Schön oder erfolgreich?

Schlechte Suche

Den umgekehrten Fall kennt man auch: die Überaktivierung. Christian Sauer, Webanalyst von Webtrekk berichtet von einer schicken Hotel-Website, die direkt nach der Eingabe eines Urlaubsdatums schon mit dem Button "Jetzt buchen" aufwartete. Nett gemeint im Sinne der CR-Optimierung, aber vielleicht doch grundfalsch. Der Button hätte zunächst "Verfügbarkeit prüfen", "Details", "Weiter" oder "Nächster Schritt" heißen sollen, um dem Nutzer überhaupt die Chance zu geben, eine Entscheidung zu treffen. "Wählen Sie beim Einstieg in die Funktion eine nicht verpflichtende Formulierung", sagt Sauer.5. Schlechte Suche

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Falsche Metapher: GAP meint nicht Scrollen, sondern den Mauszeiger ans Ende der Liste führen und damit eine Animation auslösen.

Der Klassiker schlechthin. Der neue OttoShop Refashion findet zum Beispiel keine Ray-Ban-Brillen, wenn man den Suchbegriff "rayban" schreibt. Die Gucci-Suche arbeitet nur mit Bestellnummern. Nach Produktdetails oder Bezeichnungen wird nicht gesucht. Und der GAP-Shop in Großbritannien, der seit neuestem auch nach Deutschland liefert, hat gar keine Suche. Freilich gilt die Schelte hier weniger dem Design als der Technik.6. Browser-InkompatibilitätDie Problematik der iPhones und iPads haben wir bereits angesprochen. Nicht selten verzichten Gestalter inzwischen darauf, gegen den Internet Explorer zu testen und konzentrieren sich ausschließlich auf Safari und Mozilla. Das ist natürlich blanker Unsinn, so lange Microsoft insgesamt noch rund 50 Prozent Marktanteil hält.Ein überaschender Kandidat hierfür ist tatsächlich Facebook. Öffnet man Touch.Facebook.com im neuen IE 9, bleibt die Seite bis auf die Kopfzeile komplett leer. Tipp: Unter browserlab.adobe.com steht eine Testumgebung zur Verfügung, die zum ersten Testen der eigenen Website genügen mag.7. Unüberwindbare FormulareSchlecht funktionierende Formulare sind häufig Ausdruck der schlechten Zusammenarbeit zwischen Design und Coding.Die gröbsten Schnitzer sind:

  • Felder zu klein für Texte
  • keine TAB-Weiterschaltung/falsche Feldreihenfolge
  • falsche Reaktion auf die Enter-Taste
Letzteres ist beispielhaft zu sehen auf der Website der Deutschen Bahn. Wer sich ins eigene Konto einloggen möchte, sollte die Eingabe von Benutzername und Passwort nicht mit "Enter" bestätigen, sonst wird er an den Anfang seiner Suche zurückgeworfen. Das Phänomen ist gleichermaßen in Chrome und im Internet Explorer zu bemerken. Ein weiteres Beispiel liefert der Webshops von Computerversender Avides. Dort ist der finale Bestellbutton im Checkout beim Redesign durchs Raster gefallen. Der vermutlich wichtigste Button der ganzen Website ist kaum erkennbar vom Hintergrund abgehoben. Schwarzer Text auf weißem Grund. 8. Farbspiele Dies ist kein Merkmal aus Nielsens ursprünglicher Liste. Er fokussierte auf starre Layouts. Aus Sicht der Conversionrate ist die Farbgebung von Elementen und Seitenhintergrund aus zwei Sichtweisen spannend. Zum einen geht es um eine klare Priorisierung innerhalb der Seite, zum anderen um die psychologische Wirkung bestimmter Farben. Usability-Experte Tim Ash teste zwei Varianten einer Landeseite für einen US-Mobilfunkprovider namens Credo. Schon die erste Seite würde den meisten Unternehmen gut zu Gesicht stehen. Auf dunkelgrauem Fond prangte ein orange-weißer Kasten mit deutlich reduziertem Text und einem klaren Call-to-Action in Türkis. Ash fand heraus, dass die Seite "zu schön" war, um erfolgreich zu sein. Er reduzierte weiter auf eine banale weiße Seite mit orangefarbenem Bestellknopf und siehe da: Die Conversionrate sprang um 84 Prozent nach oben. Ein eher amüsantes Farbspiel zeigt die Online-Buchungsmaschine der Austrian Airlines. Dort werden Flugverfügbarkeiten im Kalender in Grün, Rot und Blau dargestellt. Freilich legt der gesunde Menschenverstand nahe, dass die nicht verfügbaren Plätze in Rot, die verfügbaren aber in Grün anzuzeigen sind. Das ist auch bei Austrian so. Blöd nur, dass das grün angezeigte, verfügbare Ticket im Austrian-Marketing als "redticket" beworben wird. Eine schöne Arbeitshilfe bei der Suche nach einer sauberen Priorisierung in der Seite liefert Clickz-Kolumnist Bryan Eisenberg. Er verweist auf das Online-Tool feng-gui.com, das simulierte Heatmaps über Screenshots von Seiten legt und so vermuten lässt, wo die Aufmerksamkeit der Nutzer hin wandert. 9. Schlechtes Feedback
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Gutes Feedback ist vor allem in Formularen und Applikationen von enormer Bedeutung.

