Map APIs

Maps: Google & die Alternativen

Die mobile Revolution hat einen enormen Bedarf an ortsgebundenen Funktionen ausgelöst. Entwickler mobiler Apps verhelfen ihren Diensten daher mit Benutzerortung und Standorterkennung zu mehr Bedienungsfreundlichkeit. Dabei dreht sich alles um Karten-APIs.

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© Internet Magazin

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Karten-APIs gibt es viele und es schießen immer wieder neue Lösungen wie Pilze aus dem Boden. Inzwischen muss sich der Marktführer Google nicht nur gegen eine Handvoll erbitterter Erzrivalen, sondern auch noch gegenüber einem halben Dutzend innovativer Herausforderer bewähren.Mit Karten-APIs von Microsoft (Bing), Nokia, Apple und neuerdings Amazon haben Webentwickler es nicht leicht, den Durchblick im Markt für mobile Geofunktionen zu wahren.

Google Maps API

Google, der Platzhirsch im Navigations- und Kartengeschäft für Webdienste, verwandelte sein API bereits letztes Jahr in einen kommerziellen Dienst und wollte sich API-Anfragen teuer bezahlen lassen.Nach einem Sturm der Entrüstung in der Entwicklergemeinde gab Google im Juni letzten Jahres nach und erweiterte das freie Kontingent auf 25.000 Anfragen pro Monat. Laut Google liegen nahezu alle Websites unterhalb dieser Grenze und weniger als 0,35 Prozent würden das freie Kontingent dauerhaft überschreiten.Dennoch blieben Googles stolze Preisforderungen nicht ohne Auswirkungen auf die Landschaft der Karten-APIs. Bei Google Maps API handelt es sich um eine ganze Sammlung von leistungsstarken APIs, mit denen Sie Geofunktionen in Ihre Websites wie beispielsweise mit Google Maps Javascript API v3 oder Google Earth API sowie in mobile Apps einbauen können.

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Nein, das ist kein surrealistisches Kunstwerk von Salvador Dali, sondern Apples Version der Brooklyn Bridge in New York in seiner Karten-App für iOS 6 auf dem iPad.

Apple: iOS Maps API und das Map Kit Framework

Noch bis einschließlich iOS 5.1 nutzte Apples Map Kit Framework den Mobile Maps-Dienst von Google (GMM), um kartografische Daten abzurufen. Ab iOS 6 ist das nicht mehr der Fall. Das Map Kit Framework von Apple kann jedoch zumindest intelligent umschalten zwischen dem neuen API auf iOS-6-Geräten und dem Google Maps API auf älteren iOS-Geräten.Solange Entwickler in ihren Apps keine iOS-6-spezifischen Features bereitstellen, brauchen sie sich um die Kompatibilität keine Sorgen zu machen. Wollen sie jedoch auf die neuen Kartenfunktionen in iOS nicht verzichten, müssen sie im Code die entsprechenden Weichen einbauen oder die neuen Features mit Hilfe von respondsToSelector-Abfragen umschiffen, damit die neuen Features Ihrer Apps Benutzern älterer Geräte keine Probleme bereiten.Apple hatte außer Googles Preisforderungen jedoch noch einen anderen Grund für den Ausbau der eigenen Kartentechnologie: den Kampf um die Vormachtstellung gegen Android OS. Dabei hatte Apple es sehr eilig, sich von Googles mobilen Apps für iOS wie dem beliebten kostenlosen Dienst Google Maps für das iPhone und iPad zu trennen, um gegen Samsungs Android-basierte Geräte gerichtlich zu Feld zu ziehen.Als Ersatz für Google Maps führte Apple mit der Vorstellung von iOS 6 eine eigene mobile App namens "Karten" auf Basis von Tomtom ein, und landete damit einen monumentalen Misserfolg.Nur wenige Stunden nach der Vorstellung des iPhone 5 musste der Tablet-Pionier und Hersteller wegweisender Elektronik auf seiner Website die eigenen Anwender für die Fehler und Ungereimtheiten der Software um Verzeihung bitten.Falsch platzierte Hochhäuser, fehlende Flüsse, Autobahnauffahrten im Stil der Möbius-bandes, geschmolzene Eisenbahnlinien, irrsinnig surrealistische Denkmäler und sogar ganze Stadtteile, die aussahen, als sei ein Raytracing-Rendering-Vorgang abgestürzt, sorgten für Schlagzeilen und Spott in der Weltpresse.Die Karten-App war ein voreiliger Versuch von Apple, Googles Karten-App für iOS durch eine eigene Lösung zu ersetzen, doch die Integration der Kartentechnologie des von Apple aufgekauften GPS-Navigationsinnovators Tomtom ist Apple im großen Stil misslungen. Inzwischen musste der Konzern einlenken und Google Maps, auf massiven Druck der Anwender hin, für iOS 6 wieder zulassen.Apple arbeitet inzwischen fieberhaft an einer Korrektur der Fehler, doch der PR-Schaden und Vertrauensverlust der Entwicklergemeinde sind bereits eingetreten. Inzwischen können Sie aber problemlos auf Googles Maps SDK für iOS mit Unterstützung für 3D-Karten ausweichen.

