Exklusiv

Zukunftspläne von Loewe

Weil Sie gerade die internationalen Märkte ansprechen: Wie wichtig sind diese in Zukunft für Loewe?

Hüsges: Wir sind natürlich stark im deutschsprachigen Raum unterwegs, Europa an sich ist nach wie vor Kernmarkt für uns. Wir haben in den internationalen Märkten sicherlich sehr gutes Wachstumspotential und wollen das Unternehmen stärker globalisieren. Ich denke, dass über das Thema IPTV und über Streaming-Dienstleistungen künftig sehr viele Inhalte sofort global verfügbar sein werden. Und in dem Maß, in dem wir uns zumindest ein Stück weit weg von den klassischen Broadcasting-Märkten bewegen, wird es dort eine Konvergenz geben. Gleichzeitig bin ich davon überzeugt, dass das klassische Broadcasting noch einige Jahre vor sich haben wird. Wir wollen bestimmt keinen Abgesang darauf anstimmen. Insofern ist das Zusammenbringen dieser beiden Fernsehwelten in einem Produkt schon Teil eines Systems oder einer vernetzten Lösung. Das besonders gut zu machen, wird ein Differenzierungsmerkmal sein.

Welche Märkte haben Sie damit im Visier?

Hüsges: Wir haben Kernmärkte identifiziert, in denen wir mit unseren Produkten, mit unseren Werten punkten können. Das ist neben Europa zum Beispiel der asiatische Raum, wo wir selbst aus der Krise heraus sehr gut begonnen haben und jetzt dabei sind, insbesondere mit dem Ausbau des Produktportfolios in Richtung der größeren Bildschirmdiagonalen Präsenz zu zeigen. Was wir aber nicht wollen ist, dass wir ein "dummes" deutsches Produkt beispielsweise auf den chinesischen Markt bringen, wobei es dadurch dumm wird, weil es explizit für den europäischen Markt konzipiert wurde. Es muss vielmehr dadurch schlau sein, dass es für den chinesischen Markt konzipiert wird und mit den Gegebenheiten dort perfekt zurechtkommt. Wir wollen tatsächlich eine chinesische Lösung  anbieten.

Gerade in asiatischen Märkten hilft natürlich das Label "Made in Germany", zumindest, wenn die VW-Debatte wieder abgeklungen ist.

Hüsges: VW war ein ärgerliches Thema, weil es sehr viel Vertrauen gekostet hat, nicht nur für die deutsche Wirtschaft. "Made in Germany" bringt nur dann etwas, wenn ich das Versprechen, das ich gebe, auch wirklich einlöse.

Eine persönliche Frage zwischendurch:  Wie war denn Ihr persönlicher Zugang zu Loewe, bevor Sie geschäftlich und beruflich damit zu tun hatten?

Hüsges: Für mich ist Loewe, wahrscheinlich wie für jeden Deutschen, ein Household-Name. Sprich: Man kennt Loewe. Ich hatte Loewe-Fernseher in der Vergangenheit immer wieder sowohl im elterlichen Haus als auch dann, als ich Fernseher zum ersten Mal selbst angeschafft habe. Insofern habe ich immer eine Kundenbeziehung zu Loewe gehabt. Ich habe den Börsengang 1999 begleitet, habe also auch schon lange Zeit eine berufliche Beziehung. Ich habe Loewe weiter verfolgt in guten und in den schlechten Zeiten und hatte 2013 wieder intensiver mit Loewe Kontakt bekommen, was letztendlich dazu führte, dass wir 2014 die Firma übernommen haben.

Beschäftigt es einen noch, wenn man sich mit den Konzepten für die Zukunft beschäftigt, was man in der Vergangenheit erlebt hat?