Je mehr Interaktion in den Seiten, umso wichtiger wird die Fähigkeit des Systems dem Nutzer Ursache und Wirkung zeigen zu können. Wer einen stark reduzierten Warenkorb einsetzt, wie Gucci, tut gut daran, das Hinzufügen eines Objekts mit einer ästhetisch sehr ansprechenden Animation zu absolvieren. Wer wie Zalando darauf angewiesen ist, dass Nutzer nicht nur Artikel, sondern auch Farben und Größen angeben, macht keinen schlechten Job, wenn er die entsprechende Meldung exakt neben dem Bestell-Button ausgibt, denn diesen hat der Nutzer ja gerade versucht zu klicken. Merke: Auch gutes Interaktionsdesign kann die Conversionrate fördern.Ein paar Probleme in dieser Disziplin hat Sport Scheck. Gibt man versehentlich nicht das richtig formatierte Geburtsdatum ein, so erscheint zwar im Kopf der Seite eine Fehlermeldung, die verweist aber auf "rot umrandete Felder", die noch zu bearbeiten seien. Diese rote Umrandung ist eine feine und kaum sichtbare Haarlinie.10. KonsistenzBrechen wir zum Schluss noch eine Lanze für gutes Design. Der aufmerksame Gestalter wird darauf achten, Elemente, die das Gleiche tun, gleich zu gestalten und andere eben davon zu differenzieren. Das gilt optisch wie textlich. Sind 3D-Kanten und Schlagschatten sichtbare Identifikatoren für Hyperlinks, dann sollte es keine anderen Elemente dieser Gestaltungsart geben, die nicht klickbar sind. Sport Scheck zeigt auf der Registrierungsseite im Checkout einen hübschen Fauxpas: Der Button nach links (also zurück) heißt "Zur Anmeldung", der nach rechts heißt "Neu anmelden".Schlimmer wiegt der Fehler beim Übergang vom Produkt zum Warenkorb. Im schlecht übersetzten Shop des Mode-giganten Zara erscheint ein neuer Knopf "Bestellung bearbeiten", sobald ein Artikel in den Warenkorb gelegt wurde. Es liegt nahe, dass dieser die Warenkorbansicht öffnet. Darin aber heißt der Button, der eigentlich "Weiter" oder "Zur Kasse" heißen müsste, erneut "Bestellung bearbeiten". Das stiftet Verwirrung und ist ein klassischer Bestellverhinderer.

Fazit

Binden Sie Gestalter frühzeitig in die Testprozesse ein, um ihnen die Möglichkeit zu geben, die eigene Arbeit zu optimieren. Hartmut Esslinger sagt: "Design ohne Funktion ist gar kein Design, es ist höchstens Kunst". Entwerfen Sie gemeinsam Varianten, die im A/B-Test gegeneinander antreten. Und testen Sie regelmäßig alle Prozesse oder belohnen Sie die User für das Finden von Fehlern.

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