Praxis: Was verspricht HDTV?

Praxis: Was verspricht HDTV?

Ein Jahr nach dem Start des hochaufgelösten Fernsehens HDTV gehen mit HD-DVD und Blu-ray zwei weitere HD-Lieferanten ins Rennen. Alles über die faszinierende Welt der superscharfen Fernsehbilder.

Bild in HDTV

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Praxis: Was verspricht HDTV?

Die Welt wird High Definition

Ein Jahr nach dem Start des hochaufgelösten Fernsehens HDTV gehen mit HD-DVD und Blu-ray zwei weitere HD-Lieferanten ins Rennen. Alles über die faszinierende Welt der superscharfen Fernsehbilder.

Ob via Fernsehen, Radio, Zeitung oder Internet, von allen Seiten erreichen uns unzählige Informationen. Immer umfassender wird dabei unser Weltbild. Da liegt der Wunsch nahe, dass auch die Bilder dieser Welt immer detailreicher werden. Mit hochauflösenden Filmaufnahmen darf man sich zu Hause nicht nur fantastische Kinoerlebnisse gönnen. Die superscharfen Bilder ermöglichen uns zusätzlich noch realistischere Einblicke in das globale Geschehen. Kurz: Die Welt wird hochauflösend, und nicht nur eingefleischten Heimcineasten ist damit gedient.

Warum HDTV so viel besser ist

Hochauflösendes Fernsehen (High Definition TV) bietet gegenüber herkömmlichem Standard-TV eine beträchtlich höhere Bildschärfe und ermöglicht die qualitativ hochwertige Darstellung großer Bilder. Der entscheidende Faktor ist die Anzahl der Bildpunkte (Auflösung), mit der die Programmmacher Filme oder Studiosequenzen aufzeichnen und übertragen. Je höher sie ist, desto mehr Informationen und Motivdetails beinhaltet das Bild. High Definition zeigt eine vier- bis fünfmal höhere Auflösung als Standard Definition (SD) und offeriert damit ein erstaunliches Qualitätspotenzial. Zudem ist in den HD Spezifikationen die Wiedergabe als 16:9-Breitbild fest verankert. So weitet sich bei der Bildbetrachtung das Sichtfeld entsprechend den natürlichen Sehgewohnheiten des menschlichen Auges in die Breite, was die Bildwirkung zusätzlich erhöht. Derzeit sind weltweit vorwiegend zwei HDFormate mit unterschiedlichen Auflösungen im Einsatz: Das 1080er-Format zählt 1920 x 1080 und das 720er 1280 x 720 Bildpunkte.

Der Unterschied zwischen einem SD-Bild im herkömmlichen Format gegenüber der 1080er-HD-Variante ist eindrucksvoll. Es wird deutlich, dass bei gleichbleibender Schärfe die Wiedergabe deutlich größer ausfallen kann - so werden ebenfalls Großbild-Heimkinos mit Projektoren möglich. Gleichzeitig erweitert sich das Blickfeld äußerst angenehm in die Breite. Wenn umgekehrt die volle HD-Auflösung auf eine relativ kleine Fläche gepackt wird, so verdichten sich die Bildinformationen und erhöhen dramatisch die Schärfe der Wiedergabe auf den Fernsehgeräten.

Alles übertriebener Enthusiasmus? Unser gutes altes Fernsehen soll nicht scharf genug sein? Wer hochauflösendes Fernsehen (HDTV) auch nur einmal gesehen hat, denkt anders. Zwar ist der europäische TV-Standard PAL für die bislang gewohnte Kost tatsächlich der beste der Welt. Mit der Qualität von HDTV ist er dennoch nicht zu vergleichen. HD-Filmbilder wirken plastischer und klarer, Gesichter rücken näher, Hintergrunddetails bleiben greifbar detailliert, atemberaubende Perspektiven eröffnen sich. HDTV liefert solch realistische Abbilder, dass in Spielfilmen unsaubere Schminkarbeit an den Darstellern ebenso auffällt wie allzu einfach gebaute Kulissen. Da sorgen schlecht animierte Spezialeffekte dann für große Lacher. Umgekehrt ermöglichen Naturdokumentationen in HD ein so authentisches Bild der Erde, wie man es bislang noch nie im Wohnzimmer genießen konnte.

