Entscheidung im HD-Krieg

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Jörn Taubert, Director Hardlines bei Amazon.de, will nach wie vor beide Formate anbieten.

Amazon: "Nach wie vor großes Interesse an HD-DVD-Playern."

Redaktion: Wie hat sich die Nachfrage nach Blu-ray und HD DVD entwickelt, wie würden Sie die Situation bislang skizzieren?

Taubert: Seit vielen Monaten werten wir die Disc-Käufe aus - nach einem anfänglichen Schwerpunkt bei HD DVD hat sich das Verhältnis schon seit Juli des letzten Jahres zugunsten des Blu-ray-Formats verschoben.

Redaktion: Ist mit der Warner-Entscheidung für Blu-ray auch der Systemkampf zugunsten der Blu-ray entschieden?

Taubert: Derzeit haben wir bei den HD-Discs noch keine wesentliche Veränderung beobachten können - nach wie vor sind bei den All-Time-Verkäufen ca. 39 Prozent der Formatkäufe HD DVDs. Und wir werden auch weiterhin beide Formate verfügbar haben. Als Online-Händler müssen wir keinerlei Lagerbegrenzungen berücksichtigen, daher werden wir auch weiterhin beide Formate anbieten und den Kunden das bevorzugte Format wählen lassen.

Im Hardware-Bereich sehen wir in den Charts derzeit zwar eine Verschiebung zugunsten von Blu-ray - gleichzeitig haben die Hersteller teilweise mit Preisreduktionen reagiert und wir können nach wie vor großes Interesse bei HDDVD- Playern verzeichnen - so ist momentan ein Toshiba HD-DVD-Player auf Platz 1 auf unserer Gesamtchart Heimkino & Video. Auch hier gilt: Wir werden unseren Kunden weiterhin das größtmögliche Angebot an Playern der neuen Formate liefern.

Mark Knox, HD-DVD-Papst und Berater bei Toshiba

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HD-DVD-Papst und Berater bei Toshiba.

Redaktion: In der Warner-Pressemitteilung beruft man sich darauf, dass der Konsument sich für Blu-ray entschieden habe. Was halten Sie von dieser Aussage?

Knox: Rufen wir uns noch einmal einige Fakten ins Bewusstsein. Oberflächlich sagten sie, es wäre der Konsument und mit dem Freitag vor der CES haben sie sicherlich einen interessanten Zeitpunkt gewählt. Gleichzeitig haben sie sich darauf berufen, bis Mai weitere Discs alsf HD DVD zu veröffentlichen.

Was um Himmels Willen könnte Warner zu einer solch bedeutenden Entscheidung veranlasst haben. Ich habe kein offizielles Statement, aber sicherlich gab es diese Entscheidung nicht kostenlos. Zweitens, wenn es diesen selbstlosen Einsatz für den Konsumenten gäbe, was ist mit den ersten Blu-ray-Player-Generationen, die neuere Titel und deren Bonusmaterial nicht mehr unterstützen? Dieses Statement kommt mir deshalb unehrlich vor.

Redaktion: Sie sagten auch, dass die Mehrzahl verkaufter Player, sie mitunter zu diesem Schritt veranlassten.

Knox: Was die Zahl der verkauften Player immer wieder durcheinanderbrachte, waren die PS3- Verkäufe. Deren Absatzzahlen übersteigen die aller HD-Player.Wenn man sie jedoch mit den Titelabverkäufen verrechnet, hätte jeder Besitzer eines Blu-ray-Players nur einen halben Film gekauft. Ohne Konsolen oder PC-Laufwerke wurden sehr viel mehr HD-DVD-Geräte verkauft.

Die Zahlen der Disc-Verkäufe hängen stark von aktuellen Einzeltiteln ab. Einige Blockbuster verschafften Blu-ray einen Vorsprung - als Universal dann wieder mit Titeln wie "Star Trek" konterte, schossen die HD-DVD-Abverkäufe nach oben. Auch durch Software-Bundlings und Blu-ray- Spiele kam es immer wieder zu Unklarheiten.

Redaktion: Werden die Formate Ihrer Ansicht nach also weiter koexistieren?

