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Auf dem Prüfstand Microsoft Web Matrix Beta 3

Mit WebMatrix entwickelt Microsoft einen Web-Baukasten, der neben einem Webserver Editoren für PHP, HTML, CSS und JavaScript sowie den SQL Server 2008 Compact enthält.
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Microsoft Web Matrix Beta 3

Microsoft verspricht auf der Website des kostenlosen, englischsprachigen Programms, dessen dritte Beta-Version wir uns angesehen haben: „WebMatrix ist alles, was Sie brauchen, um Websites mit Windows zu erstellen”. Tatsächlich beschränken sich die Fähigkeiten des Programmpakets auf den Umgang mit Microsofts ASP.NET und PHP. Arbeiten Sie lieber mit Ruby, müssen Sie sich nach einem anderen Werkzeug umsehen.

Installiert wird WebMatrix mithilfe des Microsoft Web Platform Installers 3.0. Das gerade mal 100 KByte große Programm lädt WebMatrix aus dem Netz herunter und richtet es auf der Festplatte ein. Zum Download gehören unter anderem auch der in WebMatrix integrierte Webserver Internet Information Server 7.5 Express Beta 3 sowie der Datenbank-Server Microsoft SQL Server Compact 4.0. Zumindest nominell sind damit alle Bestandteile einer zeitgemäßen Web-Entwicklungsumgebung gegeben.

Der Web Platform Installer 3.0 zieht alle WebMatrix-Komponenten aus dem Netz und installiert sie. © Internet Magazin
Der Web Platform Installer 3.0 zieht alle WebMatrix-Komponenten aus dem Netz und installiert sie.

Starten Sie WebMatrix, dann bietet es Ihnen im sogenannten Quick Start-Fenster vier Möglichkeiten: Sie können eine bereits in WebMatrix eingerichtete Website öffnen, eine Website aus einem Verzeichnis auf der Festplatte importieren oder eine neue Website aus einer Vorlage erstellen. Die spannendste Option ist aber sicherlich Site from Web Gallery, über die Sie ein Website-Projekt unter Zuhilfenahme eines automatisch aus dem Netz heruntergeladenen CMS einrichten können. Dazu später mehr.

Für unseren Test haben wir mithilfe der Site From Folder-Funktion ein bereits auf der Festplatte vorhandenes, kleines PHP-Projekt in WebMatrix importiert. Um es zum Laufen zu bewegen, mussten wir zunächst in den Einstellungen des Website-Projektes PHP aktivieren. WebMatrix stellt dabei die Versionen 5.2 und 5.3 zur Auswahl, lädt diese bei Bedarf aus dem Netz herunter und aktiviert sie in IIS Express. All das geschieht vollautomatisch.

Anschließend steht PHP für alle Projekte ohne weitere Vorbereitungen zur Verfügung. Administratorrechte benötigt man für die Einrichtung von PHP aber schon noch.

Vier Ansichten

Apropos Einstellungen: Mit Settings (Einstellungen), Files (Dateien), Databases (Datenbanken) und Reports (Berichte) kennt die WebMatrix-Programmoberfläche vier verschiedene Ansichten. Diese lassen sich in der Übersicht links unten im Programmfenster umschalten.

Den Großteil Ihrer Entwicklungsarbeit werden Sie in der Ansicht Files erledigen. Wie von zahlreichen anderen Editoren bekannt, zeigt WebMatrix in dieser Ansicht am linken Rand einen kleinen Explorer, über den Sie auf die Dateien und Ordner im Projektverzeichnis zugreifen. Ein Doppelklick auf eine Datei öffnet diese im Editor.

Schwacher Editor

Der Editor ist der wohl größte Schwachpunkt von WebMatrix. Er bietet zwar Zeilennummern, Syntax-Highlighting für HTML, CSS, JavaScript, PHP und ASP.NET sowie eine Funktion zum Suchen und Ersetzen. Aber das war es dann auch schon. Kein Auto Complete für PHP-Kommandos, keine Snippet-Verwaltung, kein Validator, kein JavaScript-Debugging – in der Tat fällt es leichter, die paar Dinge aufzuzählen, die der Editor kann, als aufzulisten, was alles fehlt.

Wenigstens können Sie in den Einstellungen noch den Zeilenumbruch aktivieren und die Zahl der Leerzeichen pro Tab einstellen, sonst wäre der Editor gänzlich unbrauchbar.

Wer mehr von seinem Web-Editor verlangt, der klickt in der im Stil von Microsoft Office 2007/2010 gehaltenen Werkzeugleiste auf Visual Studio und arbeitet den folgenden Setup-Assistenten durch. Dadurch befördert man Visual Web Developer 2010 Express sowie zwangsweise auch SQL Server Express auf die Platte – ein Gratis-Paket mit dem man ASP.NET-basierte Projekte einigermaßen komfortabel bearbeiten kann.

Fehlerhafte MySQL-Installation

Als nächsten Schritt unseres Tests haben wir uns WebMatrix Datenbank-Verwaltung angesehen. Kleine Projekte in ASP.NET lassen sich mithilfe von SDF-Datenbanken realisieren, die WebMatrix in einer Datei speichert und die deshalb ohne einen Datenbank-Server funktionieren. Sogar ein Editor für die in diesem Format gespeicherten Tabellen ist in WebMatrix enthalten.