Bildgrössen und Sichtabstand für HDTV

Mit hochauflösenden TV-Programmen sind nicht nur größere Bilder möglich. Auch die alten Faustregeln für den optimalen Betrachtungsabstand zum Schirm gelten nicht mehr. Der Grund: Durch die höhere Schärfe wie auch die höhere Bildpunktezahl des Fernsehers kann man wesentlich näher an das Bild heranrücken, ohne dass es zu grob wirkt. So wird mit einer reinrassigen HD-Architektur etwa auch in kleinen Räumen Großbild-Heimkino möglich.

Wir empfehlen den HDTV-Empfang ab einer Schirmdiagonale von 94 Zentimetern (37 Zoll). Zwar lassen sich die Schärfevorteile auch auf kleineren Fernsehern problemlos erkennen. Doch die zusätzlichen Kosten für den HDTV-Empfang sind im Verhältnis zu groß. Dies gilt auch, wenn der TV das "HD-ready"-Logo trägt und damit eine hohe Panelauflösung für sich verbuchen kann.Wer dennoch nicht verzichten möchte: Die absolute Mindestgröße des Schirms sollte 80 Zentimeter betragen.

Doch nicht nur die höhere Schärfe, auch die Möglichkeit der Darstellung größerer Bilder erlaubt ein völlig neuartiges TV-Erlebnis. HDBilder tragen dem schwungvollen Trend zu Meter-Schirmen und Homecinema-Beamern Rechnung. PAL-Fernsehen mit seiner deutlich niedrigeren Bildpunktzahl ist eher für Bildschirme bis rund 90 Zentimeter Diagonale geeignet. Für größere Panels wird ein beträchtlicher technischer Aufwand nötig, damit TVBilder darauf nicht grob und unscharf wirken. Aus demselben Grund bieten umgekehrt nahezu alle Großbildschirme HD-Auflösung und geben die scharfen Bilder nach Möglichkeit verlustfrei wieder.

HD nach Maß: Zwar muss ein TV mit beispielsweise 1080 Zeilen die 576 Zeilen der PAL-Bilder auf seine Bildpunktzahl hochrechnen, da sonst der Schirm nicht komplett ausgefüllt und ein schwarzer Bildrahmen entstehen würde. Bildinformationen für die fast doppelte Zeilenzahl fehlen dabei jedoch - die Filmkost gewinnt bei der Umrechnung nicht an Schärfe. Umso bedauerlicher ist, dass noch relativ wenige deutsche Programmanbieter HDTV ausstrahlen. Ganz vorn mit dabei ist der Abo-Kanal Premiere, sein Angebot umfasst Spielfilme, Dokumentationen und Sport. Hier lohnt sich das Zuschauen. Bei anderen Programmen wie Anixe ist das nicht unbedingt der Fall. Bessere Bildqualität als die bekannte gibt's hier freilich dennoch. Mut macht, dass auch die öffentlich-rechtlichen Programme die Übertragung von HDTV planen. Angepeilt ist der Start zur Olympiade im August 2008. Der Kultursender Arte, an dem ARD und ZDF beteiligt sind, strahlt daher schon jetzt zu Testzwecken HDTV zeitweise auf einem Demonstrationskanal der Astra-Satellitenflotte aus. Welche HD-Programme aktuell und auf welchem Weg zu empfangen sind, erfahren Sie detailliert im Infokasten auf Seite 98.

Die HD-Welt wächst: Zusammen mit dem Programmangebot vergrößert sich die Anzahl der Geräte, die HDTV empfangen können. Während HD-taugliche Schirme und Beamer schon seit geraumer Zeit zu haben sind und regen Absatz finden, wächst erst jetzt so langsam der Kreis der Digital-Receiver. Humax und Pace waren Vorreiter, mit Philips und Topfield sind nun günstigere Settop-Boxen ab 350 Euro nachgerückt. Zudem gibt es Media-Center von Reel Multimedia und Sonavis (HDEmpfänger) sowie von Sony (Blu-ray-Recorder) als HD-Quellen. Humax, Loewe und ab der IFA dieses Jahres wohl auch Metz integrieren HD-Empfänger sogar in ihre Flat-Fernseher.

