Smartphone & Tablet

So entfernen Sie Bloatware

Schon direkt nach dem Kauf verstopfen unliebsame Apps die Ressourcen unserer Smartphones und Tablets. Wir zeigen Ihnen, wie Sie sich dieser Gängelei entziehen und Ihre App-Sammlung in den Griff bekommen.

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© Hersteller/Archiv

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Kennen Sie das? Sie halten zum ersten Mal das langersehnte neue Smartphone in Händen. Sie packen es aus und booten gespannt - nur um von einer Flut unerwünschter Apps geradezu erschlagen zu werden. Herzlich willkommen zur modernen Plage namens "Bloatware"!

Vom PC aufs Smartphone aufs Tablet

Von Laptops oder Desktop-Computern kannten wir dieses Problem schon: Hersteller geben ihren fabrikneuen Geräten vorinstallierte Programmpakete auf der Festplatte mit, die selten nützlich sind und die der Benutzer oft direkt deinstalliert und durch Alternativen ersetzt. Warum zwingen uns die Hersteller aber dennoch Bloatware auf, obwohl doch ersichtlich ist, wie überflüssig sie ist?

Der Grund dafür ist denkbar einfach: Programme, die als erstes auf einer Plattform installiert sind, nehmen eine Vormachtstellung ein, indem sie zum Beispiel bereits mit einer bestimmten Art von Dateien verknüpft sind. Der Benutzer, der diese durch alternative Apps ersetzen will, muss erst einen gewissen Aufwand betreiben, wie etwa diese Verknüpfungen zu rekonfigurieren.

Die Hersteller hoffen darauf, dass viele Benutzer aus Bequemlichkeit dazu bereit sind und das vorinstallierte Programm weiterhin benutzen. Oft ist Bloatware zudem auch nur als Testversion vorhanden, die nach kurzer Zeit per Kauf freigeschaltet werden muss.

Bevormundung per App

Aus denselben Gründen jubeln Hersteller und Mobilfunkanbieter von Android-Smartphones und -Tablets Ihren Kunden Programme wie firmeneigene App-Stores oder Tarif-Apps unter. Im Gegensatz zum Desktop-Pendant sind sie aber nicht ohne Weiteres deinstallierbar, da sie als System-Apps klassifiziert sind. Aber nicht nur Bloatware ist unter Umständen unerwünscht.

Wenn Sie den vorinstallierten Android-Musikplayer zum Beispiel mit einer besseren Alternative, die mehr Funktionen besitzt, ersetzen wollen, haben Sie unter normalen Umständen keine andere Wahl, als beide Programme gleichzeitig zu nutzen.

Das Schöne daran ist aber: Egal, ob Google-Apps oder überflüssige Bloatware, Sie müssen diese Bevormundung nicht hinnehmen! Im Folgenden stellen wir Ihnen nämlich Programme vor, mit denen Sie die Kontrolle über Ihr Smartphone oder Tablet zurückerlangen und die Geräte ohne Risiko ausmisten können.

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N ach dem "Rooten" lassen sich einzelne Android-Apps blockien und sogar kopieren.

Gemini App Manager macht's möglich

Bevor Sie anfangen können, brauchen Sie Root-Rechte auf Ihrem Gerät. Das funktioniert bei jedem Gerät etwas anders.

Sobald das geschafft ist, installieren Sie den kostenlosen Gemini App Manager vom Google Play Store. Dieses Programm bietet alle Funktionen, um Ihr Android-System nach Ihren Wünschen zu gestalten.

Samsung Galaxy S3 rooten

In der Leiste am unteren Bildschirmrand finden Sie einen einfachen Task-Killer, eine Backup-Funktion sowie die Möglichkeit, Programme auf eine SD-Karte zu verlagern oder diese zurück auf den internen Speicher zu verschieben sowie eine Deinstallier-Funktion. Dort werden Ihnen aber nicht alle Programme angezeigt.

