Cloud-Server im Heimnetz

Nextcloud einrichten: Die eigene Cloud

Die US-Regierung hat Behörden Zugriffe auf Cloud-Daten erleichtert. Das schmeckt nicht jedem. Wir zeigen, wie Sie mit Nextcloud Ihre eigene Cloud einrichten.

Unternehmens-Management via Cloud

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Cloud-Dienste sind praktisch. Doch oft bleibt ein mulmiges Gefühl, wenn die eigenen Daten in fremden Händen sind. Richten Sie sich einfach Ihre eigene Cloud ein.

Die Dienste von Google und Apple mögen bequem sein für die Adressbuch- und Kalendersynchronisation und das Backup der mit dem Smartphone geschossenen Fotos. Aber mit dem Ausbau der Überwachungsbefugnisse durch US-Behörden kann schon ein ungutes Gefühl aufkommen. Alternativen gibt es mit günstigen und teils kostenlosen Hostern auch in Deutschland, doch gerade wenn mehrere Nutzer – in Familien oder kleinen Unternehmen – auch gemeinsame Kalender und Ordner nutzen sollen, lohnt der Aufbau eines eigenen Synchronisationsservers. Als Software für diese Aufgabe setzen wir das freie Nextcloud ein, als Hardware verwenden wir einen Raspberry Pi oder ähnlichen Single Board Computer. Bei der Konfiguration ​achten wir darauf, dass sie nicht mit der zuletzt vorgestellten Pi-Hole (Werbeblocker per DNS)​ kollidiert.​

Als Hardware für die hier vorgestellte Softwarelösung empfehlen wir einen Single Board Computer mit einem Debian-basierten Linux-System (das kann auch ein Ubuntu sein), Raspberry Pi & Co. sind bis zu einem Dutzend Nutzern für die Aufgabe gut geeignet, allerdings sollten Sie bei diesen Single Board Computern wichtige Daten auf einer USB-Festplatte lagern, da die SD-Karten gerne kaputtgehen. Falls Sie – beispielsweise als Medienserver zu Hause oder als Dateiserver in der Firma – bereits einen Linux-Server betreiben, können Sie diesen selbstverständlich erweitern.​

Apache-Installation

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© shutterstock/asharkyu

Nextcloud harmoniert am besten mit Apache. Um Apache neben dem von Pi-Hole eingesetzten Lighttpd zu installieren, sind kleinere Kniffe erforderlich, die ein wenig Aufmerksamkeit erfordern. Zunächst installieren Sie das PHP5-Modul für Apache, dessen Installation zieht den Apache Webserver und einige Abhängigkeiten nach

  • :apt-get install libapache2-mod-php5

Im Falle eines bereits installierten Pi-Hole erstellen Sie ein neues Verzeichnis für die HTML-Dateien der Nextcloud:

  • mkdir -p /var/www/html.apache

Anschließend tragen Sie dieses Verzeichnis und einen geänderten Port für den Apache-Server (beispielsweise 8080 statt 80) in die beiden Konfigurationsdateien​

  • /etc/apache2/ports.conf
  • /etc/apache2/sites-enabled/000-default.conf​

ein. Da NextCloud in einer .htaccess viele Standardeinstellungen des Apache-Servers überschreibt, ist es ratsam, in der Datei​

  • /etc/apache2/apache2.conf​

​direkt unterhalb des Blockes​

  • <Directory /var/www/>
  • [...]
  • </Directory>​

einen neuen Block einzufügen:​

  • <Directory /var/www/html.apache>
  • Options Indexes FollowSymLinks
  • AllowOverride All
  • Require all granted
  • </Directory>​

Sind alle Änderungen vorgenommen, starten Sie den Webserver neu:​

  • service apache2 restart​

Wenn Sie nun im Browser die IP-Adresse des Pi mit dem geänderten Port ansurfen, sollten Sie eine Verzeichnislistung zu sehen bekommen:​

  • http://10.76.23.253:8080/​

PHP-Konfiguration

Nextcloud einrichten

© PC Magazin

Mit der PHP-Test-Datei überprüfen Sie die ordnungsgemäße Installation der benötigten PHP-Module.

Der nächste Schritt ist die Konfiguration der Scriptsprache PHP. Nextcloud verwendet in der einfachsten Konfiguration die Datei-basierte Datenbank SQLite und verzichtet so auf die Einrichtung eines MySQL-Servers. Dies kürzt die Konfiguration deutlich ab und hat erst bei größeren Nutzerzahlen (mehr als ein Dutzend Nutzer mit engen Synchronisationsintervallen) Performance-Probleme zur Folge. Das rührt daher, dass ein einzelner Schreibzugriff die gesamte Datenbank sperrt.In solchen Fällen ist ein späterer Umstieg auf MySQL problemlos möglich.​

  • apt-get install php5-sqlite php5-gdphp5-curl
  • service apache2 restart​

Legen Sie nun eine Datei /var/www/html.apache/test.php mit dem folgenden Inhalt an:​

  • <?php phpinfo(); ?>​

Wenn Sie diese test.php nun im Browser öffnen, bekommen Sie die PHP-Konfiguration angezeigt. Vergewissern Sie sich, dass die eben installierten Module aktiv sind und achten Sie auf Timeouts und Dateigrößen. Passen Sie gegebenenfalls die Datei /etc/php5/apache2/php.ini an und starten Sie danach den Webserver erneut.​

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