Bei den Video-Playern ist die HD-Welt ebenfalls in Bewegung geraten. Mit dem HD-E 1 bietet Toshiba sein HD-DVD-Format für 650 Euro nun in Europa an; Panasonic und Samsung sind mit ersten Blu-ray-Playern - allerdings noch deutlich über 1.000 Euro - im Markt, Sony will bald folgen. Eine erkleckliche Anzahl an Titeln für beide Playerarten bieten die großen Filmstudios bereits jetzt an. Einen guten Überblick über das aktuelle Angebot ist im Internet etwa unter www.amazon.de oder www.amovie.de zu finden. Einen ersten Vorstoß, die konkurrierenden Formate zu einen, will jetzt Time Warner wagen: Der Medienkonzern hat auf der Consumer-Electronics- Messe CES in Las Vergas "Total-HD" vorgestellt, eine Scheibe, die beide Playerarten abspielen kann. Der koreanische Hersteller LG unternimmt ebenfalls Schlichtungsversuche und möchte demnächst HD-DVD- und Blu-ray-Laufwerke in einem Gerät unterbringen.

Last but not least: Wer sein eigener Regisseur sein will, kann auch eigenhändig in HD drehen. Schon jetzt gibt es 16 HD-Camcorder zwischen 1.400 und 4.200 Euro für Hobbyfilmer. Im März bringt Sonymit dem HDR-UX 3 sogar das erste 1.000-Euro-Modell auf den Markt.

Perfekte Welt?: Dank zunehmend vielfältigerer HD-Mitspieler wandern immer mehr Pixel ins Heimkino. Und je mehr Pixel, desto besser - oder?

Ganz stimmt die Gleichung nicht. Noch nicht. HD-Kost ist von der Produktion bis hin zur Übertragung kostspieliger als die Standard-Ware. Dies gilt sowohl für TV- und Filmproduzenten wie auch den Konsumenten. Das gewohnte Format wird daher bis aufWeiteres ein fester Heimkino- Partner bleiben. Auf hochauflösenden Schirmen können SD-Aufnahmen jedoch viel von ihrer Wirkung einbüßen. Die Umrechnung der kleinen Bilder auf die hohe Bildpunktzahl geht je nach den Fertigkeiten des jeweiligen Fernsehers kaum ohne Qualitätsverlust vonstatten. Besonders anfällig sind dafür "Full-HD"-Fernseher mit der vollen HD-Auflösung von 1920 x 1080 Bildpunkten. Bei der Darstellung von HD-Bildern sorgen sie zwar für den letzten Schärfekick. Mit Standardkost schleichen sich jedoch aufgrund der hohen Pixelzahl häufig Rechenfehler ein. Durch sie kann das Bild an Schärfe verlieren, glatte Motivkanten werden leicht stufig abgebildet, oder Pixelrauschen tritt auf. Je größer der Schirm ist, desto deutlicher sind diese Abweichungen sichtbar.

Besonders schlechte Karten hat, wer via Kabel oder Satellit immer noch analog empfängt. Bereits leichtes Rauschen im Signal oder auch durch die Übertragung verursachte Bildfehler machen sich auf den hochauflösenden Großbildpanels äußerst störend bemerkbar. Wer den Kauf eines Fernsehers plant, muss daher unbedingt seine Empfangssituation berücksichtigen. HomeVision empfiehlt: Bei Analogempfang sollte die Bilddiagonale 94 Zentimeter (37 Zoll) nicht übersteigen. Zudem sind Auflösungen von maximal 768 Zeilen vorzuziehen. Mit Digitalempfang über Kabel (DVB-C) und Satellit (DVB-S) sind größere Diagonalen möglich, höhere Auflösungen aber nach wie vor kritisch - hier sollte man die Fähigkeiten des Fernsehers vor dem Kauf anhand einer häufig gesehenen DVD überprüfen. DVB-T schließlich ist weder für Fernseher über 80 Zentimeter noch für Full-HD-Panels geeignet. Grund: Das digitale Antennenfernsehen liefert weniger Bilddaten als DVB-C und -S - der Schirm wirkt pixelig und unharmonisch.

Die hohe HD-Philosophie: Doch selbst im High-End-Heimkino mit vollendeter HD-Architektur bestehen noch einzelne Baustellen. So sind sich die Heimkino-Freaks wie auch Film- und TV-Produzenten uneins, welches HD-Format denn nun eigentlich das beste ist. Für 1080 spricht schlicht und überzeugend, größere Bilder darstellen zu können. Allerdings kommt hier die Interlaced-Technik zum Zug: Wie bei PAL werden TV- und Filmbilder in Halbbildern übermittelt. Hierbei erhält der Fernseher zunächst alle ungeraden, dann alle geradzahligen Zeilen. Um jegliche Zeilenstruktur unsichtbar zu machen, fügen die HD-Fernseher anschließend die Halb- zu Vollbildern zusammen. Der Schirm gibt die Zeilen damit progressiv wieder (1, 2, 3 ...). Das Manko dabei ist, dass durch Umrechnungsfehler der TV-Elektronik zitternde oder ausgefranste Motivkanten entstehen können.

