Blitz-Tipps: Nikon

Langzeitsynchronisation und zweiter Vorhang

Dieser Praxisbeitrag ist der erste Teil in unserer Serie zum intelligenten Blitzsystem von Nikon. Wir geben Tipps zur Langzeitsynchronisation über den Blitzmodus "slow".

Nikon Blitz Speedlight SB-910

© Nikon

Nikon Blitz Speedlight SB-910

Tipps zum Umgang mit dem intelligenten Blitzsystem von Nikon

Die beiden Modi Langzeitsynchronisation und Synchronisation auf den zweiten Verschlussvorhang werden zum Aufhellblitzen verwendet. Der Blitz lässt sich nämlich auch dann mit Gewinn einsetzen, wenn bei Außenaufnahmen Licht in Hülle und Fülle da ist. Eine gezielte Aufhellung der Schatten vermindert die Kontraste und bringt zusätzlichen Glanz ins Motiv.

Die Kunst dabei ist, es so zu belichten, dass Tages- und Blitzlicht gut ausbalanciert sind. Beide haben eine ähnliche Farbtemperatur, zumindest aus dieser Richtung sind keine Probleme zu erwarten. Im Nikon i-TTL-System heißt der Modus "slow", und er lässt sich am besten im Zusammenspiel mit der Programm- oder Zeitautomatik einsetzen.Im Motivprogramm "Nachtporträt" schaltet die Kamera gar automatisch auf Langzeitsynchronisation um.

Tageslicht gibt Belichtung vor

Für die Belichtung gilt: Messen Sie zuerst das Tageslicht. Legen Sie Belichtungszeit und Blende so fest, dass die Blitzsynchronzeit Ihrer Kamera nicht unterschritten wird, sonst bleibt ein Teil des Bildes dunkel. Mit 1/125 Sekunde oder länger liegen Sie immer auf der sicheren Seite.

Damit das Bild nicht dominiert wird, sollte der Aufhellblitz etwa zwei Blenden weniger stark sein als das Tageslicht. Die i-TTL-Steuerung macht das zwar automatisch, Sie haben die einzelnen Komponenten aber besser im Griff, wenn Sie von Hand einstellen. Angenommen, Sie haben 1/125 Sekunde bei Blende 11 für das Tageslicht ermittelt. Dann stellen Sie an der Kamera Blende 11 ein, am Blitzgerät aber 5,6. So gibt der Blitz nur so viel Licht ab, wie es für die größere Blende erforderlich wäre, und das Tageslicht wird nur wenig beeinflusst.

Überprüfen Sie das Ergebnis direkt nach der Aufnahme am Monitor und variieren Sie bei Bedarf die Einstellungen. Nutzen Sie dabei die Lupenfunktion, um die aufgehellten Partien separat zu überprüfen. Tendenziell gilt: Im Zweifelsfall die Blitzaufhellung etwas zurücknehmen, so wirkt das Bild natürlicher. Zum Aufhellen eignet sich übrigens auch der eingebaute Blitz.

Klassiche Situationen für den Aufhellblitz

Ein Aufhellblitz ist in verschiedenen Situationen sinnvoll. Die klassische Situation ist ein großer Raum, etwa bei einer Veranstaltung. Mit normalem Blitz kommt der Vordergrund zu hell, der Hintergrund zu dunkel. Stellt man dagegen die Kamera auf ein Stativ, wählt eine entsprechend lange Belichtungszeit und hellt den Vordergrund dezent mit dem Blitz auf, wirkt das Bild viel stimmiger.

Um einen größeren Raum komplett mit Blitzlicht auszuleuchten braucht man dagegen mehrere verteilte Blitzgeräte (Slaves), die über eingebaute Fotozellen ausgelöst werden.  Auch um die romantische Stimmung eines Candle-light-Dinners einzufangen, ist die Langzeitsynchronisation hilfreich. So kommt noch genügend vom stimmungsvollen Umgebungslicht mit aufs Bild, und der Blitz sorgt für Kernschärfe und einen hellen Akzent im Vordergrund.