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Mit dem Javascript API Explorer von Nokia können Sie durch konkrete Anwendungsbeispiele des APIs mit Leichtigkeit navigieren ...

Maps-APIs von Nokia

Totgesagte leben länger und so hat sich Nokia etwas überraschend zu einem der relevantesten Mitstreiter auf dem Markt für Kartentechnologie entwickelt.Die Kartendienste von Nokia bilden inzwischen die Grundlage für die Standortfunktionen auf Flickr.com, CNN sowie für die APIs anderer Anbieter, darunter Microsofts Bing Maps, Yahoo! Maps und Trapster.Für den Zugriff auf das eigene Maps-API hat Nokia drei Ansätze entwickelt: ein Javascript-API, eine Sammlung von REST- APIs und Nokias Framework MH5.Nokias Maps-API für Javascript ermöglicht Ihnen die Integration von interaktiven Kartendiensten mit Hilfe von Klassen- und Methodenbibliotheken. Das API unterstützt sowohl mobile Apps als auch Websites. Der Funktionsumfang beinhaltet eine leistungsfähige Suche, Routenermittlung, sowie das Untersuchen von Verkehrsströmen. Der Einsatz von HTML5 ist rein optional.Um Nokias Maps-API für Javascript zu integrieren, fügen Sie Ihrem Dokument nach der <!DOCTYPE>-Deklaration die benötigten Informationen im <head>-Abschnitt hinzu, zum Beispiel:

<title>Nokia Maps-API im Einsatz</title><meta http-equiv="Content-Type"
content="text/html; charset=UTF-8" /><meta http-equiv="X-UA-Compatible"
content="IE=7" ; IE=EmulateIE9/>

Aus dem <head>-Abschnitt der Website heraus rufen Sie die benötigten Bibliotheken mittels Javascript wie folgt auf:

<script type="text/javascript"
src="http://api.maps.nokia.com/2.2.3/jsl.js?with=all" charset="utf-8"></script>

Sie sind gut beraten, die Version des APIs nach Bedarf zu aktualisieren und, falls gewünscht, die Parameter einzuschränken. Die Angabe von Deutsch als Sprache ist nicht erforderlich, denn Nokias API lokalisiert die Daten entsprechend der Systemsprache des Benutzers rein automatisch.Der <body>-Abschnitt der HTML-Seite muss ein Element beinhalten, welches die Kartendaten bereitstellen soll, zum Beispiel ein <div>:

<div id="map" style="z-index: -1;
left:0px; top:0px; width: 100%;height: 80%; position: absolute;"></div>

Auf dieses Element folgt nun ein <skript>-Element, in dem Sie die gewünschten API-Aufrufe tätigen. Hierzu benötigten Sie von Nokia - für eine Website wie auch eine mobile App - eine so genannte Ap-ID und einen Token, die Sie als Entwickler gegenüber Nokia authentifizieren. Diese beiden Dienste müssen Sie ganz am Anfang des Skriptes wie folgt verzeichnen:

<script type="text/javascript">
nokia.Settings.set( "appId", "Ihre
App-ID");
nokia.Settings.set( "authenti-
cationToken", "Ihr Token");

Die App-ID und den Token erhalten Sie von Nokia nach einer kostenlosen Registrierung, indem Sie in Ihrem Profil eine neue App anlegen.Nach dem Code zur Authentifizierung Ihrer Web- oder mobilen Applikation folgt nun der eigentliche Code, zum Beispiel:

var mapContainer = document.
getElementById("map");
var DefaultLatitude = 48.136944;
var DefaultLongitude = 11.575278;
var defaultZoomLevel = 16;
var mapOptions = {
baseMapType: nokia.maps.map.Display.
NORMAL, center: new nokia.maps.geo.Coordinate(DefaultLatitude, DefaultLongitude), zoomLevel: defaultZoomLevel, components: []
};
var map = new nokia.maps.map.
Display(map, mapOptions);</script>

Nokias REST-APIs beinhalten das Map- Image-API und das Places API. Mit Hilfe des Map-Image-APIs gewähren Sie Ihren Besuchern schnellen Zugriff auf fertig gerenderte - also im Gegensatz zum Map-API für Javascript nicht interaktive - Kartenbilder unter Verwendung einer URL mit einer Sammlung von Parametern zum Bestimmen der geografischen Position, des Kartentyps, der Zoomstufe und so weiter.

