Das Energie-Sparprogramm

Plasma-Fernsehern

Um dem schwankenden Verbrauch von Plasma-Fernsehern besser gerecht zu werden, benutzt es neben stehenden Testbildern auch eine zehnminütige Endlosschleife mit TVProgramm. Ein Energie-Etikett, das zu jedem Fernseher den realistischen Verbrauch angibt, rückt damit in greifbare Nähe. Für Kühlgeräte gibt es diese europaweite Auszeichnung bereits seit 1995. Für Waschmaschinen wurde sie 1996, für Spülmaschinen 1999 eingeführt. Und das mit einem überaus positiven Effekt: Die Hersteller begannen rasch, den Stromverbrauch nachhaltig zu senken.
Spar-Diagramm

© Archiv

Ein einfaches Spar-Diagram

Anton Eckl, bei der GfK für die so genannte "Weiße Ware" zuständig, erinnert sich: "Schon nach fünf Jahren erreichten 57,3 Prozent aller Waschmaschinen-Modelle die beste Energie-Effizienzklasse "A". Bei den Spülmaschinen lag die Quote nach derselben Zeitspanne sogar über 75 Prozent". Kühlgeräte sind inzwischen so sparsam, das die Skala nicht mehr ausreicht und nach oben um die Klassen A+ und A++ erweitert werden musste.

Zwar halten viele Händler ein Energie-Label für Geräte der Unterhaltungselektronik immer noch für unwahrscheinlich. Doch Wilfried Oppermann, Mitglied im zuständigen Ausschuss des Hersteller-Verbandes ZVEI ist zuversichtlich: "Das Etikett wird kommen" (siehe Interview, Seite 22). Ohne weitere Sparmaßnahmen sind die ehrgeizigen Ziele der Europäischen Union auch nicht zu erreichen. Der "Action Plan for Energy Efficiency" sieht vor, den Energiekonsum in der EU bis zum Jahr 2020 um 20 Prozent zu senken.

Das Verbraucherverhalten macht diese Aufgabe nicht einfacher. Denn wie beim Autokauf wohnen - auch wenn es um TV-Geräte geht - zwei Seelen in der Konsumentenbrust. Die eine will Hubraum und Komfort, sprich Bildgröße und Ausstattung. Die andere sucht nach Möglichkeiten Umwelt und Geldbeutel zu schonen.

Welche Seite häufig gewinnt, zeigt ein Blick auf die Straße: Dort kurven zunehmend große Geländewagen umher. "Statussymbole sind wichtig", weiß Jörg Jelden von der Unternehmensberatung Trendbüro in Hamburg. "Die Menschen wünschen sich energiesparende Produkte, wollen dafür aber auf nichts verzichten." In diesem Punkt unterscheide sich das heutige grüne Gewissen von grünen Bewegungen der 1980er-Jahre. Damals stand gesellschaftliches Umdenken auf der Agenda. Heute, so Jelden, gehe es vor allem "um Genuss ohne Reue".

Das belegt auch eine aktuelle Umfrage der GfK: Mehr als 70 Prozent der Konsumenten halten den Stromverbrauch eines Fernsehers für wichtig. 30 Prozent finden ihn sogar "sehr wichtig". Trotzdem sind Bildqualität und Preis noch immer die kaufentscheidenden Kriterien. An dritter Stelle folgen allerdings schon die Energiewerte. Besonders im Fokus steht der Standby-Verbrauch. 68 Prozent der befragten Deutschen geben an, den Fernseher nach Gebrauch komplett abzuschalten.

Die Auswirkungen dieser Stromspar-Maßnahme werden freilich überschätzt. Stephanie Zangl, die im Auftrag des Freiburger Öko-Instituts eine Gruppendiskussion mit Konsumenten auswertete, kommt zu dem Schluss: "Das Thema Standby ist von Mythen geprägt." Die Teilnehmer der Studie meinten, mit dem Griff zum Netzschalter bis zu 200 Euro im Jahr zu sparen.

Hoher Verbrauch Standby / Betrieb Std. Stb. / Std. Betr. kWh kW/Jahr Euro
Fernseher Panasonic TH-42 PZ 80 E 0,1 / 397,8 20 / 4 1,5932 557,62 111,52
Blu-ray-Player Sony Playstation 3 1,8 / 173 22 / 2 0,3856 134,96 26,99
HDTV-Receiver Homecast HS 8100 CIPVR 18 / 33 22 / 2 0,462 161,7 32,34
VOD-Box Apple-TV 18,5 / 20,5 22 / 2 0,448 156,8 31,36
DVD-Recorder Philips DVDR 3575 H 2,8 / 25 22 / 2 0,1116 39,06 7,81
Heimkino-PC Aldi-PC (Medion) 4,7 / 124 22 / 2 0,3514 122,99 24,60
AV-Receiver Yamaha RX-V563 0,8 / 240 22 / 2 0,4976 174,16 34,83
Summe: 46,7 / 1013,3 3,8494 1347,29 269,45

Die tatsächlichen Werte liegen deutlich darunter. So bringt das Ausschalten bei einem modernen Fernseher, der 0,3 Watt im Standby benötigt, pro Jahr nur etwa 50 Cent. Die Reparatur des Netzschalters, der durch das ständige "Ein" und "Aus" womöglich früher verschleißt, kommt sicher erheblich teurer.

Betagte Röhren-TVs, die 10 bis 20 Watt im Ruhezustand verbrennen, profitieren von der Netztrennung schon eher. Noch besser tauscht man sie gleich gegen ein neues Gerät aus. Denn jedes Watt in Standby treibt die Rechnung am Ende des Jahres um etwa 1,50 Euro nach oben.

Bei aktuellen LCD-und Plasma-Fernsehern kommt es dagegen mehr auf die Leistungsaufnahme während des Betriebs an. Die Standby-Werte wurden von der Industrie inzwischen auf unter ein Watt gesenkt (siehe Grafik Seite 3). Echte Stromsparmeister kommen sogar mit 0,19 Watt aus.

Leider lassen sich solche Traumwerte nicht auf alle Komponenten im Heimkino übertragen. Vor allem Set-top-Boxen und Geräte mit Digital-Tuner brauchen im Standby mehr Energie, weil sie Programm-Informationen und Software-Updates empfangen. Der Fachmann spricht dabei vom "aktiven Standby", während der typische Fernseher eher "passiv" auf seinen Einsatzbefehl von der Fernbedienung wartet.

Eine Sonderstellung nehmen TV-Geräte mit Festplatten-Recorder und Satelliten-Tunern ein, wie Metz und Loewe sie anbieten. Weil mehrere Geräte ins Gehäuse integriert sind, können 1,2 Watt im Standby zusammenkommen, aber auch 40 Watt, wenn alle Komfortfunktionen aktiv sind.

Auf Seite 3: Die Kehrseite des Stromspar-Programms...

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