Kompakttest: Denon Virtual Surround

Kompakttest: Denon Virtual Surround

Klanggaukler haben Konjunktur: Mit dem X-Space Surround DHT-FS 3 will jetzt auch Denon auf dem wachsenden Markt jener Systeme mitmischen, die den verblüfften Zuhörern aus zwei Boxen volle 5.1-Effekte vormachen. Ein Satz mit X oder X-tremes Vergnügen?

Denon Virtual Surround

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Kompakttest: Denon Virtual Surround

X für ein U

Eigentlich schickt sich Denon an, eher bei reinen Technik- Trends vorne mit dabei zu sein. Wo immer eine neue Stecker- oder Decoder-Norm auftaucht, sind die Japaner schon am Drücker. Doch manchmal schwelgt das Traditionsunternehmen auch im Lifestyle und generiert dabei in der Regel erschwingliche Produkte, die wie das S-101 bewährte Technik mit trendigem Outfit kombinieren. Die greifen meist allerdings eher eine Strömung auf, als Trends zu setzen.

So erinnerte das S-101 formal recht deutlich an das erfolgreiche Bose 3•2•1, bediente sich aber einer anderen Technik zur Erzeugung der Surround-Simulation und folgte auch klanglich unverkennbar der Philosophie des eigenen Hauses. Dieses Rezept aus der hauseigenen Cross-Over-Küche übertrugen die Denon-Ingenieure jüngst auf die von Yamaha - neben Onkyo der Lieblings-Rivale im Prestige-Duell der AV-Receiver - populär gemachte Sound-Beamer- Idee.

Diese schmalen Schall- Projektoren lassen sich einfach unter oder über dem Fernseher an der Wand aufhängen oder ins Regal stellen und erzeugen mit über 40 einzelnen Lautsprecher- Chassis, ebenso vielen Endstufen und einer raffinierten Decoder- Matrix eine glaubhafte Surround- Illusion im gesamten Raum.

Sub-Kultur: Das X-Space vertraut auf einen Woofer

Anschlussfeld

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Perfekt beschriftetes Anschlussfeld

Daran gibt es für einen Quereinsteiger wenig zu rütteln. Trotzdem fanden die Marktforscher bei Denon Ansatzpunkte, die eine eigene Interpretation des Themas zulassen. Ihre Antwort, das X-Space DHT-FS 3, ist kleiner, leichter, noch einfacher zu handhaben und besitzt serienmäßig einen Subwoofer. Der Bass-Macher ist noch dazu schlank und schick.

Bei Yamaha muss man die sinnvolle Unterstützung für die unteren Oktaven selbst für den 1.100 Euro teuren YSP-1100 zukaufen. Damit relativiert sich der auf den ersten Blick nicht gerade günstige Preis des 1.100 Euro teuren XSpace, das nur noch nach einer Quelle in Form eines DVD-Players verlangt, um zünftig loszulegen. Die ersten Schritte erleichtert eine kurze, bunte und verständliche Quick-Start-Anleitung.

Die Quellen-Eingänge sind mehr als übersichtlich beschriftet, der Subwoofer-Anschluss erfolgt über ein narrensicheres Kabel mit verwechslungssicheren Steckern. Für den Anschluss des DVD-Players liegt ein optisches Digital-Kabel bei und die Wende-Fernbedienung ist ebenso übersichtlich wie die geringe Zahl der möglichen Einstellungsvarianten.

Und vor allem: Der Denon erzeugt schon mit den Grundeinstellungen aus der Kiste ein verblüffendes Klangpanorama, was die Beziehung mit einem Erfolgserlebnis und nicht gleich mit Frust beginnen lässt.

Es gibt in den einfachen Setup- Menüs, für die X-Space nicht einmal ein Onscreen-Menü braucht, nur drei Raumgrößen und drei Arten von Reflexionseigenschaften der Einrichtung. Wer nicht in der Mitte sitzt, kann zudem die Balance des gesamten Klangbilds nach links oder rechts verschieben. So praxisgerecht und durchdacht schmeichelt sich bei Otto- Normalverbraucher sonst üblicherweise nur Bose ein - für eine bisweilen technikverliebte Marke wie Denon bedeutet das einen bemerkenswerten Lernprozess.

Und das scheint beileibe nicht die einzige Gemeinsamkeit mit den erfolgreichen Amerikanern zu sein: Beim X-Space hält sich Denon über die genaue Wirkungsweise der wundersamen Technik sehr bedeckt, nur dass es zur Entstehung des Produkts keine griffige Anekdote gibt, die immer damit beginnt: "Mr. Bose war unzufrieden mit seinem..."

