Praxis: Die ganze Wahrheit über 1080p

Praxis: Die ganze Wahrheit über 1080p

Seit langem hatten wir keinen so brisanten Systemkrieg wie zwischen Blu-ray und HD-DVD. Und dieser tobt seit zwei Jahren unter Einbeziehung aller Medien - lange bevor überhaupt die Standards festgelegt waren. Am Ende wurde jeder gute Punkt der Gegenseite in die eigenen Definitionen der hoch auflösenden Zukunft übernommen.

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Praxis: Die ganze Wahrheit über 1080p

Blu-ray gegen HD-DVD

Seit langem hatten wir keinen so brisanten Systemkrieg wie zwischen Blu-ray und HD-DVD. Und dieser tobt seit zwei Jahren unter Einbeziehung aller Medien - lange bevor überhaupt die Standards festgelegt waren. Am Ende wurde jeder gute Punkt der Gegenseite in die eigenen Definitionen der hoch auflösenden Zukunft übernommen.

Betrachten wir die Spezifikationen von Blu-ray und HD-DVD, sind sie jetzt in allen qualitativ entscheidenden Aspekten identisch. Nur die Definition von Interaktivität bleibt als Unterschied, siehtman von der physikalischen Struktur der Scheibe selbst einmal ab. Blu-ray besitzt mehr Speicherkapazität, HD-DVD ist billiger zu produzieren. Punkt, Schluss, aus.

Fünf Fakten zu 1080p

* FAKT 1 Sowohl auf Blu-ray als auch auf HD-DVD werden Filme progressiv in 1080p25 gespeichert.

* FAKT 2 Gibt ein Player die Filme interlaced (1080i50) aus, bedeutet das nicht unbedingt Qualitätsverlust.

* FAKT 3 Mit beiden HD-Medien steht uns eine ruckelnde Umwandlung der Bildrate (Pulldown) ins Haus.

* FAKT 4 Fast kein Fernseher (oder Projektor) kann Kinofilme in ihrer originalen Bildrate (p24) darstellen.

* FAKT 5 Qualitätsunterschiede zwischen Blu-ray und HD-DVD kommen nicht durch Systemvorteile, sondern durch individuelle Playertechnik und die Codierung der Scheiben.

Was ist besser?

Es verwundert, dass manche Magazine die ersten Player beider Lager miteinander vergleichen und verkünden, das überlegene System gefunden zu haben. Erst hieß es: "HD-DVD kann ja nur interlaced 1080i, während Blu-ray progressive beherrscht." Dann kommt das erste Blu-ray-Gerät, wird getestet und enttäuscht durch einen Chipfehler. Dann steht plötzlich auf den neuen HD-DVD-Scheiben "1080p". Wie kann das sein?

Filme sind immer Progressiv!

Kinofilme bestehen aus Dias, von denen 24 Stück pro Sekunde abgespielt werden. Es gibt in den Lichtspielhäusern keine Halbbilder oder Ähnliches, das mit elektronischen Live-Aufnahmen ins Spiel kommen kann. Also wurden auch schon auf DVD Filme mit 24 Bildern pro Sekunde codiert. Die Player müssen daraus 60 Halbbilder generieren, damit jeder USA-Standardfernseher das Material abspielen kann. Dieser Vorgang, der einige Bilder wiederholen muss und daher leichtes Ruckeln bedingt, nennt sich "Pulldown". In Europa sieht das anders aus. Hier arbeiten Fernseher mit 50 Hz. Deshalb wurden für unsere DVDs Kinofilme minimal schneller abgespielt. Es befinden sich 25 Vollbilder pro Sekunde auf der Disc. Aus ihnen 50 Halbbilder zu produzieren ist für den Player ein verlust- und ruckelfreies, mathematisches Kinderspiel.

High Definition - eine geeinte Welt

Das PAL-orientierte Europa hatte den NTSC-USA schon immer die bessere Bildqualität voraus. PAL bietet mehr Auflösung, stabilere Farben und ruckelt nicht mit Kinofilmen. Offensichtlich ist es den Filmfirmen - jedenfalls bei den ersten in Europa erscheinenden Filmen - zu viel Arbeit, die Abtastung in unterschiedlichen Varianten zu codieren. Alle Filme sollen in 1080p24, also dem nativen Filmformat in seiner höchsten Auflösung und ohne Beschleunigung weltweit vermarktet werden. Diesem Vorhaben kommt zugute, dass jeder europäische HD-ready- Fernseher 60 Hz, also die amerikanische Bildfrequenz, beherrschen muss. Zudem wurden auch die ersten Player auf 60 Hz getrimmt, und man munkelt, dass sogar 25/50-Hz-Scheiben zur Ausgabe auf TVs in 60 Hz umgewandelt werden. Das Resultat ist, dass auch (jedenfalls die ersten) Kinofilme in europäischen Playern das Pulldown-Verfahren über sich ergehen lassen müssen und daher ruckeln.

Der Ausweg aus dem Pulldown

Die Firma Pioneer hat dieses Problem schon im Ansatz erkannt und die Bildausgabe in 1080p24 in den Spezifikationen ihres Blu-ray-Players festgeschrieben. Da so gut wie kein Display dieses Format entgegennimmt, bieten die Japaner den passenden 50-Zoll-Full-HD- Superplasma mit an. Die Kombination dieser Geräte liefert das einzige ruckelfreie und wirklich originalgetreue Kinobild nach Hause - erstmals in den USA.

Fazit

1080p ist nicht gleich 1080p und auch nicht unbedingt besser als 1080i. Es ist entscheidend, mit welcher Frequenz die Bilder gespeichert und übertragen werden. Die Discs beinhalten 24 oder 25 Vollbilder, die Player können aber daraus 24, 25, 30, 50 oder 60 berechnen. Wichtig ist die passende Kombination mit dem TV-Gerät, denn keine dieser Varianten wird von HD-ready gefordert. Ein Muss ist dort allein die Kommunikation in 1080i mit 50 oder 60 fps, die jedoch bei geschickter Filmmode-Erkennung des TV-Geräts qualitativ gleichwertige Ergebnisse liefert wie Progressive Scan (bei 1080p50). Die Normen Blu-ray und HD-DVD stellen völlig identische Qualitätsstandards zur Verfügung, die von Playern und Filmherstellern jedoch unterschiedlich ausgereizt werden können.

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