Ratgeber

Wenn das Telefon ins Internet geht

Telefonieren dürfte bis heute zu den größten Erfindungen im Bereich Kommunikation zählen - gleich nach dem Buchdruck, noch vor E-Mail und Heimvernetzung. Die neuen Netzwerktechniken machen den Fernsprecher immer komfortabler.

Smart-Telefonie

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Smart-Telefonie

"Wenn ich es Dir doch sage, er ist so..." "Und dann hat er gesagt, dass...". "Egal, der kann mich..." Alexander Graham Bell, der als Miterfinder und erster Produzent marktreifer Telefone gilt, würde sich im Grabe umdrehen, bekäme er so manches Gespräch in den Zeiten drahtloser Telefonanlagen und Festnetz-Flatrates mit.

Das Telefon hat die Gesellschaft seit seiner Einführung in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts wohl stärker verändert als etwa die elektronische Kommunikation in den letzten 15 Jahren.

E-Mail, Online-Shopping oder Nachrichten-Websites beschleunigen und ergänzen schließlich nur Prozesse, die es bereits gab - wie die Briefpost, Versandhauskataloge oder Zeitungen. Mit dem Telefon aber konnten sich Menschen erstmals über Tausende Kilometer hinweg so unterhalten, als ob man sich gegenübersteht. Zusammen mit dem Telegrafen war dies die erste Technik zur weltweiten Vernetzung.

Das Internet hilft beim Telefonieren

Damit sollen Errungenschaften wie das Internet oder die Heimvernetzung keineswegs infrage gestellt werden. Im Gegenteil: Viele Jahrzehnte lang war Telefonieren eine selbstverständliche, immer wieder gleiche Tätigkeit: wählen, verbinden, reden. Mittlerweile haben moderne Datennetze nicht nur die Verbreitung von Texten, Fotos oder Musik revolutioniert, sondern auch das handvermittelte Ortsgespräch abgelöst.

Kaufberatung: So finden Sie den passenden WLAN-Router

Längst telefoniert kaum ein Teilnehmer mehr über analoge Telefondrähte, immer mehr Gespräche werden über Internet-Datenverbindungen abgewickelt. Meist bekommt der Benutzer davon nichts mit, schließlich ertönt weiterhin die Stimme seines Gegenübers im Hörer. Was sich aber zwischen den beiden Endgeräten abspielt, ist oft reine Internet-Technik.

Neue Anschlüsse bei der Telekom oder bei Vodafone werden heute zumindest in Städten meist über die Internet-Telefonie (Voice over IP) betrieben, sofern der Kunde dem nicht explizit widerspricht. Wer seinen Telefonanschluss über einen TV-Kabelnetzbetreiber bucht, der telefoniert stets per IP-Technik.

Immer erreichbar via Skype

Doch man kann auch direkt via Internet telefonieren - ganz ohne speziellen Telefonanschluss, nur mit einem schnellen Online-Zugang. Das beste Beispiel ist Skype. Der Kommunikationsdienst stellt unterschiedliche Direktverbindungen zwischen seinen Benutzern her: per Textnachrichten, Sprache oder gar als Videotelefonat.

In der einfachsten Form über das Skype-Programm am Computer: Darin registriert man sich als Skype-Benutzer und verwaltet sein Kundenkonto. Das Ganze kostet nichts, so lange man von einem Skype-Account aus einen anderen anruft.

Doch Skype bietet auch kostenpflichtige Zusatzdienste wie Anrufbeantworter, eine Rufnummer, um aus dem normalen Telefonnetz erreichbar zu sein, sowie Gespräche mit normalen Telefonanschlüssen. Und man kann auch über andere Geräte wie Smart TVs und spezielle Skype-Telefone unabhängig vom Computer "skypen".

Sogar Smartphones lassen sich mit speziellen Apps zu Skype-Telefonen aufrüsten, die so zumindest innerhalb lokaler WLAN-Netze Gratis-Telefonate via Internet erlauben. Wer den Dienst komplett nutzt, kann fast auf den Telefonanschluss verzichten. Der Vorteil: Via Skype ist man überall unter demselben Benutzernamen oder derselben Telefonnummer erreichbar. Diese Daten bleiben sogar beim Umzug in eine andere Stadt oder ins Ausland bestehen.

Festnetz und Smartphone kombinieren

Doch um das Telefonieren flexibler zu machen, muss es kein kompletter Umstieg auf Internet-Telefonie sein. Auch clevere Telefonanlagen verkürzen die Kommunikationswege, etwa indem sie Festnetz-Telefon und Handy kombinieren. Seit dem Siegeszug der Smartphones, ihrer Vernetzungstalente und Apps gibt es viele Möglichkeiten, um die verschiedenen Systeme zusammenzuführen.

