Blu-ray auf der Überholspur

Kompressionsverfahren

Report: Blu-ray-Spezial

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Die zusammengezählten Abverkäufe von Blu-ray-Discs zeigen für 2008 eine erheblich steilere Kurve als 2007. Das bedeutet mehr Filmkäufe pro Monat. Bald werden die magischen 100.000 Stück monatlich geknackt.

Die Technik der digitalen Bildverarbeitung hat in den letzten Jahren mit steigender Rechenleistung der Prozessoren enorm an Intelligenz zugelegt. MPEG2, das Kompressionsverfahren der DVD, sowie der ersten HDTV-Ausstrahlungen ist ausgereizt und viel effizientere Methoden wurden entwickelt, die eine viel bessere Bildqualität versprechen.

Obwohl MPEG2 immer noch von jedem Blu-ray-Player wiedergegeben wird, sind es die neuen Codecs VC-1 und MPEG4-AVC, die eine Qualitätssteigerung bei höherer Datenreduktion versprechen. Tatsächlich werden die Kodierungsmöglichkeiten der recht neuen Verfahren noch nicht völlig ausgereizt, doch in vielen Punkten zeigt sich schon ein deutlicher Gewinn gegenüber MPEG2.

Dass man für die doppelte Effizienz zehnmal so viel Rechenleistung benötigt, liegt auf der Hand. Vor allem schnelle Bewegungen, die bei MPEG2 oft eine deutliche Bildung grober Klötzchen zur Folge hatten, sind jetzt erheblich besser im Griff. Nötigenfalls können bei der Wiedergabe gezielt Unschärfen über unvermeidbare Artefakte gelegt werden, um sie unsichtbar zu machen.

Damit reagieren die neuen Verfahren wie das menschliche Auge, das schnelle Bewegungen auch nur verschwommen wahrnehmen kann. Der Ton einer Blu-ray bietet ähnlich umwerfende klangliche Verbesserungen wie das HD-Bild. Bislang war Dolby Digital 5.1 anerkannter und klanglich akzeptabler Standard, dts die qualitative Kür in 6.1-Sound oder besserer Auflösung. Beide Entwickler von Tonverfahren haben nicht geruht und bieten jetzt Optionen, um die riesige Kapazität einer Blu-ray mit perfekt klingenden Tonspuren zu füllen. Beide Anbieter haben jeweils ein verlustfreies, also klanglich unantastbares Verfahren und einen geschickt komprimierenden Codec mit HD-Tonauflösung eingeführt.

Die Ursprungsvarianten dts und Dolby Digital sind ebenfalls noch auf Blu-ray erlaubt, wobei Dolby Digital sogar besser klingen darf als auf der DVD, da statt 448 kbit/s jetzt 640 kbit/s an Datenrate genutzt werden. Alle neuen Klangvarianten haben gemein, dass 7.1 Kanäle in höherer Qualität, also mehr Bittiefe (mögliche Samplingstufen) bei größerer Bandbreite (Samplingfrequenz) genutzt werden können.

Report: Blu-ray-Spezial

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Die Prognosen der I Industrie sind voller Erwartung. In den nächsten zwei Jahren soll die Verfügbarkeit mit BD-Playern sich vervierfachen, der Diskumsatz sich sogar verzehnfachen.

Dolby nennt seinen neuen Codec "Dolby Digital Plus". Dolby TrueHD speichert verlustfrei klangliche Offenbarungen mit bis zu 192 kHz Samplingfrequenz in variabler Datenrate von maximal 18 Megabits pro Sekunde. Dts bringt mit dts-HD (High Resolution Audio) acht Vollkanäle mit bis zu 96 kHz/24 Bit Auflösung und sechs Megabit/s fester Datenrate auf die Scheibe. Dts-HD Master Audio ist wiederum verlustfrei, kann auch bis zu 192 kHz, benötigt dafür jedoch viel Datenplatz (siehe Tabelle S. 2).

Alle neuen HD-Tonverfahren sind in Blu-ray-Playern nur optional eingebaut, daher gibt es Unterschiede in der Decodierung. Damit aber keine ausgewählte Sprachspur zum Stummfilm wird, nutzt der Player eine Ausweichspur bzw. die in einem HD-Codec enthaltenen Kerndaten des Ursprungsformats (Dolby Digital 5.1, dts-5.1).

24p: Filmwiedergabe ohne Ruckeln

Unsere amerikanischen Freunde sind seit jeher daran gewöhnt, dass Kinofilme auf TV-Bildschirmen leicht stottern. Um der in den USA etablierten TV-Frequenz von 60 Hz gerecht zu werden, wurden Kinofilme schon seit jeher im so genannten 3:2-Pulldown abgetastet.

