Wo Sie schon heute legal DRM-freie Musik finden

Musik-Download ohne DRM

Langsam verabschiedet sich die Musikindustrie vom Kopierschutz und DRM. Bald gibt es Musik zum Download ohne Gängelungen und nur als MP3-Dateien. Wir verraten die Hintergründe und wo Sie schon heute DRM-freie Musik herunterladen können.

Musik-Download ohne DRM

© Wolf Hosbach

Musik-Download ohne DRM

Findige Saftverkäufer in Neu-Delhi haben ihren Kunden zugehört: Sie verkaufen Saft "without ice", denn Eis ist aus Leitungswasser und davon bekommen die Touristen Bauchweh. "Without ice" ist natürlich nicht umsonst, sondern kostet zwei Rupien mehr als der Saft "indian style". Man lässt was weg und bekommt trotzdem mehr Geld dafür. So funktioniert der Markt.

Auch Steve Jobs, Herr über Apple und iTunes, hat gut zugehört und mit Eric Nicoli von der Plattenfirma EMI folgenden Deal ausgehandelt: Kunden digitaler Musik wollen diese ohne DRM. Das kostet dann 30 Cent mehr: 1,29 Euro. Der Preis eines ganzen Albums bleibt mit 9,99 Euro gleich – auch ohne DRM.

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Steve Jobs und Eric Nicoli haben gut lachen: Musik ohne DRM kostet 30 Cent mehr pro Song.

Steve Jobs geht davon aus, "dass unsere Kunden das zu schätzen wissen und erwarten, bis zum Ende des Jahres mehr als die Hälfte der bisher auf iTunes verfügbaren Songs in DRM-freien Versionen anbieten zu können." Im Mai soll das Angebot in Deutschland verfügbar sein.

Es ist noch nicht lange her, da hat die Musikfirma Sony ihren Kunden heimlich Trojaner auf dem Computer installiert, um die digitalen Restriktionen zu überwachen. Nun verabschiedet sich eine andere Plattenfirma komplett davon. Die Rolling Stones, Robbie Williams, Melanie C und Herbert Grönemeyer gibt es künftig bei iTunes offen, ohne digitale Schranken, kopierbar, transportierbar, tauschbar und auch leichter klaubar.

Das will natürlich niemand beschwören. Aber vielleicht haben die Musikfirmen eingesehen, dass die Stücke so oder so in Emule landen, meist bevor sie veröffentlicht wurden. Und dass sich anders herum digitale Musik ohne DRM besser verkauft. Vielleicht sogar, wenn man den Preis erhöht.

Das Format wird weiter AAC sein, also kein MP3, aber ohne DRM kann sich jeder Anwender MP3-Dateien selbst erzeugen. Kunden, die EMI-Songs mit DRM vor dem Deal gekauft haben, können diese mit einem Klick alle von den Beschränkungen befreien. Auch das kostet aber 30 Cent pro Song. Ein Schmankerl gibt es noch: Die DRMfreien Stücke sind mit 256 Kbit/s in besserer Qualität kodiert, als die mit DRM (128 Kbit/s). iTunes bietet beide Formen an, der Kunde hat die Wahl.

Musik ohne DRM

Download-Dienste ohne DRM gibt es aber bereits länger - sie bieten Musik von kleineren Labels und unbekannten Bands. Wer sich in der Szene auskennt, findet hier gute Musik für jeden Geschmack. Beispiele wären Ropeadope (www.ropea dope.com), Akuma (www.akuma.de), Lunanova (www.lunanova.de) und Jamendo (www.jamendo.com).

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Flatster nimmt für den Anwender MP3-Dateien aus dem Radio auf. Er hat z.B. die Wahl aus den Top-100-Charts.

Weitere Informationen finden sich z.B. auf dem Blog DRM Alternatives (www.drmalt.com) oder der Aktionsseite Wir haben bezahlt (www.wirhabenbezahlt.de). Eine Besonderheit ist der Webdienst Flatster (www.flatster.com). Der Anwender zeichnet darüber Musik aus Webradios auf. Das heißt, er findet die Stücke, die auch im Radio laufen. Bei Hits muss er nicht lange warten, bei älteren Sachen, kann es etwas dauern. Es gibt verschiedene Tarife, z.B. 2,99 Euro im Monat für die Top-100-Charts oder 9,99 Euro für das ganze Archiv des Dienstes.

