Taschenfernsehen

Mobiles Fernsehen

Schon zur Fußball-WM 2006 sollte Handy-TV seinen Durchbruch erleben. Aber auch die Spiele der EM 2008 wird kaum jemand auf dem Mobiltelefon verfolgen. Immerhin: Es tut sich etwas bei den TV-Standards.

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Gerade hat sie den Mobilfunkanbietern in Europa vorgeschrieben, dass internationale Handy-Telefonate einen gewissen Preis nicht überschreiten dürfen, da regelt sie mit der gleichen Entschlossenheit die Einführung des so genannten Handy-TV: Viviane Reding, EU-Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien, veröffentlichte im Juli eine Mitteilung an die Industrie und die EU-Mitgliedsländer. Darin forderte sie, DVB-H als europäischen Standard für mobiles Fernsehen zu entwickeln. Andernfalls werde sie den Standard vorschreiben. Außerdem forderte sie die EUStaaten auf, den Programmanbietern Frequenzen zu überlassen, die momentan noch für den analogen terrestrischen Rundfunk genutzt werden.

Mit ihrer Initiative rennt Viviane Reding beispielsweise bei Nokia und bei einigen Netzbetreibern in Europa offene Türen ein. Während Korea und China auf DMB setzen und die USA den Standard MediaFLO bevorzugen, tendiert die Industrie in Europa zum leistungsfähigeren DVB-H. Doch die flächendeckende Einführung des Standards scheiterte bisher an den politischen Debatten um Lizenzen, Regulierung und die Pflichten der Netzbetreiber.

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Fernsehen mit dem Handy

Die modernen Standards DVB-H und DMB im Vergleich

Der konkurrierende Standard DMB hat daher in Deutschland bis dato einen Vorsprung. Seit Mitte letzten Jahres steht der kommerzielle Dienst Watcha zur Verfügung, der über DMB ausgestrahlt wird. DVB-H wurde dagegen nur zur Fußball- WM 2006 in vier deutschen Großstädten über einen Zeitraum von drei Monaten getestet. Nur in Berlin ist seit 2004 ein Signal zu empfangen, das dauerhaft zu Testzwecken zur Verfügung steht.

Der Vorreiter-Standard

DMB basiert auf dem Format für Digitalradio, DAB, das um audiovisuelle Inhalte erweitert wurde. Weil es DAB schon seit 1995 in Deutschland gibt, lässt sich das Sendenetz von DMB relativ schnell aufbauen. Bis zum Jahre 2012 soll DAB nach offiziellen Planungen das analoge Radio komplett ablösen, 80 Prozent des gesamten Bundesgebietes sind bereits jetzt abgedeckt. Um dieses Netz für DMB auszubauen, müssen keine eigenen Sendemasten aufgestellt werden, der Netzausbau ist damit deutlich günstiger als bei DVB-H. Ein weiterer Vorteil: Jeder DMB-Empfänger, ob Handy oder Multimedia-Player, ist immer auch ein DABEmpfänger. Neben Fernsehen ist also auch das digitale Radioprogramm verfügbar.

DMB-Handys Samsung SGH-P900 und LG V9000

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die beiden DMB-Handys SGH-P900 von Samsung und das V9000 von LG

Derzeit kann der Kunde den Dienst watcha mit fünf Fernsehprogrammen und einem Visual-Radio-Programm abonnieren (s. Kasten: "Die Programme"). Technisch könnten bis zu 40 TV-Kanäle auf mehreren Frequenzen per DMB übertragen werden. Auch interaktive Dienste, bei denen der Zuschauer beispielsweise an Gewinnspielen teilnimmt, lassen sich über DMB realisieren.

