Kamera-Praxis

Nikon D750: Einstellungen, Tipps und Tricks

Die Nikon D750 in der Praxis und jede Menge Tipps: Wir durchleuchten die Funktionalität, helfen Ihnen, die Bedienung und Bildqualität bei der semiprofessionellen Vollformat-Kamera zu optimieren.

Nikon D750

© Nikon

Nikon D750

Mit der D750 hat Nikon das Konzept einer semiprofessionellen SLR-Kamera mit Vollformatsensor konsequent verfeinert und auf den technisch neuesten Stand gebracht: Im Vergleich zur Nikon D700 (Test) von 2008 ist die Kamera rund 200 g leichter, bietet mit 24 Megapixeln die doppelte Nennauflösung und präsentiert sich mit eingebautem WLAN-Modul als zeitgemäßer Spielpartner in der digital vernetzten Welt.

Im Vergleich zur Nikon D610 (Test) wurde - bei reduzierter Gehäusetiefe - der Handgriff nach vorne etwas verlängert; unterm Strich bedeutet das eine erheblich verbesserte Haptik und Ergonomie. Schwerpunkte dieses Praxisbeitrags sind die umfangreichen Blitzfunktionen der Kamera, Einstellungen zur Optimierung der Bildqualität und der Phasen-AF der Nikon D750 (Test).

Blitzfunktionen

In Sachen Blitztechnik gehört Nikon seit jeher zu den führenden Herstellern; dies betrifft die Funktionalität ebenso wie die hohe Zuverlässigkeit beim Aufhellblitzen.

Zudem überzeugt die Bedienbarkeit: Mit dem Rad vorne am Auslöser lässt sich das Blitzlicht bei gedrückter Blitztaste über einen Bereich von +1 bis -3 EV korrigieren. Sie können wählen, ob eine allgemeine Belichtungskorrektur nur die Hintergrundhelligkeit beeinflussen soll oder auch die Blitzaufhellung (Individualfunktion e4).

Belichtunsreihe und Blitzaufnahme

© Screenshot Colorfoto

Die Screenshots zeigen eine Auswahl der wichtigsten Blitzeinstellungen (Individualfunktionen): Mit Individualfunktion e4 entscheidet man, ob die Korrektur der Hauptbelichtung auch den Blitz einschließen soll oder nicht (oben). Auch bei Reihenbelichtungen hat man die Wahl, ob der Blitz und die Hauptbelichtung gemeinsam variiert werden sollen (unten).

Bei Reihenbelichtungen haben Sie die Wahl: Soll nur die Hauptbelichtung variiert werden, nur der Blitz oder Blitz und Hauptbelichtung in Kombination (Individualfunktion e6)?

Blitzlichtspeicherung

Eine andere Möglichkeit, das Blitzlicht zu korrigieren, ist die Blitzlichtspeicherung. Zunächst müssen Sie diese Funktion einer Taste zuweisen (Individualfunktion f2-f4). Nehmen wir dann an, Sie wollen ein Porträt vor dunklem Hintergrund fotografieren: Sie nehmen das Gesicht in die Bildmitte und drücken die Blitzspeichertaste - ein Messblitz wird ausgelöst, und im Sucher erscheint ein L ("Lock") mit Blitzsymbol. Sie können das Porträt außerhalb der Bildmitte platzieren und mit den gespeicherten Werten blitzen.

Auch mehrere Aufnahmen sind möglich, weil die Werte gespeichert bleiben, bis Sie die Speichertaste erneut drücken, den Blitz einklappen oder die Kamera ausschalten. Alle genannten Funktionen betreffen den eingebauten Blitz ebenso wie ein Aufsteck-Systemblitzgerät.

Integriertes Blitzgerät

Die Individualfunktion "Integriertes Blitzgerät" (e3) bezieht sich dagegen nur auf das Ausklappblitzgerät. Dieses können Sie im i-TTL-Modus zum Aufhellblitzen, im manuellen Modus (Leistung regelbar zwischen 1/1 bis 1/128), im Stroboskop-Betrieb oder als Master zur drahtlosen Steuerung eines externen Systemblitzgeräts nutzen.