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© Archiv

Mobilfunk-Verträge mit einer sogenannten Homezone bieten ihren Kunden in einem Umkreis von bis zu zwei Kilometern um die eigene Wohnung Festnetzkonditionen - also meist auch beim Italiener um die Ecke.

Warum sollte man zu Hause das Handy und den Festnetz-Apparat im Auge behalten, wenn es einfacher geht? Einige Hersteller bieten Telefone an, die Festnetz- und Mobilfunkgespräche abwickeln. Mobiltelefone werden dabei via Bluetooth mit der Basisstation des heimischen DECT-Telefons verbunden. Das nimmt dann Anrufe per Festnetz und Mobilfunk entgegen, es klingeln aber nur die angeschlossenen Schnurlos-Telefone.

Außerdem kann man bei eigenen Anrufen wählen, ob das Gespräch über das Festnetz oder den Mobilfunkvertrag geführt werden soll. Das ist praktisch, wenn man etwa eine Festnetz-Flatrate im konventionellen Anschluss hat und mit dem Smartphone-Vertrag kostenlos in ein bestimmtes Mobilfunknetz telefoniert. Geräte mit dieser Technik gibt es derzeit von Philips und der Telekom.

Das Smartphone daheim im Dienst

Die Kombination funktioniert aber auch andersherum: Telefonanlagen können Smartphones für Festnetz-Anrufe nutzen. Das beste Beispiel hierfür ist das System der FRITZ!Box-Router des deutschen Anbieters AVM. Einige FRITZ!Box-Modelle sind neben DSL- und WLAN-Router auch DECT-Telefon-Basisstationen.

Diese Telefonanlagen haben einen direkten Draht ins heimische Datennetz und bieten damit praktische Zusatzfunktionen. Zum Beispiel lassen sich iPhones, iPads und Android-Smartphones mithilfe der kostenlosen App FRITZ!Fon als Mobilteile einsetzen: Ist die App aktiv, dann klingelt bei Festnetz-Anrufen auch das Smartphone. Natürlich kann man über die App auch ins Festnetz anrufen.

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© Hersteller/Archiv

Vodafone bindet das Telefon zu Hause auf Wunsch auch via Mobilfunk an. Dafür ist das Telefon-Modem RL 500 notwendig.

Eine solche Funktion bietet auch die Telekom mit der App Home Talk. Voraussetzung: Der Telefonanschluss muss Sprachverbindungen via Internet übertragen. Die entsprechenden Telekom-Tarife heißen Call-&-Surf-IP und Entertain-IP. Die App ist kostenlos für iPhone, iPad und viele Android-Geräte zu haben. Telekom-Kunden können ihren heimischen Telekom-Anschluss mit der App sogar bei Freunden anzapfen, wenn diese auch einen Telekom-IP-Anschluss nutzen.

Ratgeber: Acht Tipps für eine bessere Fritz!Box

Die FRITZ!Box hat noch mehr smarte Funktionen auf Lager. FRITZ!Box-Anrufbeantworter speichern Nachrichten digital auf einem lokalen Speicher. Auf Wunsch verschicken sie diese automatisch per E-Mail. So lassen sich die News etwa im Büro auf dem PC oder unterwegs auf dem Smartphone empfangen und abhören.

Schlauer Handy-Vertrag statt Festnetz?

Wer viel unterwegs ist und in einem Single-Haushalt wohnt, kommt heute sogar ganz ohne Festnetz-Anschluss aus. Als Alternative dazu gibt es schnelle mobile Internet-Zugänge und flexible Sprachtarife bei den Mobilfunk-Unternehmen. O2, Vodafone und T-Mobile bieten sogenannte Homezone-Verträge an. Dazu gehört neben der Handy-Rufnummer eine Festnetznummer, über die der Nutzer zu Hause und im Umkreis von zirka zwei Kilometern um den Wohnort zu Festnetztarifen erreichbar ist und selbst telefonieren kann.

Das Ganze kostet in der Regel etwa fünf Euro Aufpreis pro Monat zum Mobilfunkvertrag - weniger als ein stationärer Telefonanschluss. Für Familien ist das Angebot nicht gedacht, da der Homezone-Tarif und die zugehörige Festnetz-Nummer immer nur einer Handynummer zugeordnet sind. Eine gemeinsame Nutzung für Familien bietet kein Mobilfunk-Unternehmen an.

Ein weiterer Punkt spricht gegen die reine Mobilfunk-Anbindung: Wer zu Hause einen Smart TV, eine Heimsteuerungsanlage oder andere vernetzte Geräte nutzt, benötigt nicht nur ein lokales Netzwerk, sondern auch einen direkten Zugang ins Internet. Den gibt es zwar inzwischen auch beim Mobilfunk - nicht zuletzt über das ultraschnelle LTE-Netz. Doch unkomplizierter und meist auch günstiger ist auf Dauer ein DSL-Zugang. Und auch ein smartes Festnetz-Telefon hat was - zum Beispiel für Dauergespräche unter Freundinnen.

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