Links zum Thema

Mit Hilfe des Places-API können Sie Ihren Benutzern die Funktionen von Nokias Places im Rahmen der Kartendienste bereitstellen. Indem Sie dieses API ansprechen, können Sie für Ihre Benutzer konkrete Standorte wie etwa ein Fußballstadium finden und detaillierte Informationen dazu abrufen.Das MH5-Framework (MH5 steht für Mobile HTML5) unterstützt die Entwicklung plattformübergreifender Web-Apps mit vorgefertigten Komponenten, die Sie in eigenen Code einbinden. Mittels externer Frameworks und Bibliotheken wie jQuery touch, YUI oder Sencha touch können Sie Ihre Apps um zusätzliche Funktionen erweitern und unter Verwendung von Phonegap auf mehreren Marktplätzen veröffentlichen.MH5 ist derzeit noch in der Betaphase und daher uneingeschränkt kostenlos; Nokia äußert sich jedoch nicht zu künftigen Preisen. Mit dem API Explorer bietet Nokia ein Online-Werkzeug, mit dem Sie die APIs ausprobieren können. Die Standardversion erlaubt bis zu eine Million kostenfreie Aufrufe pro Monat. Mehr API-Aufrufe sind bei Nokia allerdings kostenpflichtig.

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Im Inneren von Amazons Tablets werkelt zwar ein Fork von Googles Android OS,

Amazons Maps-API für Kindle Fire HD

Zu den etablierten Anbietern von Map-APIs möchte sich schon länger Amazon gesellen. Das kürzlich vorgestellte Maps-API ist bereits der zweite Versuch Amazons, auf dem hart umkämpften Markt Fuß zu fassen. Mit der AWS-Sparte zählt der unermüdlich innovierende Online-Händler und Hersteller von Android-basierten Tablets auch noch zu den größten Cloud-Hostern der Welt.Nebenbei betätigt sich Amazon außerdem als Betreiber der Suchmaschine A9. Mit dem neuen Maps-API adressiert Amazon vor allem diejenigen Android-Entwickler, die mobile Apps für die Kindle-Tablets entwickeln und Googles Maps-API ausweichen möchten.Anders als Amazons ursprünglicher Versuch mit den inzwischen eingestellten A9-Karten greift das neue Maps-API nicht auf eigene Datenbestände des Anbieters, sondern greift auf Kartendienste von Nokia zurück. Es ermöglicht Apps für die Amazon-Tablets Kindle Fire oder Kindle Fire HD - allerdings mit Ausnahme des Kindle Fire der ersten Generation -, den Benutzer zu orten, um ortsbezogene Angebote anzeigen zu können.

OpenstreetMap-APIs und kleinere Herausforderer

Alternativen zu den führenden Karten-APIs beinhalten eine Handvoll interessanter Entwickungsschnittstellen zum Zugriff auf kartographische Daten von OpenstreetMap.org . Dazu zählen das OpenstreetMap API (OSM API), MapScript und die Maps-API von Mapquest.Letzteres gibt es in einer Edition für iOS und Android OS mit vergleichsweise moderat ausgelegten Nutzungsbedingungen. Zu den prominentesten Anwendern von OpenstreetMap-Diensten zählt das ortsgebundene soziale Netzwerk Foursquare.Weitere interessanteste Herausforderer sind die kostenlose designerfreundliche Bibliothek Modestmaps, außerdem Polymaps, das sich durch die Unterstützung von SVG sowie die gelungene Integration mit GeoJSON auszeichnet, sowie Leaflet von Cloudmade. Wer ausschließlich für Browser entwickelt, kann sich außerdem bei der völlig kostenlosen Javascript-Bibliothek Openlayers bedienen.

Fazit

Navigations- und Ortungsdienste sind, insbesondere für mobile Websites, zu einer unverzichtbaren Brot- und Butter-Technologie geworden, deren Bedeutung im Rahmen der stark wachsenden Nahfeldkommunikation weiter zunehmen wird.Apples peinlicher Fauxpas mit Apple Maps in iOS 6 und Googles ursprünglich unrealistische Preisvorstellungen haben ungewollt den Mitbewerbern zu verstärkter Relevanz verholfen. Insbesondere Nokias APIs entwickeln sich zu einem großen Erfolg, bekommen aber inzwischen auch schon Gegenwind durch kleinere, innovative Mitstreitern.

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