Holen Sie mehr Leistung aus ihrem Rechner

Mehr Power zum Nulltarif

Kaum eine CPU eignet sich so gut zum Übertakten wie der neue Core-2-Duo von Intel. Bereits der Einsteiger-Prozessor lässt sich auf das Niveau einer teuren High-End-Version hieven.

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Das Übertakten – auf Englisch "Overclocking" – von Prozessoren, Speicher und Grafikkarten ist beinahe so alt wie der PC selber. Das ist kein Wunder, denn zu schnell kann ein Rechner niemals sein. Ein schnellerer Prozessor kostet in der Regel mehr, zusätzliche Leistung durch Übertakten ist dagegen kostenlos.

Waren die Möglichkeiten zur Übertaktung in der Vergangenheit oft nur marginal und im Grunde nur für Spielefans interessant, ist das bei Core-2-Duo-Prozessoren anders. Das Übertaktungspotenzial ist besonders bei den preiswertesten Varianten geradezu grandios, weil die Prozessoren nicht von Natur aus langsamer rechnen als ihre teureren Artgenossen, sondern gewissermaßen mit "angezogener Handbremse" fahren. Diese Handbremse gilt es zu lösen.

Da Prozessoren einander aber nur äußerlich wie ein Ei dem anderen gleichen, im Inneren aber großen Qualitätsschwankungen unterworfen sind, ist das Übertaktungspotenzial nicht nur von Modell zu Modell, sondern auch von CPU zu CPU sehr unterschiedlich. Konkret: Während der eine E6300, der im Normalfall mit 2x 1,86 GHz arbeitet, problemlos mit 2x 3,6 GHz läuft, arbeitet der nächste E6300 bereits bei 2x 2,8 GHz nicht mehr stabil.

Es gilt also beim Übertakten, einen Schritt nach dem anderen zu vollziehen und nicht zu viel Ehrgeiz an den Tag zu legen. Voraussetzung für ein problemloses Übertakten Ihres Core-2-Duo-Prozessors und der übrigen Peripherie sind ein übertaktungsfreudiges Mainboard, strapazierfähiger RAM-Speicher, eine ordentliche Grafikkarte, ein stabiles Netzteil und ein leistungsstarker CPU-Lüfter.

Unser Testsystem besteht aus folgenden Komponenten:

  • 2x 1 GByte DDR2 PC800 RAM von Take MS
  • Asus Blitz Formula Mainboard
  • Foxconn GeForce 8800GTS-Grafikkarte
  • Enermax Liberty 620W-Netzteil

Von der Übertaktung von Notebook-Prozessoren ist wegen der geringen Kühlungsmöglichkeiten übrigens dringend abzuraten! Hier sollten Sie sich mit der vorhandenen Leistung zufriedengeben oder den Arbeitsspeicher aufrüsten. Diese Maßnahme bringt vor allem dann einen deutlichen Leistungsschub, wenn unter XP weniger als ein und unter Vista weniger als zwei GByte RAM zum Einsatz kommen.

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Diese Testplattform erwies sich für unser Overclocking-Experiment als gut geeignet.

1. Schritt: Übertakten - die Grundlagen

Zunächst einige Grundlagen zur Geschwindigkeit eines Prozessors. Diese errechnet sich aus einem zumeist fest eingestellten Multiplikator sowie dem Frontside-Bus, kurz FSB genannt.

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Das Wichtigste beim Übertakten ist ein leistungsstarker Lüfter wie der CNPS9700 von Zalman.

Der 180 Euro teure Core-2-Duo E6420 in unserem Testrechner arbeitet im Normalfall mit einem so genannten "effektiven" FSB von 1066 MHz. Diesen FSB-Wert muss man durch vier teilen, um den "realen" FSB zu erhalten: Er beträgt beim E6420 also 266 MHz. Diesen realen FSB multipliziert man wiederum mit dem festen Multiplikator des Prozessors, der beim E6420 "8" beträgt. Das Ergebnis der Rechenaufgabe beträgt 2,13 GHz – das ist die tatsächliche Geschwindigkeit der CPU.

Um das Tempo einer CPU zu erhöhen, könnte man also zwei Dinge tun: Man könnte ganz elegant den Multiplikator erhöhen. Ginge man von 8 auf 12, würde sich die Geschwindigkeit also von 2,13 GHz auf satte 3,19 GHz erhöhen. Doch leider hat Intel hier einen Riegel vorgeschoben, denn der Multiplikator lässt sich bei den preiswerteren Prozessoren nicht verändern. Lediglich die teuren "Extreme"-Prozessoren lassen dem Anwender hier die Möglichkeit, den Multiplikator frei zu wählen.

Die zweite Möglichkeit ist leider weniger elegant, doch dafür lässt sie sich mit nahezu jedem Prozessor durchführen. Sie besteht darin, den FSB zu erhöhen. Ein von 266 MHz auf beispielsweise 350 MHz heraufgetakteter E6420 würde also statt mit 2,13 GHz mit immerhin 2,8 GHz arbeiten. Das Problem dabei: Auch die anderen Komponenten, ganz besonders der Arbeitsspeicher, müssen mit dem höheren FSB ebenfalls umgehen können, weil das System sonst möglicherweise gar nicht erst startet, beim Hochfahren einfriert oder extrem instabil läuft. Zudem werden die betroffenen Komponenten heiß. Statten Sie CPU und das Gehäuse also mit leistungsstarken Lüftern aus!

