Die HDMI-Lüge

Praxis: HDMI

Die ständige Weiterentwicklung der HDMI-Norm verunsichert Verbraucher durch Versionsnummern. Worauf ist zu achten?

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HDMI ist die Schnittstelle des hochauflösenden Fernseh- und Video-Zeitalters.
HDMI-Lüge

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Hat denn der jetzt auch HDMI 1.3?? ist eine der häufigen Fragen, denen sich Verkäufer, Produktmanager und Redakteure stellen müssen, wenn es um neue Geräte mit HD-Anschluss geht. Und dass genau diese Frage überhaupt im Raum steht, war nie die Absicht der HDMI-Urväter. Die Norm soll voll rückwärts kompatibel sein ? d.h. zwei Geräte mit HDMI-Buchse sollen immer miteinander funktionieren, egal, welche Zusatzfeatures sie beinhalten.

Dass diese ideale Traumwelt nicht ganz so wie gedacht funktioniert, beweisen einige Startschwierigkeiten der Norm, die glücklicherweise schon lange hinter uns liegen. Der Standard-HDMI ist elektrisch wie logisch jedoch so komplex und teilweise auslegungsfähig, dass es in einigen Kombinationen immer noch zu Problemen kommen kann. Und dass jedes Jahr teilweise grundlegende Erweiterungen in die Norm einfließen, macht diese Technologie nicht gerade einfacher.

Vielleicht ist es ja auch zu einem Teil der übereifrigen Berichterstattung zu verdanken, durch die jede Variante von HDMI mit ihren Features groß und breit erläutert wurde, dass sich überhaupt ein Bewusstsein für die Evolution der Norm entwickelte.

Alles kann, nichts muss

Ein entscheidendes Charakteristikum der HMDI-Norm ist, dass nur wenige Basisfunktionen wirklich bindend sind, viele Features jedoch optional erweitert werden können. So sind alle Funktionen, die mit neuen Varianten des Standards neu eingeführt wurden, grundsätzlich Luxus. Schon von Anfang an galt unter den führenden Herstellern die Vorgabe, die Versionsnummer der genutzten HDMI-Norm nicht zu kommunizieren.

Man solle einfach die jeweils aktuellen Chips nutzen und den technischen Fortschritt in die Geräte einfließen lassen. Die ATC, die autorisierten Testcenter, bei denen jeder Hersteller seine fertigen Geräte auf volle Kompatibilität prüfen lassen kann, sind natürlich auch angehalten, die jeweils aktuelle Norm als Messreferenz zu nutzen. So kann es dazu kommen, dass ein Gerät mit einem Chip, der gerade HDMI 1.0 beherrscht als ?kompatibel zu 1.3? ausgewiesen wird, was man ja fast schon als Irreführung des Kunden bezeichnen könnte. Und selbst der entscheidende HDMI-Baustein (meist von Silicon Image), der theoretisch die allerneuesten Features bereitstellt, muss ja nicht unbedingt mit echtem Deep Color oder den neuen HD-Tonformaten beschickt werden und bürgt also auch nicht automatisch für perfekte Qualität. HDMI 1.3 brachte den größten Evolutionssprung in die Norm, stellt jedoch nur eine Reihe von Möglichkeiten dar, die momentan übrigens noch kein Gerät wirklich vollständig nutzen kann. In der Sprache von Marketingexperten klingt das alles ganz anders. Dabei bedeutet ?Natürlich hat unser Gerät auch HDMI 1.3? eigentlich ja gar nichts Greifbares und daher wird eine solche Aussage sogar jetzt von der HDMI-Lizenzorganisation verboten.

Klare Aussagen

Seit dem 17. Oktober 2007 gibt es neue Richtlinien für den Gebrauch des HDMI- Logos und des Namens. Zu diesem Schritt hat man sich entschlossen, weil mit den Versionsnummern zu viel Schindluder getrieben und Konsumenten teilweise getäuscht wurden. Zahlen sind Schall und Rauch und so darf die Versionsnummer von HDMI bald nur noch in Verbindung mit einer Auflistung der Features genannt werden, die das Gerät tatsächlich unterstützt. Das macht das Ganze zwar etwas komplizierter, doch es ist schon extrem sinnvoll, wenn Features wie Deep Color, Highspeed-Kabel, HD-Tonformate und LipSync dann klar gekennzeichnet werden. Für den erweiterten Farbraum (x.v.Color) gibt es sogar ein eigenes Logo. Alle Deklarationen sollen in Datenblättern, Bedienungsanleitungen, Werbung, ja sogar auf dem Gerätekarton erfolgen. Gut für den Konsumenten, vor allem, wenn er fleißig Fachmagazine liest und daher weiß, was diese Features denn so bewirken. Damit nicht zu stark auf aktuell im Markt befindliche Produkte eingewirkt werden muss (neue Anleitungen und Verpackungen) gibt es leider noch eine einjährige Gnadenfrist für die Hersteller. Sie sind jedoch angehalten, wenn es finanziell verträglich ist, die neuen Richtlinien so schnell wie möglich umzusetzen. Diese beinhalten übrigens klare Vorgaben, was ein Gerät leisten muss, um sich mit Bezeichnungen wie beispielswiese Deep Color schmücken zu dürfen. In diesem Fall muss ein Quellgerät natürlich eine Farbtiefe von mehr als 8 Bit übertragen ? ja es wird sogar gefordert, dass die zusätzlichen Auflösungsdaten echten Nutzinhalt haben müssen. Auf Displayseite brauchen die Bits dann nicht nur hochauflösend angenommen und weiterverarbeitet werden, das Panel muss sogar diese Bildinformationen auch wirklich darstellen können. Schön, dass hier dann bald auch nicht mehr mit falschen technischen Daten gefuscht werden darf.