Hüsges: Eigentlich nicht, weil ich glaube, dass Loewe aus Kundensicht immer attraktive Produkte auf den Markt gebracht hat. Wir sind heute aber überzeugt, dass wir ein technisch absolut wettbewerbsfähiges Produkt anbieten. Schnelle Umschaltzeiten sind beispielsweise ein Thema. Das hatte in der Vergangenheit der ein oder andere Kunde bemängelt und das auch zu Recht. Dafür haben wir heute eine Lösung gefunden, die beste, die es im Markt gibt. Zu den wichtigen Punkten neben dem schnellsten Umschalten, besten Bild, besten Klang gehört aber heute natürlich auch die Verbindung zum Smartphone, die Verbindung zum Tablet, die Verbindung zum Festplattenrekorder, Multiroom-Fähigkeit, Bluetooth-Anbindung. Das sind die wesentlichen Punkte, die aus unserer Sicht die Kunden interessieren, die echten Nutzen bringen. Wir unterscheiden uns von vielen Wettbewerbern außerdem dadurch, dass wir eine komplette Kontrolle über unsere technologische Plattform haben. Es ist unsere eigene Hard- und Software, auch wenn wir manche Dinge zusammen mit Partnern entwickeln.

Begrenzt dieser Weg aber nicht ein wenig in den Möglichkeiten?

Hüsges: Ganz und gar nicht. Wie sollten wir sonst in der Lage sein, USPs zu erarbeiten? Wie sollten wir sonst in der Lage sein, Kundenwünsche schnell umzusetzen? Das könnten wir sonst immer nur im Schlepptau eines anderen. Wir bauen auf unsere eigenständige Lösung, die wir als die richtige ansehen.

Auf jeder Messe wird eine neue technische Sau durchs Dorf getrieben. Für den Endverbraucher ist das schwierig nachzuvollziehen. Wie stark sehen Sie sich technologisch an der Front?

Hüsges: Als Loewe haben wir den Anspruch, in gewissen Kategorien top zu sein. Wir sind in den vergangenen Jahren etwa dadurch, dass wir nicht immer Zugang zu den neuesten Technologien hatten, absolute Weltmeister darin geworden, unsere Produkte so zu entwickeln, dass eine exzellente Bild- und Klangqualität entstanden ist. Trotzdem müssen wir auch, wenn es neue Technologien gibt, wenn es Schlagwörter gibt wie HDR, Lösungen dafür anbieten. Unsere Plattform kann das. Das ist ein ganz, ganz wesentlicher Vorteil. Bei der Bildqualität sehe ich UHD schon als ein wesentliches Trendthema an, weil ich erkenne, dass im Vergleich zur Vergangenheit der Kunde heute beispielsweise über Video on Demand die Qualitäts-Unterschiede wesentlich schneller wahrnimmt. Deshalb darf man aber trotzdem nicht vergessen, dass immer noch ein Großteil des Inhaltes, den die Zuschauer auf den TVs konsumieren werden, normales lineares Fernsehen ist. Und da ist es ebenso wichtig, dass wir es schaffen, aus dem Inhalt, den wir einspeisen, ein optimales Bilderlebnis herauszuholen, das deutlich besser ist als HDTV.

Vom Bild zum Sound: Loewe hatte in der Vergangenheit gute Marktanteile im Audiosegment. Wie sieht hier die künftige Strategie aus?

Hüsges: Audio ist extrem wichtig für uns. Als wir neu gestartet sind, haben wir den Schwerpunkt auf das Fernsehgerät gelegt. Wir arbeiten aber auch intensiv an Audio-Lösungen und werden dort vor allem 2016 mit Produkten kommen, die einen sehr hohen Kundennutzen haben werden.

Gibt es noch weitere Sortimentsbereiche, die angepackt werden?

Hüsges: Langfristig sehen wir uns als Teil eines vernetzten Hauses. Da sind die Unterhaltungselektronik und der Fernseher ein Ansatzpunkt. Multiroom - wie wir es heute schon anbieten - ist in gewisser Weise auch eine Smart Home-Applikation.

Zum Schluss: Sie haben viel gesagt über die Kernprodukte, die Kerntechnologie. Was würden Sie sich als nächsten Schritt, als nächste Entwicklung selbst von einem Loewe-Produkt wünschen?

Hüsges: Ich habe die Wünsche schon artikuliert: Dass wir Loewe so voranbringen, dass unser Produkt Teil des vernetzten Hauses ist, und zwar im positivsten Sinne. Dann haben wir es richtig gemacht. Ob wir alles selber anbieten müssen oder ob wir es im guten, offenen Verbund mit Partnern tun, die in ihren Bereichen die Spezialisten sind und die beste Lösung anbieten, das muss man sehen. Es wird Bereiche geben, in denen es vor allem darum geht, dass Schnittstellen sauber miteinander kommunizieren und alles im Zusammenspiel einfach funktioniert.

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