Drücken Sie deshalb zuerst den Menü-Knopf Ihres Geräts und wählen unter Optionen den "Expert Mode" aus. Dieser gibt Ihnen Zugriff auf System-Apps, die Ihnen im Normal Mode verborgen bleiben.

Leider merkt sich der Gemini App Manager diese Einstellung nicht und Sie müssen den Expert Mode bei jedem Programmstart erneut aktivieren. Damit Sie bei der großen Liste von Apps den Überblick behalten, klicken Sie in der rechten unteren Ecke auf "Filter Packages". Damit wählen Sie nur Apps aus, die bestimmte Kriterien erfüllen. Für Bloatware mit System-App-Status filtern Sie mit der Option "Of System".

Wenn Sie den Finger über einer bestimmten App gedrückt halten, erscheint ein Listenmenü mit allen Aktionen, die Ihnen zur Verfügung stehen. Während dieses Prozesses meldet sich außerdem Ihre Superuser-App und fragt nach, ob Sie Gemini Root-Rechte geben wollen; bestätigen Sie die Anfrage.

Die Deinstallation mancher Apps kann jedoch Auswirkungen auf das Betriebssystem haben, wenn andere Apps darauf zugreifen wollen. Manche Systemapps lassen sich zudem nach dem Löschen auch nicht mehr nachinstallieren - da hilft dann nur noch das Rücksetzen auf Werkseinstellungen.Wenn Sie sich also nicht sicher sind, ob Sie eine bestimmte App nicht doch noch benötigen, empfehlen wir stattdessen, vorher die Option "Block ,App' (root)" zu benutzen.

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Cydia, der alternative App-Store für iOS, gibt Ihnen Zugang zu vielen interessanten Apps, die Apple lieber nicht anbietet. Voraussetzung: Jailbreak.

Diese löscht das Programm nicht, sondern friert es nur ein und hindert es somit daran, Systemressourcen zu verbrauchen oder ungefragt automatisch zu starten. Sie finden es nicht einmal mehr in Ihrer Programmliste. Nichtsdestotrotz befindet sich die App aber weiterhin auf dem Gerätespeicher und kann wiederhergestellt werden, falls dadurch Probleme beim Laden von Systemdaten entstehen.

Diese Option ist auch sinnvoll für Apps, die Sie vielleicht nur in bestimmten Situationen verwenden wollen wie zum Beispiel Google Maps. Wenn alles richtig vonstatten geht, sehen Sie ein Vorhängeschloss-Symbol unter der App.

Läuft das System Ihres Geräts auch mit eingefrorener App weiterhin einwandfrei, steht einer sicheren Deinstallation des Programms nichts im Wege.

Spezialfall iOS

Auf den Apple-Plattformen iPad und iPhone sieht die Sache anders aus. Das geschlossene Betriebssystem iOS, das von App-Entwicklern üblicherweise als Behinderung angesehen wird, stellt sich beim Thema Bloatware als förderlich heraus. Während Google auf Open Source gesetzt hat, verfügt Apple im Gegenzug dazu über völlige Befehlsgewalt, was die Ausstattung seiner Geräte angeht: Der Hardware-Gigant erlaubt schlicht und einfach keine vorinstallierte Bloatware im klassischen Sinne.

Auch die Grundausstattung von iPhones und iPads ist relativ schlank, so dass interner Speicher und Arbeitsspeicher der Geräte von Grund auf weniger belastet sind als die der Android-Pendants. So manche Apple-Benutzer wünschen sich dennoch die Möglichkeit, vorinstallierte Apps löschen zu können. Wer aber eine andere Kalender-App oder einen alternativen Musikplayer statt der Standardsoftware von Apple benutzen und jedes Quäntchen Speicher nutzen will, kommt um einen Jailbreak nicht herum.

