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Kontrastumfang erweitern - Lichter und Schatten durchzeichnen

Immer mehr Kameras bieten Funktionen, die den Kontrastumfang erweitern sollen. Unser Test vergleicht die "Dynamic Range"-Lösungen der Sony Alpha 350 und Pentax K200D mit dem Potential eines RAW-Bildes.

  1. Kontrastumfang erweitern - Lichter und Schatten durchzeichnen
  2. Sony Alpha 350
  3. Pentax K200D
Kontrastumfang erweitern - Lichter und Schatten durchzeichnen Aufmacher

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Kontrastumfang erweitern - Lichter und Schatten durchzeichnen Aufmacher

Nach Auflösung und Rauschen haben Kamerahersteller den Kontrastumfang ihrer Kameras als Problem erkannt. Ein zu niedriger Kontrastumfang führt dazu, dass nur ein kleiner Teil des Helligkeitsbereiches eines Motivs abgebildet wird. Den Lichtern und Schatten eines Bildes fehlt es oft an Zeichnung; stattdessen stören im Bild weiße und schwarze Flecken. Besonders kritisch sind Motive in hartem Licht, etwa in der Mittagssonne oder wenn bei Nacht punktuelle Lichtquellen tiefe Schatten im Dunklen entstehen lassen.

Pentax K200D RAW-Bild

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Im Fall der K200D zeigen die Lichter bei eingeschalteter "Dynamic Range"-Funktion deutlich mehr Zeichnung als ohne.

Immer mehr Hersteller bieten Funktionen, um die Zeichnung in Lichtern und Schatten zu verbessern. Sinnvoll ist dies vor allem bei Verwendung des JPEG-Modus, da ansonsten eventuell vom Sensor erfasste Informationen durch die Signalverarbeitung der Kamera und JPEG-Kompression verloren gehen. Eine Alternative sind RAW-Bilder.

Sony Alpha 350 RAW-Bild

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Bei der Sony ist die "Dynamic Range"-Funktion nahezu wirkungslos. Der Unterschied ist mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Ein größerer Helligkeitsbereich wird nicht abgedeckt .

Um die Effektivität der Kamerafunktionen zu testen, vergleichen wir im ersten Schritt die "Dynamic Range"-Funktion einer Sony Alpha 350 mit der einer Pentax K200D. Im zweiten Schritt machen wir mit beiden Modellen RAW-Bilder, bearbeiten diese am Rechner und vergleichen dann das automatisierte Kameraergebnis mit den manuell gewonnenen Bildern.Sony verändert bei der Nachbearbeitung der Bilder die Tonwertkurven. Ein Aufhellen der Schattenpartien kann die Zeichnung verbessern und so den abgebildeten Kontrastumfang erhöhen. Allerdings hängt der Erfolg vom Rauschpegel des Sensors ab, da in aufgehellten Schattenbereichen statt Zeichnung eventuell auch nur Rauschen erscheinen kann.

Während bei der Sony Alpha 700 die dunklen Teile des Bildes noch merklich heller wurden und man in den Schattenbereichen tatsächlich mehr Details ausmachen konnte, passiert bei der Alpha 350 allerdings nahezu nichts. Auch im Labor bestätigt sich der Verdacht: Bei der Alpha 700 ergaben Messungen je nach Einstellung eine Vergrößerung des Kontrastumfangs um bis zu eine Blendenstufe, bei der Alpha 350 ist der Unterschied so klein, dass er in der Messung nicht weiter auffällt.

Ein weiterer Hersteller, der eine "Dynamic Range"-Funktion anbietet, ist Pentax. Hier wird offensichtlich das Bild um eine Blendenstufe unterbelichtet, um mehr Zeichnung in den hellen Bildbereichen zu erlangen. Gleichzeitig hellt Pentax den Rest des Bildes auf, um eine vergleichbare Helligkeit zu erhalten. Natürlich geht dies, wie auch bei der Alpha 700, zu Lasten des Bildrauschens, wobei Pentax dem anscheinend mit stärkerer Rauschunterdrückung entgegenwirkt. Bei der K200D führt die aktive Dynamikerweiterung jedenfalls zu einer messbaren Erweiterung des Kontrastumfangs.

