Bitte ein Bibit

Nachgezählt auf Bit und Byte

Wieviel ist ein Gigabyte? Eine Milliarde oder doch eher 1.024 x 1.024 x 1.024 Bytes? Seit Jahren streiten sich Computerfreaks darum, dabei gibt es schon längst eine eindeutige Lösung - die kennt nur kaum jemand.

Bitte ein Bibit

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Bitte ein Bibit

Im Frühjahr erreichte uns ein Brief der Klasse FI 124 der Berufsschule für Informationstechnik in München. Darin wiesen uns die Schüler darauf hin, dass wir uns bei Kapazitätsangaben streng genommen nicht an die korrekte Schreibweise halten, da unsere MByte und GByte eigentlich gar keine sind. Das Thema schien uns interessant genug, nicht nur der Klasse zu antworten, sondern gleich einen Artikel daraus zu machen.

Potenzgerangel

Dass ein GByte nicht unbedingt ein GByte ist, hat eine einfache Ursache. Sie liegt in den unterschiedlichen Zahlensystemen begründet, nach denen Mensch und Computer rechnen. Während in den meisten Kulturen mit dem Dezimalsystem gerechnet wird, können digitale Rechner nur die Zustände "Ein" und "Aus" beziehungsweise 1 und 0 unterscheiden. Sie bedienen sich bei ihren Rechnungen dem Dualsystem.

An und für sich ist das kein Problem, da sich alle dualen Zahlen in Dezimalzahlen umrechnen lassen. Um den Umgang mit großen (Dezimal-)Zahlen zu erleichtern, wurden Einheitenvorsätze oder kurz Präfixe eingeführt - Kilo, Mega und Giga ebenso wie Milli, Mikro und Nano. Diese SI-Präfixe stehen dabei für Zehnerpotenzen mit ganzzahligen Exponenten. Das Präfix Kilo zum Beispiel für 103, also 1.000.

Grundsätzlich gilt für Binärzahlen das Gleiche: Ein Kilobit entspricht 1.000 Bit und nicht 1.024. In der Praxis wurden (und werden) jedoch oft Binärzahlen mit durch 10 teilbaren Exponenten ebenfalls mit SI-Präfixen versehen. 210 (=1.024) mit Kilo, 220 mit Mega, 230 mit Giga und so weiter. Während der Unterschied bei kleinen Exponenten noch gering ist - zwischen 1.000 und 1.024 liegen nur 2,4 Prozent - wirkt es sich bei großen Zahlen deutlicher aus.

Das hat mit dem Aufkommen der ersten Gigabyte- Festplatten vor Jahren nicht nur manchen Käufer erzürnt, sondern auch die International Electrotechnical Commission (IEC) auf den Plan gerufen, die in der Norm IEC 60027-2 die so genannten Binärpräfixe eingeführt hat. 1.000 Bit bleiben dabei ein Kilobit, während 1.024 Bit ein Kibibit sind. 106 Bit sind weiterhin ein Megabit, während 220 Bit ein Mebibit sind. Analog dazu heißt es bei Bytes Kibibyte und Mebibyte.

Mit SI-Präfix in Bytes mit Binärpräfix in Bytes Differenz ca.
KByte 1.000 KiByte 1.024 2,4%
MByte 1.000.000 MiByte 1.048.576 4,9%
GByte 1.000.000.000 GiByte 1.073.741.824 7,4%
TByte 1.000.000.000.000 TiByte 1.099.511.627.776 10%

Abgekürzt werden Binärpräfixe, indem der erste Buchstabe des Präfix und das i (aus dem bi für binär) zusammengefügtwerden. Statt K- und MByte also KiByte und MiByte.

PS statt kW

Bei Geschwindigkeitsangaben im Datentransfer spielt der Unterschied keine Rolle, da sie normalerweise dezimaler Schreibweise folgen. Auswirkungen hat der Unterschied vor allem bei Festplatten. Die neue 500-GByte-Platte wird vom PC nur als Festplatte mit 476.938 MByte erkannt. Wer hat gelogen? Der Hersteller möchte man meinen.

Tatsächlich hat ein Plattenhersteller, der sein Produkt mit 500 GByte bewirbt, Recht, denn 500 GByte sind 500 Milliarden Byte und die fasst das Laufwerk auch. Rechnet man diese in MiByte um, kommt man ziemlich genau auf die in der Festplattenverwaltung angegebenen 476.938. Eigentlich ist das Betriebssystem Schuld, wenn es die Größe in MByte statt MiByte angibt.

Ob sich Mibit und Gibit im Alltag durchsetzen werden, ist fraglich. Vermutlich wird es Binärpräfixen ergehen wie den SI-Einheiten bei Monitordiagonalen oder Motorleistungen. Sicher sind sie korrekt, aber wer seinen Freunden vom neuen Monitor erzählt und die Diagonale in Zentimetern angibt, wird ähnliche Blicke ernten wie einer, der am Stammtisch von den 104 kW seines Autos schwärmt.

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