Gesundheit

Medikamente online kaufen

Der Handel mit Medikamenten über das Internet ist ein riesiges Geschäft. Das ist kein Wunder, denn die Einsparmöglichkeiten sind für den Kunden erheblich größer als bei den meisten anderen Produkten.

frau, apotheke

© Hersteller/Archiv

frau, apotheke

Seit 2004 dürfen Apotheker die Preise für nicht verschreibungspflichtige Medikamente individuell bestimmen. Leider machen die konventionellen Ladenapotheken von dieser Möglichkeit jedoch kaum Gebrauch. Es gibt zwar gelegentlich Sonderangebote, doch halten sich die Apotheken mehrheitlich mehr oder weniger exakt an die Preisempfehlungen der Hersteller. Anders im Internet.

Allein in Deutschland liefern sich mehr als 2.000 Internetapotheken eine erbitterte Preisschlacht um die aus vielen Millionen Menschen bestehende Kundschaft. Und tatsächlich ist das Einsparpotenzial bei nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten enorm, wie die Übersichtstabelle auf Seite 10 zeigt. Verglichen mit den Listenpreisen, die in den meisten herkömmlichen Apotheken an der Straßenecke zu bezahlen sind, spart der Kunde beim Kauf über das Internet im Durchschnitt etwa 50 Prozent.

So kostet eine Großpackung ACC Akut 600 in der normalen Ladenapotheke 17,90 Euro, die billigste deutsche Internetapotheke verkauft das Produkt für 5,84 Euro. Das ist eine Einsparung von satten 67 Prozent. Bei den 15 verglichenen Produkten betrug die niedrigste Einsparung noch immer 43 Prozent: Die Flasche Umckaloabo war im Internet für 17,39 Euro statt für 30,68 in der Ladenapotheke zu haben.

Doch birgt der Medikamentenkauf im Web auch Gefahren mit teilweise verheerenden Konsequenzen für den Käufer. So schätzt die unabhängige Patientenorganisation EAASM, dass mehr als 60 Prozent aller online vertriebenen Medikamente gefälscht sind.

Risiken gefälschter Medikamente

Auf den ersten Blick sind gefälschte Medikamente vom Original nicht zu unterscheiden. Optisch gleichen sich die Produkte zumeist wie ein Ei dem anderen, doch inhaltlich bergen illegal vertriebene Arzneimittel große Gefahren für die Gesundheit. So berichtet das Bundeskriminalamt von Medikamenten mit falschen, zu hoch oder zu niedrig dosierten, komplett fehlenden oder auch falsch deklarierten Wirkstoffen.

Fehlt der entscheidende medizinische Wirkstoff oder ist er falsch dosiert, so sind diese Medikamente potenziell giftig und im Extremfall sogar tödlich. Wie einfach es selbst in Deutschland ist, eine auf Fälschungen basierende Online-Apotheke zu gründen und zu betreiben zeigt die EAASM am Beispiel der Testapotheke "Medizin Direkt", die über die Internetadresse www.medizin-direkt.com/pharmacy erreichbar ist.

Dieser über kurze Zeit online beworbene Onlineshop avancierte innerhalb kürzester Zeit zur drittmeist besuchten Online-Apotheke in Deutschland. In nur neun Wochen lockte der Shop im Frühjahr 2012 mehr als 180.000 Besucher an und somit 85 Prozent aller Menschen in Deutschland, die in Suchmaschinen in diesem Zeitraum nach Online-Apotheken gesucht hatten. Hätte die Apotheke die beworbenen Medikamente tatsächlich auch verkauft, wäre ein Jahresumsatz zwischen 12 und 35 Millionen Euro generiert worden.

Medizin-Direkt sollte jedoch nur aufklärend wirken. Statt eines Warenkorbs erschien ein Warnhinweis mit ausführlichen Informationen über gefälschte Arzneimittel. Die wichtige Aktion der EAASM veranschaulichte perfekt: Es ist sehr einfach einen Internetshop mit gefälschten Medikamenten zu betreiben und welche immensen Gewinne sich damit erzielen lassen.

Der Preis ist heiß

Wie konnte Medizin Direkt so erfolgreich sein? Nun, zum einen erschien der groß beworbene und professionell erstellte Online-Shop sehr vertrauenswürdig. Die besonders attraktiven Preise für die angebotenen Medikamente waren aber zweifelsfrei das beste Argument. Erstaunlich, wie selbst bei besonders sensiblen Produkten wie Medikamenten jede Vorsicht fallen gelassen wird, wenn sich (scheinbar) beträchtliche Einsparungen ergeben.

Dabei wäre es gar nicht so schwierig, die faulen Apotheken-Eier von den frischen zu unterscheiden. Seit vielen Jahren schon gibt es in Deutschland ein Versandapothekenregister mit Apotheken, die behördlich zum Versandhandel zugelassen sind. Das Versandapothekenregister des Bundesministeriums für Gesundheit finden Sie auf der Webseite www.dimdi.de.

Dort erfasste Apotheken im In- undAusland dürfen auf ihren Webseiten das Sicherheitslogo des "Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information" abbilden. Ein Klick auf das Logo führt zu den Angaben der Apotheke im Register.

