Mobile Computing

Mobil präsentieren mit Tablet und Beamer

In jedem guten Konferenzraum steht ein Beamer oder ein TV als Großbildleinwand. Doch nur selten kommuniziert die Technik problemlos mit iPad oder Tablet. Wir zeigen, wie Sie die Geräte erfolgreich verbinden und sorglos präsentieren. von Yvonne Göpfert

Mobil präsentieren mit Tablet und Beamer - so funktioniert es ohne Probleme

© Hersteller/archiv

Mobil präsentieren mit Tablet und Beamer - so funktioniert es ohne Probleme

Immer mehr Anwender ersetzen im mobilen beruflichen Einsatz das Notebook durch ein Tablet, weil es praktischer, flexibler und schicker ist. Probleme gibt es, wenn man eine Präsentation mithilfe eines Beamers an die Wand werfen möchte.

Häufig fehlt es dem Tablet an den richtigen Anschlüssen, um den Display-Inhalt an den Beamer zu senden. Um dieses Manko zu umgehen, gibt es verschiedene Strategien. Erstens: Aufsätze fürs Smartphone oder Tablet verwandeln das Gerät in einen mobilen Beamer. Damit wird die Anbindung an stationären Beamer oder Fernseh-Bildschirm überflüssig. Nachteil: Die meisten Aufsteck-Aufsätze bieten nur eine geringe Auflösung und sind wenig lichtstark. Wenn Ihre Präsentation in einem hellen Büro stattfindet, können Ihre Zuschauer mehr raten als lesen, was Sie Ihnen zeigen wollen.

Mobile Cinema i55 fürs iPhone 5

So liegt die Lichtstärke bei 25-50 ANSI-Lumen - je nach Hersteller und Modell. Aiptek hat beispielsweise mehrere Mini-Beamer im Angebot. Sie werden auf das Smartphone aufgesteckt oder mit einem passenden Adapterkabel verbunden. Der Beamer wirft die Inhalte des Smartphones dann an die nächste Wand.

Mit dem Mobile Cinema i55 für das iPhone 5 und 5S können Sie zum Beispiel aus zwei bis drei Metern Entfernung ein bis zu 150 Zentimeter großes Bild an die Wand projizieren. Optimal sind 120 Zentimeter Bilddiagonale, wie unser Test gezeigt hat. Machen Sie das Bild größer, wirkt es unscharf.

Mobile Cinema i55

© Archiv

Mobile Cinema i55 von Aiptek: Der Anwender steckt das komplette iPhone in die Halterung des Beamers.

Für die Projektion schieben Sie das iPhone in die Beamer-Vorrichtung, über den Apple Lightning-Adapter gelangen die Daten vom iPhone an den Beamer. Mit 50 ANSI Lumen ist MobileCinema i55 allerdings nicht sehr hell. Am besten funktioniert die Darstellung also, wenn der Raum ganz dunkel ist oder nur sehr wenig Licht leuchtet.

Das Kontrastverhältnis des Mini-Beamers beträgt 1000:1, die Auflösung 640x480 Pixel. Die geringe Auflösung geht für einfache Powerpoint-Präsentationen in Ordnung. Wer Filme in seinen Vortrag eingebaut hat, wird über die Auflösung nicht allzu glücklich sein. Zudem liegt Ihr iPhone oder Ihr Tablet mit einem Kabel an dem Beamer "gefesselt" auf dem Tisch - Sie können also nicht frei im Raum herumlaufen. Zum Weiterblättern müssen Sie neben Ihrem Smartphones stehen.

Den Strom für den Aufsteck-Beamer liefert der Akku, der in den Steckaufsatz integriert ist - im Test erreichten wir eine Projektionsdauer von knapp 1,5 Stunden. Zugleich kann der Akku auch zum Laden des iPhones genutzt werden Die Aufstecklösung Mobile Cinema i55 fürs iPhone 5 ist mit 249 Euro UVP nicht ganz billig - zumal noch mal rund 30 Euro für den Apple Lightning digital AV Adapter hinzukommen.

Darüber können dann auch das iPad 4 und das iPad mini angeschlossen werden. Über ein MHL- und ein HDMI-Kabel lässt sich der fürs iPone gedachte Beamer sogar mit einem Android-Smartphone betreiben. Allerdings sieht das dann nicht mehr so schick aus. Für das iPhone 4 und das iPhone 4S, iPad, iPad 2 und das iPad 3 ist der Aiptek MobileCinema i50D der richtige Aufsteck-Aufsatz. Hier gibt es jedoch nur noch Restbestände im Markt, dieses Modell wird nicht weiter produziert.

Miracast: Smartphone an Beamer

Strategie Nummer zwei: Sie wollen Ihr Smartphone oder Tablet mit einem Beamer verbinden. Hier gibt es wieder zwei Möglichkeiten. Erstens: eine Verbindung über WiDi respektive Miracast herstellen. Zweitens: koppeln über den im Beamer integrierten HDMI-Anschluss.

