Digitale Fotografie - Test & Praxis
Vorteile und Nachteile von Kamera-Arten

SLR oder Systemkamera: Autofokus und Geschwindigkeit

Sony A6500 spiegellose Systemkamera Sucher

© Erich Baier

Der Sucher der Sony A6500 stellt dem Nutzer mehr Informationen zum Bild zur Verfügung.

Zweiter zentraler Unterschied sind die AF-Systeme. Spiegelreflexkameras greifen im Sucherbetrieb in der Regel auf ein vom Aufnahmesensor unabhängiges Phasen-AF-Modul zu. Ein Schwingspiegel im Strahlengang versorgt das AF-Modul mit Licht, bis der Spiegel hochklappt, wenn der Fotograf den Auslöser drückt. 

In diesem Moment steht kein AF-Signal zur Verfügung. Phasen-AF bedeutet, dass Teilbilder des Motivs aus dem Hauptstrahlengang auf spezialisierte AF-Sensoren umgelenkt werden. Diese werten die Abbildungen der Teilbilder aus und geben der AF-Steuerung vor, wie zu fokussieren ist. 

Die Fokussierung ist abgeschlossen, wenn die beiden Teilbilder zur Deckung gebracht sind. Die Kamera ermittelt mit einer einzigen Messung, in welche Richtung und wie weit die Linsen verschoben werden müssen, um ein scharfes Bild zu erzeugen. Es wird anschließend kaum noch nachfokussiert. 

Nikon wählt für die D500 das Phasen-AF-Sensormodul Multi-CAM 20K der D5, das zum Fokussieren einen eigenen Prozessor mobilisiert. Mit 153 Phasen-AF-Punkten, darunter 99 Kreuzsensoren, ist das System rekordverdächtig üppig ausgestattet. Im Vergleich zur Vollformatkamera D5 wird hier ein doppelt so großer Anteil des Sucherfelds von den AF-Sensoren abgedeckt. 

Im Live-View-Modus nutzen die D500 und andere SLRs – wie die spiegellosen Kameras – die Daten des Aufnahmesensors und stellen mittels Kontrast-AF scharf. Zwar arbeiteten die Autofokuslösungen spiegelloser Kameras in der Vergangenheit langsamer als die Phasenautofokusmodule der SLRs, doch diese Unterschiede haben sich längst nivelliert. 

Die Sony A6500 verwendet, wie viele moderne Spiegellose, einen Hybrid-AF mit Phasen- und Kontrastdetektion auf dem Bildsensor. Sie schaltet je nach Lichtbedingungen oder Motiv automatisch zwischen den Messmethoden um. Für die Kontrastmessung stehen der A6500 169 Felder zur Verfügung, für die Phasenerkennung nutzt sie 425. 

Die Laborwerte der beiden Kameras lassen aufhorchen: Die Auslöseverzögerung inklusive AF-Zeit beträgt bei der Nikon D500 angenehm kurze 0,22/0,23 s bei 300/30 Lux. Die Sony Alpha 6500 ist mit 0,29/0,30 s nur einen Wimpernschlag langsamer, während die D500 im Live-View mit 1,07/1,00 s vergleichsweise gemächlich daherkommt. Der Nikon-AF verursacht beim Fokussieren stets ein leises mechanisches Geräusch; der Sony-AF reagiert wesentlich leiser – fast lautlos.

Nikon D500 SLR Akkufach

© Erich Baier

Die Nikon D500 SLR und Sony A6500 haben die selbe Abdichtung der Fächer für Akku und Speicherkarte.

Tempo ist nicht alles

Beide Fokussysteme sind schnell, ohne Frage. Bei einem Umgebungslicht von EV 6 bis 18 ist in der täglichen Fotopraxis kein Geschwindigkeitsunterschied zwischen den sonst so unterschiedlichen Kameras festzustellen. Beim Vergleich ist aber nicht nur das Tempo von Interesse, sondern auch, wie zuverlässig der Autofokus in der Praxis arbeitet. 

Und hier gibt es sehr wohl Unterschiede. Das AF-Verhalten ändert sich in den Belichtungsrandbereichen – also bei Aufnahmeszenen mit besonders viel oder besonders wenig Licht oder Kontrast. Eine sonnenbeschienene, grob weiß verputzte Hauswand mit einem Messwert von EV 16 ist für die Sony kein Problem. 

Die Fokussierung ist blitzschnell und korrekt. Die Nikon dagegen kann mit diesem Motiv nichts anfangen. Der Fokus versucht scharfzustellen, leider reicht der vorhandene Kontrast an der hellen Wand dazu nicht aus. Wird die Kamera im LiveView-Modus mit hochgeklapptem Spiegel verwendet, tritt das Problem nicht auf, und es wird sauber fokussiert: Eine Bewegung vor, eine zurück – und das Motiv ist scharf. 

Die beim hochgeklappten Spiegel aktiven Sensoren für die Kontrasterkennung arbeiten also deutlich langsamer, bewältigen aber einen größeren Helligkeitsbereich und auch geringere Kontraste. Als Testmotiv mit wenig Licht wählten wir einen Karton mit leichter Struktur und eine Tafel mit grafischen, schwarz-weißen Mustern. 

Der am Karton gemessene EV ist 1, es ist also recht duster. Der Nikon-AF meistert das Motiv mit den grafischen Mustern, die Fokussierung ist jedoch langsam. Beim Motiv mit geringerem Kontrast kann der AF nicht mehr scharfstellen und "sucht" den Fokuspunkt. Und dieses Mal hilft auch der LiveView nicht. 

Nikon D500 SLR und Sony A6500 spiegellose Systemkamera vorne

© Erich Baier

Die Abdichtung der Fächer für Akku und Speicherkarte ist bei beiden Kameras ähnlich konstruiert.

Motive mit geringem Kontrast werden erst wieder bei etwas hellerer Beleuchtung ( ca. EV 3) bewältigt. Die Sony erkennt dagegen auch bei besonders hellen und dunklen Motiven feine Helligkeitsunterschiede und fokussiert exakt. Dafür zeigt sich das AF-System von Nikons D500 bei Aufnahmen bewegter Objekte von seiner besten Seite: Der Autofokus zieht im AF-C-Modus die Schärfe mit atemberaubendem Tempo nach. 

Auch die Sony Alpha 6500 kann hier durchaus überzeugen, aber beim direkten Vergleich der Bilder schien uns die Nikon noch einen Tacken präziser zu sein – kleine Unterschiede auf sehr hohem Niveau. Unterm Strich gehören die AF-Systeme der beiden Testkandidaten von Nikon und Sony zum Besten, was derzeit am Markt erhältlich ist. 

Und die hohe Qualität bei diesem fotografisch immens wichtigen Ausstattungsmerkmal relativiert auch die happigen Gehäusepreise von 1700 Euro (Sony Alpha 6500) und 2300 Euro (Nikon D500). Beim Filmen bieten die spiegellosen Kameras einen systembedingten Vorteil: Die SLRs müssen den Spiegel hochklappen und haben keinen Zugriff mehr auf die AF-Sensoren. 

Der – meist deutlich langsamere – AF des LiveViews muss übernehmen. Da die Spiegellosen dagegen immer auf dem Sensor messen, können sie auch beim Filmen schnell scharfstellen. Ein Plus bei bewegten Motiven.

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