Vielseitige Rettungsmöglichkeit

PE-Systeme von XP und Vista

Besonders interessant sind auf Windows PE-bzw. (Bart)PE-basierende Notfallsysteme und auf diesem beruhende Ableger (LiveXP, Reatogo-X-PE, VistaPE und Ultimate Boot CD for Windows (UBCD4Win)). Windows PE ist ein von Microsoft für Firmenkunden entwickeltes, abgespecktes Windows, welches von CD/DVD gestartet wird. Dank der Freeware BartPE kann sich aber jeder, der eine Windows XP- Installations-CD besitzt, eine PE-Variante erstellen, die zudem leistungsfähiger als das Original ist.

XP-, Vista- und Linux-Rettungs-ISOS von USB booten

© Archiv

Das Kommandozeilen-Fenster von BUSBU. Zur Einrichtung von Grub reicht die Ausführung des zweiten Befehls (mit C).

Es spricht aber viel dafür, sich ein Notfallmedium auf Basis des Originals selbst zusammenzustellen. So kann man genau die Treiber und Plug-ins integrieren, die man benötigt. Das System bleibt schlank, bootet schneller und lässt sich gut aktualisieren. Weiterhin bieten einige kommerzielle Hersteller (z. B Acronis oder Paragon) interessante BartPE-Plug-ins ihrer Programme an. Sie sind primär für das Original BartPE ausgelegt, mit entfernten Ablegern wie VistaPE gibt es schon mal Probleme.

Von den genannten BartPE-Varianten ist UBCD4Win hervorzuheben. Es hat bereits viele Erweiterungen und lässt sich gut mit BartPE-Original-Plug-ins erweitern. Reatogo-X-PE ist ähnlich, jedoch nicht so gut gepflegt. LiveXP und VistaPE sind vom BartPE-Original weiter entfernt, da sie über das mit Scripten arbeitende Programm WinBuilder erstellt werden.

Wenn, dann ist VistaPE empfehlenswert, da es nicht auf Windows XP, sondern Vista basiert und sich wegen abweichender Datei-bzw. Ordnerstruktur gut mit einem BartPE-Projekt auf einem USB-Stick kombinieren lässt. Zur Erstellung von VistaPE brauchen Sie neben einer Vista-Installations-DVD zudem das Windows Automated Installation Kit (auch wenn in den Script-Beschreibungen oft steht, man würde nur eins von beiden benötigen).

XP-, Vista- und Linux-Rettungs-ISOS von USB booten

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Auszug aus der Grub-Menüsteuerungsdatei menu.lst.

Die Übertragung von PE-Projekten auf USB-Stick benötigt nur eine simple Kopieraktion. Zwar gibt es dafür auch Programme (PeToUSB, ubcd4winToUSB, VistaPE hat ein Script dafür). Aber um einen multibootfähigen Stick zu erstellen, ist es besser, alles von Hand zu kopieren und anzupassen.

Beginnen Sie mit VistaPE und kopieren Sie den Inhalt des Verzeichnisses ...\Winbuilder\Target\VistaPE-Core auf den Stick. Einzige Ausnahme: Lassen Sie die Datei menu.lst (im Stammverzeichnis) weg. Gehen Sie nun ins Unterverzeichnis BartPE Ihres zweiten PE-Projektes (z. B. UBCD4Win, LiveXP, BartPE). Kopieren Sie den Ordner i386 auf den Stick und benennen Sie ihn in minint um. UBCD4Win benötigt zudem den Unterordner CMDC. Kopieren Sie dann das Verzeichnis Programs. Bereits (von VistaPE) existierende Dateien bzw. Ordner überschreiben Sie.

Bei LiveXP kopieren Sie statt Programs das deutschnamige Verzeichnis Programme. Nun fehlen noch die Dateien WIN51IP, WIN51IP.SP2, NTDETECT.COM und ntldr, die im Stammverzeichnis des USB-Sticks liegen müssen. Die ersten zwei finden sich im Stammverzeichnis des BartPE-Projekts. NTDETECT.COM kopieren Sie aus dem Verzeichnis minint heraus. Dort liegt auch ntldr, jedoch unter einem anderen Namen, nämlich SETUPLDR.BIN. Kopieren Sie diese Datei ins Stammverzeichnis des Sticks und benennen Sie sie um.

Nun fehlt nur noch die Installation und Konfiguration des Bootloaders Grub4Dos (kurz Grub). Grub besteht aus einem eigenen MBR, einem Bootloader und einem Menüsystem, über das sich mehrere Betriebssysteme laden lassen. Der Clou: Der Bootloader mountet CD-Images im ISO-Format und führt sie (sofern bootfähig) per Emulation aus. Das klappt bisher zwar nur mit einfachen, Linux-basierten ISO- Images. Aber das trifft immerhin auf die Notfall-CDs von Acronis, den Festplattenpartitionierer Parted Magic oder die Ultimate Boot CD (UBCD) zu. Man kann alle ISO-Images in einem Verzeichnis sammeln und von dort einzeln starten.

XP-, Vista- und Linux-Rettungs-ISOS von USB booten

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Inhalt (Stammverzeichnis) des fertigen, im Text beschriebenen Multiboot-USB-Sticks

Auch VistaPE bringt ein Script zur Einrichtung von Grub samt Menü mit. Bequemer und leistungsfähiger ist aber das Programm Bootable USB-Drive Utility (BUSBU). Das skriptbasierte Kommandozeilen-Programm richtet nicht nur Grub samt Menü ein, sondern kopiert auf Wunsch auch die Dateien eines BartPE- Projektes auf den USB-Stick.

Wichtig ist jetzt noch die Grub-Steuerungsdatei menu.lst, die nach der Installation im Stammverzeichnis des Sticks liegt. Sie bestimmt die Einträge des Bootmenüs und enthält die notwendigen Befehle zum Starten der Bootloader bzw. CD-Images. Typische Befehle zum Starten von VistaPE, BartPE und CD-ISO-Images zeigt die Abbildung. Bei BartPE können Sie den Windows-Bootloader auf zwei grundsätzlich gleichwertige Arten aufrufen: entweder über ntldr im Stammverzeichnis oder setupldr.bin im Unterverzeichnis minint. Nach diesen Anpassungen ist alles fertig und sollte der Multiboot-Notfall-Stick eigentlich perfekt funktionieren!

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