Seiten von BandsAuch manche Musikgruppen veröffentlichen auf ihren Websites Beispiele ihrer Arbeit oder haben, wie die Barenaked Ladies einen eigenen Online-Vertrieb aufgebaut. Beispiele: Barenaked Ladies (www. werkshop.com/bnllive), The Good, the Bad and the Queen (www.thegoodthebad andthequeen.com/index.php?cat=3) und Seeed (seeed.info1.artists.warner.de).

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Promotion durch Tausch: Die Berliner Band Seeed bietet eine Reihe von Songs zum kostenfreien Download.

Steigende Umsätze

Die Richtungsänderung der Musikverkäufer kommt sicher nicht von ungefähr. Denn der digitale Musikmarkt boomt. Bitkom, der Bundesverband Informationswirtschaft Telekommunikation und neue Medien, erwartet für 2007, dass die Umsätze auf 60 Millionen Euro klettern. Pro Tag werden 100000 Songs geladen. Bitkom hat sich auch die Online-Käufer genauer angesehen: Nur jedes dritte Lied wird von einer Frau geladen. Außerdem sind die Käufer mit 31 Jahren im Schnitt 8 Jahre jünger als CD-Käufer. 45 Prozent der Käufer sind jünger als 30.

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The Good, The Bad & The Queen spielten bei der Ankündigung von EMI und Apple, auf DRM zu verzichten.

Laut Informationen des Phonoverbands lagen die Umsätze 2006 bei 42 Millionen und sind damit um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Mit 17,9 Prozent Umsatzanteil ist das Web zweitwichtigster Vertriebskanal hinter den Elektrofachmärkten mit 30 Prozent. Der Download-Markt kann den Umsatzrückgang der klassischen Tonträger aber noch nicht kompensieren. Der Gesamtumsatz ging um 2,4 Prozent zurück. Die Schuld für den Rückgang der Einnahmen gibt die Musikindustrie den Privat- und den Raubkopierern. "Trotz unserer Erfolge bei der Eindämmung der Internet-Piraterie blockieren die hohe Zahl illegaler Downloads und der weiter wachsende Anteil von Privatkopien nach wie vor den Turnaround", behauptet Peter Zombik, Geschäftsführer des Phonoverbands.

Doch die Zahlen im Detail ergeben ein anderes Bild: Gestiegen sind nämlich nicht nur die Verkäufe von Online-Musik, sondern auch die der CD-Alben: von 147,6 Millionen Stück in 2005 auf 149,5 Millionen. Und auch die der Musik-DVD. Gefallen sind hingegen CDSingles und ältere Formate wie LP oder VHS. Dass letztere zurückgehen, ist klar, während der schlechte Verkauf der Singles durchaus auf die Konkurrenz im Internet zurückzuführen ist. Ein einzelner Song ist schneller im Web geladen, als im Laden gekauft.

Dass sich mehr CDs verkaufen, spricht hingegen drastisch gegen die Forderung der Musiklobby nach einer Einschränkung der Privatkopie: "Die zentrale Forderung der Musikwirtschaft bei der anstehenden Novelle des Urheberrechts betrifft die Eingrenzung der Privatkopie. So sollen Kopien nur vom eigenen Original und nicht durch Dritte erlaubt sein und außerdem soll so genannte intelligente Aufnahme-Software für die gezielte Aufnahme einzelner Titel aus Internetradios verboten werden", heißt es in einer Pressemitteilung des Verbands.

Doch privat werden in erster Linie CD-Alben kopiert. Freunde tauschen CDs untereinander und trotz dieser Tatsache steigt der Verkauf des Mediums. Der Gesetzgeber sollte sich von den scheinheiligen Lobbyforderungen nicht irre machen lassen und die Privatkopie erhalten.

Der Vollzug eines solchen Verbots ist sowieso schwer vorstellbar. Sollen Schulzimmer und Schulranzen durchsucht werden, ob sich irgendwo Silberscheiben finden? Oder soll die Polizei bei Verkehrskontrollen gleich nachschauen, was für eine Scheibe im Radio steckt? Eine weitere sinnlose Prozessflut gegen Privatleute ist absehbar. Der Staat darf sich diesen massiven Eingriff in die Privatsphäre seiner Bürger nicht gefallen lassen.

Nicht nur Piraterie

Raubkopierer sind bei weitem nicht der einzige Grund an der Misere der Musikindustrie:

Musik-Download ohne DRM

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DRM sinvoll: Kunden der Napster-Flatrate dürfen laden und hören so viel sie wollen, solange sie das Abo bezahlen.