Blitzsynchronzeit und integriertes Blitzgerät

© Screenshot Colorfoto

Die Screenshots zeigen eine Auswahl der wichtigsten Blitzeinstellungen (Individualfunktionen): Bei den Blitzmodi für das integrierte Blitzgerät hat man die Wahl zwischen iTTL (Vorblitzsteuerung), Manuell, Stroboskop und Master-Steuerung (unten). Blitzsynchronzeiten lassen sich zwischen 1/60 und 1/200 s vorwählen; Kurzzeitsynchronisation ist bis 1/250 s möglich (oben).

Steckt allerdings ein eingeschaltetes Blitzgerät wie das SB-500, SB-400 oder SB-300 auf der Kamera, ändert sich die Anzeige in "Externes Blitzgerät", wobei dann nur noch die Optionen TTL und Manuell bereitstehen (beim SB-500 zusätzlich Master-Steuerung). Unverändert bleibt die Anzeige jedoch beim SB-700 oder SB-910, da diese selbst eine Umschaltmöglichkeit für verschiedene Betriebsarten bieten.

Master Steuerung

In der "Master-Steuerung" kann der integrierte Blitz externe Systemblitzgeräte in zwei Gruppen durch Vorblitze steuern. Für die Gruppen wählen Sie im Normalfall den Modus TTL, für den integrierten Blitz entweder TTL oder den Off-Modus (--). Im zuletzt genannten Fall sendet das Blitzgerät nur noch Steuerblitze aus, die sich im Bild bei Nahaufnahmen bemerkbar machen können.

Wenn aktiviert, lässt sich für das integrierte Blitzgerät eine Blitzkorrektur im Bereich von +/- 3 EV-Stufen einstellen. Für die Blitzgruppen A und B gilt das Gleiche. Wer will, kann den integrierten Blitz wie die externen Systemblitzgeräte aber auch im manuellen Modus betreiben.

Autofokus-Einstellungen

Das Phasen-AF-Modul Multi-CAM 3500 II der D750 verfügt über 51 Messfelder, von denen 15 als Kreuzsensoren angelegt sind. Man hat die Wahl zwischen den drei AF-Modi AF-S (Einzelbild), AF-C (kontinuierlich) und AF-A (automatische Umschaltung auf AF-C, wenn sich ein zunächst statisches Motiv bewegt), die sich auf besonders einfache Art umschalten lassen: Man drückt dazu die AF-Funktionstaste am MF-/AF-Umschalter vorne am Gehäuse, um dann mit dem hinteren Einstellrad tätig zu werden.

Dreht man stattdessen am vorderen Einstellrad, so lässt sich damit die AF-Messfeldsteuerung variieren. Bei AF-S beschränkt sich die Auswahl auf Messfeldautomatik, Einzelfeld-AF und Messfeldgruppierung (5 Punkte).

5-Punkte-Messfeldgruppierung

Die 5-Punkte-Messfeldgruppierung ist eine gute Alternative zur Einzelfeldmessung; Letztere sollte man in erster Linie dann verwenden, wenn man tatsächlich einen ganz bestimmten Punkt - wie etwa das Auge bei einem Porträt-Closeup - gezielt anmessen will. Bei der Messfeldgruppierung sind alle fünf Felder gleichberechtigt.

Dynamische Messfeldsteuerung

Anders bei der dynamischen Messfeldsteuerung mit 9, 21 oder 51 Messfeldern, die nur bei AF-C und AF-A zur Verfügung steht. Hier kann man im Sucher das Startfeld der Messung mittels Richtungstasten auswählen. Beim Nachführen der Kamera stellt das AF-System mit dem gewählten Hauptmessfeld scharf und bedient sich der benachbarten AF-Felder, falls das anvisierte Objekt kurzfristig das gewählte Fokusfeld verlässt.

51 oder 11 Af-Felder

© Screenshot Colorfoto

Die Unterscheidung zwischen 51 oder 11 AF-Feldern (Individualfunktion a7) betrifft nur die manuelle Vorwahl eines AF-Felds - bei 51 Feldern ist eine genauere, bei 11 Feldern eine schnellere Einstellung möglich. Bei der eigentlichen Messung können in Abhängigkeit von anderen Einstellungen dennoch bis zu 51 AF-Felder im Einsatz sein. Bei den 15 (hier rot eingerahmten) Feldern im mittleren Sucherbereich handelt es sich um Kreuzsensoren, bei den anderen um Liniensensoren.

