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Media-Center-PCs unter Vista

Mit dem Media Center in Windows Vista unternimmt Microsoft den nächsten Vorstoß ins Wohnzimmer. Tatsächlich könnte die neue Generation der Media-Center-PCs dieses Mal zum Erfolg führen, wenn da nicht doch noch kleine Macken wären.

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Media-Center-PCs unter Vista

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Media-Center-PCs unter Vista

Schöne Aussicht

Mit Media Center in Windows Vista unternimmt Microsoft nun den nächsten Vorstoß in deutsche Wohnzimmer. Tatsächlich könnte die neue Generation der Media-Center-PCs dieses Mal zum Erfolg führen, wenn da nicht doch noch kleine Macken wären.

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Ein Windows-PC im Wohnzimmer: Das ist für viele Anwender immer noch ein reichlich befremdliches Konzept. Denn im Vergleich zu Geräten aus der Unterhaltungselektronik gelten Media-Center-PCs immer noch als laut, hässlich und unzuverlässig. Dass dem nicht so ist, wollen die Hersteller der vier Media-Center-PCs im Test beweisen.

An den Start gehen dabei nicht Geräte von Media-Center-Spezialisten wie Hush oder Reycom, sondern die Wohnzimmer-PCs größerer Markenhersteller: Acer, Fujitsu Siemens, Sony und Tarox. Zumindest bei Optik und Geräuschentwicklung stellen die Geräte auch anspruchsvolle Anwender zufrieden. Alle vier Rechner hüllen sich in silberne Desktopgehäuse, die auch im Gespann mit Stereoanlage und LCD-Fernseher eine gute Figur machen. Uns hat bei dem Test auch interessiert, ob Windows Vista als Media-Center-Betriebssystem Vorteile gegenüber der Media Center Edition 2005 bringt. Daher laufen alle vier Rechner mit dem neuen Microsoft-Betriebssystem.

Oberflächenpolitur

Eine eigene Media Center Edition gibt es bei Windows Vista nicht mehr. Stattdessen ist das Media Center in Vista Home Premium und Vista Ultimate integriert. Beim ersten Start fällt vor allem die horizontale Menüstruktur auf, die nun eher auf eine Widescreen-Darstellung optimiert ist. Nett und auch sinnvoll sind die neuen optischen Effekte bei Vista: So erscheinen das Hauptmenü oder der elektronische Programmführer (EPG) halbtransparent über einer laufenden Fernsehsendung oder einem DVD-Film.

Praktisch ist auch der Mini-Guide, der eine schnelle Programmvorschau in einem Mini-Fenster erlaubt. Verbesserungswürdig wären beim EPG nur eine schnellere Reaktion auf Kanaländerungen und eine Angabe der Folge bei Serien. Positiv ist wiederum, dass in Vista nun endlich ein DVD-Codec enthalten ist. Im Gegensatz zum Vorgänger MCE 2005 muss keine zusätzliche DVD-Player-Software installiert werden, um Filme von Silberscheiben abzuspielen. Auch das Brennen von DVDs beherrscht Vista nun mit Bordmitteln.

Unter der Haube

Unter der schönen neuen Oberfläche hat sich beim Vista Media Center gegenüber der MCE 2005 aber nicht besonders viel geändert: DVB-S und DVB-C werden immer noch nicht nativ unterstützt, sondern nur über ein Mapping auf DVB-T. Damit ist aber der Empfang von Videotext nicht möglich und auch bei der Senderzuordnung hakt es gelegentlich. Noch düsterer sieht es bei der HD-Unterstützung aus: Auch Vista kann mit DVB-S2-Karten noch nichts anfangen und zum Abspielen von HD-DVD- oder Blu-Ray-Filmen ist weiterhin zusätzliche Software notwendig. Angeblich arbeitet Microsoft unter dem Codenamen Fiji schon seit längerer Zeit an einem Media-Center-Update, das eine Reihe dieser Einschränkungen aufheben könnte, aber offiziell ist von Microsoft darüber nichts zu erfahren.

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Unter der flachen Hülle des Acer stecken fast ausschließlich Notebook-Komponenten.

Evolutionsmodelle

Während die Entwicklung bei der Media-Center-Software in sehr kleinen Schritten weiter gekommen ist, hat die Hardware größere Fortschritte gemacht: Alle Geräte im Test sind mit leistungsfähigen und trotzdem vergleichsweise sparsamen Core-2-Duo-Prozessoren ausgestattet. Dadurch ist trotz gestiegener Leistung die Lautstärke der aktuellen MCEs nicht höher, als die der vorigen Generation. Alle Rechner sind mit zwei TV-Tunern ausgestattet. So kann man eine Sendung aufzeichnen und gleichzeitig eine andere ansehen.