  • Die Hauptkäufergruppe, junge Leute, müssen ihr begrenztes Geld auf immer mehr Medien verteilen: Games, Internet, Pay-TV, Konzerte, Internet etc.
  • Ungefähr ein Viertel des Geldes von Jugendlichen landet bei mobilen Telefongesellschaften.
  • Im Radio kommt immer weniger innovative Musik, sondern es werden gnadenlos die Songs heruntergenudelt, die schon in den 80ern keiner mehr hören mochte. Musik im Radio soll nicht stören, damit keiner umschaltet. Das gilt dann als günstiges Werbeumfeld, bietet für die Musik selbst aber wenig Kaufanreize.
  • Echte junge Bands haben es immer schwerer, da Stars von heute in der Marketing-Retorte oder in Casting-Shows geboren werden. Langweile ist vorprogrammiert.
  • Fans können einzelne Songs laden und müssen nicht mehr das ganze Album mitnehmen. Das heißt, der Hit wird gekauft, der schwummerige Rest bleibt liegen. Hierauf reagiert iTunes wohl mit dem gleich bleibenden Preis für DRM-freie Alben.
  • Platten von den Beatles verkaufen sich immer noch sehr gut, obwohl sie – glaubt man den Piratenjägern – schon bei jedem mehrfach als MP3-Kopie liegen müssten.

Inzwischen ist auch das Abmahnen ein gutes Geschäft geworden. Allein in Deutschland gibt es über 10000 Prozesse im Jahr. Die Zahl der Klagen wollen die Musikfirmen noch weiter nach oben treiben. Bei 3000 Euro Schadensersatz pro Verfahren macht das 30 Millionen Euro. Die Anwaltskosten zahlen die Betroffenen. Immerhin hat der Phonoverband angekündigt, das Geld nicht mehr als kleinen Gewinnhappen einzuschieben, sondern in die Musikbildung von Schülern zu investieren. Einfacher würden die Labels es sich machen, wenn sie einen regen Musiktausch als zentrales Instrument der Musikbildung anerkennen würden. Denn je mehr man hört, desto mehr versteht man davon. Gerade in jungen Jahren.

Nicht nur iTunes

Das Angebot von EMI gilt – nach einer Exklusivphase für iTunes – auch für andere Shops. Bei Musikload von T-Online verhandelt man. "Wir sehen die Entwicklung wohlwollend. Das ist der Zug der Zeit, DRM ist ein Auslaufmodell", bewertet Martin Frommhold, Sprecher von T-Online, den Trend. Konkretes gibt es noch nicht. Ein Grund, warum sich Musicload gegen DRM wendet, sind die Support-Probleme: "zwei von drei Anfragen betreffen DRM. Meist geht es um MP3-Player, die nicht mit DRM funktionieren." DRM ist frustrierend. Das sieht auch die Musikindustrie so: "Unser Ziel ist es, den Verbrauchern den bestmöglichen digitalen Musikgenuss zu geben.

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Wer Musik online einkauft, muss sich noch mit einer Vielzahl von Beschränkungen und Hürden abfinden.

Mit dem Angebot DRM-freier Downloads reagieren wir auf den Mangel an Interoperabilität, der für viele Musikfans frustrierend ist", weiß EMI-Boss Nicoli. Denn hat man ein Stück, für das man Geld bezahlt hat, auf dem Rechner, ist man doch deutlich eingeschränkt in der Nutzung: Manche Geräte gehen, andere nicht – mal kann man ein Stück mehrfach laden, mal nicht – mal kann man es ein bisschen tauschen, mal eben auch nicht. Das steht immer irgendwo in den Lizenzbedingungen, aber so, dass der Kunde es im Detail oft nicht findet oder nicht versteht.