2. Schritt: Übertakten - Erte Schritte

Glücklicherweise benötigen Sie zum Übertakten keinen PC aus High-End-Komponenten, denn auch mit anderer Hardware lassen sich sehr gute Ergebnisse erzielen.

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Nur wenige Mainboards besitzen so viele Einstellmöglichkeiten wie das Asus Blitz Formula.

Erste und entscheidende Voraussetzung ist allerdings, dass Ihr Mainboard die nötigen Einstellungen überhaupt zulässt, was leider nicht immer der Fall ist. Viele Hersteller von Komplett-PCs entschärfen das Mainboard-BIOS, um fehlerhafte Einstellungen und die dadurch wachsende Gefahr von Hardware-Defekten von vornherein auszuschließen. Bei manchen Boards lässt sich der FSB nicht verändern, was ein Übertakten ausschließt. Deshalb sollte der erste Weg zunächst in das Mainboard-BIOS führen. Lassen sich dort die nötigen Veränderungen durchführen, steht dem weiteren Vorgehen nichts im Wege.

Starten Sie Ihren PC neu und drücken Sie während des Boot-Vorgangs die "Entf"-Taste. Diese Taste führt bei nahezu allen Mainboards direkt ins BIOS. Funktioniert das nicht, probieren Sie alternativ "F2", "Entf + F2"", Strg + Alt + Esc", "F10", "F1", "Alt + Entf", "Strg + Entf" oder "Strg + Alt + Einfg". Führt das nicht zum Erfolg, sehen Sie im Handbuch Ihres Rechners oder des Mainboards nach. Zumeist verbergen sich die Einstellmöglichkeiten für die CPU im Menüpunkt "Advanced". Sehen Sie dort nach, ob der Eintrag "FSB Frequency" oder ähnlich vorhanden ist.

Bestehen Einträge dieser Art nicht, lässt sich der Rechner über das BIOS nicht übertakten. Einige für das Overclocking besonders geeignete Mainboards besitzen eigene Menüpunkte im BIOS, die ausschließlich dem Übertakten dienen. Beim Asus Blitz Formula heißt der Menüpunkt "Extreme Tweaker", und dort lässt sich jede nötige Einstellung exakt vornehmen. Sind im BIOS noch Einträge wie "DRAM Frequency", "DRAM Timing Control" und ähnlich vorhanden, sind Sie fein raus. Denn dann lassen sich die Einstellungen für den RAM-Speicher exakt einstellen und so eventuelle Stabilitätsprobleme ausgleichen, die durch das Übertakten des FSB entstehen könnten.

Doch auch wenn Ihr BIOS die nötigen Optionen nicht anbietet, können Sie die Komponenten Ihres Rechners übertakten – und zwar direkt unter Windows. Alles was Sie dazu benötigen ist das kleine Tool "ClockGen". Wie dieses Tool funktioniert, lesen Sie auf Seite 74 im Abschnitt "Übertakten unter Windows".

Rechners machen, installieren Sie die Programme 3DMark 2005, CPU-Z sowie Core-Temp von Ihrer Heft-DVD/CD. Das erste Programm ermittelt die Geschwindigkeit Ihres Rechner im Bezug auf seine 3D-Fähigkeit und gibt einen aussagekräftigen Gesamtwert an. Im Verlauf dieses Workshops versuchen wir, den Wert durch diverse Tuningmaßnahmen nach oben zu schrauben.

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Unser Prozessor ist gut gekühlt und damit bereit für den ersten Übertaktungsversuch.

CPU-Z liefert Ihnen alle wichtigen Informationen zu Ihrem Prozessor von der exakten Bezeichnung über den Multiplikator bis hin zur exakten Geschwindigkeit. CoreTemp zeigt Ihnen die gemessenen Temperaturen Ihres Prozessors an. Dank des großzügig dimensionierten Lüfters von Zalman liegen die Temperaturen unseres E6420 bei etwa 25 Grad –die Voraussetzungen für ein Übertakten sind also von der Temperatur her absolut gegeben.

Liegt die Temperatur Ihres Prozessor bereits bei der Normalgeschwindigkeit bei 45 Grad oder höher, ist nach oben hin weniger Spielraum und Sie sollten unbedingt über den Einbau eines effektiveren Lüfters nachdenken, bevor Sie ans Übertakten gehen. Zwar ist ein Durchbrennen des Prozessors durch eine Sicherheitsschaltung im Grunde unmöglich, doch hohe Temperaturen führen zu Systemabstürzen.

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Besorgen Sie sich also einen guten Lüfter, aus unseren Tests können wir beispielsweise neben den Zalman-Modellen auch die Lüfter von Thermaltake empfehlen. Leider passen nicht alle Lüfter auf jedes Board, selbst wenn der Lüfter kompatibel zum Prozessorsockel ist. Auf manchen Boards sind einzelne Bauteile so ungünstig angebracht, dass sich bestimmte Lüfter nicht anbringen lassen. Vereinbaren Sie vor dem Lüfterkauf ein Rückgaberecht!

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