Alles andere als preiswert

Mobilfunk-Tarife

Zwei Handys für null Euro, dazu einen Computer, einen Fernseher und eine Wii-Spielkonsole: Online-Handyläden überbieten sich gegenseitig mit unglaublichen Angeboten. Aber was ist davon zu halten? Was zahlt man als Kunde wirklich?

  1. Mobilfunk-Tarife
  2. Teil 2: Mobilfunk-Tarife
Mobilfunk-Tarife

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Oftmals stellen sich Schnäpchen als viel zu teuer raus

Das waren noch Zeiten, als man sich zu einem Mobilfunkvertrag ein Handy zum Sonderpreis aussuchen durfte. Heute bekommen schnäppchenverliebte Neukunden Flachbildfernseher, Notebooks oder Motorroller und Kaffeemaschinen geschenkt. Als kleine Zugabe sind dann auch noch zwei Handys dabei. Wie funktioniert das?Der Trick ist einfach: Handyanbieter wie getmobile, mobilejoker, handybude oder preiswerthandy bekommen von den bekannten Mobilfunkbetreibern T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 Vermittlungsprovisionen für Neuverträge.

Die geben sie in Form von Hardware-Zugaben, die billig eingekauft werden, an die Kunden weiter. Je mehr Geld ein Handyvertrag dem Provider einspielen kann, desto höhere Provisionen können gezahlt werden. So wundert es nicht, dass die großen Telefonkonzerne spezielle, kostspielige Tarifmodelle entwickeln, um ihren Zwischenhändlern interessante Gewinnspannen anbieten zu können.

Dabei treten diese Zwischenhändler nicht einmal als seriöses Ladengeschäft auf, sondern nur in Online-Auktionshäusern und mit eigenen Online-Verkaufsplattformen. Dass ihr Geschäftsmodell auf Kosten der Kunden geht, die ohne Prämien nie einen solch teuren Handytarif buchen würden, ist für sie nebensächlich.Noch mehr Provision können sich Händler einstreichen, die gleich zwei Handyverträge auf einmal verkaufen. Es ist also nicht etwa eine Großzügigkeit dem Kunden gegenüber, dass die Lockvogel-Pakete der Online-Shops häufig gleich zwei Handys enthalten.

Mobilfunk-Tarife

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Fragliche Sache: Bei handybude kann jeder sein persönliches Null-Euro-Paket zusammenstellen

Um zweifelnde Kunden leichter zu überzeugen, werden die Pakete oft zeitlich befristet angeboten, oder zusätzliche Inklusivleistungen sind nur bis zu einem Stichtag verfügbar. Tatsächlich finden sich die Angebote natürlich auch nach Ablauf der Werbekampagne mit leicht veränderten Prämien oder neuen "Schnäppchen" in den gleichen Webshops wieder.

Wir haben uns drei auf den ersten Blick interessante Handypakete in verschiedenen Online-Shops detailliert angesehen.

32 Zoll LCD TV + Wii + zwei LG KP100 (mobilejoker.de)

Ein 32 Zoll Flachbild-TV von LG und eine Wii geschenkt? Da nimmt man gerne in Kauf, dass die beiden mitgelieferten Handys des Typs LG KP100 nur die einfachsten Grundfunktionen haben. Immerhin konnten die Geräte in diversen Tests mit ihrer langen Gesprächszeit von 630 Minuten mit einer Akkuladung überzeugen.

Mobilfunk-Tarife

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Mobilejoker.de lockt mit gu?nstigen Paketen, die gar nicht so gu?nstig sind, wie unser Test zeigt

Bei günstigen Online-Händlern gekauft, hätte die im Paket enthaltene Hardware einschließlich der beiden Handys einen Wert von 795,70 Euro, was auf den ersten Blick nach viel Geld aussieht. Und die Anbieter der Handypakete bieten die gleiche Hardware ohne Vertrag noch teurer an, was dem potenziellen Kunden eine höhere Ersparnis vorgaukeln soll.

Nicht für den Kunden, aber für den Anbieter interessant, ist dagegen der Tarif, an den die beiden Handys gekoppelt sind. Allein die monatliche Grundgebühr von 4,99 Euro pro Handy summiert sich in den 24 Monaten Laufzeit auf insgesamt 239,52 Euro für beide Verträge. Dazu kommt für jedes Handy ein Mindestumsatz von 13,- Euro im Monat. Über die Gesamtlaufzeit kommen damit 624,- Euro für beide Verträge zusammen.

Selbst wer nie telefoniert und nur versucht, auf diesem Weg billig an die Wii und den Fernseher zu kommen, zahlt mit insgesamt 863,52 Euro deutlich mehr als beim Einzelkauf der Geräte. Wirklich sparen kann man nur, wenn man den Mindestumsatz möglichst optimal zum Telefonieren nutzt. 13,- Euro Mindestumsatz sieht auf den ersten Blick nach stundenlangem Telefonspaß aus, zumal der Shop von mobilejoker den Tarif mit Gesprächspreisen ab 7 Cent/Minute bewirbt. Auch hier sitzt der Haken im Kleingedruckten: Die 7 Cent/Minute gelten nämlich nur samstags, sonntags und feiertags und nur ins deutsche Festnetz. Gerade zu diesen Zeiten fallen aber kaum Festnetzgespräche an, da Firmen und Behörden nicht erreichbar sind und Freizeitgespräche ohnehin immer mehr in den Mobilfunknetzen laufen.