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Blitz contra Gegenlicht

Ein anderes Einsatzgebiet des Aufhellblitzes ist strenges Gegenlicht, etwa ein beschattetes Gesicht vor weißem Sand und dominierendem Himmel. Je heller der Hintergrund, desto knapper die Belichtung, da sind die Gesichtszüge schnell zu dunkel. Der Blitz hellt in diesem Fall das Gesicht auf, ohne dass der Hintergrund überbelichtet wird. Bei Bedarf die Blitzbelichtung eine halbe bis eine Blende ins Minus korrigieren, damit das Gesicht nicht unnatürlich hell wirkt. Da es für eine Langzeitsynchronisation aber zu hell ist, sollte man hier die High-Speed-Synchronisation  verwenden. Ist die Belichtungszeit zu lang, kann es natürlich trotz Blitz zu Unschhärfen kommen.

Ein drittes Einsatzgebiet des Aufhellblitzes ist der  "Wischeffekt". Wird mit einer längeren Belichtungszeit (ab etwa 1/8 s) geblitzt, werden bewegte Objekte zwangsläufig verwischt, aber mit einem vom Blitz erzeugten scharfen Kernbild dargestellt. Solche Aufnahmen können sehr reizvoll sein, vor allem in Mischlichtsituationen, weil sie ein hohes Maß an Dynamik ausstrahlen. Normalerweise zündet das Blitzgerät am Anfang der Belichtung, unmittelbar nach Freigabe des Bildfensters durch den ersten Verschlussvorhang. Bei Blitzbelichtung mit längerer Verschlusszeit führt das zu einem unnatürlichen Effekt: Die Wischspuren eilen dem scharf abgebildeten Objekt, etwa einem Auto, voraus.

Der zweite Vorhang

Hier kommt das letzte Blitzprogramm zum Einsatz: Synchronisation auf den zweiten Verschlussvorhang, die Einstellung heißt Rear. Das hört sich kompliziert an, ist es aber nicht. Beim Blitzen auf den zweiten Verschlussvorhang wird der Blitz erst am Ende der Belichtungszeit ausgelöst, und nun zieht das Objekt die Wischspuren hinter sich her. Mit kürzer werdender Verschlusszeit verliert sich der Effekt langsam, er lässt sich erst ab ca. 1/8 s oder länger einsetzen.

Mit Hilfe des Blitzbuttons lässt sich die Blitzabgabe auch gezielt drosseln oder erhöhen (Blitzkorrektur). Dazu lassen sich Korrekturwerte in ganzen, halben oder drittel Blendenstufen von -3 bis +1 EV einstellen und zwar unabhängig von einer eventuellen Korrektur der Basisbelichtung. So lassen sich fein abgestimmte Blitzbilder realisieren: Vom kaum spürbaren Aufheller bis hin zum bewusst überbetonten Blitzlicht vor reduzierter Hintergrundbeleuchtung.

Stroboskopeffekt

© Christian Kube

Interessant sind auch Belichtungsreihen. Sie funktionieren wie die Bracketing-Funktion der Kamera: Die erste Aufnahme erfolgt unkorrigiert, die zweite wird unter-, die dritte überbelichtet. Die Abstufungen der Belichtungreihe lassen sich meistens variieren. Das Blitz-Bracketing lässt sich mit Belichtungsreihen für das vorhandene Licht kombinieren, sodass man in kniffligen Beleuchtungssituationen auf der sicheren Seite ist.

Stroboskop-Blitze sind eine andere Art des kreativen Umgangs mit einem Blitzgerät. Man kann sie für klassische Bewegungsstudien verwenden; das Motiv wird dabei in verschiedenen Bewegungsphasen vor einem dunklen Hintergrund fotografiert.

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