Verlorene Passwörter retten

Passwort vergessen? Hack dich selbst

Ob vergessen oder geklaut – wenn das Passwort fehlt, dann ist guter Rat teuer. Mit unseren Tipps und Tools verschaffen Sie sich wieder Zugriff auf Windows, Ihre Konten und Programme.

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© Ollyy / shutterstock.com

Mit ein weniger Hacker-Spirit retten Sie verlorene Passwörter oder Product-Keys.

Passwörter sind die Quälgeister des digitalen Zeitalters. Wir sind ständig auf sie angewiesen, schaffen es aber selten, sie zu bändigen. Bei der immensen Anzahl an Online-Konten, die es mit ihnen abzusichern gilt, leidet bei der Auswahl von Passwörtern entweder die Sicherheit oder die Zweckmäßigkeit. Wir zeigen Ihnen, wie Sie verloren geglaubte Passwörter zurückgewinnen.

Laut einer Umfrage von Bilendi GmbH im Auftrag von Web.de führen 58,8 Prozent der Befragten ein einziges Passwort für alle ihre Dienste. Geburtsdaten und Namen seien weiterhin voll im Trend, was es Hackern und Konto-Hijackern natürlich leicht macht. Doch selbst wenn sich niemand daran vergreift, Vergesslichkeit reicht schon als Grund, vor verschlossener Tür stehen zu müssen. 62,3 Prozent der Befragten merken sich ihre Passwörter, ohne sie zu speichern oder zumindest aufzuschreiben und sicher unterzubringen (Quelle: Web.de Studie).

Wir sind uns zwar sicher, dass sich unsere Leser nicht mehrheitlich darunter befinden, doch die vorgestellten Tipps sind dennoch hilfreich – ob aus Vorsorge für den Schlimmstfall oder um Freunden und Familienmitgliedern zu zeigen, wie man richtig mit Passwörtern umgeht.

Passwort-Vergessen-Option hilft nicht immer

Der hilfreiche „Ich habe mein Passwort vergessen“-Link ist nicht immer eine gute Lösung. Wenn das Online-Konto etwa mit einer E-Mail-Adresse verknüpft ist, auf die längst kein Zugriff mehr besteht, geht der Link zum Zurücksetzen des Passworts ins Leere.

Passwort Studie 2015 Grafik

© WEB.DE

Erschreckend: Die Sicherheitsstandards der Deutschen sind offenbar katastrophal. Und das obwohl in derselben Studie 53,5 Prozent angaben, sich vor Passwortdiebstahl zu fürchten.

Die weiterhin beliebte Sicherheitsabfrage als Passworthinweis kann sich gar als Sicherheitsrisiko entpuppen. Fragen wie „Wie ist der Name Ihrer alten Grundschule?“ können einerseits mit wenig Rechercheaufwand direkt von Außenstehenden beantwortet werden. Andererseits erinnert man sich leichter an die Antwort als an die genaue Schreibweise: „War es ‚Erich-Kästner-Grundschule‘ oder ‚Erich Kästner Grundschule?‘“

Das perfekte Passwort

Viel einfacher wäre es, sein Passwort gar nicht erst zu vergessen. Wenn dies auch noch lang und komplex genug wäre sowie für alle Anwendungen modulierbar – und vor allen Dingen leicht zu merken – dann bräuchte man sich damit überhaupt nicht mehr herumschlagen.

Es braucht nur ein wenig Einübung: Nehmen Sie eine Passphrase, zum Beispiel den ersten Satz Ihres Lieblingsbuches, und schreiben Sie sich die Anfangsbuchstaben auf. Versehen Sie diese danach mit einigen Sonderzeichen. Das ist der Grundstein Ihres Passworts. Je öfter Sie Passwörter mit diesem Grundstein benutzen, desto geübter werden Sie darin, die Buchstabenreihe zu schreiben.

Damit das Passwort nun aber für verschiedene Internetdienste gleichzeitig verwendet werden kann, hängen Sie nun einen Begriff an, den Sie mit dem Dienst verbinden (nicht den Namen des Dienstes selbst). Ein Beispielpasswort könnte nun so aussehen: Nmiepjihuwlg§$%gefälltmir (für Facebook)

Software-Hilfe

Damit Sie selbst die verschiedenen Iterationen für die jeweiligen Dienste nicht vergessen, können Sie kostenlose Passwort-Manager wie LastPass oder Keepass verwenden.

LastPass verwaltet all Ihre Passwörter, verschlüsselt diese lokal und synchronisiert sie auf allen PCs oder Mobilgeräten.