Knox: Wir werden sehen, welche Entscheidungen getroffen werden. Einen Punkt will ich dennoch anbringen: Die Authoring-Studios und Presswerke in Europa bestätigen immer wieder, dass HD DVD das demokratischere Format ist.Wer eine HD DVD produzieren will, kann sie produzieren. Mit all unseren Ressourcen unterstützen wir die Produktion neuer Titel. Jetzt ist es wichtig zu schauen, welche guten Titel wir veröffentlichen können und welche Katalogtitel in der Pipeline stecken. Beispielsweise die nächste Episode der "Star Trek"-Serie.

Redaktion: Falls Blu-ray nun doch das präferierte Heimkinoformat werden sollte, bleiben der HD DVD andere Märkte?

Knox: Wir arbeiten mit der chinesischen Regierung zusammen, um ein ähnliches Format namens CH-DVD zu entwickeln. Leider kann ich darauf nicht näher eingehen. Und man sollte nicht vergessen, dass wir aufgrund des günstigeren Laufwerkes und Toshibas Marktmacht im ITSektor dominieren. Durch immer mächtigere Profiwerkzeuge werden zusätzliche Anwendungsgebiete erschlossen.Wenn der Content nicht zu lang ist, lässt er sich ja sogar kostengünstig auf DVD-Rohlinge pressen.

Redaktion: Gab es bei Toshiba jemals Pläne einen Dual-Format-Player auf den Markt zu bringen?

Knox: Nein, wir haben keine Pläne einen Dual- Format-Player auf den Markt zu bringen. Indes erwartet ein Marktforschungsinstitut, dass 2012 zwei Drittel aller Hardware-Verkäufe Multiformatgeräte sind. Trotzdem: Bei Toshiba gibt es diese Pläne nicht.

Expert: "Die Würfel sind gefallen"

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Volker Müller, Geschäftsführer der Fachhandelsgruppe Expert, warnt davor, einen Systemstreit auf dem Rücken der Verbraucher auszutragen.

Redaktion: Wie hat sich die Nachfrage nach Blu-ray und HD DVD entwickelt, wie würden Sie die Situation bislang skizzieren?

Müller: Unsere bisherigen Software-Verkäufe zeigen eindeutig einen Trend zu Blu-ray, bedingt durch die Playstation 3.

Redaktion: Ist mit der Warner-Entscheidung für Blu-ray auch der Systemkampf zugunsten der Blu-ray entschieden?

Müller: Damit werden dem Verbraucher sicher die Entscheidungen erleichtert - um es im übertragenen Sinne zu sagen: "Die Würfel sind gefallen.

Redaktion: Begrüßen Sie diese Entwicklung oder sind Sie eher enttäuscht?

Müller: Für uns als Handel ist es immer problematisch, einen Systemstreit der Industrie auf dem Rücken der Verbraucher auszufechten. Insofern ist es für uns und den Verbraucher nur von Vorteil, wenn sich schnellstmöglich ein System durchsetzt.

Imagion: "Das Medium muss uns letztendlich egal sein"

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Andreas Thran, Vorstand Creative Services der Imagion AG in Trier, einem der führenden Produktionsstudios für Blu-ray und HD-DVD.

Redaktion: Wie hat sich die Nachfrage nach Blu-ray und HD DVD entwickelt, wie würden Sie die Situation bislang skizzieren?

Thran: Als unabhängiges Studio haben wir auf beiden Formaten Titel für unsere Kunden erstellt - vorwiegend aktuelle Titel wie "Neues vom Wixxer" oder "Crank", aber auch Katalogtitel wie "Terminator 2", bei dem wir uns aufgrund der Bonusmateriallage kreativ wie technisch "austoben" durften. Dabei galt es in den letzten Monaten, technische Hürden gemeinsam mit unseren Kunden auf beiden Formaten zu überwinden, die bei jeder "Pionierarbeit" anfallen.

Redaktion: Ist mit der Warner-Entscheidung auch der Systemkampf zugunsten der Blu-ray entschieden?

Thran: Diese Frage zum momentanen Zeitpunkt "neutral" oder objektiv zu beantworten, ist sehr schwierig - nach der Warner-Entscheidung haben beide Lager Ihre PR-Maschinerien noch einmal richtig angeworfen, was dazu führt, dass eine ganze Menge Halbwahrheiten und Halbwissen durch die Zeitungen, Magazine und das Internet geistern und als Informationen gehandelt werden.

