Drucken in der dritten Dimension

RepRap-Software

Inbetriebnahme

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© PC Magazin

Die Java-basierte RepRap-Software erweist sich zumindest unter Windows als etwas wackelig. Das GRRF-Team schwört deshalb auf Linux.

Mithilfe der frei verfügbaren Arduino-Entwicklungsumgebung muss zunächst die Firmware des Motherboards sowie der Extrudersteuerung aufgespielt werden. Die eigentliche RepRap-Software basiert auf Java und ist so auch auf Macs oder mit Linux nutzbar. Unser Rechner arbeitete mit Windows 7 in der 64-Bit-Version.

Die RepRap-Software stellt zumindest auf unserer Plattform keinen Ausbund an Stabilität dar. Ab und an bricht sie den Kontakt zum Mendel unvermittelt ab und zeigt andere seltsame Verhaltensweisen, die nach einem Neustart wieder verschwunden sind.

Mit Hilfe der RepRap-Software lassen sich die Achsen zunächst manuell ansteuern. Das ist nötig, um die Maschine mit Hilfe der Achsen-Endstopps exakt einzujustieren. Die unzähligen Parameter, die die Software bietet, stimmen in der Werkseinstellung allenfalls grob. Für optimale Druckergebnisse ist hier noch einige Nacharbeit erforderlich. Vor allem die Parameter des Extruders beeinflussen die Qualität der Ausdrucke erheblich.

Für den eigentlichen Druckvorgang ist - wie üblich - ein 3D-CAD-Modell in Form einer STL-Datei erforderlich. Eigene Modelle können Sie mit dem kostenlosen Google SketchUp erstellen, für das es ein ebenfalls kostenloses STL-Plug-in gibt.

Mit Hilfe der RepRap-Software wird das Modell auf dem Druckbereich platziert - dabei hilft eine schicke grafische Oberfläche - und anschließend in Steuercodes (g-code) umgewandelt. Ist das erledigt, kann der Mendel loslegen.

Unter Druck

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© PC Magazin

Unser Mendel bei der Arbeit. Schicht für Schicht entsteht das Modell aus einem geschmolzenem Kunstofffaden.

Die ersten Ergebnisse unserer Druckversuche waren eher ernüchternd. Braun verkokelte Kunstoffklumpen und schiefe Bauteile hielten die Verzückung zunächst in Grenzen. Nach weiteren Feineinstellungen ließen sich jedoch durchaus brauchbare Bauteile herstellen. Das Finish der Ausdrucke erfordert mitunter noch etwas Nacharbeit, da der Extruder gerne kleine Kunstoffäden an den Außenkanten hinterlässt.

Ebenso führen allzu feine Strukturen zu Materialanhäufungen, die am Ende zu einem eher zu groben "Gebatze" führen. Perfekt ist das sicher nicht, schon gar nicht im Vergleich zu kommerziellen Maschinen, die jedoch - das sollte man nie außer Acht lassen - wenigstens das Zehnfache kosten. Zudem zeigen Bilder von Druckproben im Internet, dass sich durch eine optimierte Einstellung sicher noch einiges herausholen lässt.

Aber auch so sind die Ergebnisse für viele Anwendungen ausreichend. Der Handyhalter für das Fahrrad, die Plastikbefestigung der Vorhangstange oder der Motorträger des Elektrofliegers sind jedenfalls kein Problem - zumal sich das Material als äußerst solide und zäh erweist.

Eng wird es aber bei filigranen Teilen. Die Zähnchen unserer selbstgedruckten Zahnräder lassen etwas an Präzision vermissen, so dass sie allenfalls für langsam laufende Anwendungen brauchbar sind. So manche feine Bohrung ist zugetropft und muss vor Verwendung erst noch nachgebohrt werden. Trotzdem hält sich der Aufwand für die Nachbearbeitung - zumal im Vergleich zu rein manuell angefertigten Teilen - in Grenzen.

Wenig Sorgen machen uns auch die Druckkosten. Die große Spule Kunstoffdraht - GRRF verlangt dafür moderate 55 Euro - reicht uns wohl noch für lange Zeit.

Fazit

Der Eigenbau eines 3D-Druckers ist sicher nichts für Leute mit schwachen Nerven. Man sollte das Projekt auf jeden Fall unter der Rubrik "sportliche Herausforderung" angehen und seine Erwartungshaltung bezüglich der Druckqualität nicht zu hoch ansetzen.

Der Mendel ist kein Gerät, das in "Plug and Play"-Manier schnell zu tollen Ergenissen führt. Vielmehr zwingt einen der Drucker, sich eingängig mit der Materie zu beschäftigen, in Foren zu stöbern und Parameter zu probieren. Sind Blut, Schweiß und Tränen aber erst einmal getrocknet und die ersten Teile ausgedruckt, macht der Mendel einen riesen Spaß - ja geradezu süchtig.

Für Außenstehende ist das oft nur schwer nachzuvollziehen, zumal die Druckergebnisse von Dritten meist weniger euphorisch beurteilt werden als vom stolzen Besitzer. Das scheint aber der Preis zu sein, den man als Visionär zahlen muss.

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