Lastpass Logo

© Latpass

Lastpass, um Passwörter zu verwalten.

Wer aber noch unperfekte Passwörter verwendet (oder wenn diese anderweitig nicht zugänglich sind), dem kommen komplexere Software-Lösungen zu Hilfe. Doch Vorsicht! Es handelt sich bei den hier vorgestellten Programmen um Hacking-Tools, die gegebenenfalls von Ihrer Anti-Viren-Software geblockt werden, solange Sie keine Ausnahmen dafür hinzufügen. Wenden Sie diese Tools außerdem nur auf eigene Dokumente, eigene Programme und eigene Identitäten in Online-Netzwerken an – im Einsatz gegen Dritte machen Sie sich strafbar!

Im Internet-Cache versteckt

Der Elcomsoft Internet Password Breaker setzt raffinierterweise direkt dort an, wo die Passwörter ihre Spuren hinterlassen haben. Zugangsdaten von Facebook und ähnlichen Seiten verstecken sich nämlich immer noch auf Ihrem System, selbst wenn sie nicht direkt sichtbar sind. Internet Passwort Breaker liest diese Ressourcen aus und rettet Ihre Passwörter.

Allerdings funktioniert dies möglicherweise nur für Webseiten, die Sie häufig besuchen, da der Browser-Cache regelmäßig geleert wird. Offline unterstützt das Programm POP3- IMAP-, SMTP- und NNTP-Passwörter für viele E-Mail-Clients, u.a. Outlook.

Internet Passwort Breaker

© Screenshot PC-Magazin

Internet Password Breaker scannt Ihren Computer und findet automatisch Zugangsdaten aus Ihrem Browser-Cache oder E-Mail-Clients wie Outlook.

Rechenpower ist notwendig, wenn es um lange und komplexe Passwörter geht und der Vorgang nicht Monate dauern soll. Distributed Password Recovery fragt nämlich eine Datenbank an Wörterbüchern ab und übt gleichzeitig Brute-Force-Angriffe aus, also systematische Abfragen aller möglichen Kombinationen aus Buchstaben und Sonderzeichen.

Office-Dateien entschlüsseln

Advanced Office Password Recovery ist ebenfalls von Elcomsoft und hilft Ihnen bei der Rettung von Office-Dokumenten. Dazu wählen Sie einfach nur die entsprechende Word-, Excel oder Access-Datei aus, und den Rest erledigt das Programm von selbst. Es liest zuerst temporäre Ordner aus und geht dann wie Password Recovery zu Wörterbuch- und Brute-Force-Attacken über.

Advanced Office Password Recovery

© Screenshot PC-Magazin

Advanced Office Password Recovery entschlüsselt Ihre eigenen Dokumente mithilfe von Hacker-Techniken (Brute-Force- und Dictionary attack).

Bei Windows ausgesperrt

Ist selbst das Kennwort für den Windows-Zugang nicht mehr auffindbar, muss man das Betriebssystem nicht aus Verzweiflung neu installieren. Stattdessen cracken Sie lieber Ihr System mit der kostenlosen Ophcrack Live-CD. Voraussetzung dafür ist aber ein weiterer PC.

Laden Sie dazu die ISO-Datei und brennen Sie sie. Legen Sie dann die DVD in den gesperrten PC und starten Sie ihn neu. Damit der Rechner von der DVD bootet, müssen Sie dies im BIOS einstellen. Ophcrack durchsucht den Computer nach Windows-Benutzern und Passwörtern und stellt eine Liste zusammen.

Software-Zugänge aus der Registry

Teure Microsoft-Software haben die meisten Benutzer ja im Blick und so ist im Notfall die Neuinstallation immer eine Option. Bei sonstiger Noname-Software ist aber mitunter der Produktschlüssel nicht mehr vorhanden.

Mit dem Magical Jelly Bean Keyfinder sind diese Schlüssel in den meisten Fällen wieder auffindbar – allerdings nur solange man das freigeschaltete Programm, das neu installiert werden soll, noch auf dem Rechner hat. Der Keyfinder liest die Windows-Registry nach über 8.000 unterstützten Programmen aus. Das Tool ist dabei kein illegaler Key Generator, denn es findet nur Schlüssel, die auf dem Rechner bereits zum Einsatz kamen.

Lesetipp

Lizenzschlüssel / Software-Produktschlüssel (Symbolbild)
Windows 7 Key & Co.

Sie wollen ein Programm neu installieren, finden aber den Lizensschlüssel nicht? Wir zeigen Ihnen wie Sie den Programmkey bequem auslesen können.

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