Dazu gehören Name und Kontaktdaten der Apotheke, Internetadresse, Anschrift der Versandapotheke sowie, falls abweichend, der Präsenzapotheke, Name und Anschrift der jeweils für die Erlaubnis zuständigen Behörde sowie das Datum der erteilten Versanderlaubnis. Fehlt auf der Seite der Internetapotheke dieses verlinkte Logo, sollten Sie lieber woanders bestellen.

Welche Apotheke ist die billigste? Der Preisvergleich im Internet ist schnell gemacht. Geben Sie den Namen und die Packungsgröße bei Google ein, und Sie erhalten in sekundenschnelle diverse Links zu einschlägigen Preisvergleichen. Noch einfacher geht es bei auf Medikamente spezialisierten Preisvergleichsseiten medipreis.de oder medizinfuchs.de . Beachten sollte man hier jedoch, dass nicht alle Online-Apotheken dort gelistet werden und man bei der eingangs erwähnten Suchvariante eventuell noch ein besseres Angebot finden kann.

Natürlich ist nicht eine einzige Apotheke bei jedem angebotenen Produkt die preiswerteste. Tatsächlich verteilten sich die Tiefstpreise der 15 Beispielmedikamente auf neun verschiedene Versandapotheken. Doch selbst wenn man jede Packung bei einem anderen Anbieter bestellte und pro Bestellung fünf Euro Versandkosten zahlte, würde man im Vergleich zur Ladenapotheke reichlich sparen.

Ratgeber: Update beim Fernabsatzrecht

Preiswerter ist es aber natürlich, wenn man sich einen Warenkorb zusammenstellt und ganze Warenkörbe bei verschiedenen Versandapotheken vergleicht. Die Versandkosten liegen in der Regel bei vier bis fünf Euro pro Bestellung und entfallen bei vielen Versendern bereits bei einem Bestellwert von 25 Euro. Diese Summe kommt bei Medikamenten (leider) schnell zusammen.

Aktionen gegen Fälschungen

Gegen Fälschungen soll zukünftig verstärkt vorgegangen werden. Laut einer Gesetzesnovelle des Bundestages sollen verschreibungspflichtige Arzneimittel in Zukunft Sicherheitsmerkmale erhalten. Damit soll die Echtheit garantiert und der Käufer vor gefälschten Medikamenten geschützt werden. Allerdings muss man sich stets bewusst sein, dass sich die meisten Sicherheitszertifikate, Logos oder Stempel ebenso leicht fälschen lassen wie ein Medikament. Absolute Sicherheit wird es also niemals geben.

Die EAASM oder das Bundeskriminalamt schätzen den Anteil an Fälschungen bei online vertriebenen Medikamenten als sehr hoch ein. So wurden in einer Interpol-Aktion mit dem Decknamen "Pangea V" vom Zoll in nur einer Woche aus Briefen, Paketen oder Päckchen rund 68.000 Tabletten, Kapseln und Ampullen aus dem Verkehr gezogen - darunter 2.100 Ampullen mit Wachstumshormonen, wie sie häufig beim Doping zum Einsatz kommen. Zudem wurden riesige Mengen an Potenz- und Verhütungsmitteln sichergestellt.

Angesichts der Gewinnmargen von 700 Prozent und mehr, die mit gefälschten Arzneimitteln zu erzielen sind, kann der prozentuale Anteil der Fälschungen nicht überraschen. Von Bestellungen von Viagra & Co. bei dubiosen Anbietern und ohne Rezept sollte aber nicht nur aus gesundheitlichen Gründen unbedingt Abstand genommen werden. Wer gefälschtes Viagra bestellt im Internet und vom Zoll erwischt wird, der begeht einen Verstoß gegen das Markengesetz. Zusätzlich gibt es Post von einem Anwalt der Pfizer GmbH.

Bestellungen im Ausland

Natürlich gibt es auch im Ausland zahlreiche seriöse Versandapotheken, die Originalmedikamente verkaufen und verschicken. So existieren vor allem in den Niederlanden einige preislich interessante Versandapotheken, bei denen sich in der Vergangenheit besonders bei verschreibungspflichtigen Medikamenten Geld sparen ließ.

Europäische Versandapotheken durften nämlich bislang, anders als Apotheken in Deutschland, auch auf verschreibungspflichtige Medikamente Rabatte gewähren oder die Rezeptgebühr erlassen. Zudem machten sich die Apotheken den Vorteil der geringeren Mehrwertsteuer von sechs Prozent in den Niederlanden gegenüber 19 Prozent in Deutschland zunutze und gaben diesen an den Kunden weiter.

Besonders chronisch Kranke mit Großbestellungen konnten auf diese Weise bei Bestellungen im Ausland sehr viel Geld sparen. Das hat sich im August mit einer Entscheidung des Gemeinsamen Senats der obersten Gerichtshöfe des Bundes in Karlsruhe geändert. Künftig soll die Preisbindung auch für Versandapotheken im EU-Ausland gelten! Gegen dieses Urteil will der Europäische Verband der Versandapotheken bei der EU-Kommission allerdings Beschwerde einlegen. Es bleibt also abzuwarten, ob sich zukünftig durch Auslandsbestellungen Geld sparen lässt oder nicht.

Download: Tabelle

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