Verkabelung mit polymeren optischen Fasern

Datenübertragung via POF-Kabel

Schon bald wird jedes Elektrogerät im "Internet der Dinge" vernetzt sein. Die nachträgliche Verkabelung im bereits bestehenden Heim ist jedoch eine Herausforderung. Dabei sind polymere optische Fasern (POF) eine echte Alternative zu Kupfer, Glasfaser oder WLAN.

Datenübertragung via POF-Kabel

© Hersteller

Datenübertragung via POF-Kabel

Glasfaserleitungen sind längst kein Novum mehr. Zwischen Kontinenten und Städten übertragen sie Telefongespräche, Daten und TV-Bilder. Dabei zeichnen sie sich durch eine sehr hohe Datenkapazität und Übertragungsgeschwindigkeit aus. Der Nachteil: Zur Installation braucht man teure Spezialwerkzeuge und Expertenkenntnisse.

Demgegenüber ist die optische Polymerfaser eine billig herzustellende Faser aus Kunststoff, die - anders als Glas - quasi jeder auf Länge schneiden kann. Dafür gibt es passende Ablängwerkzeuge für wenige Euro von den POF-Anbietern. Diese sorgen dafür, dass die Faser perfekt rechtwinklig geschnitten wird. Dabei sollte man die Schnittfläche des Messers nur wenige Male an derselben Stelle verwenden, weil Schäden daran die Oberfläche der Faser und damit ihre Funktion beeinträchtigen können. Daher empfiehlt der Hersteller, nicht mehr als 25 Schneidvorgänge pro Werkzeug vorzunehmen.

Anders als bei Glasfaser- und Kupferkabeln kommt die POF-Faser sozusagen als Paar daher. Eine Ader dient zum Senden, die zweite zum Empfangen. Der Durchmesser beträgt 1,5 Millimeter, der kleinste Biegeradius liegt bei nur zwei Zentimetern.

Zum Vergleich: Ein Kupferkabel hat typischerweise einen Durchmesser von 7,7 Millimetern und dabei einen Biegeradius von mindestens drei Zentimetern. Ein Punkt für POF: Die Plastikleitungen lassen sich viel leichter verlegen. Ganz leicht sind die Faserpärchen unter dem Teppich, der Tapete, hinter einer Fußbodenleiste oder der Türzarge versteckt.

Die Plastikfaser ist außerdem unempfindlich gegenüber elektromagnetischen Einstrahlungen beispielsweise in bereits belegten Kabelkanälen. Es ist somit kein Problem, etwa in ein 230-Volt-Installationssystem POF-Leitungen einzuziehen.

Auch für die Netzwerk-Anbindung der Gartenlaube oder der Kamera im Garten lässt sich POF problemlos verwenden: Nehmen Sie einen Gartenschlauch als Schutzhülle und graben Sie diesen ein. Dann müssen Sie nur noch die POF-Leitung durchschieben.

Umwandlung vom Kupferkabel

Datenübertragung via POF-Kabel

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Datenübertragung via POF-Kabel

Ihre IP-Kamera oder Ihr Smart TV verfügt jedoch nicht über eine Schnittstelle für POF, sondern besitzt nur einen sogenannten LAN-Anschluss für Kupferkabel. Als Lösung bietet beispielsweise POF-Hersteller Easyware eine ganze Reihe aktiver Media-Adapter an. Diese wandeln jeweils optische in elektrische Signale um und umgekehrt. Die Bandbreite der Medienwandler reicht vom Adapter über 230-Volt-Zwischenstecker mit Medienwandler über Auf- und Unterputz-Einbauadapter bis zu Reiheneinbauwandlern für den Elektroschaltschrank. Die Einbauadapter sind sehr gut für Büros mit Kabelkanälen an der Wand geeignet. Der Medienadapter besitzt eine optische POF-Zuführung und zwei Anschlüsse für PC oder TV.

Es gibt auch die umgekehrte Konfiguration: eine aktive Anschlussdose, bestehend aus zwei optischen und einem Kupfer-Anschluss. So kann die Plastikader im Büro an der Wand entlang geführt werden, eine Verteilerdose zweigt ein herkömmliches LAN-Kabel davon ab.

