PC-Broschüren durchleuchtet

PC-Angebote in Katalogen verstehen - Werbung und Wirklichkeit

Riesig, bombastisch, rasant. Auf den Werbeblättern der großen PC-Anbieter wimmelt es von Superlativen. Doch sind die Angebote wirklich so gut, wie Media Markt & Co. versprechen?

Media Markt Broschüre Werbung Katalog

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Media Markt Broschüre Werbung Katalog

Riesig, bombastisch, rasant. Auf den Werbeblättern der großen PC-Anbieter wimmelt es von Superlativen. Doch sind die Angebote wirklich so gut, wie Media Markt & Co. versprechen? Und was bedeuten die vielen Abkürzungen?

Weihnachten liegt hinter uns, doch die großen Elektronikanbieter lassen nicht locker. Wir werden von Werbebroschüren überhäuft, Media Markt und Saturn überschlagen sich mit Angeboten und auch die Discounter wie Lidl oder Aldi lassen sich nicht lumpen. Auch hier gibt es PCs und Notebooks zu angeblichen Schnäppchenpreisen, schnell und gut wie nie, preiswert obendrein und ausgestattet mit allem, was das Herz begehrt oder jemals begehren könnte. Doch wie gut sind die vermeintlichen Schnäppchen wirklich? Ein Blick hinter die Kulissen der bunten Werbebroschüren hilft hier weiter, denn nicht alles ist immer so schön und so toll wie man uns glauben machen möchte.

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Ein PC vom Aldi

Der Vorzeige-Discounter Aldi bot Anfang Februar in seinen süddeutschen Filialen einen Multimedia-PC namens Medion Akoya E4360 zum Preis von 499 Euro an. Der Rechner war mit einem Intel Core-i3-530-Prozessor, Windows 7 Home Premium, GeForce GT330 Grafikkarte, DVD-Brenner, 4 GByte Hauptspeicher und einer 1-TByte-Festplatte ausgestattet. Im Lieferumfang befanden sich Tastatur und Maus sowie Works 9.0 von Microsoft. Der Core-i3-530 ist ein aktueller, sehr schneller Prozessor mit zwei Prozessorkernen. Er ist für alle aktuellen Multimedia- Anwendungen schnell genug, eignet sich für die anspruchsvollsten Computerspiele aber nicht so gut. Hier sind die 4-Kern-CPUs deutlich überlegen. Etwas dubios ist die Grafikkarte, eine "GeForce GT330", denn offiziell existiert ein Chip mit dieser Bezeichnung nicht. Es bleibt zu vermuten, dass es sich bei der GT330 um eine umgetaufte GT230 handelt und bei der Leistung einer betagten 9600 oder 8800GS entspricht. Zudem wird DirectX 11 nicht unterstützt, somit können die neuesten Features aktueller Computerspiele nicht genutzt werden. Allerdings, und da muss man ganz einfach realistisch sein, kann man für 500 Euro auch keinen Rechner erwarten, der neben einem aktuellen Prozessor auch noch eine schnelle DirectX-11- Grafikkarte zu bieten hat. Schließlich schlägt eine aktuelle DirectX-11-Karte allein bereits mit 180 oder mehr Euro zu Buche. Wunder kann also auch Aldi nicht vollbringen, aber das Verhätlnis von Preis zur Leistung ist bei diesem Rechner in Ordnung.

Dell-PC beim Lidl

Ein ganz anderes Angebot macht Lidl seinen Kunden. Der Discounter verkauft einen Allin- One-PC von Dell zum Preis von 399 statt bisher 444 Euro. Der Rechner verfügt über einen Intel Celeron-450-Prozessor, 3 GByte RAM, eine Festplatte mit 320 GByte Kapazität und Intel Onboard-Grafik. Das alles steckt in einem platzsparenden Gehäuse, bei dem Display und Gehäuse eine Einheit bilden. Der Bildschirm misst 18,5 Zoll und ist laut Lidl ein "HD-Breitbild-Display mit einer Auflösung von 1.366 x 768 Pixeln ". Den Celeron 450 gibt es seit etwa 1,5 Jahren, damit ist er ein etwas betagtes Modell. Er besitzt nur einen Kern und ist mit 2,2 GHz getaktet. Office-Aufgaben ist diese CPU durchaus gewachsen, aber wirklich multimediatauglich sind weder der Prozessor noch die langsame Intel Onboard-Grafik. Somit ist der Rechner eher ein PC für Internet, Office & Co. und weniger ein Bolide für Multimedia- Anwendungen aller Art. Ein gewöhnlicher 18,5-Zoll-Monitor kostet übrigens etwa 120 Euro, da bleiben für den PC selbst noch etwa 270 Euro übrig. Wenn man das bedenkt und auch, dass neben Windows 7 auch Works 9.0 geliefert wird und Maus und Tastatur ebenfalls beiliegen, dann ist der Dell All-in-One-PC Inspiron 19 durchaus ein guter Kauf.

Media-Markt macht mobil

Wie immer nimmt der Media Markt den Werbemund ziemlich voll und bietet in seinem Februar-Newsletter Rechner mit markigen Vokabeln wie "Rasanter Arbeitsspeicher", "Spitzengrafik" und "Gigantische Festplatte" feil. Leider entspricht die im Packard-Bell-PC verbaute GT220 nicht wirklich dem Prädikat "Spitzengrafik", denn dieser Chip beherrscht kein DirectX 11 und gehört zu den langsameren Karten der aktuellen 200er-Baureihe. Die "riesige" 1000-GByte-Festplatte ist zwar groß, aber doch deutlich kleiner als die "Gigantische 1500 GB Festplatte" des in der gleichen Broschüre angebotenen Acer- Rechners. Als Mogelpackung könnten sich die "rasanten 6144 MB DDR3 Arbeitsspeicher" des Packard Bell-PCs entpuppen. Sieht man unten im Kleingedruckten nach, findet man schnell heraus, dass als Betriebssystem Windows 7 Home Premium mitgeliefert wird. Dieses Betriebssystem gibt es in der 32- oder 64-Bit-Variante, doch nur mit der 64-Bit-Version lässt sich mehr als 4 GByte Arbeitsspeicher ansprechen. Der Rest liegt brach und wird nicht genutzt. Sechs GByte Arbeitsspeicher machen also nur Sinn, wenn die 64-Bit-Version des Betriebssystems installiert wurde, doch darüber schweigt sich die Media-Markt-Broschüre leider aus. Dem Käufer bleibt also nichts anderes übrig, als sich im Media Markt nach dem installierten Betriebssystem zu erkundigen.

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