Abgezockt - abgewehrt

Leere Drohungen

Leere Drohungen

Internetbetrug

© Archiv

Zu einer Klage, mit der die Inkassobetreiber drohen, wird es hingegen nicht kommen, denn die geschlossenen Verträge sind ungültig oder oft sehr zweifelhaft. Der Preis ist ein wichtiger Teil des Vertrags und darf nicht unter ferner liefen, sondern muss deutlich hervorgehoben im Anmeldeformular stehen. Sonst hat der Besucher den Eindruck bei dem Dienst handle es sich um eines der vielen kostenlosen Angebote im Web. Diese Gratis- Gewohnheit desWebs nutzen die Trickbetrüger schamlos aus, gerade Jugendliche, die etwas sorgloser vorgehen, fallen darauf rein.

Das ist nicht korrekt und Verbraucherzentralen oder die Wettbewerbszentrale gehen dagegen vor. In einem Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main vom 5. September 2007 heißt es beispielsweise: "Die Beklagten werden verurteilt, es bei Meidung von Ordnungsgeld bis zu 250.000,- EUR, ersatzweise Ordnungshaft bis zu 6 Wochen, oder Ordnungshaft bis zu 6 Monaten für jeden Fall der Zuwiderhandlung zu unterlassen, im geschäftlichen Verkehr zu Zwecken des Wettbewerbs...

Dienstleistungen gegenüber Letztverbrauchern im Internet unter Angabe von Preisen anzubieten und/oder anbieten zu lassen und/oder zu bewerben und/oder bewerben zu lassen, wenn die Preisangabe nicht leicht erkennbar ist..."

Abgemahnt hatte die Wettbewerbszentrale, an die sich Betroffene auch wenden können ().

Internetbetrug

© Archiv

Ein Leser übermittelte uns ein typisches Inkassoschreiben, das mit den zu erwartenden Gerichtsgebühren droht.

Ähnliche Abmahnungen gegen die Betreiber der Abzocker-Seiten gibt es inzwischen viele, doch die Hintermänner sind geschickt genug und wechseln ständig Firmennamen und Geschäftsführer. Dann ist die Unterlassungserklärung wertlos: "Wenn die sich umbenennen ist der Titel schon für die Katz.", klagt Thomas Bradler vom vzbv. Gleiches gilt, wenn die betroffene Webseite verändert wurde: "Dann können wir wieder von vorne anfangen."

Sehr beliebt ist bei den Tätern ferner, eine Briefkastenfirma in England, Bulgarien oder Dubai zu gründen. Die Dunkelmänner sitzen aber in Deutschland: "Wir haben das Gefühl, dass es ein relativ kleiner Kreis von Verantwortlichen ist, dass immer dieselben Leute dahinter stecken. Es sind vier oder fünf alteingesessene Anbieter, die mindestens fünfzig Seiten im Netz haben dürften.", berichtet Bradler.

Hin und wieder können die Abzocke-Jäger auch Erfolge vermelden. So hat beispielsweise die Wettbewerbszentrale die legendären Gebrüder Schmidtlein erfolgreich zur Zahlung einer Vertragsstrafe über 24 000 Euro verklagt. Die Brüder pflegen Abzocker-Seiten meist mit dem Bestandteil "heute" im Namen (z.B. ).

"Durch derartige undurchsichtige Angebote besteht die Gefahr, dass das Vertrauen in den Online-Handel geschwächt wird", bewertet Reiner Münker, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied der Wettbewerbszentrale den Erfolg.

Nach dem Urteil haben die Betreiber reagiert und auf ihren Seiten den Preis deutlich näher an das Anmeldeformular, nämlich an den rechten Seitenrand, gerückt. Seit dem sind die Beschwerden gegen die Schmidtleins bei den Verbraucherzentralen stark zurückgegangen. Machtlos ist hingegen die Staatsanwaltschaft, denn das Unwesen der Abzocker fällt nicht unter den Tatbestand des Betrugs, denn sie bieten ja etwas für das Geld.

Internetbetrug

© Archiv

Der Betroffene kann nicht auf Hilfe der Polizei hoffen. Im Gegenzug müssen die Opfer auch keine Anzeige bei der Polizei durch die Abzocker fürchten, wie diese gerne drohe. Denn wer die Zahlung verweigert ist kein Betrüger (siehe Interview auf der dritten Seite).

Machtlos ist letztendlich auch die Politik, denn die Gesetze stehen jetzt schon gegen die hier beschriebenen Formen der Internet-Abzocke. Dennoch arbeitet dasVerbraucherministerium an einem Entwurf, der die Preisauszeichnung im Internet noch eindeutiger machen soll. "Ich halte es für unverzichtbar, dem Verbraucher vor Abgabe einer bindenden Vertragserklärung im Internet die Kostenfolgen komprimiert und deutlich vor Augen zu führen", sagte Minister Seehofer auf einer Presseveranstaltung auf der CeBIT.

werden, dass der Verbraucher die Kostenpflicht zur Kenntnis genommen hat. Das kann durch das Setzen eines Hakens oder durch die Betätigung eines entsprechenden Buttons erfolgen. Hier brauchen wir klare gesetzliche Vorgaben."

Damit ist aber nicht aus der Welt geschafft, dass die schwarzen Schafe sich drüber hinwegsetzen und mit leeren Drohungen Druck auf die fügsamen Opfer ausüben. Nach Schätzungen von Experten zahlen zehn Prozent der Angegangenen und das reicht als Geschäftsmodell. Man kann nur hoffen, dass die Button-Lösung - wenn sie denn kommt - sich herumspricht und sich dadurch weniger Leute übertölpeln lassen. Dann bricht das ganze üble Geschäftsmodell zusammen.

Mehr zum Thema

Youtube Sperre umgehen GEMA
Videos freischalten

So umgehen Sie die GEMA-Sperre bei Youtube. Was Sie dazu brauchen, und wie es am einfachsten geht.
Neue Fritzboxen unterstützen den AC-Standard.
WLAN-Geschwindigkeit verdoppeln

Mehr WLAN-Geschwindigkeit: Mit dem WLAN-Standard 802.11ac und den richtigen Geräten und Einstellungen verdoppeln Sie den Datendurchsatz.
Netflix auf dem TV
Programm in der Übersicht

Welche Filme und Serien gibt es bei Netflix eigentlich zu sehen? Was ist neu im Streaming-Angebot? Diese Antworten helfen weiter.
Netflix
Streaming

Preise, kompatible Geräte, Datenrate, Serien- und Filmangebot von Netflix: Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um den Streaming-Dienst.
E.T. – Der Außerirdische
Vorschau auf Film- und Serien-Highlights

Amazon Prime Instant Video lockt im Dezember 2016 mit Film-Highlights wie "E.T.", "Fast & Furious 7" und der Serie "Ku’damm 56​".