur an das Licht im Raum anzupassen.

Dominiert die Lichtenergie des TV-Geräts das Auge, gleicht es sein Farbempfinden mit den Bildinhalten ab. Hier ist die normierte Farbtemparatur von 6.500 Kelvin perfekt. Steht der TV jedoch vor einer großflächigen, kalt beleuchteten Wand, nimmt das Auge an ihr seinen Weißabgleich vor. Die Folge: Der TV wirkt deutlich zu warm. Ein perfektes TV-Bild benötigt also auch eine adäquate Umgebung.

Drei Dinge braucht man für ein besseres Bild

Um die Einstellungen abzugleichen, sind drei Dinge erforderlich:

  • Zunächst bedarf es der richtigen Quelle, Testbilder in Referenzqualität, die sicherstellen, dass die Pegel und Bits, mit denen man abgleicht, absolut korrekt sind.
  • Dann braucht man ein Messinstrument, jedoch nicht für jeden Parameter ein teures Farbspektrometer. Bei geschickter Wahl der Testbilder kommt man mit dem Auge und einer Filterfolie schon ganz schön weit.
  • Drittens muss die richtige Software vorhanden sein, also entweder das zum Messgerät passende Kalibrationsprogramm oder im Falle von simplen Testbildern etwas Erfahrung und das Wissen, worauf zu achten ist.

So kann der TV-Fan mit einem Blick fürs Wesentliche mit einer Test- Blu-ray oder -DVD schon viel justieren. Hier lassen sich Helligkeit, Kontrast und Schärfe (nur Blu-ray) sehr ordentlich kalibrieren. Liegt ein Farbfilter bei, kommen Farbe und Farbton hinzu. Die richtige Farbtemperatur kann man nur im Vergleich mit dem Hintergrundlicht abschätzen. Das Auge arbeitet farblich nur relativ und besitzt einen weitgehenden Weißabgleich.

Für die perfekte Farbkalibration benötigt man ein Mess-Instrument. Damit lassen sich neben der Farbtemperatur (Zusammensetzung von Weiß aus den Grundfarben Rot, Grün und Blau) auch der Farbraum (Sättigungsgrad, Helligkeit und Ausprägung der Grundfarben), die Gammakurve (korrektes Leuchtverhältnis verschiedener Helligkeitsstufen) und die Farbmischung diverser Graustufen nachmessen. Für all das haben die Hersteller ihren Spitzenmodellen Einstellungsoptionen implantiert, mit denen sich ein normgerechtes Bild erzielen lässt.

Das Einstellen aller Parameter dauert im Einzelfall mehrere Stunden

Dabei dringt der professionelle Kalibrator manchmal in fremde Welten des TV-Geräts vor, die man nie zuvor gesehen hat: die Werkmenüs. Um sich in diesen zurechtzufinden, sind neben teuren Messgeräten und Spezial-Software auch diverse Lehrgänge und Zertifizierungen, etwa von der amerikanischen Imaging Science Foundation (isf) nötig.

Diese hat sogar schon einige Hersteller wie LG und Panasonic dazu bewegen können, spezielle Voreinstellungen in die TV-Geräte zu integrieren, für die ein Kalibrator dann perfekt abgeglichene Profile erstellen kann - in der Regel eines für den TV-Genuss am Tag und ein weiteres für abends.

Einsteigerlösung ab 99 Euro

Wer etwas tiefer in die Welt der Kalibration einsteigen möchte, muss keine 2.300 Euro für die Firmenversion von CalMAN plus 25.000 Euro für das beste Farbspektrometer, CS-2000 von Konica Minolta, ausgeben. Schon ab 99 Euro gibt es die Einstiegslösung Spyder4TV HD von Datacolor, mit der selbst Amateure gut zurechtkommen, deren Funktionsumfang jedoch eingeschränkt ist.

Mit 300 Euro ist auch die Privatversion der Profi-Software CalMAN - sogar inklusive Mess-Instrument - ein Schnäppchen. Für die Einstiegsversion wurden die ausufernden Möglichkeiten des Systems jedoch auf einen Rahmen begrenzt, der technisch versierten Fortgeschrittenen reichen sollte, um TV-Geräte zu optimieren. Die Kalibrations-Aspiranten sollten sich mit PCs und dem grundlegenden Ablauf einer Kalibration etwas auskennen, denn die Bedienung von Calman ist nicht gerade intuitiv.

Obwohl sich die Voreinstellungen der TV-Geräte in den letzten Jahren deutlich verbessert haben, muss man für beste Bildergebnisse stets etwas an den Reglern schrauben. Ein paar Euro für eine Testscheibe seien allen ans Herz gelegt, die viel Blu-ray schauen und ein natürliches Bild genießen wollen. Schon für kleinere Gruppen ambitionierter Filmfans lohnen sich ein Messgerät und Kalibrations-Software für den Farbabgleich. Wenn es so perfekt sein muss wie in unserem Labor, muss man für das Equipment tief in die Tasche greifen oder die Dienste eines Kalibrators in Anspruch nehmen. Ein Top-Händler kann das selbst oder vermittelt dabei gerne.