Anleitung

Mini-Gaming-PC selber bauen

Gaming-PC - bei dieser Rechner-Kategorie denkt man an große Tower mit mächtigen Grafikkarten und riesigen Prozessorkühlern. Wir bauen uns in dieser Anleitung mit dem Brix Gaming stattdessen einen Spiele-Rechner, den man in die Tasche stecken und als Steam-Box nutzen kann.

Mini Gaming-PC selber bauen

© Hersteller/Archiv

Mini Gaming-PC selber bauen

Wer einen Gaming-PC selber zusammenstellen und bauen will, denkt vermutlich zuerst an einen klassischen Tower. Doch nun gibt es auch einen Spiele-PC im Kompaktformat: Der Brix Gaming von Gigabyte ist der schnelle Mini unter den PCs. Und da Gigabyte den kleinen Rechner unter der Bezeichnung GB-BXi5G3-760 als Barebone verkauft, nutzen wir ihn als Basis für unseren Mini-Gaming-PC im Eigenbau.

Im Handel kostet der Barebone GB-BXi5G3-760 etwa 830 Euro. Da Prozessor und Grafikkarte beim Brix Gaming schon an Bord sind, genügen Arbeits- und Massenspeicher für die Komplettierung zum Mini-Gaming-PC für einen Preis von knapp 1.200 Euro.

Der Vorteil des kleinen PCs mit zwölf Zentimetern Kantenlänge und vier Zentimetern Höhe: Wenn man sich mit Freunden zu einer LAN-Party treffen will, dann muss man keinen Tower durch die Gegend schleppen, man steckt den kleinen Rechner nebst Netzteil, Maus und Keyboard einfach in eine Tasche.

Doppeldecker

Viele kompakte PCs wie etwa der Alienware Alpha kombinieren eine Desktop-CPU mit einer Mobile-Grafik. Gigabyte verwendet beim Brix Gaming dagegen einen Mobile-Prozessor: Bei unserem Testgerät ist ein Intel Core i5-4200H auf das winzige Mainboard aufgelötet. Der Dual-Core-Prozessor aus der Haswell-Familie arbeitet mit einem Basistakt von 2,8 und einer Turbofrequenz von 3,4 GHz. Unter dem Mainboard sitzt als zweite Platine die Grafikkarte mit einem vermeintlichen Nvidia GeForce GTX 760 als Grafikchip.

Mobile-Grafik im Desktop-Gewand

Mini-Gaming-PC im Eigenbau

© Hersteller

Der Brix Gaming bietet drei gleichzeitig nutz¬bare Monitorausgänge: 2 x Mini-HDMI und 1 x Mini-DisplayPort. Zudem sind GBit-LAN und USB 3.0 an Bord.

Allerdings verwendet Gigabyte hier nicht die Desktop-Variante des Nvidia-Chips mit 1.152 CUDA-Cores, sondern eine spezielle Version der GTX 870M auf Kepler-Basis mit 1.344 Cores, die auf satte sechs GByte GDDR5 als Grafikspeicher zugreifen kann. An die Leistung einer "echten" Desktop- GTX-760 reicht die Karte im Brix Gaming nicht heran, die würde im 3DMark Fire Strike über 5.000 Punkte erreichen. Aber gemessen an seiner Größe ist der Brix Gaming mit 3.850 Punkten im 3DMark immer noch außerordentlich schnell.

Die Leistung reicht immerhin aus, um ein Spiel wie Bioshock Infinite in Full-HD bei hohen Einstellungen flüssig zu spielen. Die Kepler-Grafik im Brix Gaming wird zwar nicht alle Funktionen des mit Windows 10 kommenden DirectX 12 unterstützen, höhere Frameraten durch eine niedrigere Prozessorlast wird der kleine Gigabyte-Rechner aber liefern.