Fakt ist, dass beide Lager starken Content hinter sich haben und ich kann mir gut vorstellen, dass hinter den Kulissen gerade kräftig weiter "gestrickt" wird. Ich denke es bleibt spannend, gerade in Europa mit einer sehr diversifizierten Rechtesituation - es werden z.B. auch Titel in Europa auf HD DVD mit englischer Tonspur erscheinen, die in USA nur auf Blu-ray veröffentlicht werden.

Redaktion: Begrüßen Sie diese Entwicklung oder sind Sie eher enttäuscht, bzw. welche Probleme sehen Sie möglicherweise auf den Markt zukommen, wenn sich Blu-ray durchsetzt?

Thran: Als technisch-kreativer Dienstleister, muss uns das "Medium" letztendlich egal sein. Wir arbeiten für die Entertainment Branche und darum geht es auch - Entertainment mit Leidenschaft zu bieten, das sehr viel besser ist als ein illegaler Download.

Auf dem Medium HD DVD sind da aufgrund der funktionierenden HDi-Programmierung und der Internetanbindung schon sehr viele interaktive Dinge möglich, die auf Blu-ray erst angekündigt wurden und auch nicht so ohne Weiteres zu adaptieren sind. Meine ganz persönliche Meinung ist, dass die Lösung erschwingliche Combo-Player sind, die - im Sinne des Werkes, der Studios und vor allem der Endkunden - einfache, zukunftssichere und qualitätsorientierte Technologien und Inhalte mit beiden Formaten bieten.

Euronics: "Für den Kunden schafft es mehr Klarheit"

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Werner Winkelmann, Vorstandssprecher der Fachhandelsgruppe Euronics

Redaktion: Wie hat sich die Nachfrage nach Blu-ray und HD DVD entwickelt, wie würden Sie die Situation bislang skizzieren?

Winkelmann: Der Wettbewerb um neue technische Standards wird leider häufig auf Kosten der Verbraucher ausgetragen. Wir begrüßen deshalb eine endgültige Entscheidung im Formatstreit.

Redaktion: Ist mit der Warner-Entscheidung auch der Systemkampf zugunsten der Blu-ray entschieden?

Winkelmann: Nach der Entscheidung von Warner, Blu-ray zu unterstützen, folgen weitere Filmverleiher diesem Beispiel. Der Handel geht davon aus, dass sich Blu-ray als Format durchsetzt. Für den Endverbraucher schafft dies mehr Klarheit.

Redaktion: Begrüßen Sie diese Entwicklung oder sind Sie eher enttäuscht, bzw. welche Probleme sehen Sie möglicherweise auf den Markt zukommen, wenn sich Blu-ray durchsetzt?

Winkelmann: Aufgrund des Formatstreits blieb der Verkauf der neuen hochauflösenden Video- Player bisher hinter den Erwartungen zurück. Viele Verbraucher haben aufgrund der Inkompatibilität gezögert, sich auf ein Format festzulegen. Abspielgeräte, die beide Formate beherrschen, sind derzeit wesentlich teurer. Bluray wird jetzt von den marktbeherrschenden Hollywood-Studios unterstützt.

Markus Wagenseil, HomeVision

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Markus Wagenseil ist Redakteur bei der HomeVision.

Goliath bezwingt David. Marktmacht und Kapital zwingen das bessere Format in die Position des Außenseiters. Ich sehe Warners Entscheidung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Das weinende hätte sich gewünscht, dass sich HD DVD als das vom DVD-Forum abgesegnete DVD-Nachfolgeformat auch als solches durchsetzt.

Danach sieht es momentan nicht aus. Dennoch sind die Aussichten für den Konsumenten nicht gerade rosig: Unterschiedliche Blu-ray-Profile bei der Interaktivität werden weiter für Inkompatibilitäten sorgen. Dass das dem Konsumenten gefällt, ist kaum vorstellbar.

Warners Begründung, der Konsument habe sich für Blu-ray entschieden, ist nur vorgeschoben. Wie schon bei Paramount dürfte vielmehr auch hier Geld den Ausschlag gegeben haben. Kritik übe ich deshalb an den Studios, die im Formatkrieg, Söldnern gleich, den Dollars und nicht ihrem Verständnis für Technik folgen.

Nebenbei werden kleine Independent-Studios durch finanzielle Barrieren auf dem Weg zur Blu-ray ausgeschlossen. Ihnen bleibt damit schon jetzt nur noch der Ausweg in das Internet, das am Ende schneller als gedacht als lachender Sieger aus dem letzten Krieg zwischen Disc-Formaten hervorgehen könnte.

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