Optische Kabel (POF)

Optische Kabel (POF)

  • entweder weiße oder graue Zwillingsadern, 1,5 mm,lieferbar in 30, 50, 70, 100 und 500 Metern Länge
  • oder Hybridleitung mit zwei POF-Adern und zwei isolierten0,8-mm-Kupferdrähten, beispielsweise zurStromversorgung von Adaptern oder Endgeräten

Eine Beispiel-Installation

Nehmen wir an, wir wollen im Kinderzimmer ohne LAN-Anschluss einen PC per POF-Kabel mit einer FRITZ!Box verbinden: Zuerst verlegen wir das POF-Kabel von derFRITZ!Box zu der Stelle, wo die PC-Anschlussdose gesetzt werden soll. Achtung: Lassen Sie an der Seite der FRITZ!Box einige Zentimeter Platz. Den LAN-Anschlussder FRITZ!Box verbinden wir mit einem (im Lieferumfang des Adapters enthaltenen) Patchkabel mit dem Medienadapter Easyware MKB311010. Dieser benötigtzum Betrieb Netzspannung. Ein Ende des POF-Kabels schneiden wir mit dem Werkzeug auf Länge und stecken die beiden Adern tief in die dafür vorgesehenen Öffnungen.

Ist die POF-Doppelader richtig eingelegt, ist am anderen Ende ein rotes Licht zu sehen. In diese können Sie gefahrlos hineinschauen: Es handelt sich nicht um einen Laser, sondern um LED-Licht. Am anderen Ende verwenden wir den EasyDaten ware MKA sowie einen 230-Volt-Schuko-Adapter mit LAN- und POF-Schnittstelle. Die POF-Adern lassen sich gut zwischen Türzarge und Wand verstecken.

Die Steckdose ist nun wieder verwendbar und der PC kann wie gewohnt per LAN-Kabel ans Netz gehen. Alternativ kann ein sogenannter Unterputz-Medienkonverter (UMK) verwendet werden. Ist eine leere Unterputzdose oder Platz in einem Kabelkanal vorhanden, vereinfacht dies den Einbau enorm. Allerdings benötigt dieser Medienwandler 230 Volt, bei der Installation ist also Vorsicht geboten.

Ist keine echte Unterputz-Einbaumöglichkeit vorhanden, hilft eine Aufputzdose bei der Montage an der Wand. Ein POF-Adernpaar wird darin angeschlossen, je nach Typ stehen eine oder auch zwei Kupferkabel-Anschlüsse zur Verfügung. Als aktive Anschlussdose für zwei POF-Adernpaare und ein RJ45-Kabel gibt es den Easyware MKS-Adapter. Dieser benötigt zum Betrieb ein externes Steckernetzteil, kann also ohne Elektrofachkraft in Betrieb genommen werden.

Verlegetipps

Verlegetipps

  • Verstecken Sie die POF-Kabel hinter Fußleisten undRegalen, unter Teppichen oder der Tapete.
  • POF-Kabel dürfen Sie weder quetschen noch annageln.
  • Verwenden Sie immer lösungsmittelfreien Klebstoffoder Silikon zum Befestigen.
  • Verwenden Sie keinen Heißkleber, da Temperaturenüber 80°C den Kabelmantel beschädigen.
  • Die Kabel dürfen Sie auch nicht knicken und den Biegeradiusvon 25 mm nicht unterschreiten.
  • Die Leitungslänge zwischen zwei Adaptern solltenicht mehr als 100 Meter betragen.

Fazit

Die polymere optische Faser (POF) ist eine echte Alternative für die Verteilung von IP-Daten im Gebäude und im Garten. Die Leitungslängen zwischen zwei Kopplern sollten 100 Meter nicht übersteigen. Die dabei zu erreichende Übertragungsgeschwindigkeit von 100 Mbit/s entspricht der von Kupferkabeln und ist meist höher als die in der Praxis erreichbaren Netto-Übertragungsleistungen von WLAN oder Powerline.

POF sendet selbst keine elektromagnetischen Strahlen aus und ist außerdem gegen externe elektromagnetische Strahlungen unempfindlich. Deshalb ist POF dafür prädestiniert, in Kabelkanälen mit Starkstromleitungen verwendet zu werden. Das Verlegen und Verarbeiten ist dabei sehr einfach und kommt ohne Messgeräte aus. Ein Manko hingegen ist die Notwendigkeit, aktive Medienkoppler zu verwenden. Denn diese erfordern fürihre Elektronik eine eigene Stromversorgung. Trotzdem: Insbesonders bei der Nachrüstung überzeugt POF durch die einfache Installation.

Download: Vergleich von LAN-Kabelsorten

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