Betreiber des Dienstes watcha ist das Düsseldorfer Unternehmen Mobiles Fernsehen Deutschland (MFD), das 2005 gegründet wurde und die bundesweiten Sendelizenzen für DMB besitzt. Die MFD betreibt das Sendernetz und stellt die Inhalte in Zusammenarbeit mit den Fernsehsendern und sonstigen Produzenten zusammen. Dabei versteht sich der Betreiber als technikneutral und bewirbt sich bei allen Landesmedienanstalten auch um Sendelizenzen für den Standard DVB-H. Auf der IFA 2007 vom 31.08 bis zum 05.09. wird die MFD daher mobiles Fernsehen mit beiden Standards präsentieren (Halle 26, Stand 217). Besucher können das Taschenfernsehen mit den bereits in Deutschland erhältlichen TVHandys mit DMB-Empfang ausprobieren oder Geräte testen, die möglicherweise mit der Einführung von DVB-H auf den deutschen Markt kommen.

Der EU-Standard

Bei DVB-H handelt es sich um eine Weiterentwicklung des DVB-T-Standards. Er verwendet größere Frequenzbereiche als DMB, in denen sich maximal 24 Fernsehprogramme unterbringen lassen. Interakausländitive Angebote sollen sich in Kombination mit UMTS und Rundfunkdiensten umfassender realisieren lassen als mit DMB.

Die 14 Landesmedienanstalten hatten bis April dieses Jahres bundesweite DVB-H-Lizenzen ausgeschrieben. Fast 30 Unternehmen haben sich darum beworben. TMobile, Vodafone und O2 gründeten zu diesem Zweck ein Betreiberkonsortium. An der Ausschreibung nehmen außerdem die Privatsender ProSiebenSat.1, RTL und Premiere teil. Film- und Fernsehproduktionsfirmen wie die Ufa sind darunter, der Kaufkanal Home Shopping Europe und ein Telefonbuchverlag. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten nehmen dagegen nicht an dem Verfahren teil. Sie verlangen ein bestimmtes Kontingent an Programmplätzen, auf denen sie ihre Sendungen kostenfrei und unverschlüsselt übertragen wollen. Während die Ausschreibung für Betreiber und Programmlieferanten über die Landesmedienanstalten läuft, vergibt die Bundesnetzagentur die Lizenz für den Sendenetzbetrieb. Als aussichtsreiche Bewerber gelten hier T-Systems sowie eine Reihe ausländischer Spezialisten wie Crowne Castle aus den USA, die britische National Grid Wireless oder TDF aus Frankreich.

LG KU950

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Das LG KU950 ist ein Multimedia-Handy mit DVB-H-Empfänger und unterstützt UMTS sowie HSDPA.

Mit der Ausschreibung besetzt die Bundesnetzagentur außerdem freie Frequenzen, die man mit der effektiveren Frequenznutzung beim digitalen Rundfunk gewonnen hat. Da in vielen Bundesländern sämtliche Frequenzbänder belegt sind, ist die Neuordnung der Frequenznutzung im Zuge der Lizenzvergabe dringend notwendig. Die Entscheidungen dazu sollen diesen Herbst getroffen werden, für August 2008 ist der Sendestart von Handy-TV im Standard DVB-H geplant. Einen detaillierteren Zeitplan gibt es aber offenbar nicht.

Die Alternativen

Neben den Standards DMB und DVB-H, die für Angebote auf mobilen Geräten mit kleinen Displays vorgesehen sind, steht natürlich auch noch das digitale terrestrische Fernsehen DVB-T zur Verfügung. Hier liegt die Abdeckung mittlerweile bei 80 Prozent der Fläche Deutschlands, bis Ende 2008 sollen es 90 Prozent sein. Es ist ein breites Angebot von Empfangsgeräten für das Auto, für PCs und Notebooks erhältlich, aber auch Multimedia-Player mit integriertem DVB-TEmpfang verbreiten sich zusehends. Die Anschaffungskosten für Empfänger ab 50 Euro sind moderat, Abo-Gebühren fallen - abgesehen von den GEZ-Gebühren - nicht an. Ein grundsätzlich anderes technisches Verfahren stellt Handy-TV via UMTS dar. Hier wird das Fernsehsignal nicht wie beim Rundfunk an alle Empfänger im Sendegebiet ausgestrahlt, sondern von jedem einzelnen Nutzer angefordert und gezielt per "streaming" übermittelt. Vodafone und T-Mobile bieten zum Beispiel seit Mitte Juli eine stündlich aktualisierte 100-Sekunden-Ausgabe der ARDTagesschau an. Wer dieses Angebot nutzen möchte, sollte allerdings einen guten Datentarif haben.