Die Verbindung zwischen Grafikkarte und Mainboard wird im im Brix Gaming durch einen proprietären PCI-Express-Slot hergestellt. Große Kühlkörper aus Kupfer auf der Unterseite der Grafikkarte und der Oberseite des doppelseitig bestückten Mainbords sorgen für die Kühlung der GPU und der CPU: Zwei kleine Lüfter pressen die Kühlluft durch den Raum zwischen den beiden Platinen. Diese Aufgabe erledigen sie aber schon bei niedriger Drehzahl, etwa bei der Nutzung von Office-Programmen, durchaus hörbar. Bei voller Last sollte man besser mit Headset spielen, da der Rechner hier sehr laut wird.

Alle Schnittstellen an Bord

Der kleine Rechner ist üppig mit Schnittstellen bestückt: Zwei USB-3.0-Ports in der Front und weitere zwei auf der Rückseite. Dort gibt es dann noch zwei Mini-HDMI-und einen Mini-DisplayPort-Anschluss und eine GBit-Ethernet-Buchse.

Zudem ist im Brix auch noch ein WLAN-Modul montiert. Der hier verwendete Realtek-Chip 8821AE unterstützt den schnellen WLAN-Standard 802.11ac und zudem noch Bluetooth 4.0.

Die Energieversorgung übernimmt ein externes 180-Watt-Netzteil, das fast halb so groß ist wie der Brix selbst. Im Idle-Modus kommt der Rechner in unserer Konfiguration mit 28 Watt aus, unter voller Last im 3DMark Fire Strike genehmigt er sich bis zu 135 Watt.

Zum Lieferumfang des Barebones gehören auch noch ein passendes HDMI- und ein DisplayPort-Kabel sowie ein Audio-Adapter und eine VESA-Platte für die Montage auf der Rückseite eines entsprechenden Monitors oder Fernsehers. Als Multimedia-PC fürs Wohnzimmer eignet sich der Brix Gaming wegen seiner Lautstärke aber nicht, dafür hat Gigabyte leise Modelle mit Prozessor-Grafik im Programm, etwa den GB-BXi5H-5200 mit einem Intel Core i5-5200 auf Basis der neuen Broadwell-Architektur.

Vorbereitung des Betriebssystems

Mini-Gaming-PC im Eigenbau

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Der Aufbau des Brix Gaming: Die untere Platine ist die Grafikkarte. Darüber ist das doppelseitig bestückte Mainboard mit mSATA-SSD und RAM zu sehen. CPU und Chipsatz liegen verdeckt auf der Unterseite .

Als ersten Schritt sollte man einen USB-Stick als Installationsmedium für das Betriebssystem vorbereiten, wenn man kein externes DVD-Laufwerk parat hat. Denn Platz für ein integriertes DVD-Drive gibt es in dem winzigen Brix-Gehäuse nicht.

Öffnen Sie dazu diese Microsoft-Webseite. Mit einem Klick auf den Link Installationsmedium erstellen lädt ein Tool herunter, das den Download der passenden ISO-Datei bei Microsoft übernimmt und diese auf einem mindestens vier GByte großen USB-Stick installiert. Natürlich müssen Sie über einen gültigen Product-Key verfügen.

Wer sich das Geld für Windows sparen und mit dem kleinen PC ausschließlich spielen will, der kann aus dem Brix Gaming auch eine Steam-Box machen. Allerdings ist das kostenlose Spiele-Linux SteamOS noch nicht fertig, und es laufen auch längst nicht alle Spiele aus dem Steam-Marktplatz. Wenn Sie SteamOS-Beta ausprobieren wollen, finden Sie unter store.steampowered.com einen Downloadlink und eine Installationsanleitung.

Werkzeug und erste Schritte

An Werkzeug genügen im Prinzip ein größerer und ein kleiner Kreuzschlitz-Schraubenzieher. Beide sollten mit einer magnetischen Spitze ausgestattet sein. Praktisch ist auch noch eine feine Pinzette, die gute Dienste leistet, falls eine Schraube im Innenleben des Brix verschwindet.