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Das elektronische Programmheft im Vista Media Center kommt via Internet.

Zur Grundausstattung der Rechner gehören ebenfalls Wireless-LAN-Module. So muss man kein Ethernetkabel ins Wohnzimmer legen, um die elektronische Programmvorschau vom Vista Media Center zu aktualisieren oder Online-Angebote zu nutzen. Die reichen von einer Wettervorhersage und dem Zugriff auf ZDF-Sendungen, MTV-Clips und NTV-Nachrichten über Internetradio bis hin zum Kauf von Musik. Neckermann, Foto-Quelle und Otto haben die Online-Galerie inzwischen auch als Verkaufsplattform entdeckt und locken mit der komfortablen Bestellung vom Wohnzimmersessel aus.

Media Center mit Mehrwert

In den Online-Funktionen und der Tatsache, dass ein Media-Center-PC ein vollwertiger PC ist, liegt auch der Mehrwert gegenüber einem deutlich preisgünstigeren Festplattenrekorder. Denn zusammen mit großen LCD-Fernsehern oder einem großformatigen TFT-Monitor ist der Media-Center-Rechner auch als ganz normaler PC unter Vista gut nutzbar.

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In der Online-Galerie stellt Microsoft Links zu verschiedenen Webseiten bereit, die an die Media-Center-Oberfläche angepasst sind.

Da bei allen Rechnern im Testfeld kabellose Tastaturen mit Touchpad oder Trackpoint dabei sind, kann man bequem vom Wohnzimmersessel aus surfen, E-Mails abrufen, das letzte Urlaubsvideo bearbeiten oder auch mal ein Spiel starten. Auch die Aufrüstmöglichkeiten sprechen für die Media-Center-PCs. Zwar ist ein Mainboard-Tausch bei den wenigsten Wohnzimmer-PCs möglich, aber dafür stellt der Einbau eines neuen optischen Laufwerks, eines anderen TV-Empfängers oder gar einer stärkeren Grafikkarte in aller Regel kein Problem dar.

Der PC als Zweitfernseher

Da Vista Home Premium oder Vista Ultimate von Haus aus die nötigen Funktionen enthalten, kann sich im Prinzip jeder PC mit einer passenden TV-Karte in einen Media-Center-Rechner verwandeln. Die meisten TV-Karten, die schon eine Unterstützung für die Media-Center-Edition von Windows XP boten, kommen auch mit dem Vista-Media-Center zurecht. Teilweise stellen die Hersteller auch bereits 64-Bit-Treiber zum Download bereit. Besonders interessant für eigene Upgrade-Aktionen sind Hybrid-Karten, die neben analogem TV auch DVB-T und DVB-S unterstützen. Hier gibt es etwa von Hauppauge die WinTV-HVR-3000.

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Die DVB-S-Karte FloppyDTV von Digital Everywhere unterstützt Pay-TV im Vista Media Center.

Das Pendant von Pinnacle, die PCTV 7010iX mit PCI-Express-Schnittstelle und gleich zwei Tunern, ist derzeit nur für PC-Hersteller verfügbar. Endkunden müssen sich hier entweder für die DVB-S-Karte PCTV Dual DVB-s Pro oder das PCTV Hybrid Tuner Kit für Windows Vista entscheiden. Bei dieser DVB-T-Analog-Karte gehört eine zu Vista passende Fernbedienung bereits zum Lieferumfang.

Die einzigen Pay-TV-fähigen DVB-S- und DVBC- Karten für das Vista Media Center kommen derzeit vom österreichischen Hersteller Digital Everywhere. Er bietet das externe FireDTV und das interne FloppyDTV an. Angeschlossen werden beide Varianten über Firewire. Die Unterstützung der Premiere-Optionskanäle läuft momentan im Betatest. Bei Hauppauge und Technotrend ist man für den Empfang von Pay-TV-Programmen noch auf die TV-Tools der Hersteller angewiesen. An der Unterstützung der CAM-Module auch unter dem Vista Media Center wird aber bei beiden Firmen gearbeitet.

Auch Notebooks unter Vista können mit USB-DVB-T-Modulen oder TV-Empfängern in Form einer PC-Card oder Express-Card als Mobilfernseher genutzt werden. Die neuen Express-Cards sind im Gegensatz zu ihren Vorgängern nicht mehr über PCI, sondern den schnelleren PCI-Express-Port angebunden. Vor allem neue Notebook-Modelle sind immer häufiger nur noch mit Express-Card-Einschüben ausgestattet.