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Der USB-Stick "Cinergy Piranha" von TerraTec soll sowohl DVB-T-Signale empfangen als auch DABRadio und Handy-TV im Standard DMB. Die beiliegende Software TerraTec Home Cinema macht den PC oder das Notebook zu einem Videorekorder für digitales Fernsehen mit manueller oder programmierter Aufzeichnung. Preis: ca. 80 Euro.

RTL stellt einminütige Videos seiner Nachrichtensendung zur Verfügung. Hierbei handelt es sich um einen WAP-Push, der per SMS mit dem Inhalt "News" an die Kurzwahlnummer 4949 angefordert wird. Das Angebot kostet pro WAP-Push-Link 29 Cent zuzüglich der Kosten für die SMS und für die Datenverbindung.

Kostenpflichtig wird auch die Übertragung der Fußball-Bundesliga-Spiele bei T-Mobile sein. Denn nur in der Einführungsphase sind die ersten neun Spieltage kostenlos, danach soll das Monats-Abo 5 Euro oder ein Spieltag 2 Euro kosten. Die Spiele werden live via UMTS gestreamt.

Für den Massenmarkt ist diese Technik jedoch wenig geeignet. Laden sich nämlich viele Nutzer gleichzeitig innerhalb einer Funkzelle die datenreichen TV-Signale aufs Mobiltelefon, kommt es schnell zu Engpässen. Selbst bei HSDPA, dem optimierten UMTS-Standard, muss der Zuschauer mit Bildausfällen und Wartezeiten für frei werdende Kapazitäten rechnen.

Die Handys

Sagem stellt auf der IFA bereits die zweite Generation seines DVB-H-Handys my- MobileTV vor. Es besitzt ein QVGA-Display, das sich für den TV-Empfang oder im Player-Modus nach außen drehen lässt und unabhängig vom Blickwinkel immer dieselbe Helligkeit und Kontrastqualität wiedergeben soll.

Zur CeBIT 2007 stellte Samsung das SGH-F510 mit DVB-H-Empfänger vor. Auf der einen Seite besitzt das Gerät alle Handy-Tasten, auf der anderen ist es mit einem drehbaren Display für Handy-TV und Videos optimiert. Der Marktstart für Deutschland steht noch nicht fest.

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Samsung SGH-F510 mit DVB-H-Empfänger: Auf der einen Seite besitzt das Gerät alle Handy-Tasten, auf der anderen das Display für Handy-TV.

Das LG KU950 ist ein Multimedia-Handy mit DVB-H-Empfänger. Außerdem unterstützt es die UMTS-Erweiterung HSDPA und ermöglicht damit Video- Streams. Neben den üblichen Videoformaten MPEG und 3GP gibt der integrierte Player MP3- und AAC Dateien wieder. Das QVGA Display ist 2,2 Zoll groß. Wann das KU950 in Deutschland eingeführt wird, steht noch nicht fest.

DMB-HANDYS

Bisher sind in Deutschland nur die beiden DMB-Handys SGH-P900 von Samsung und das V9000 von LG verfügbar. Beide arbeiten mit einem um 90 Grad drehbarenDisplay für die optimale Darstellung von Fernsehbildern.

DMB-Handys Samsung SGH-P900 und LG V9000

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die beiden DMB-Handys SGH-P900 von Samsung und das V9000 von LG

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