Damit aus 24 Kinobildern 60 TV- Halbbilder werden, stellt man jedes fünfte Halbbild doppelt dar. Aus 24 Kinobildern werden 48 Halbbilder, multipliziert mit fünf Viertel ist man bei 60. Das klappt rechnerisch gut, die Wiederholung der Bildfelder erzeugt jedoch ein leichtes Ruckeln. In Europa ging man einen anderen Weg, um Filme auf die Mattscheibe zu bringen. Die 48 Halbbilder der Kinoabtastung waren schon so nah an der TV-Frequenz von 50 Hz (PAL, SECAM), dass man die Filmbilder einfach eins zu eins übernahm.

Der Film läuft damit 4% schneller. Dieser "Speedup" hatte früher den bösen Nebeneffekt, dass sich auch die Tonhöhe des Soundtracks nach oben verschob. Der Effekt reichte nicht für Mickymaus-Stimmen, doch Musik konnte dadurch schon etwas schräg klingen. Moderne Studiotechnik erlaubt Time-Stretching von Tonspuren ohne Tonhöhenänderung, jedoch nicht ganz ohne Beeinträchtigung der Klangqualität.

Der Königsweg der Filmwiedergabe ist mittlerweile nicht mehr aus der Blu-ray-Welt wegzudenken: Die 24p-Wiedergabe, die einfach die 24 auf Blu-ray gespeicherten Kinofilmbilder pro Sekunde unverändert und progressiv zum TV-Gerät oder Beamer leitet. US-Amerikaner sehen Kinofilme in 24p erstmals ruckelfrei und für uns Europäer fällt der PAL-Speedup weg, sodass wir Filme in Originalgeschwindigkeit ohne Klangverluste genießen können.

Schade, dass die 24p-Verarbeitung nicht zwangsweise ins Blu-ray-Pflichtenheft geschrieben wurde und auch für TV-Geräte in der HD-ready oder FullHD-Norm der EICTA fehlt. Da heißt es wie schon bei den tonalen Fähigkeiten der Blu-ray-Player: "Augen auf beim Kauf".

Ein ganz besonderer Player

Report: Blu-ray-Spezial

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Bei Amazon.de findet man unter Blu-ray bereits über 1000 Filme, 600 davon aus deutschen Landen.

Sony hat dem Medium Blu-ray einen gehörigen Schub nach vorn gegeben, als man sich entschied, die Spielekonsole Playstation3 mit einem BD-Laufwerk auszurüsten. Vom Start weg war dieses Gerät der mit gewaltigem Abstand meist verkaufte Blu-ray-Player und selbst jetzt, ein Jahr nach ihrer Einführung, kann ihr in vielen Belangen noch kein Standalone-Player das Wasser reichen.

Sie ist einsame Spitze in Rechenleistung und Updatefähigkeit. Kein anderer Player kommt auch nur in die Nähe ihrer Lade- und Reaktionszeiten und seit der Markteinführung hat sie Fähigkeiten hinzuerlangt, die normale Geräte niemals nachreichen könnten.

So wurde sie stets als erste dazu befähigt, neue HD-Tonverfahren wiederzugeben, und konnte auch durch eine neue Softwareversion zum ersten Player des Profils 1.1 und danach auch zum ersten Player des Profils 2.0 avancieren. Einzig der HDMI-Chip, der wohl nicht HDMI-1.3-fähig ist, also statt der Tonausgabe der direkten Datenströme "nur" bereits in PCM decodierte 7.1-Raumklänge wiedergeben kann, ist wohl nicht per Firmware aufrüstbar.

Das macht jedoch nichts, da theoretisch keine Klangqualität bei der Decodierung verloren geht und bietet den Vorteil, dass die sekundäre Tonspur, also beispielsweise der eingeblendete Regisseurskommentar, untergemischt werden kann, während er bei direkter Streamingausgabe verloren ginge. Der Alleskönner Playstation ist nicht zuletzt für 400 Euro ein konkurrenzlos preisgünstiger Kauf, da von Sony das Gerät erheblich subventioniert wird.

Bildformate
Codec MPEG-2: MP@HL and MP@ML; MPEG-4 AVC: MPEG-4 AVC: HP@4.1/4.0 and MP@4.1/4.0/3.2/3.1/3.0; SMPTE VC-1: AP@L3 and AP@L2
Max. Bitrate 40 Mbps
HD 1920x1080x59.94-i, 50-i (16:9); 1920x1080x24-p, 23.976-p (16:9); 1440x1080x59.94-i, 50-i (16:9) nur MPEG-4 AVC / VC-1; 1440x1080x24-p, 23.976-p; (16:9) nur MPEG-4 AVC / VC-1; 1280x720x59.94-p, 50-p (16:9); 1280x720x24-p, 23.976-p (16:9)
SD 720x480x59.94-i (4:3/16:9); 720x576x50-i (4:3/16:9)

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