Windows zu langsam?

Alte Rechner mit Linux wieder fit machen - Anleitung

Ein aktuelles Windows lässt sich auf einem alten PC, Notebook oder Netbook kaum noch betreiben. Wegwerfen? Nein, installieren Sie Bodhi Linux.

  1. Alte Rechner mit Linux wieder fit machen - Anleitung
  2. Bodhi Linux als Windows-Ersatz für ältere Rechner
Netbook

© Hersteller/Archiv

Alte Windows-Netbooks und -Notebooks lassen sich mit Bodhi Linux wieder flottmachen.​

Vor etwa 10 Jahren konnte man problemlos mit einem Rechner mit 500-MHz- Prozessor und weniger als 1 GByte RAM Briefe oder gar Bücher schreiben, im Internet surfen, Musik hören und Fotos betrachten. Heute erklärt die Industrie den Nutzern, dass mindestens das Vierfache an Leistung notwendig ist.​

Die Aufgaben haben sich nicht wesentlich verändert, Betriebssystem und Software bremsen dagegen in aktuellen Versionen die Hardware so aus, dass schon wenige Jahre alte Geräte im Alltag langsam und träge wirken. Durch vom Betriebssystemhersteller verursachte, aber nicht mehr geschlossene Sicherheitslücken sollen Anwender noch mehr dazu bewegt werden, auf neue, ressourcenfressende Betriebssystemversionen umzusteigen und dazu auch neue Hardware einzusetzen.​

Mit einem anderen Betriebssystem und anderer Software lassen sich die Arbeiten, die damals funktionierten, auch heute noch auf der damaligen Hardware ohne Einbußen in Sachen Komfort oder Sicherheit erledigen. Installieren Sie einfach Linux auf Ihrem Rechner aus Windows-XP-Zeiten.​

So funktioniert es

Die Installation eines Linux-Betriebssystems ist heute nicht mehr schwieriger als eine Windows-Installation. Der erste und wichtigste Schritt ist die Auswahl der passenden Linux-Distribution. Im Gegensatz zu Windows gibt es hier diverse Varianten, die zwar alle prinzipiell auf dem gleichen Kern basieren, sich aber in Benutzeroberfläche, Hardwareunterstützung und Softwareausstattung deutlich unterscheiden.Da fast alle Linux-Varianten nach dem Open-Source-Prinzip arbeiten, haben sich viele Entwicklergruppen zusammengefunden, die ihre eigenen angepassten Distributionen zusammenstellen, regelmäßig pflegen und – fast immer kostenlos – zum Download anbieten. Neben ein paar wenigen Distributionen für Spezialaufgaben wie Server oder IoT haben fast alle modernen Linux-Varianten eine grafische Benutzeroberfläche, die mehr oder weniger an Windows erinnert und dem Benutzer den Umstieg leicht macht.​

Linux Live-CDs 

Die meisten aktuellen Linux-Distributionen werden als Live-CDs angeboten. Laden Sie sich ein ISO-Abbild von der Webseite des Einwicklers herunter und brennen Sie daraus auf einem aktuellen Windows-PC eine CD-ROM. Nur für größere Linux-Distributionen werden DVD-ROMs​ benötigt. Hier ergibt sich zusätzlich das Problem, dass ältere Rechner oft nur CD-Laufwerke und keine DVD-Laufwerke haben.​

Bei den meisten Distributionen können Sie je nach Prozessor eine passende Variante wählen. Außer den von Windows bekannten Varianten für 32-Bit- oder 64-Bit-Prozessoren bieten einige 32-Bit-Distributionen Versionen mit und ohne Physical-Address Extension (PAE) an. Dabei handelt es sich um eine Technik, mit der sich auf 32-Bit-Systemen mehr als 4 GByte RAM adressieren lassen, die normalerweise über ein 32-Bit-Adressregister ansprechbar sind. PAE muss vom Prozessor und auch vom BIOS unterstützt werden, was seit der Pentium-Pro-Serie bei allen neueren Prozessoren der Fall ist. Seit dem Linux-Kernel 2.3.23 wird PAE von Linux unterstützt und ist meistens auch voreingestellt.

Spezielle Non-PAE-Versionen verwenden ältere Kernel oder sind so eingestellt, dass sie PAE nicht nutzen, um mit älterer Hardware kompatibel zu sein. Windows unterstützt die PAE-Technologie übrigens auch, allerdings adressieren die 32-Bit-Versionen aus eher produktpolitischen als technischen Gründen auch mit aktiviertem PAE nur maximal 4 GByte RAM. Booten Sie den alten Rechner mit der Live-CD. Dazu muss im BIOS das Booten von CD aktiviert sein. Viele BIOS-Versionen zeigen beim Booten neben der Taste für die BIOS-Konfiguration auch eine Taste (oft: F11) an, die ein Bootmenü einblendet. So können Sie, ohne die Bootreihenfolge dauerhaft zu ändern, zwischendrin einmal von einem anderen Laufwerk booten.​

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Die Live-CDs starten ein vollständiges Linux direkt von der CD, ohne etwas auf der Festplatte installieren zu müssen. Solche Live-Systeme brauchen nicht einmal Schreibzugriff auf die Festplatte, solange keine eigenen Dateien lokal gespeichert werden sollen. Sie können daher sehr gut verwendet werden, um verschiedene Linux-Distributionen auf einem Rechner auszuprobieren, ohne Veränderungen am bestehenden Betriebssystem vorzunehmen.

Für Netbooks ohne optisches Laufwerk können Sie mit dem Tool UNetbootin aus einem ISO-Abbild unter Windows einen bootfähigen USB-Stick erstellen. Bei den meisten älteren Standardrechnern ist allerdings die Boot-CD die bessere Wahl, da viele ältere BIOS-Versionen nicht von USB-Sticks booten – zumindest nicht von jedem –, was das Ausprobieren sehr zeitaufwendig macht.

Wenn Sie sich für eine Linux-Distribution entschieden haben, finden Sie auf dem Desktop oder im Startmenü der Livesysteme fast immer ein Tool zur Installation der Distribution auf der Festplatte.

Beispielhaft erklären wir auf der nächsten Seite, wie Sie Bodhi Linux als Windows-Ersatz installieren. Bodhi Linux ist besonders ressourcenschonend und eignet sich daher speziell für den Einsatz auf alten Rechnern.

Sinnvoll oder nicht? 

Natürlich stellt sich trotz allem die Frage, inwieweit es sinnvoll ist, alte Hardware heute noch zu verwenden. Geht es nur darum, einen älteren Rechner weiterzunutzen, mit dem man aus Sicherheitsgründen mit dem installierten Windows XP nicht mehr ins Internet möchte, für den der Hardwarehersteller aber keine Windows-10-Treiber mehr liefert, ist Linux eine gute Wahl.

Bei Uralt-PCs sollte man aber die Lärmbelastung durch Lüfter und Festplatten sowie den nicht ganz unerheblichen Stromverbrauch bedenken. Dazu kommt, dass Betriebssystem und Software zwar problemlos laufen, durch moderne aufwendige Webseiten aber Anforderungen auf die Geräte zukommen, denen sie oft nicht gewachsen sind. Schon als einfache Surfstation sind schlanke, fast geräuschlose Mini-PCs oder sogar ein Raspberry Pi oft die bessere Wahl. Auch den für um 100 Euro bei diversen Onlineshops angebotenen Office-PCs lassen sich mit der geeigneten Linux-Distribution erstaunliche Leistungen entlocken, wenn die Windows-Bremse deinstalliert wird.

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