Miracast ist ein firmenübergreifender Standard für Android-Geräte, mit dem Präsentationen, Videos und Bilder von Smartphone und Tablet auf einen TV-Bildschirm oder an einen Beamer übertragen werden können - ohne, dass ein WLAN-Router dazwischengeschaltet werden muss.

Die Verbindung läuft über WiFi direct. Ab Android 4.2 steht Miracast standardmäßig in allen Android-Smartphones zur Verfügung. Außerdem müssen der Beamer und Ihr Smartphone oder Tablet, von dem aus Sie präsentieren wollen, auch WiFi direct unterstützen. Miracast ermöglicht es theoretisch, alle Inhalte auf einem passenden Fernseher oder Beamer in Full-HD zu übertragen. In der Praxis wurden bislang jedoch noch nicht allzu viele Tablets für Miracast zertifiziert. Für das Lenovo Yoga Tablet beispielsweise soll es aller Voraussicht nach einen USB-Dongle geben, der Miracast unterstützt.

Bei Samsung gibt es drei Tablets, die Miracast beherrschen: das Galaxy Note 10.1 (WiFi, 3G, LTE), das Galaxy Tab 3 8.0 (WiFi, 3G, LTE) und das Galaxy Note 10.1 2014 Edition (WiFi, 3G). Die Technik ist noch jung und es steht zu erwarten, dass Miracast in kurzer Zeit zur Standardausrüstung von Tablets gehört - ähnlich wie Bluetooth oder WLAN.

Das kleine Schwarze

Sony hat kürzlich den IM10 Miracast Wireless Display vorgestellt. Damit lassen sich drahtlos die Bildschirminhalte von Android-Geräten an einen Fernseher übertragen. Das kleine Gerät kostet etwa 80 Euro und wird via HDMI an einen Fernseher angeschlossen und mittels NFC mit dem Smartphone oder Tablet gepaart.

IM10 Miracast Wireless

© Miracast

IM10 Miracast Wireless: den Bildschirm einfach per NFC mit dem Smartphone oder Tablet paaren.

Die Übertragung läuft über das integrierte WLAN der beiden Geräte und kann Bildsignale bis zu 1080p verarbeiten. Kompatibel ist IM10 Miracast Wireless Display mit allen Miracast-Smartphones und Tablets. Man ist also nicht auf Hardware aus dem Hause Sony beschränkt. Von Netgear gibt es für rund 60 Euro einen HD-TV Adapter für PC und Tablet, der ebenfalls Inhalte wie Filme, Fotos, Musik, Präsentationen und Websites auf Ihrem Großbild-Fernseher anzeigt. 

Chromecast: Alles aus der Wolke

Auch Googles Chromecast folgt der Idee, Bilder vom Tablet auf einen großen TV-Bildschirm zu schicken. Der kleine HDMI-Stick läuft unter einer abgespeckten Version von Google TV, das auf Android basiert (aber derzeit in Deutschland noch nicht offiziell erhältlich ist).

Um die Verbindung zwischen Tablet oder Smartphone herzustellen, muss der Stick in einen freien HDMI-Port des Fernsehers gesteckt werden. Allerdings spiegelt Chromecast die Inhalte von Tablet und Smartphone nicht wie Miracast, sondern ruft Inhalte aus der Cloud auf.

Sie können daher nur YouTube-Videos oder Webseiten via Chrome-Browser vom Tablet oder Smartphone aus an den großen Bildschirm senden. Wenn Sie Ihre Powerpoint-Präsentation also nicht über eine URL aufrufen, sondern als ppt-Datei auf Ihrem Gerät gespeichert haben, ist Ihnen Chromecast keine Hilfe.

Netgear PTV3000

© Netgear

Netgear PTV3000: HD-TV Adapter für PC und Tablet.

Das ist schade, denn Chromecast ist auch zu immer noch weitverbreiteten älteren TV-Geräten kompatibel, die weder über einen Netzwerkanschluss noch über WLAN verfügen. Die Apple-Welt kann Apple TV nutzen, um Inhalte von iPhone und iPad zu präsentieren. Apple TV ist ein kleines schwarzes Kästchen, das mittels HDMI an den Beamer oder Fernseher angeschlossen wird. Apple TV kommuniziert dann über einen WLAN-Hotspot mit dem iPad.

Als Hotspot können Sie Ihr iPhone heranziehen oder einen Mini-Router zum Mitnehmen, beispielsweise von Huawei. Sobald Sie der WLAN-Hotspot aktiviert ist, verbindet sich der schwarze Kasten automatisch mit dem WLAN. Auf dem iPad erscheint die Option zum Duplizieren des Bildschirms auf ein Airplay-Gerät. Die Präsentation kann beginnen.

Fazit

Zwar gelingt es heute schon, das Notebook zu Hause zu lassen und eine Präsentation vom Tablet oder Smartphone aus abzuspielen. Doch dazu sollten Sie immer ein MHL- und ein HDMI-Kabel in der Tasche haben. Denn nicht jeder Beamer bietet alle Anschlüsse. Und eine Standardtechnik für die Anbindung von mobilen Geräten ist gerade erst dabei, sich zu etablieren.

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