Hüter der Gesetze

Sex und Gewalt

Das Internet besitzt nicht nur gute Seiten. Angebote mit Gewalt verherrlichenden oder perversen Inhalten sind zuhauf im Netz zu finden. Viele dieser Angebote verfügen nicht einmal über Zugangsbeschränkungen, sodass sogar Kinder diese Seiten aufrufen können.

Verbotene Früchte

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Verbotene Früchte

Niemand ist davor gefeit, ungewollt Internetseiten mit teils illegalen Inhalten aufzurufen. Scheinbar harmlose Links, Adressen, die über Spam verbreitet werden oder Einträge in Foren, Blogs oder Newsgroups bringen Sie häufig dorthin, wo Sie nicht einmal in Ihren schlimmsten Alpträumen sein wollen.

Bei der Recherche zu einem Artikel betrachten wir ein harmloses Video der Plattform MyVideo.de. Auffällig am Filmchen ist eine permanent eingeblendete Webadresse. Nach dem Aufruf dieser Adresse landen wir in einem weiteren Videoportal. Keine Zugangseinschränkung, keine Abfrage nach dem Alter, und es gibt auch keinen geschlossenen Benutzerbereich. Die Vorschaubilder sind in einer Liste aufgeführt. Ein Klick und die Videos starten. Das Ergebnis: blutige Schlägereien, Folterszenen, bizarre Pornos - alles frei verfügbar, alles per Mausklick auf das Handy übertragbar oder per E-Mail an "Freunde" versendbar.

Vielen wenden ihren Blick ab, wenn sie solche Seiten zu Gesicht bekommen. Aus Angst, selbst in den Verdacht zu geraten, solche Inhalte zu konsumieren, schweigen sie und verpassen so eine echte Chance, die Macher dieser Seiten zur Verantwortung zu ziehen. Das ist der falsche Weg. Um möglichst viele dieser Angebote aus dem Verkehr zu ziehen, ist es wichtig, schnell zu agieren und entsprechende offizielle Stellen zu informieren.

Da die Anbieter solcher Seiten um die Rechtswidrigkeit ihrer Angebote wissen, wechseln Sie die Server in kurzen Abständen und tarnen die IP-Adressen. Sie nutzen Lücken im System, um einer Nachverfolgung zu entwischen. Aber das Netz der international agierenden Fahnder wird immer enger. Längst findet man in vielen Polizeidienststellen Experten in Sachen Internetkriminalität. Und in den Landeskriminalämtern gibt es eigene Abteilungen, die auch auf internationaler Ebene mit den Kollegen im Ausland schnell kommunizieren können. Aber sie brauchen Input und den kann jeder geben, der ungewollt auf solche Seiten gerät.

Was sollten Sie tun?

Notieren Sie zunächst die Adresse der Seite, die im Browser angegeben ist. Achten Sie auf die Vollständigkeit der Adresse. Machen Sie zur Sicherheit einen Screenshot (Taste Druck auf der Tastatur, Einfügen in ein Bildbearbeitungsprogramm, Speichern unter einem Namen auf der Festplatte).

Illegale Piraterie

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Raubkopierer sind Verbrecher

Manche Adressen sind nicht besonders aussagekräftig, weil die Seiten in einem Frame laufen. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf einen nicht verlinkten Bereich der Seite und lassen sich über Eigenschaften die tatsächliche Adresse der Seite anzeigen, notieren Sie diese oder kopieren Sie die Adresse in eine Textverarbeitung.

Versuchen Sie nachzuvollziehen, wie genau Sie auf die Seite gelangt sind. Über den Zurück-Button im Browser können Sie eventuell die Seiten anzeigen lassen, über die Sie auf die Seite mit den perversen Inhalten gelangten. Fertigen Sie auch hier Screenshots an und notieren Sie nach den oben beschriebenen Verfahren die Adressen der Seiten.

Sollten Sie über eine E-Mail auf die Seite aufmerksam gemacht worden sein, rufen Sie in Ihrem E-Mail-Programm die Nachrichtenoptionen auf. Sie können hier die E-Mail-Kopfzeile - einen kryptischen Code - sehen und per Zwischenablage in die Textverarbeitung kopieren. Diese Daten können wichtige Informationen zur Rückverfolgung enthalten. Behalten Sie zunächst eine Kopie der E-Mail, die sie später den ermittelnden Behörden zukommen lassen können. Nehmen Sie am besten umgehend Kontakt mit Ihrer Polizeidienststelle auf. Sprechen Sie mit den dortigen Experten und übermitteln ihnen alle gesammelten Informationen - jedes Detail erleichtert die Arbeit der Dienststellen.