Vor der Montage der Bauteile sollten Sie sich erden, um Beschädigungen der Elektronik durch eine statische Aufladung zu verhindern. Danach muss das Gehäuse des Brix erst einmal geöffnet werden. Dazu wird der kleine PC auf seine Oberseite gedreht, danach löst man vier Schrauben, die sich in den Gummi-Standfüßen des Rechners verbergen. Nach der Abnahme der Bodenplatte ist die Unterseite des Mainbords mit den Steckplätzen für den Arbeitsspeicher, einer mSATA-SSD und dem Anschluss für ein 2,5-Zoll-Laufwerk zugänglich.

1.Montage des Arbeitsspeichers

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Die Speichermodule werden durch kleine Federbügel fixiert. Die schnappen ein, wenn man die zuvor schräg eingesetzten Module leicht nach unten drückt.

Das kleine Mainboard mit Intel-HM87-Chipsatz bietet Platz für DDR3L-SDRAM-Module im kompakten SO-DIMM-Format. Wir bestücken den BRIX mit zwei 4-GByte-Riegeln von Crucial. Die DDR3L-1600-Speicher vom Typ Ballistix Sport schlagen mit 95 Euro zu Buche.

Für die Montage wird der erste Riegel schräg in den unteren Speichersockel geschoben und mit einem leichten Druck nach unten in der Horizontale arretiert. Danach wiederholen Sie das Prozedere mit dem zweiten Speichermodul.

2.Einbau der mSATA-SSD

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Die mSATA-SSD findet ihren Platz über der WLAN-Karte. Sie wird mit einer kleinen Schraube fixiert.

Neben der höheren Leistung ist auch die kompakte Bauform ein Vorteil der SSD gegenüber einer HDD als Massenspeicher.Da moderne SSDs auch bei höherer Kapazität nur noch aus wenigen Chips bestehen, kann man sie auch in Form kleiner mSATA-Module bauen. Und eben so ein Modul setzen wir im Brix Gaming als Systemlaufwerk ein. Die von uns verwendete Crucial M550 kostet im mSATA-Formfaktor mit 256 GByte Kapazität (CT256M550SSD3) derzeit im Handel nur etwa 95 Euro.

Die SSD nutzt als Datenspeicher 20-nm-MLC-NAND-Chips von Micron und als Controller den Marvell 88SS9189 und 512 MByte DDR2-SDRAM als Cache.

Die kleine SSD findet im Brix Gaming ihren Platz direkt im mSATA-Slot über der WLAN-Karte. Die SSD-Karte wird leicht schräg in ihren Slot eingesteckt, dann leicht niedergedrückt und mit einer kleinen Schraube durch das obere Befestigungsloch fixiert.

3.Montage der Festplatte

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Eine zusätzliche 2,5-Zoll-HDD oder SSD wird in der Bodenplatte des Brix festgeschraubt. Das SATA-Kabel sollte vorher am Laufwerk angesteckt werden.

Trotz seiner winzigen Abmessungen ist im Gehäuse des Brix Gaming sogar noch Platz für ein zusätzliches 2,5-Zoll-Laufwerk. Wir bauen in unseren Beispielrechner eine HDD als zusätzliche Datenplatte ein. Empfehlenswert ist hier die Seagate ST1000LM014 mit einem Tbyte Kapazität für etwa 90 Euro. Die SSHD nutzt einen 8 GByte großen Flash-Speicher als Cache.

Vor der Montage der Festplatte wird erst das kombinierte Daten-Strom-Kabel eingesteckt, das zum Lieferumfang des kleinen Gigabyte-Barebone gehört. Danach wird die Festplatte mit vier kleinen Schrauben an der Bodenplatte des Brix befestigt.

4.Anschluss des Laufwerkkabels

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Das SATA-Kabel wird in eine Mini-Buchse auf dem Mainboard eingesteckt.