Dem 720er-Format wurde die progressive Zeilenwiedergabe dagegen bereits in die Wiege gelegt: Schon bei der Produktion werden die Sendungen im Vollbildmodus aufgezeichnet und später entsprechend übertragen. 720er-Bilder sind somit zwar kleiner in der Auflösung, aber weniger anfällig für Darstellungsfehler.

Für das Heimkino-Equipment ist diese Diskussion unmaßgeblich. Alle HD-Stars beherrschen 1080i und 720p, wie die beiden Formate aufgrund ihrer Interlaced- oder Progressive-Darstellung vollständig bezeichnet werden. Selbstwenn das Format bei der TV-Übertragung mehrmals am Tag wechseln würde, stellten die Komponenten die Bilder anstandslos dar. Gegenwärtig ist in Europa allerdings 1080i vorherrschend.

Das Idealformat 1080p gibt es übrigens auch. Es wäre freilich das Optimum und würde jeglichen Streit überflüssig machen. Die zu übertragende Datenmenge ist allerdings derart gigantisch, dass High Definition damit gegenwärtig und auch für absehbare Zukunft unwirtschaftlich würde. 1080p gehört daher nicht zu den "HD-ready"-Bestimmungen. Deshalb sind die aktuellen HD-Receiver für dieses Format erst gar nicht ausgelegt. Full-HD-TVs und -Beamer haben es dagegen in der Regel im Griff. Nicht zuletzt, weil zukünftige HD-Player 1080i in 1080p umrechnen sollen. Ob dies eine Qualitätssteigerung beschert, werden zukünftige Tests bei HomeVision zeigen.

Qualitätssicherung: Deutlich mehr ins Gewicht als die Formatspiele fallen Qualitätsschwankungen bei der Produktion und Übertragung von HD-Material. Denn wie bei herkömmlichen DVDs ist auch in der Welt hochauflösender Silberscheiben nicht alles Gold, was glänzt. Es gibt schlampig gedrehte und bearbeitete HD-Filme, die zwar immer noch besser als herkömmliche DVD-Kost sind - das gesamte Schärfepotenzial loten sie allerdings bei weitem nicht aus. Da dürfte es auch bei HD-DVD- und Blu-ray-Scheiben noch so manche Enttäuschung geben. Schon jetzt sind bei Premiere Unterschiede zwischen den Spielfilmen, Sportsendungen oder Reportagen zu beobachten. Zudem bleibt abzuwarten, ob die Programmanbieter weiterhin in bester Qualität ausstrahlen. Wird mit hoher Bilddatendichte ausgestrahlt, empfängt man Top-Bilder. Wird die Datenrate deutlich reduziert, wie es etwa bei DVB-T grundsätzlich der Fall ist, wird aus HDTV hochaufgelöster Pixelwust. Diese Gefahr besteht durchaus: Für die Programmanbieter ist es rentabler, viele Programmemit geringer Datenrate als umgekehrt wenige Programme mit hoher Datenrate anzubieten. Bei einzelnen aktuellen Standard-Digital-Sendern findet genau diese Abwägung bereits statt. Auch wenn die HD-Welt noch nicht unbedingt perfekt ist: Ein enormes Stück näher an das vollkommene Filmbild rücktman dennoch.

Abstandstabelle:

DiagonaleAuflösungAbstand
80 cm/32 Zollum 1280 x 720ca. 1,40 m
94 cm/37 Zollum 1280 x 720ca. 1,50 m
94 cm/37 Zoll1920 x 1080ca. 1,40 m
106 cm/42 Zollum 1280 x 720ca. 1,70 m
106 cm/42 Zoll1024 x 1080ca. 1,50 m
106 cm/42 Zoll1920 x 1080ca. 1,50 m
116 cm/46 Zoll1920 x 1080ca. 1,80 m
127 cm/50 Zollum 1280 x 720ca. 2,00 m
127 cm/50 Zoll1024 x 1080ca. 1,80 m
127 cm/50 Zoll1920 x 1080ca. 1,80 m
165 cm/65 Zoll1920 x 1080ca. 2,00 m

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