Was sollten Sie nicht tun?

Vermeiden Sie unbedingt das aktive Suchen nach solchen Angeboten. Gerade im pädokriminellen Bereich würden Sie sich selbst strafbar machen, gingen Sie auf die Bedingungen ein. Allein der Besitz solcher Daten ist bereits strafbar und Sie können in Argumentationsnöte geraten, wenn Sie den einsamen Fahnder spielen.

Machen Sie es wie im richtigen Leben: Zeigen Sie Zivilcourage, aber überlassen Sie die aktive Fahndung den Profis. Mit einer vernünftigen Zusammenarbeit lassen sich immer mehr Keimzellen der Perversionen ausheben. Dabei gilt: jeder noch so kleine Erfolg macht das Netz ein wenig sauberer und senkt die Wahrscheinlichkeit, dass illegale Inhalte zum Beispiel in die Hände Ihrer Kinder gelangen.

Illegale Angebote

Extremistische Seiten:

Verbotene Früchte

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Vor allem die Angebote mit extremistischen Inhalten werden von Personen gepflegt, die über hohe Kenntnisse in der Internet- und Netzwerktechnik verfügen. Nicht umsonst tarnen sie ihre Angebote und wechseln die Server in unregelmäßigen Zeitabständen, um die Fahndung zu behindern. Als Besucher solcher Seiten - und natürlich aller anderen Seiten im Internet wird Ihre IP-Adresse auf den Servern gespeichert. Diese Information reicht teilweise aus, um eventuelle Gegenangriffe auf Ihren Rechner zu unternehmen!

Software-Piraterie:

Seiten mit illegal geknackten Programmen, Zugangsschlüsseln zur Freischaltung von Raubkopien oder geschützten Internetangeboten sind häufig mit Techniken ausgestattet, die Ihren Computer im günstigsten Fall ausspionieren. Nicht selten werden aber über solche Seiten auch Viren oder Trojaner verbreitet, die Ihren Rechner außer Gefecht setzen.

Pädokriminelle Seiten:

Die wohl schlimmste Form der über das Internet verbreiteten Inhalte sind Angebote, die mit Kinderpornographie handeln. Schon der Besitz solcher Daten kann massive strafrechtliche Verfolgungen mit sich bringen. Die Ringe, in denen solche Daten verbreitet werden, verlangen deshalb in der Regel zunächst, dass Sie selbst Daten dieser perversen Art zur Verfügung stellen. Damit machen Sie sich strafbar. Überlassen Sie alles Weitere den Spezialabteilungen der Polizei, der LKAs oder des BKAs.

Kriminell oder nicht?

Wir haben mit einem Experten in Sachen Internetkriminalität gesprochen:

Sex und Gewalt

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Kriminalhauptkommissar Thomas Novak von der Polizeidirektion Werra-Meißner ist Experte in Sachen Internetkriminalität.

Redaktion: Warum ist es so schwierig, die Betreiber dieser Seiten dingfest zu machen?

Thomas Novak: "Dafür heißt es ja: World Wide Web. Durch geschickte Verschleierungstaktiken werden die Ermittlungen wesentlich erschwert. So ist es überhaupt kein Problem, Internetseiten einzustellen und gleichzeitig durch geschickte Wahl der Internet- Service-Provider zu verhindern, dass wirksame Maßnahmen seitens der jeweiligen Ermittlungsbehörden ergriffen werden. So kann der Internet-Service im asiatischen Raum sitzen, der Content-Provider hingegen in Südamerika.

Eine Verfolgung durch die staatlichen Ermittlungsbehörden ist hier nur über entsprechende internationale Rechtshilfe möglich. Zwar gibt es kaum einen Staat, der nicht dem internationalen Rechtshilfe-Abkommen beigetreten ist, allerdings muss man die Internetkriminalität immer auch vor dem Hintergrund anderer Formen der Kriminalität sehen. So wird schwerste Gewaltkriminalität, insbesondere unter Berücksichtigung des internationalen Terrorismus, natürlich priorisiert, da es um unmittelbare Gefahren für eine Vielzahl von Menschen geht. Damit wird die Schwere der Kinderpornografie, die ja auch eine Form der schweren Gewaltkriminalität ist, keineswegs herabgesetzt."

Redaktion: Warum ist es wichtig, eine Seite mit solchen Inhalten sofort den zuständigen Behörden zu melden?

TN: "Diese Internetseiten haben oftmals eine Bestandszeit von wenigen Tagen, manchmal wenigen Stunden.