Alle anderen Gespräche, an Werktagen und in Mobilfunknetze - auch netzintern - werden relativ teuer mit 39 Cent/Minute abgerechnet. Schon bei 50 zusätzlichen Gesprächsminuten im Monat, bei zwei Verträgen nicht einmal eine Minute pro Tag und Handy, zahlt man bereits 300,- Euro mehr als mit einem Prepaid-Discounter!

mobilejoker Einzelpr.
Flachbild-TV L 32 LC 52 0 € 488 €
Spielekonsole Wii 0 € 248 €
Handy L KP100 0 € 29,85 €
Handy L KP100 0 € 29,85 €
Grundgebühr 1. Vertrag (24 Monate) 119,76 € 0 €
Grundgebühr 2. Vertrag (24 Monate) 119,76 € 0 €
Ohne Telefonieren
Mindestumsatz 1. Vertrag (24 Monate) 312 € 0 €
Mindestumsatz 2. Vertrag (24 Monate) 312 € 0 €
863,52 € 795,70 €
Mindestumsatz optimal ausgenutzt
33 Gesprächsminuten 1. Vertrag (24 Monate) 312 €
33 Gesprächsminuten 2. Vertrag (24 Monate) 312 €
2 x 33 Gesprächsminuten* x 24 Monate 142,56 €
863,52 € 938,26 €
50 Minuten zusätzlich
33 Gesprächsminuten 1 .Vertrag (24 Monate) 312 €
33 Gesprächsminuten 2. Vertrag (24 Monate) 312 €
50 Gesprächsminuten (0,39 Euro/Minute, 24 Mon.) 468 €
50 + 2 x 33 Gesprächsminuten* x 24 Monate 250,56 €
Gesamtkosten 1.331,52 € 1.046,26 €

ASUS EeePC 900 12G + Sony Ericsson K550i + W200i ("Shop-doch-mal" bei eBay)

Ein "Profihändler" bietet bei eBay und im Auktionshaus Auvito.de einen topaktuellen Asus EeePC 900 12G und zwei gar nicht mal so ganz einfache SonyEricsson-Handys mit einem Vertragspaket für 1,- Euro an. Dabei wird eigens betont, dass die Handys ohne SIM-Lock laufen. An den Kosten der Mobilfunkverträge kommt man aber trotzdem nicht vorbei.

Die Geräte haben einen Gesamtwert von 537,- Euro, wenn man sie in Online-Shops kaufen würde. Mit den Grundgebühren von je 358,80 Euro und Anschlussgebühren von 24,95 Euro pro Vertrag kommt der Kunde aber schon auf über 200,- Euro mehr.

Zwar fordern die Handyverträge keinen Mindestumsatz, sondern enthalten sogar je 50 Inklusivminuten pro Monat. Die gelten allerdings nur für Gespräche ins Festnetz und für netzinterne Gespräche. Würde man diese Inklusivminuten tatsächlich jeden Monat exakt ausnutzen, ergäbe sich gegenüber einem Prepaid-Discounter eine Ersparnis von 216,- Euro; was aber nicht ausreicht, den teuren Paketpreis auszugleichen. Selbst in diesem Fall kommt man auf dem freien Markt günstiger an die angebotene Hardware. Bei Überschreitung der Inklusivminuten kommt der extrem hohe Minutenpreis der Verträge zum Tragen: 59 Cent/Minute! Schon bei 50 zusätzlichen Minuten pro Monat hat man am Ende der Vertragslaufzeit 600,- Euro zu viel bezahlt.

"shop-doch-mal" Einzelpr.
Rechner Asus EeePC 900 1 € 358 €
Handy Sony Ericsson K550i 0 € 111 €
Handy Sony Ericsson W200i 0 € 68 €
Grundgebühr 1. Vertrag (24 Monate) 358,80 € 0 €
Grundgebühr 2. Vertrag (24 Monate) 358,80 € 0 €
Anschlussgebühr 1. Vertrag 24,95 € 0 €
Anschlussgebühr 2. Vertrag 24,95 € 0 €
Ohne Telefonieren
Kein Mindestumsatz 0 € 0 €
768,50 € 537 €
Inklusivminuten optimal ausgenutzt
50 Gesprächsminuten 1. Vertrag (24 Monate) 0 €
50 Gesprächsminuten 2. Vertrag (24 Monate) 0 €
2 x 50 Gesprächsminuten* x 24 Monate 216 €
768,50 € 753 €
50 Minuten zusätzlich
50 Gesprächsminuten 1. Vertrag (24 Monate) 0 €
50 Gesprächsminuten 2. Vertrag (24 Monate) 0 €
50 Gesprächsminuten (0,59 Euro/Minute, 24 M.) 708 €
3 x 50 Gesprächsminuten* x 24 Monate 324 €
Gesamtkosten 1.476,50 € 861 €

Was preiswerthandy.de zu bieten hat und was Verbraucherschützer dazu sagen, erfahren Sie auf Seite 2...

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