Das enge Gehäuse und das winzige Mainboard des Brix lassen keinen Platz für herkömmliche SATA- und Stromkabel. Stattdesen kommt ein feines Kombi-Kabel zum Einsatz, das sonst in Notebooks verwendet wird. Die Anschlussbuchse sitzt neben dem Sockel für die WLAN-Karte und die mSATA-SSD auf dem Mainboard. Drücken Sie den kleinen Stecker des Kabels vorsichtig mit dem Finger in die Laufwerksbuchse, und achten Sie dabei auf die richtige Orientierung des Kabels.

Beim Aufsetzen der Bodenplatte müssen Sie darauf aufpassen, das Kabel nicht wieder aus der Buchse zu ziehen. Nach dem Festschrauben der Bodenplatte können Sie den Brix wieder auf seine Füße stellen.

Erster Start vom USB-Stick

Damit ist unser kleiner Gaming-PC bereit für die Installation des Betriebssystems vom vorbereiteten USB-Stick. Drücken Sie beim Start des Rechners die F2-Taste, um ins UEFI-Set-up zu gelangen. Wählen Sie im Save & Exit-Screen unter Boot Override als Option den Eintrag UEFI mit der Bezeichnung Ihres USB-Sticks. Nach der OS-Installation spielen Sie noch die Treiber vom beiliegenden Mini-USB-Stick auf.

Leistungswerte

Kleiner Rechner, große Leistung: die Benchmarkergebnisse im Überblick:

  • PC Mark 7: 100 %
  • 3DMark Fire Strike: 50%
  • Cinebench R11.5 (xCPU): 70 %
  • HD-Tune 4.61: 100%
  • Leistungsaufnahme (Office-Betrieb): 100%

Das Ergebnis von 5.620 Punkten im PC Mark 7 belegt deutlich, dass der kompakte Gigabyte Brix Gaming keineswegs nur als Konsolen-Konkurrenz zu sehen ist. Bestückt mit einer SSD erzielt er ein sehr gutes Ergebnis in diesem Systembenchmark.

Die 3DMark-Ergebnisse entsprechen denen eines PCs mit Mittelklasse-Desktop-Grafikkarte. Damit reicht die 3D-Leistung auch für neuere DX11-Spiele aus, wenn man die Qualitätseinstellungen verringert.

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Microsoft bietet ein eigenes Tool für das Erstellen von Windows-8.1-Installationsmedien an.

Empfehlenswertes Zubehör für den Mini-Gaming-PC

Einem Gaming-PC sollte man auch angemessene Peripheriegeräte wie Monitor, Maus und Tastatur spendieren. Wir stellen einige passende Produkte vor.

Monitor mit G-Sync-Technologie

Die GeForce-Grafik im Brix Gaming unterstützt die G-Sync-Technologie für eine flüssige Grafikdarstellung ohne Tearing. Ein passender Monitor ist beispielsweise der 24-Zöller AOC g2460Pg mit Full-HD-Auflösung und 144-Hz-Panel. Die Auflösung von 1.920 x 1.080 Bildpunkten reicht für den kleinen Gaming-PC vollkommen aus. Mit einem Preis von ca. 450 Euro ist der AOC g2460Pg aktuell der günstigste G-Sync-Monitor auf dem Markt.

Mini-Gaming-PC im Eigenbau

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Schnelle Gaming-Tastatur

Die momentan schnellste Gaming-Tastatur kommt von Cherry: Das MX Board 6.0 arbeitet mit analoger Signalerfassung und damit mit minimaler Latenzzeit. Allerdings kostet das Keyboard mit MX-Red-Tasten auch 190 Euro.

Wer weniger Geld ausgeben will, der kann auch zum Rapoo V700 greifen. Es ist zwar technisch nicht so ausgefeilt, und die mechanischen Tasten kommen aus China statt aus Deutschland. Dafür kostet das Keyboard auch nur 80 Euro.

Profi-Gamer-Maus

Die Razor DeathAdder Chroma gilt als eine der besten Gaming-Mäuse. Sie besitzt einen präzisen Sensor, eine konfigurierbare Beleuchtung und konzentriert sich sonst auf das Wesentliche. Extras wie Gewichte oder viele Zusatztasten sucht man bei der 60-Euro-Maus vergebens.

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