Auch wenn der PC oder das Notebook im Arbeitszimmer stehen, können sie TV-Sendungen, Videos oder die letzten Urlaubsbilder auf den Fernsehschirm im Wohnzimmer bringen. Dann nämlich, wenn am TV-Gerät eine XBox 360 hängt. Denn die Microsoft-Konsole kann als so genannter Media-Center-Extender dienen. Die Steuerung des PCs erfolgt dann über die XBox 360, die Daten werden über das Netzwerk auf die Konsole gestreamt. Die Datenübertragung erfolgt dabei im Hintergrund, an dem PC kann gleichzeitig weiter gearbeitet werden. Derzeit kann nur die XBox 360 als Erweiterungsgerät für das Vista Media Center dienen, spezielle Extender sind aber bei einer Reihe von Herstellern in Entwicklung. Diese Geräte werden dann auch deutlich leiser und sparsamer sein, als die Microsoft-Spielekonsole. Über die zu erwartenden Preise ist noch nichts bekannt.

Tools und Links für Vista Media Center

Einer der großen Vorteile eines Wohnzimmer-PCs unter Vista gegenüber einem digitalen Videorekorder ist die Erweiterbarkeit des Vista Media Centers durch Plug-ins. Neben kommerziellen Produkten wie TV Enhance von Cyberlink oder VistaTV von Sceneo gibt es eine Vielzahl von Free- und Shareware-Tools. Einige dieser Programme wie die Wettervorhersage mceWeather oder das Internet-Radio-Tool More Radio 2007 hat Microsoft inzwischen sogar in die Online-Galerie integriert.

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Für das Schneiden von aufgenommenen Sendungen müssen Programme von Drittanbietern genutzt werden, hier die Beta-Version des brandneuen Programms TV Toolbox.

Von Scendix Software (www.scendix.de) stammen die Programme mceAuction und mce-Phone. Mit dem ersten Programm kann man über die Fernbedienung aus dem Media Center heraus an eBay-Auktionen teilnehmen, mcePhone macht die Nutzung von Skype über eine Media-Center-Oberfäche möglich. Der Entwickler Olcay Buyan (www.mcedev.de) hat mit TV Toolbox die erste Software entwickelt, mit der aufgenommene Sendungen direkt unter der Media-Center-Oberfläche geschnitten und in andere Formate umgewandelt werden können. TV Toolbox ist allerdings noch eine Beta-Version, ebenso wie der MCE Customizer 3.0, der den Zugriff auf interne Einstellungen des Vista Media Center erlaubt. Gratis bleibt TV Toolbox aber nur während der Beta-Phase, später will der Entwickler das praktische Tool für 18,95 Euro verkaufen. Der MCE Customizer bleibt dagegen gratis verfügbar.

Als Freeware wird auch MyMovies (www.mymovies.name) vertrieben. Das Tool dient zur Verwaltung der eigenen Filmsammlung und kann auch Coverbilder und Informationen aus frei zugänglichen Movie-Datenbanken herunterladen. Rund um die Media-Center-PCs hat sich auch eine äußerst rege Community gebildet, in der nicht nur Media-Center-Anwender, sondern auch einige Tool-Entwickler aktiv sind. Für den deutschsprachigen Raum ist die MCE-Community (www.mce-community.de) die wichtigste Anlaufstelle. Neben Foren und Blogs gibt es dort auch ein hilfreiches Wiki zum Thema Media Center. Weltweit ist "The Green Button" (www.thegreenbutton.com) die größte und auch älteste Community-Seite für die Multimedia-Betriebssysteme von Microsoft.

Auf dem richtigen Weg

Wohnzimmertaugliche PCs mit einem hohen "Women`s Acceptance Factor" sind da und auch die Media-Center-Funktionen von Vista haben inzwischen einen relativ hohen Reifegrad erreicht. Allerdings müssen die Anwender der Wohnzimmerrechner bedenken, dass es sich um vollwertige Vista-PCs mit Internetverbindung handelt. Die Installation eines Virenscanners und regelmäßige Sicherheits- Updates sind also auch hier notwendig.

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Die Testgeräte im Überblick

Auch wenn die Media-Center-Software in der Regel gut funktioniert, besteht beim EPG weiterhin Verbesserungspotenzial und auch die Einbindung von DVB-S-Karten und die Pay-TV-Unterstützung sollten besser gelöst werden. Außerdem muss sich Microsoft beeilen, endlich die Unterstützung für HDTV, Blu-Ray und HD-DVD in das Vista Media Center zu integrieren. Denn die Zukunft geht immer stärker in Richtung HD und wenn Microsoft nicht aufpasst, ist dieser Zug bald abgefahren.

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