In geheimer Mission: Denon hält sich bedeckt

beiliegende Wandhalterungen

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Mit den beiliegenden Wandhalterungen lässt sich das X-Space leicht aufhängen

Ältere HiFi-Fans dürften sich sicher noch daran erinnern, wie stolz die Japaner stattdessen seinerzeit die Wirkungsweise des LAMBDA-Super-Linear-Konverters für CD-Player haarklein für die Öffentlichkeit aufdröselten.

Über das X-Space verraten sie nur, dass es im Hauptgerät mit sechs Lautsprechern und sechs Endstufen auskommt und nicht den Sound-Beamern, die Raumreflexionen zur Erzeugung der Surround- Effekte nutzen, zuzuordnen sei. Spezielle Algorithmen und Überlagerungen der Wellenmuster sollen für die Pseudoräumlichkeit verantwortlich sein.

Das klingt plausibel. Denn bereits die ersten Sekunden Filmton ließen im bedämpften Hörraum eine überraschende Raumtiefe erkennen. Während HomeVision bei den in Heft 06/07 getesteten Klangmagiern die abnehmbaren seitlichen Dämmelemente im vorderen Bereich entfernte, konnte hier eindeutig alles an seinem Platz bleiben. War es schon erstaunlich, wie weit die imaginäre Hörbühne in der Breite über die Dimensionen des zierlichen X-Space hinauswuchs, verblüffte die Tiefe des Klangs erst recht.

So schienen im Filmbeispiel aus "Tage des Donners", jenem inhaltlich eher flachen, räumlich allerdings sehr dreidimensionalen Rennfahrerepos mit Tom Cruise die entfesselten V8-Boliden tatsächlich auf einer Ebene mit dem Zuhörer an der Couch vorbeizubrausen. Mit echten 5.1-Systemen mit diskreten Lautsprechern für jeden Kanal kommt der Ton zwar von noch weiter hinten.

Aber angesichts der kniffligen Aufgabe erledigte das mehr als drei Meter vorm Hörplatz aufgestellte, zweiteilige X-Space diese knifflige Aufgabe mit Bravour, zumal die Ortungsstabilität jederzeit tadellos blieb.

Lautsprecherdurchsagen hallten weiträumig wie im High-Speed- Oval und Dialoge, im Original mit verschiedenen US-Dialekten, waren differenziert und klar verständlich. Zwar erreichte das kompakte X-Space-Set nicht ganz die Klarheit der Yamaha-Sound-Beamer, doch wirkte durch den Subwoofer das Ganze einfach vollständiger, auch wenn der Bassweder besonders tief noch übermäßig präzise ausfiel.

Das X-Space ist außer in Sachen Räumlichkeit offensichtlich nicht unbedingt darauf ausgelegt, in Einzeldisziplinen zu punkten. Hier zählt eindeutig mehr der Gesamtanspruch, dem Besitzer eine komplette, vom Preis und Platzbedarf nicht ausufernde Komplettlösung mit einfacher Handhabung zu bieten.

Einer für alles, X-Space mag Film und Musik

Subwoofer-Anschluss

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Narrensicherer Subwoofer-Anschluss

Die tonale Abstimmung gelang immerhin so ausgewogen, dass alle Arten von Filmton oder Musik einfach Spaß machten, ohne durch Überbetonung oder Unterschlagung einzelner Bereiche zu nerven.

So blieb auch neben dem nicht übermäßig präzisen Bass, der sich allerdings perfekt in die Gesamtabstimmung einfügte, ein gegenüber guten diskreten Lautsprechern für alle Kanäle leicht gepresster Beigeschmack im Mitteltonbereich, der sich am ehesten mit laut wiedergegebenen Stimmen erkennen ließ.

Dennoch meisterte das DHTFS 3 selbst Stereo- Musikwiedergabe souverän, was in der Liga der Pseudo-Surround- Systeme wahrlich keine Selbstverständlichkeit darstellt. Mit dem X-Space lassen sich nicht nur Filme oder Popmusik genießen, es darf auch ruhig mal Jazz oder etwas Klassik sein.

Fazit

Unterm Strich überzeugte das XSpace als praxisgerechte und preislich angemessene Lösung, die sich mit serienmäßiger Wandhalterung und höhenverstellbaren Füßen am besten zu Flach- Fernsehern über 30 Zoll eignet.

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