Phisherman's Phriend

Phishing-Gefahr

Kontobetrüger agieren zunehmend professioneller und greifen als Bande mit Experten für Bot-Netze, Trojaner, JavaScript-Hacks und Geldwäsche an.

Phisherman's Phriend

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Vorsicht beim Online-Shoppen

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Autoverkäufer, Vermieter von Ferienwohnungen oder Online-Händler werden zunehmen als Geldwäscher missbraucht.

Joseph setzte seinen in die Jahre gekommenen und schon etwas angegammelten Astra bei Autoscout24 ins Angebot - zu einem Preis, den niemand so richtig bezahlen wollte. Ein Käufer meldete sich dennoch. Er war begeistert von dem Angebot und versprach sogar, eine Anzahlung zu überweisen. Denn er wäre jetzt erstmal drei Wochen im Urlaub und würde sich anschließend wieder melden.

Joseph war beim Stichwort Anzahlung ebenfalls begeistert und seine Stimmung steigerte sich noch als er die 2500 Euro am nächsten Tag auf seinem Konto fand: Ein Drittel des Preises für seine alte Rostmöhre. Schon zwei Tage später meldete sich der potenzielle Käufer zum Leidwesen des Verkäufers wieder und trat vom Kauf zurück.

Er bat darum, den Betrag per Western Union an seinen Urlaubsort gesendet zu bekommen. Joseph durfte selbstverständlich 250 Euro einbehalten für Gebühren, Aufwand und Enttäuschung.

250 Euro für fast nix gefielen Joseph auch nicht schlecht. So war er ohne sein Wissen zu einem Geldwäscher geworden. Der vermeintliche Käufer war Mitglied einer Konto-Phisher-Bande und hat das Geld von einem gephishten Konto überwiesen. Joseph hat es durch den anonymen Geldversand rein gewaschen. Seinen Teil der Beute durfte er nicht behalten und im schlimmsten Fall drohen ihm sogar die Zurückerstattung der restlichen 2250 Euro plus drei Monate Gefängnis.

Bis zu sechsstelligem Schaden

Phishing liegt im Trend und bildet nach wie vor die Hauptform des Coumputer-Betrugs. Dabei arbeiten die Phisher in den wenigsten Fällen noch mit den klassischen Phishing-Mails. 90 Prozent aller Kontodiebstähle erfolgt über Trojaner. Das besagt ein Bericht von Bitkom, dem Branchenverband der IT-Industrie. Bitkom befragt jährlich die Landeskriminalämter und stellt die Statistik zusammen. Die Zahl der geplünderten Konten stieg 2006 um 23 Prozent auf 3250 Fälle mit einem Schaden von rund 13 Millionen Euro.

Das sind 4000 Euro pro gehacktem Konto. Für das erste Halbjahr 2007 sind die Zahlen noch nicht vollständig, Bitkom erwartet aber wieder zirka 25 Prozent Steigerung und einen Schaden von 4700 Euro pro Fall. Die Gier der Betrüger nimmt offensichtlich zu.

Etwas anders sehen die Zahlen des Bundeskriminalamtes aus. Es gab 62 000 Straftaten im Bereich Internet- und Kommunikationstechnologien und 118 000, bei denen die Kriminellen das Tatmittel Internet verwendeten. Mit 3000 Phishing-Fällen registrierte das BKA im Jahr 2006 etwa so viele wie im Vorjahr.

Viele Fälle gelangen jedoch nicht zum BKA, sondern verbleiben bei den Landeskriminalämtern. Die Schäden liegen zwischen zwei- und dreitausend Euro, in Einzelfällen jedoch auch sechsstellig. "Überwiegend werden unbemerkt "Trojanische Pferde" eingeschleust", weiß auch das BKA.

Um überhaupt erfolgreich arbeiten zu können, treten Phisher in Banden auf. "Die hohe technische Innovation sowie das verstärkte arbeitsteilige Vorgehen der Straftäter sprechen zunehmend für organisierte Täterstrukturen", schreibt das BKA in einer Erklärung.

Eine solche Bande wurde nach 18monatiger Ermittlung im September hochgenommen. Die Polizei verhaftete acht Personen, darunter zwei Frauen, in Bad Homburg, Düsseldorf, Köln, Frankfurt und Elmshorn. Die Deutschen, Russen und Ukrainer hatten 109 Konten geplündert und dabei 600 000 Euro erbeutet - das sind immerhin 5500 Euro pro Fall. Auch diese Bande hatte mit Trojanern gearbeitet, um PINs und TANs abzufangen.

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