Jailbreak nur bis iPhone 4S und iPad 3

Dies ist vergleichbar mit dem Root-Prozess unter Android und erlaubt dem Benutzer, auf Systeminhalte zuzugreifen und diese zu verändern. Zudem haben Sie dann Zugriff auf alternative App-Stores, auf die Apple seine restriktiven Maßnahmen eben nicht anwenden kann - einer der größte Anreize, den komplexen Schritt eines Jailbreaks zu unternehmen. Cydia als beliebteste Alternative bietet etwa viele nützliche Apps, die aber den Bedingungen von Apple nicht genügen.

Beispielsweise lassen sich so ältere iPhones als WLAN-Hotspot vewenden, was Apple nur den Modellen 4 und 5 zugesteht. Diese Konkurrenz ist Apple natürlich ein Dorn im Auge und so spielte sich im Laufe der Jahre ein Wettrüsten zwischen dem Hersteller und seinen Hackern ab. Wer ein Gerät mit Jailbreak besitzt und auf eine neue Firmware-Version aufrüsten will, muss seine Einstellungen erst zurücksetzen und den Jailbreak sodann für die nächste iOS-Version erneut durchführen.

Die Veröffentlichungsrate von Jailbreaking-Tools hat in letzter Zeit zudem abgenommen, da es Apple den Hackern immer schwerer macht, seinen Firmware-Code zu knacken. Wer Tools und Anleitungen zum Jailbreaken älterer Versionen benötigt, findet diese auf den Seiten der Entwickler Absinthe und redsn0w .

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StifleStand versteckt Ihre Zeitungskiosk-App in einem Ordner, wenn Sie sie nicht benutzen wollen.

iRessourcen sparen ohne "Jailbreak"

Da sich Hacken von Apple-Geräten nur zum Entfernen von System-Apps kaum lohnt, finden Sie hier einige "Spar-Tipps", die auch ohne Jailbreak Leistung bringen.

  • Verwenden Sie die App "iCleaner", um Cache, Verlauf und temporäre Dateien auf dem Gerät regelmäßig zu löschen.
  • Den Arbeitsspeicher erweitern kann man ohne Jailbreak weder auf iPhones noch auf iPads, da das Dateisystem geschlossen ist. Wenn der Arbeitsspeicher knapp wird, starten Sie das Gerät von Zeit zur Zeit lieber vollständig neu durch langes Drücken auf den Anschalter.
  • Deaktivieren Sie in den Einstellungen Ihre Bluetooth, WLAN-Erreichbarkeit sowie GPS, solange Sie diese nicht benötigen, um Strom zu sparen.
  • Schalten Sie die Push-Mail-Funktionalität aus, um Ihren Akku zu schonen, wenn Sie nicht gerade eine wichtige Nachricht erwarten. Die Option finden Sie unter Einstellungen / Mail / Kontakte / Kalender.
  • Überprüfen Sie auch, welche Programme GPS-Daten anfordern und halten Sie von Haus aus nur diejenigen aktiv, die sie auch benötigen.

Manche unliebsamen Apps, die sich nicht deinstallieren lassen, können Sie zumindest verstecken. Der Zeitungskiosk beziehungsweise Newsstand bleibt immer auf dem Home-Bildschirm sichtbar und lässt sich auch nicht in einen Ordner verschieben.Verstecken kann man es aber mit dem kleinen Programm StifleStand .

Fazit

Android-Benutzer haben Glück im Unglück. Geplagt von unseliger Bloatware, die Smartphones und Tablets die Ressourcen stiehlt, verfügen Sie dennoch über alle Mittel, diese Probleme mit Leichtigkeit aus der Welt zu schaffen. Apple hingegen tut alles, um dem Bastler daheim Sand ins Getriebe zu streuen. Diese destruktive Haltung mag viele davon abhalten, einen Jailbreak durchzuführen. Andererseits sind Apple-Geräte typischerweise längst nicht so schwer von Bloatware betroffen wie die Konkurrenz.

Download: Tabelle

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