PHP lässt sich in den Versionen 5.2 und 5.3 aus WebMatrix heraus nachinstallieren. © Internet Magazin
PHP lässt sich in den Versionen 5.2 und 5.3 aus WebMatrix heraus nachinstallieren.

Microsofts Entwicklungsumgebung verträgt sich aber auch mit MySQL. Auf unserem Testsystem war noch kein entsprechender Datenbankserver installiert. Zwar gibt es im Netz eine Anleitung (bit.ly/eiAniS ), wie man MySQL so konfiguriert, dass WebMatrix die Programme aus der Web Gallery problemlos damit betreiben kann, aber wir wollten diese Aufgabe direkt aus WebMatrix heraus erledigen.

Das ist gar nicht so leicht, denn Web-Matrix bietet dafür keine Option. Deshalb verfielen wir auf die Idee, dass man WebMatrix zur MySQL-Installation zwingen könnte, in dem man dem Microsoft-Programm befiehlt, eine WordPress-Website aus der Web Gallery heraus einzurichten.

Tatsächlich funktioniert das zumindest auf den ersten Blick prima. Einfach New Site anklicken und in der Rubrik Web Gallery den WordPress-Eintrag auswählen. Web- Matrix lädt die Blog-Software in der zum Test-Zeitpunkt aktuellen Version 3.0.3, das MySQL-Setup sowie das Setup für den .NET MySQL Connector herunter.

Im nächsten Schritt definierten wir den Namen der WordPress-Datenbank sowie die notwendigen Zugangsdaten und auch das Administratorkonto für den MySQL-Server. Im nächsten Schritt schlug die Installation fehl, weil der .NET Connector für MySQL fehle. Also haben wir auf Verdacht den Rechner neu gestartet und den Vorgang wiederholt. Wieder ein Fehlschlag, diesmal weil Web-Matrix den MySQL-Server vermisste. Und tatsächlich fand sich auf dem ganzen System keine Spur dieses Dienstes.

Der Klügere gibt nach – und installiert My- SQL gemäß der oben erwähnten Anleitung von Hand. Prompt klappt auch das Setup von WordPress mithilfe der Web Gallery.

Entscheidend bei der MySQL-Installation ist, dass Sie MySQL für UTF8 optimieren, sonst funktionieren viele Web-Gallery- Programme nicht. Außerdem sind ein paar zusätzliche Handgriffe notwendig, damit WebMatrix das MySQL auch findet. In der Gallery finden Sie übrigens noch zahlreiche weitere Programme, darunter Drupal, Joomla und Silverstripe sowie Screw-Turn Wiki, nopCommerce, phpBB, Gallery und das Webanalyse-Tool Piwik.

SEO-Check inklusive

Die beiden bislang noch nicht näher betrachteten Arbeitsumgebungen namens Site und Reports dienen in erster Linie der Kontrolle des Arbeitsergebnisses. Klar, unter Site finden Sie auch die projektbezogenen Einstellungen, etwa die Default-Seite, aber interessanter ist die Unterrubrik Requests. Diese enthält das Server-Protokoll. Dank einfacher, aber effizienter Filterfunktionen (Zeige nur Fehler, Ignoriere Bilddateien) lässt sich dieses Protokoll bei der Suche von Fehlern konsultieren.

Unter Reports können wir derzeit nur einen einzigen Bericht vermelden, der aber durchaus interessant ist: Den SEO-Report. Er soll Web-Entwicklern Tipps zur Optimierung ihrer mit Website-Matrix entwickelten Website für Suchmaschinen geben. Dazu verwendet er laut Microsoft-Video „den Algorithmus einer führenden Suchmaschine”, das heißt vermutlich Bing.

Die Informationen des SEO-Reports sind durchweg technischer Art. So vermeldet er zum Beispiel nicht funktionierende Hyperlinks, fehlende <h1>-Tags sowie die Abwesenheit des Metatags description. Witzigerweise bemängelt er bei der mitgelieferten Website-Vorlage Empty Site auch die große Zahl darin verlinkter Stylesheets. Ob sich da wohl Microsoft-Entwickler untereinander Streiche spielen?

Dürftiges Publishing

Fertige Websites kann WebMatrix per FTP oder Webdeploy (funktioniert nur mit IIS) auf einen Webserver exportieren. Verschlüsselte FTP-Verbindungen beherrscht das Programm nicht. Dafür kann man Webspace direkt aus der Anwendung heraus einkaufen.

Fazit

WebMatrix ist ein spannendes Konzept, aber nicht reif für den Praxiseinsatz. Den Großteil der Schuld daran trägt der schwache Editor, der nicht einmal einfachsten Ansprüchen gerecht wird. Auch abseits des Editors fehlen Standardfunktionen, zum Beispiel die Unterstützung für gesicherte FTP-Verbindungen oder die Anbindung an Versionsverwaltungssysteme wie Subversion, Git und Mercurial.

Was man Microsoft lassen muss: Ist die Web Gallery erst mal frei von Kinderkrankheiten, dann bringen die dort vorkonfigurierten CMS-Downloads den Web-Entwickler mit einem neuen Projekt schnell auf die Straße. Davon dürfte sich selbst das Branchenschwergewicht Adobe Dreamweaver eine Scheibe abschneiden.

 
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