Sonys "Epic Fail"

PS3-Hack: Neue Angriffe auf die Spielekonsole

Bei Sonys PS3 war Anfang des Jahres vom "Epic Fail" die Rede: Die Konsole sei komplett gehackt, der Hacker Gehohot habe den Rootkey gefunden. Am 10. März war nach Auslieferung von Firmware 3.60 klar: Der "Erfolg" war nur von kurzer Dauer. Was folgte, war Stillstand - und viele Gerüchte. Jetzt scheint es wieder einen gewaltigen Schub in der Szene zu geben.

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Der PlayStation-3-Hack

© Archiv

Computer, Spielekonsole
marcan, sven und bushing Hackerteam

© Team "fail0verflow", 27C3

"bushing", "marcan" und "sven" vom Hacker-Team "fail0verflow" bei der Präsentation von "Sony's Epic Fail" auf der 27C3-Konferenz Ende 2010.

Die Hackergrupper "fail0verflow" hatte Ende letzten Jahres über massive Lücken im Sicherheitssystem von Sonys PS3 berichtet, und der Hacker "Geohot" alias George Hotz veröffentlichte Anfang des Jahres Tools, mit denen man Eigenentwicklungen, sogenannte Homebrew-Software, auf der Playstation 3 laufen lassen konnte.

Michael Steil zeigte auf dem 27C3, dass die PS3 vier Jahre ungehackt blieb - bis Linux entfernt wurde.

© Team "fail0verflow" / Michael Steil, 27C3

Michael Steil zeigte mit diesem Diagramm auf dem 27C3, dass die PS3 4 Jahre ungehackt blieb - bis die PS3 Slim ohne Linux auf dem Markt kam und OtherOS mit Firmware 3.21 entfernt wurde.

Das Entfernen von Linux mit Firmware 3.21 im April 2010 gilt als Initialzündung für Hacker, sich intensiver mit der Konsole zu beschäftigen. Schließlich war die Installation von Linux als sogenanntes OtherOS ursprünglich mit ein Verkaufsargument für die Konsole. Zudem fielen sowohl diese Funktion als auch die PS2-Software-Emulation bei Einführung der PS3 Slim dem Rotstift zum Opfer - obwohl technisch nichts dagegen spricht, wie die Hacker später herausfanden.

Linux auf der PS3 - Klagen gegen Hacker

Zumindest Linux kehrte auf inoffiziellen Wegen auf die Konsole zurück. Mit Geohots Veröffentlichung des damals als "Rootkey" bezeichneten Schlüsselpaares konnte man schließlich eigene Programme signieren und auch ohne zusätzliche Hardware-Modifikationen auf der PS3 laufen lassen. Auch Raubkopien liefen, wenn man eine modifizierten Firmware installierte, eine Custom Firmware, kurz CFW.

Die Freude am Hacken der PS3 sowie Entwickeln eigener Programme verging der Community jedoch schnell. Sony verschickte Klagen, obwohl sowohl Geohot als auch fail0verflow stets betonten, dass es nur um Linux und Homebrew ging und man mit ihren Lösungen keine Raubkopien laufen lassen konnte - eine CFW war notwendig.

Geohot, der sich zunächst noch für die Community einsetzen wollte, einigte sich schließlich überraschend mit dem Konsolenhersteller und unterschrieb, nie wieder ein Sony-Gerät auseinanderzunehmen - obwohl er zuvor dafür kämpfen wollte, dass jeder mit seiner gekauften Hardware machen kann, was er will, und dass ein Jailbreak wie bei den Smartphones auch bei den Konsolen als legal angesehen wird.Wie er an den "Rootkey" gelangte, behielt Geohot bis heute für sich. Auch der deutsche Hacker Graf_Chokolo alias Alexander Egorenkov, der mit seinen Forschungen maßgeblich dazu beitrug, Linux wieder auf der Playstation 3 zum Laufen zu bekommen, erhielt mehrmals Besuch von der Polizei - und zog sich aus der Szene zurück.

Was Ende April als Antwort folgte, war der große Angriff auf das Playstation Network - Sony-CEO Howard-Stringer räumte im Juni eine Verbindung mit dem Geohot-Rechtsstreit ein.

Sonys technische Abwehrmaßnahme: PS3-Firmware 3.60

Die Installation des ProgSkeet-NOR-Flashers zum Downgraden der PS3-Firmware ist nicht jedermanns Sache.

© PS3 Development Wiki

Die Installation des ProgSkeet-NOR-Flashers zum Downgraden der PS3-Firmware ist nicht jedermanns Sache.

Mit Firmware 3.60, veröffentlicht im März 2011, hatte auch der CFW-Spuk ein Ende - und Geohots "Rootkey" war wohl doch nicht der versprochene Generalschlüssel. Sony hatte dem Treiben einen Riegel vorgeschoben, ein Downgrade auf eine ältere Firmware-Version war ebenfalls nicht mehr möglich. Raubkopierer bekamen zunächst das eine oder andere 3.60er-Spiel noch zum Laufen, da Update-Files teilweise noch für Firmware 3.55 signiert waren, aber der Weg war verbaut. Neue Spiele setzten eine neuere Firmware voraus, und mancher CFW-Nutzer musste sich entscheiden: entweder CFW oder aktuelle Original-Spiele mit einer OFW, die sich nie wieder downgraden ließ.

Es folgten Gerüchte und Fakes: Von einer speziellen Firmware war die Rede, die auch aktuelle Spiele von Festplatte laufen lassen konnte, aber nur, wenn die Original-Disc im Laufwerk lag - erschienen ist diese nach Monaten immer noch nicht. Ein Franzose mit Pseudonym "Mathieulh" behauptete, einen geheimen QA-Modus mit zusätzlichen Einstellungsoptionen sowie Wege gefunden zu haben, mit neuerer Firmware arbeiten zu können, teilte der Community aber nie mit, wie er das erreicht hatte. Er gab immer nur Hinweise, aber nie konkrete Anleitungen oder Dateien, was für Ungläubigkeit und entsprechenden Unmut sorgte. Zumindest hat die Community später herausgefunden, wie sie den QA-Modus aktiviert. Und mit Gitbrew machte eine neue Hackergruppe auf sich aufmerksam, die neue Geheimnisse der PS3 lösen wollte.

Es erschienen auch neue Hardware-Devices: Mit "ProgSkeet" war es möglich, den Speicher der PS3 auszulesen und zu flashen, sodass man doch zwischen aktueller OFW und CFW wechseln konnte. Gleiche Aufgabe sollte der "E3 Flasher" ermöglichen, beide Lösungen setzten jedoch kompliziertes Löten direkt auf der Hardware voraus. Zudem funktionierte der Downgrade nicht immer reibungslos - zurück blieb eine (vorläufig) nicht mehr funktionsfähige Konsole.

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