Bei Musik gibt es zwei verbreitete DRM-Verfahren: Windows Media oder Apple FairPlay. Bei FairPlay registriert der Anwender höchstens fünf Computer gegenüber dem iTunes- Musik-Shop und ist innerhalb dieser Computer recht frei in der Nutzung. Er kann z.B. Playlisten erstellen und diese sieben Mal brennen. Wenn er die betreffenden Lieder neu zusammenstellt, kann er sie wieder brennen. Plattformen, die er nicht mehr benötigt, sollte er deaktivieren, um sein Kontingent von fünf Rechnern nicht voll zu bekommen (über Store/Account auf diesem Computer deaktivieren). Auch das Backup einer Plattform sollte er zuvor abmelden, denn beim zurückspielen kann es sein, dass iTunes einen Fehler meldet. Der Anwender muss dann einen neuen Rechner anmelden, obwohl es nur ein Backup ist. Auch wenn er das Kontingent der fünf Computer voll hat, kann er es einmal im Jahr komplett zurücksetzen und hat fünf neue Plätze frei. Was bei iTunes nicht geht, ist, eine Datei noch mal zu laden. Auch in der Nutzung mobiler Geräte ist der Anwender sehr beschränkt. Apples iTunes mag nur Apples iPod. Konkurrenten haben diese Verquickung immer kritisiert und die EU wirft Apple deswegen einen Kartellverstoß vor.

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Jedem Besitzer von Musik mit Windows-Media-DRM ist es dringend angeraten, seine Lizenzen gut zu sichern.

Windows DRM funktioniert etwas anders. Der Käufer lädt Musik in Kombination mit Lizenzen. Von diesen kann und sollte er Sicherheitskopien anlegen (über Extras/Lizenzen verwalten). Auf dem einen Rechner kann er die Lizenzen nun immer wieder importieren. Die meisten Shops erlauben es auch, eine Lizenz drei bis fünf Mal zu erneuern. Die Datei selbst kann man so oft laden wie man will, ohne Lizenz ist sie wertlos. Aber wenn der Anwender seine Musik auf einen neuen Rechner umzieht, muss er eine neue Lizenz verbrauchen. Mehr als drei bis fünf Rechnerwechsel sind nicht drin. Hat der Käufer alle Rechte vertan, so ist die Musik weg. Für immer.

Die Einschränkungen im Detail sind vielfältig und nicht einheitlich wie bei iTunes. Die Labels diktieren sie: So kann man manchmal nur drei Mal brennen, dafür beliebig auf mobilen Geräten speichern. Derselbe Song in einem anderen Shop kann ganz anderen Bedingungen unterliegen. Deswegen ist es schwer zu beurteilen, welcher Shop am restriktivsten ist. Bei Stichproben schienen uns Shops, die auf dem Anbieter OD2 basieren, die schlechtesten Bedingungen zu haben (z.B. MSN oder Tiscali). Hier muss der Anwender gleich einen eigenen Download-Manager installieren, der auch diesen Prozess noch kontrolliert. Sehr offen sind hingegen Songs bei Napster. Die von uns geladenen hatten keine Begrenzung beim Brennen und Laden auf Player.

In einem Punkt ist das DRM des Media Players flexibler als FairPlay. Er harmoniert mit mehreren Diensten und verwaltet Lizenzen aller angeschlossenen Shops: Napster, MSN, Musicload etc. Songs können beliebig zu Playlisten kombiniert, gebrannt und synchronisiert werden, solange Lizenzen im Einzelnen vorhanden sind.

Am laufenden Band

Eine Besonderheit bilden Musik-Flatrates, denn sie sind nur mit DRM sinnvoll. Der Anwender bezahlt einen Preis im Monat und kann so viel laden, wie er will. Kündigt er sein Abo, ist die geladene Musikwertlos. Eine solche Flatrate gibt es in erster Linie von Napster. Die vergleichbaren Dienste von Musicload oder MSN bieten nur Streams, das heißt der Anwender muss online sein, um Musik hören zu können. Anders bei Napster. Hier lädt der Kunde die Dateien, kann sie immer hören, solange er das Abo bezahlt. Will er die Musik auch von MP3-Playern hören, so ist das Abo etwas teurer und kostet 14,95 statt 9,95 Euro.

Musik-Download ohne DRM

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Musik-Download in der Übersicht

Zusammenfassend lässt sich sagen, DRM verbraucht die Musik irgendwann und irgendwie. Ein Festplatten-Crash kann Musik und Lizenzen sofort killen. Es ist daher allen Anwendern anzuraten, vom Recht der CD-Kopie zügig nach dem Download Gebrauch zu machen, denn das Brennen lässt den DRMSchutz verrauchen. Wer keinen Medienbruch mag, kauft sich ein Tool wie Total Recorder oder Tunebite. Diese zeichnen die Lieder während des Abspielens einfach auf. Außerdem sollte man es sich überlegen, nicht auf Vista zu wechseln, da es die DRM-Mechanismen deutlich verschärft.

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