Vergleichstest High-Tech Fernseher

LCD, Plasma, Rückpro

Die neuen TV-Geräte von Samsung, JVC und Panasonic demonstrieren die Fortschritte aus den Bereichen LCD, Plasma und Rückprojektion. Wir zeigen Ihnen die Clous der neuen Technik.

Vergleichstest: High-Tech Fernseher

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Vergleichstest: High-Tech Fernseher

JVC HD-58 DL 8U

JVC nennt seine neue TV-Generation HD-ILA Hybrid-TV. Zu Recht, denn das flache Gehäuse hat mit herkömmlichen Rückprojektions-Fernsehern nicht mehr viel gemeinsam.

Fernseher JVC HD-58 DL 8 U

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JVC HD-58 DL 8 U, 3.500,- Euro, 525 Punkte

Zu dick, zu unförmig, zu schwer - Rückprojektionsfernseher fristen in Deutschland nicht nur ein Nischendasein, ihr Marktvolumen ist in Zeiten des Flat-TV Booms sogar rückläufig. Gerade mal 3.200 Stück konnten die Hersteller in der ersten Jahreshälfte 2007 noch unters Volk bringen - im Vorjahreszeitraum waren es mit 14.300 mehr als viermal so viele. Trotz großer Bilddiagonalen zu attraktiven Preisen ziehen die Kunden flache LCD- und Plasmafernseher vor.

Ausstattung

An äußeren Werten soll es nicht scheitern, dachte sich JVC und konstruierte die neue HD-ILA- Generation nur 27,5 Zentimeter tief. Damit benötigen die Geräte nicht mehr Platz in der Tiefe als LCD- oder Plasma-TVs mit Standfuß. Mit einer echten Wandhalterung unterstreicht JVC die Emanzipationsbestrebungen.

Nicht nur bei der Gehäusetiefe waren die Ingenieure erfinderisch: Der nur ein Zentimeter breite Rahmen um die Rückpro-Scheibe herum lässt das Bild förmlich im Raum schweben und verringert nebenbei die Abmessungen, die so durchaus mit denen von 50-Zoll-Plasmas und 52-Zoll-LCD-TVs konkurrieren können.

Anschlussfront des JVC

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Die Anschlussfront des JVC nimmt nicht mehr Platz ein, als die auf anderen Geräten. Löblich sind die beiden HDMI-Eingänge, die auch schon die neue Gerätekommunikation HDMI-CEC unterstützen

Für die flache Bautiefe kombiniert JVC die weitwinklige Optik erstmals mit einem konkaven Spiegel, der das Licht bündelt, anstatt es wie ein Konvexspiegel zu verteilen. Ein Nachteil, der sich daraus ergibt, nennt man in der Fachsprache "Hotspot", eine deutliche Aufhellung des Bildes hin zu dessen Mitte. Was man in homogenen Szenen, wie den Weltraumansichten der DVD Space Cowboys mit bloßem Auge deutlich sieht, bestätigt schließlich das Messgerät. Die Helligkeit in der Bildmitte ist doppelt so hoch wie in den Außenbereichen.

Die Ausstattung des JVC reiht sich nahtlos in die anderer Topmodelle ein: Zwei HDMI-Eingänge glänzen zwar mit HDMI-CEC-Beschaltung, die Unterstützung für 1080p24-Signale lässt JVC leider außen vor. Ein YUV-Trio und zwei RGB-fähige Scartbuchsen komplettieren die Anschlussfront, die geschickt in den Sockel des HD-58 DL 8 U eingefügt wurde. Praktisch ist das für eine eventuelle Wandmontage und weil man nicht jedes Mal für das Einstecken eines Kabels um das Gerät herumgehen muss.

In der Tunerausstattung ergänzt ein DVB-T Tuner den analogen Kabelempfänger. Besonders gut gelungen ist die Aufnahmesteuerung eines angeschlossenen Rekorders mit AV-Link: Gewünschte Sendung im digitalen EPG markieren und schon sendet der Fernseher die Aufnahmedaten via Scart zum Rekorder.

Rahmen um die Rückpro-Scheibe

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Der Rahmen um die Rückpro-Scheibe ist sogar flacher als die Fernbedienung. Das nimmt dem Gerät etwas von seiner Wuchtigkeit und lässt das 1,50-Meter-Bild förmlich im Raum schweben

Bildqualität

Wer nun beim Gedanken an herkömmliche TV-Bilder auf einer Rückprojektionsscheibe mit 1,50 Meter Bilddiagonale die Nase rümpft, sei aufgeklärt: Die hervorragende Skalierung des HD-ILA-TVs rechnet PAL-Bilder in detailreiche und saubere 1080p-Signale um. Dem TV-Vergnügen steht damit nichts im Weg, einen adäquaten Sehabstand von vier Metern vorausgesetzt. Wer sich an diese Vorgabe hält, hat zudem weniger Probleme mit dem stark eingeschränkten Blickwinkel der Rückproscheibe. Auch deren kristallines Glitzern fällt aus der Entfernung nicht mehr wirklich auf.