Durch gezieltes Routing können auf beliebig vielen Webservern die inkriminierten Inhalte gehostet und im schnellen Wechsel ins Web eingestellt werden. Damit die Ermittlungen nicht ins Leere laufen, ist schnelles Handeln unbedingt erforderlich. Es werden daher Maßnahmen ergriffen, die auch außerhalb der "formalen" Verfolgung sofortiges Handeln ermöglichen. Aus ermittlungstaktischen Gründen kann das hier nicht näher beschrieben werden."

Redaktion: Mache ich mich bereits strafbar, wenn eine solche Seite auf meinem Bildschirm erscheint?

TN: "Sollte man zufällig auf eine Internetseite mit kinderpornografischen Darstellungen stoßen, so sollte dies unmittelbar der für den Wohnort zuständigen Polizeidienststelle mitgeteilt werden. Gleiches gilt auch für das Feststellen solcher Inhalte in Newsgroups, IRC-Chats, E-Mails und Filesharing-Netzen.

Dabei sollte darauf geachtet werden, dass alle Daten, die im Rahmen einer Internetsitzung im Browser angezeigt werden, im so genannten Cache des Internetbrowsers temporär gespeichert werden. Man gelangt somit in den Besitz der jeweiligen inkriminierten Dateien. Der § 184 b StGB ist hier eindeutig: jegliches Verschaffen (setzt natürlich ein vorsätzliches Handeln voraus) und jeglicher Besitz wird unter Strafe gestellt.

Sollte man also ohne eigenes Zutun in den vorübergehenden Besitz einer solchen Datei geraten, wie z.B. im Cache des Internetbrowsers, so sollte diese Datei anschließend unbedingt gelöscht werden. Jeder Internetnutzer sollte sich im Klaren sein, dass andernfalls, also wenn inkriminierte Bilder und/oder Videos z.B. über Filesharing Netze heruntergeladen und gespeichert werden, Strafverfolgung droht."

Redaktion: Muss ich mir Sorgen machen, dass ich selbst unter Verdacht gerate, solche Seiten zu konsumieren, wenn ich sie melde?

TN: "Man muss hier zwei Hauptgruppen von Usern unterscheiden:

Da gibt es den "integeren" Internetuser, der praktisch aus "heiteren Himmel" eine Spam–Mail mit einem Link erhält. Dieser klickt den Link an und landet auf einer Internetseite mit kinderpornografischen Darstellungen. Für diese User ist es kein Problem, die Polizei darüber zu informieren und bei den weiteren Recherchen behilflich zu sein, gar den PC für weitere Untersuchungen zur Verfügung zu stellen, da man weiß, dass der Rechner "sauber" ist. Bei der anderen Gruppe von Internetusern sieht es allerdings so aus:

Wer sich regelmäßig in den Schmuddelecken des Internets bewegt, wird früher oder später auf solche Seiten stoßen. Wer sich mit persönlichen Daten und insbesondere E-Mail Adresse auf solchen Seiten anmeldet - oft besteht ja für "normale" Erotikseiten Kostenpflichtigkeit - braucht sich nicht zu wundern, dass sein Postfach zielgerichtet mit Erotik-Spam zugemüllt wird.

Darunter verbergen sich auch eine Vielzahl von Spam-Mails, die Links (seltener Bilddateien) für solche Internetseiten enthalten. Genauso ergeht es demjenigen, der massenhaft erotische Bild- und/oder Videodateien aus dem Internet, insbesondere über Filesharing-Netze saugt. Auch hier steigt das Risiko, ungewollt in den Besitz strafbarer Dateien mit kinderpornografischen Darstellungen zu gelangen, beinahe exponentiell.

Das Anzeigeverhalten ist in diesen Fällen selbstverständlich wesentlich geringer. Dieser Internetuser würde sich kaum der Gefahr aussetzen wollen, dass sein Rechner näher durch die Polizei untersucht wird, was auch beim "Zeugenstatus" unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen erlaubt ist. Man würde sich zudem als Konsument von Internet-Erotikseiten "outen", da möglicherweise Familienmitglieder oder Ehepartner, die bislang davon nichts wussten, die polizeilichen Ermittlungen bemerken.

Für die Polizei ist das kein Problem. Es besteht Amtsverschwiegenheit und das bedeutet, es dringt von den Ermittlungen und den gewonnenen Erkenntnissen nichts nach außen. Selbst Ehepartner oder Lebensgefährten bekommen auf Nachfrage von dem ermittelnden Polizeibeamten keine Auskunft. Doch in der Partnerschaft werden Fragen gestellt."

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