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HDMI ist die Schnittstelle des hochauflösenden Fernseh- und Video-Zeitalters.

Worauf ist zu achten?

Die Versionsnummer von HDMI ist ein Anhaltspunkt für oft nur theoretische Grundfeatures und meist auf den Verbindungs-Chip bezogen. Es ist viel wichtiger, was das Gerät tatsächlich detailliert leistet. Der anspruchsvolle Käufer durchstöbert unsere Messergebnisse, Testbeschreibungen und Ausstattungstabellen. Hier findet er Infos beispielsweise über die unterstützten Tonformate eines Gerätes, wie sie decodiert und über HDMI übertragen werden. Auch LipSync, CEC- Steuerfunktionen und die Kategorie eines Kabels werden in der Regel angegeben. Lassen Sie sich nicht von der HDMI-Versionsnummer verwirren. Nur wenn ein Hersteller eine ?alte? Variante nutzt darf davon ausgegangen werden, dass neue Features nicht implementiert sind. So herum funktioniert die HDMI- Kompatibilitätslogik.

Kennzeichen HDMI

Folgende Eigenschaften von HDMI-Geräten sollen in Zukunft von den Herstellern klar gekennzeichnet werden. Es gibt Vorgaben, welche technischen Parameter ein Gerät genau zu erfüllen hat, um diese Features nennen zu dürfen.

1. Deep Color ? mit den 8 Bit des klassischen Videomaterials lassen sich gerade mal 256 Graustufen bzw. Grundfarbstärken abbilden. HDMI darf schon immer 12 Bit (4096 Stufen) und kann jetzt auch 16 Bit (65536 Stufen) pro Farbe auflösen. Mehr als 8 Bit sinnvolle Videodaten dürfen sich ?Deep Color? nennen.

Erweiterter Farbraum (x.v.Color) ? aus welchen Spektralanteilen die Grundfarbe einer TV-Übertragung besteht, wird im Fernsehstandard festgelegt. Diese maximale Buntheit ist bei HDTV und PAL beispielsweise unterschiedlich. Über die Daten von x.v.Color kann ein Quellgerät dem Display genau beschreiben, wie sich die Grundfarben des zugespielten Films definieren. Damit werden buntere und realistischere Bilder denn je möglich.

x.v.Color

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Für den erweiterten, frei definierbaren Farbraum von HDTV-Anwendungen gibt es in Verbindung mit HDMI jetzt sogar ein offizielles Logo.

2. Tonübertragung ? HDMI kann neben den ?alten? Digitalübertragungen von S/P-DIF weitere Tonkodierungsverfahren weiterleiten. Wichtig sind dabei die neuen Tonspuren von Blu-ray und HD DVD. Es wird vorgeschlagen, die entscheidenden Möglichkeiten konkret zu nennen, beispielsweise ?DVD-Audio?, ?SACD?, ?dts-HD Master Audio? oder ?Dolby TrueHD?.Weitere Features wie die PCM-Kanalanzahl dürfen gerne auch erwähnt werden.

3. Verbindungen ? klassische Stecker vom Typ A werden als ?HDMI-Stecker? bezeichnet, der neu definierte Typ C als ?HDMIMinistecker?.

4. Kabel ? ein HDMI-Kabel, das der Kategorie 1 entspricht, also Pixelfrequenzen bis 74,25 MHz (1080i60, 8 Bit) übertragen kann, nennt sich ?Standard HDMI-Kabel?. Funktioniert es nach der Kategorie 2, also bis 340 MHz, darf es sich ?High Speed HDMI Kabel? nennen.

5. Auto LipSync ? die Mindestanforderungen für einen Ausgleich des Tonversatzes werden erst zukünftig definiert.

Norm Release Wichtigste Änderungen
1.0 09.12.2002 erster Standard
1.1 20.05.2004 DVD-Audio Tonübertragung
1.2 22.08.2005 SACD Tonübertragung
1.2a 14.12.2005 CEC-Änderungen
1.3 22.06.2006 Mini-Stecker, Highspeed-Verbindung, Kategorie-2-Kabel, Kabel-Equalizer, Deep Color, x.v.Color (erweiterter Farbraum), HD-Tonformatübertragung, Auto-LipSync
1.3a 11.10.2006 Klärung einiger Parameter
1.4 2008?

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