Wie schon bei JVCs Star-Projektor DLA-HD 1 beeindruckt der hervorragende Schwarzwert. Der HD-58 DL 8 U besitzt zusätzlich sogar noch eine mechanische Blende, die sich manuell justieren lässt. Zahlreiche Messungen attestieren ihr ein relativ geringes Spiel: Die kleinste Blendenöffnung dunkelt das Schwarzbild auf 0,07 cd/m2 ab, die größte auf 0,17 cd/m2. Die maximale Helligkeit lässt sich entsprechend zwischen 176,5 auf 329,7 cd/m2 pegeln. Damit eignet sich der Bildriese nicht nur für dunkle Räume, sondern hält auch für sonnendurchflutete Wohnzimmer genügend Potenzial bereit. Bemerkenswert ist die enorme Lichtausbeute bei vergleichsweise kleinem Stromhunger. Gerade in Zeiten der CO2-Diskussion dürfte der Verbrauch von 192,3 Watt - ein Drittel dessen, was ein Plasma dieser Größe fressen kann - für einen Käufer als Argument durchschlagen.

Die Bildeinstellungen hat JVC für das Preset "Weich" bereits optimiert. Auch wenn der HD-ILA-TV selbst dann nicht wirklich normgerecht arbeitet und JVC damit einen Teil des Potenzials leider verschenkt. Gerade der niedrige Gammawert sorgt für ein insgesamt etwas zu flaues Bild. Der Farbraum des JVC überragt den normierten, was für den Zuschauer nicht ohne Folgen bleibt: Das Bild ist knackig bunt, zu bunt. Vor allem Grün und Gelb strahlen übertrieben, Hauttöne kämen mit einem niedrigeren Rotanteil aus.

Kunststoffblende

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Eine Kunststoffblende versteckt die seitlich angebrachten Anschlüsse am JVC-Gerät

Wie bereits oben erwähnt, gelingt dem JVC die Umrechnung von PAL-Signalen fehlerfrei und scharf. Die Unterschiede zwischen über die Analogeingänge und HDMI zugespielten Signalen fällt dabei erfreulich klein aus. Großes Kino erlebt, wer schließlich einen HD-Player andockt. Da die Abstände zwischen den Pixeln auf dem HD-ILA-Chip mikroskopisch sind, erscheint das Bild fast so homogen wie bei einer Kinoprojektion. Trotzdem fehlt den HD-Bildern das letzte Quäntchen Schärfe. Schade ist es um die versäumte 24p-Darstellung, die für die Panels problemlos machbar wäre. Das "gepulldownte" Material von der Blu-ray ruckelt in dieser Größe deutlich.

Ton

Bei der Klangerzeugung kann der HD-58 DL 8 U aus seinem voluminösen Gehäuse schöpfen. Auch wenn er es nicht mit dem Soundsystem im HiFi-Rack des technisch baugleichen HD-58 DS 8 USET (4400 Euro) aufnehmen kann, spielt er die Speaker vieler Flat-TVs doch locker an die Wand. Gerade über das satte Volumen werden sich Filmfreunde freuen, wobei die Nuancierung des Klangbildes nicht zu kurz kommt - lediglich im Bassbereich dürfte JVC noch einen draufsetzen.

Testbericht

JVC HD-58 DL 8 U
JVC
3500 Euro

58-Zoll-Rückpro-Fernseher

Weitere Details

64 Prozent

Fazit:Das Gerät sorgt trotz qualitativer Kompromisse für Kinofeeling.

Testurteil
sehr gut
Preis/Leistung
sehr gut

Wissen: DILA oder die drei Herzen des "Hybrid-TV"

Wie in einem Projektor erzeugen kleine Panels das Bild in einem Rückprojektionsfernseher. Drei ursprünglich für die Profiabteilung entwickelte D-ILA-Chips finden jetzt ihren Weg in den Fernseher.

D-ILA-Chips

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D-ILA-Chips

Wie schon in JVCs Projektor DLA-HD 1, baut der Bildgeber des HD-58 DL 8 U auf drei HD-ILA-Chips der neuesten Generation. Das übernehmen drei Panele mit den jeweiligen Grundfarben Rot, Grün und Blau, was typische Bildfehler von Einchipgeräten wie False Contour oder den Regenbogeneffekt ausschließt.

In ihrem Funktionsprinzip vereinen D-ILA-Chips die Vorzüge aus den Projektionstechnologien DLP und LCD. Wie auf LCD-Panels sitzt auf jedem Bildpunkt ein Pixel aus Flüssigkristallen, die je nach Spannung auf aus (inaktiv) oder teildurchlässig (aktiv) geschaltet werden. Aktive Pixel polarisieren Licht mehr oder weniger und erzeugen so mehr oder weniger Helligkeit. Unter den Flüssigkristallen sitzen mikroskopisch kleine Spiegelflächen (vergleichbar zur DLP-Technik), die nur das auf "aktiv" polarisierte Licht zur Optik und schließlich auf die Projektionsscheibe reflektieren.

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