Die benachbarten Felder bei dynamischer Messung kann man wahlweise ausblenden oder anzeigen lassen (Individualfunktion a4). Wählt man in den Modi AF-C/AF-A den Modus 3D-Tracking, so verfolgt die Kamera das anvisierte Objekt und übergibt, wenn nötig, die Fokussierung an andere AF-Felder; das "Springen" der Felder kann man im Sucher verfolgen.

Manuelle Messfeldwahl

Bei manueller Messfeldwahl hat man die Wahl zwischen 51 und 11 Messfeldern (Individualfunktion a7). Dies betrifft die Einzelfeldmessung ebenso wie die dynamische Variante mit 9, 21 oder 51 AF-Feldern. Es klingt zunächst widersprüchlich, dass man die Anzahl der Messfelder auf 11 begrenzt, um dann wiederum 21 oder 51 Felder zur Verfügung zu haben. Tatsächlich geht es bei dieser Einstellung aber nicht um die tatsächlich wirksamen, sondern um die per Richtungstasten anwählbaren und im Sucher angezeigten Felder.

Hat man 11 Felder eingestellt, muss man die Richtungstaste nur viermal drücken, um etwa vom linken Rand des AF-Bereichs zum rechten zu gelangen, bei Einstellung auf 51 Felder dagegen zehnmal.

Die 11-Punkt-Einstellung erlaubt also eine schnellere Anwahl des AF-Felds, die 51-Punkt-Variante eine präzisere. Eine weitere grundlegende Einstellung ist die Auslöse- bzw. Schärfe-Priorität, die sich separat für AF-C (Individualfunktion a1) und AF-S (Individualfunktion a2) einstellen lässt.

Bild-Voreinstellungen

Wer vor allem JPEGs oder auch im Kombi-Modus RAW+JPEG fotografiert, sollte sich gut mit den Voreinstellungen zur Bildqualität auskennen.

Bildstile

Punkt 1: die Bildstile ("Picture Control konfigurieren" im Aufnahmemenü). Möglich sind sieben Voreinstellungen: Standard, Neutral, Brillant, Monochrom, Porträt, Landschaft und Ausgewogen. Empfehlung: "Standard" oder das etwas weicher abgestimmte "Neutral".

"Brillant" wirkt häufig zu knallig, "Ausgewogen" ziemlich flau und auf intensive Nachbearbeitung angelegt - warum dann aber nicht gleich zum RAW-Modus wechseln? "Porträt" geht auch, ist aber recht nahe an "Neutral", und statt "Landschaft" kann man meistens auch "Standard" nehmen.

Parameter-Menü

Ist ein Bildstil angewählt, gelangt man mittels Pfeil-rechts-Taste in das Parameter-Menü, das bei der D750 nicht weniger als sieben Einträge umfasst, darunter Scharfzeichnung, Detailkontrast, Globaler Kontrast, Helligkeit, Farbsättigung und Farbton. Allen Einträgen sind Einstellskalen zugeordnet. Ganz neu bei der D750 ist "Detailkontrast" (entspricht dem Regler "Klarheit" in Lightroom). Die Einstellungen lassen sich entweder in Stufen verstellen, wenn man dafür die Pfeiltasten links/rechts verwendet, oder in Viertelstufen, wenn man am vorderen Einstellrad dreht.

Bildeinstellungen

© Screenshot Colorfoto

Mit dem Regler "Schnellanpassung" lässt sich ein Bildstil (hier Standard) in mehreren Parametern parallel verändern; dabei handelt es sich um Scharfzeichnung, Globaler Kontrast und Farbsättigung.

Der siebte Parameter heißt "Schnellanpassung" und ist bei allen Bildstilen außer "Neutral" und "Ausgewogen" verfügbar. Hier sind, ausgehend von null jeweils zwei Stufen in Richtung Minus oder Plus möglich. Die Schnellanpassung erstreckt sich auf drei Parameter (Scharfzeichnung, Globaler Kontrast, Farbsättigung) zugleich - zwischen Minus und Plus verändert sich das Bildergebnis von dezent bis plakativ. Als Ausgangspunkt für eigene Experimente nehmen Sie am besten den Bildstil "Standard".