Im Vergleich wirkt der Ansatz von Pentax ausgereifter und für den Gelegenheitsnutzer weitaus effektiver als der von Sony. Überbelichtete Bildbereiche (Lichter) sind meist verloren, während in schwarzen Schatten meist noch Zeichnung steckt. Durch die Unterbelichtung reduziert Pentax das erste Problem - ein Ansatz, der bei Sony fehlt. Umgekehrt muss Pentax wegen der Unterbelichtung die Schatten noch stärker aufhellen als Sony.Unterbelichtung und gezielte Nachbearbeitung inklusive Schattenaufhellung muss der versierte Fotograf nicht einer Kamerafunktion überlassen. Stattdessen kann er die Belichtung selbst gezielt der Situation anpassen und statt JPEGs RAWs aufnehmen. RAW-Bilder schreibt die Kamera nahezu unbearbeitet auf die Speicherkarte. Die notwendige Bildbearbeitung erledigt statt der Kameraautomatik später der Fotograf am Rechner. Dort ermöglicht die aufwendigere Rauschunterdrückung des RAW-Konverters eine gezieltere Bearbeitung des RAW-Bildes mit weniger Rauschen in den Schatten und mehr Zeichnung in den Lichtern.

Am besten macht man zunächst Belichtungsreihen mit unterschiedlichen Zeiten und prüft, wieviel Spielraum die RAW-Verarbeitung gegenüber JPEGs gewinnt (die ja auch als Vorschaubild dienen). In vielen Fällen dürfte eine Belichtung auf die Lichter das beste Ausgangsmaterial für die anschließende Bildbearbeitung liefern. Bei einem statischen Motiv ermöglicht zudem die Kombination mehrerer Belichtungen zu einem HDR-Bild (High Dynamic Range) maximale Bildqualität.

Mit dem so erworbenen Wissen kann man zum Beispiel ein kontrastarmes Motiv gezielt überbelichten, um rauschärmere Schatten zu erhalten (mehr Licht) und gewinnt die hellen Bildbereiche am Rechner zurück. Umgekehrt führt eine gezielte Unterbelichtung bei kontrastreichen Motiven zu durchgezeichneten Lichtern. Um Schatten mit möglichst viel Zeichnung und wenig Rauschen muss man sich dann am Rechner kümmern.

In den dunklen Bildbereichen sind die Möglichkeiten zur Nachbearbeitung vor allem durch Rauschen und in den hellen Bereichen durch Farbverschiebungen begrenzt. Die Ursache für die Farbverschiebungen ist meist die vollständige Überbelichtung eines einzelnen Farbkanals, wobei häufig zuerst der rote Kanal betroffen ist.

Am PC lassen sich mit den nun beschriebenen Arbeitsschritten sowohl helle als auch dunkle Bildanteile in ihrer Helligkeit angleichen. Man sollte dies jedoch nicht übertreiben, da die Bilder sonst schnell künstlich wirken können. Für die folgenden Arbeitsschritte wurde die Betaversion von Adobe Lightroom 2 mit integriertem RAW-Konverter verwendet.

Fazit:

Für Schnappschüsse ist die Dynamikerweiterung bei Pentax nutzbar, bei Sony zeigt sie nahezu keine Wirkung; zudem kann sie bestenfalls die Schatten aufhellen. Sonys Lösung gibt also keinen Extra-Spielraum für Belichtungsfehler. Bei beiden Modellen lassen sich mit RAW-Bildern bessere Ergebnisse erzielen. Dazu sollte man sich mit der Kamera und dem RAW-Konverter vertraut machen, denn auch hier gibt es Grenzen, die nicht unbedingt dem entsprechen, was das Vorschaubild und ein eingeblendetes Histogramm erwarten lassen.

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