Active D-Lighting (ADL)

Neben den Picture-Control-Einstellungen gibt es zwei weitere Möglichkeiten, die Bilddynamik zu beeinflussen, um hoher Kontraste im Motiv Herr zu werden. Die eine heißt Active D-Lighting (ADL). Im Automatik-Modus passt die Kamera den Effekt dem jeweiligen Motiv an, wobei die Ergebnisse dabei wenig kalkulierbar sind. Nehmen Sie besser eine der vier verfügbaren Stufen Moderat, Normal, Verstärkt oder Extrastark. D-Lighting hellt die Schatten auf und verbessert die Lichterzeichnung. Ausprobieren lässt sich das am besten mit einer automatischen ADLReihe (Individualfunktion e6), die zwischen drei und fünf Aufnahmen erlaubt.

HDR-Funktion

Eine andere Möglichkeit, Kontraste auszugleichen, ist die HDR-Funktion. Die Kamera macht dafür zwei Aufnahmen mit unterschiedlichen Belichtungen und kombiniert die Bilder dann entsprechend Ihrer Voreinstellung - zur Wahl stehen die Stufen Moderat, Normal, Verstärkt, Extrastark und Automatisch. Vor allem bei "Moderat" und "Normal" überwiegt der Eindruck eines natürlichen Kontrastausgleichs, erst ab "Verstärkt" stellt sich ein deutlicher HDR-Effekt ein; bei "Extrastark" kommt es zum Teil bereits zu einer Umkehrung von Tonwerten mit belegten Lichtern.

Die verwendete D750 zeigte eine deutliche Tendenz zur Überbelichtung, kein Einzelfall bei Nikon. Um nicht ständig die Belichtungskorrektur aktivieren zu müssen, kam eine weitere sinnvolle Funktion der Kamera zum Einsatz: die Feinabstimmung der Belichtungsmessung (Individualfunktion b6). Dort kann man separat für die vier angebotenen Belichtungsmessmethoden eine Vorabkorrektur im Bereich von +1 bis -1 LW in Sechstelschritten einstellen. Wer will, kann dies mit dem bereits erwähnten Parameter "Helligkeit" bei den Bildstilen kombinieren.

RAW kontra JPEG

Mit ihrem 24-Megapixel-CMOS schafft die D750 eine hohe Grenzauflösung über 1800 LP/BH bei ISO 100, die bis ISO 6400 nur um rund 200 LP/BH abfällt. Ebenfalls hohe Dead-Leaves-Werte bis ISO 3200 dienen als Beleg für die gute Feinzeichnung mit einer geringen Tendenz zu Artekfakten. Rauschen wird etwa ab ISO 1600 sichtbar, bleibt bis ISO 3200 aber unter 2,0. Die Dynamik ist mit 8 bis 9 Blenden bis ISO 12 800 zwar nicht sonderlich hoch, aber sehr konstant. Soweit die knapp zusammengefassten Ergebnisse des Labortests in ColorFoto 12/14, mit denen sich die Kamera einen Spitzenplatz bei der Bildqualität sichern konnte.

Trotz der exzellenten internen Signalverarbeitung, die Nikons D750 zu bieten hat, lohnt sich auch hier der Wechsel in den RAW-Modus, wenn man der Kamera die letzten Qualitätsreserven entlocken will. Die aus RAW gewonnenen TIFFs zeigen die Oberfläche des Testmotivs (Metallfrosch) und die Wandstrukturen mit deutlich verbesserter Feinzeichnung. An Hell- Dunkel-Grenzflächen sind keinerlei störenden Kantenanhebungen zu beobachten. Zudem wird man durch ausgewogenere Kontraste belohnt.

Der RAW-Vorteil zeigt sich bereits bei ISO 100 und bleibt auch bei höheren ISO-Einstellungen präsent. In welchem Umfang Unterschiede sichtbar werden, hängt allerdings auch vom jeweiligen Motiv ab. Fotografieren Sie deshalb, wann immer möglich, RAW und JPEG parallel, um den direkten Vergleich zu haben.

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