Licht aus, Spot an!

Je höher, desto besser?

3. Der Gain-Faktor: Je höher, desto besser?

ScreenGoo Leinwand im Raum

© Archiv

Diese mit ScreenGoo erzeugte Leinwand zeigt, wie unauffällig sich eine Bildwand in ein Zimmer einfügen kann. Dem Kenner fehlt allenfalls ein schwarzes Cache.

Der Gain-Faktor, oder auf Deutsch die Lichtverstärkung, ist ein wichtiger Faktor bei der Auswahl einer Leinwand - der allerdings oft falsch verstanden wird. Natürlich kann eine Bildwand kein Licht verstärken wie etwa ein Nachtsichtgerät. Der Gain-Faktor sagt vielmehr etwas über die Reflexionseigenschaften aus. Ein gewöhnliches weißes Blatt Papier hat etwa einen Gain-Faktor von 1,0. Es streut das einfallende Licht homogen und diffus in alle Richtungen. Dadurch erscheint es praktisch immer gleich hell, egal, aus welchem Winkel man es betrachtet.

Bildwände mit einem Gain über 1,0 versuchen, eine gewisse Menge des Lichts gezielter in Richtung Publikum zu reflektieren, das ja in der Regel axial vor dem Bild sitzt. Das erreichen die Entwickler durch spezielle Oberflächen und Beschichtungen. Sie gehen sozusagen einen kleinen Schritt in Richtung der Eigenschaften eines Spiegels. Ein Gain von 2,0 beschreibt eine Bildwand, die - auf Achse gemessen - doppelt so viel Licht reflektiert wie eine perfekt diffuse Oberfläche mit 1,0. Daher spricht man von Verstärkung.

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Service/Workshop Praxis 04/09
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Aber das Licht, das gerichteter reflektiert wird, muss in den anderen Richtungen fehlen. Wer seitlich auf die Leinwand schaut, sieht daher sogar ein dunkleres Bild als bei einer Gain-1,0- Leinwand. Ab einem bestimmten Winkel ist das Bild nur noch halb so hell, wie von der Mitte aus betrachtet. Dieser Winkel heißt Betrachtungswinkel. Aber auch wenn Sie direkt vor dem Bild sitzen, sehen Sie nicht nur mit einem einzigen Winkel auf die Bildwand.

Bei hohem Gain sehen Sie statt eines gleichmäßig hellen Bilds einen hellen Bereich in der Mitte; das Bild wird nach außen hin immer dunkler. Man spricht von einem Hotspot. Auch daran sollten Sie bei der Wahl der für Ihre Zwecke richtigen Leinwand denken - ein möglichst hoher Gain-Faktor ist nicht pauschal erstrebenswert.

Den Vorteil eines hohen Gains stellt die Tatsache dar, dass Licht, das schräg auf die Bildwand fällt, sich auch dunkler abbildet wie etwa Streulicht von einem nicht vollständig verdunkelbaren Fenster. Daher setzt man beispielsweise in Konferenzräumen große Gain-Faktoren ein, weil der Kontrast bei Restlicht steigt. Allerdings: Ein Hotspot stört beim Betrachten eines Businesscharts nicht, beim Film wird er dagegen schnell unangenehm.

Für Ihr Heimkino sollten Sie daher genau abwägen, ob Sie zur Kontraststeigerung wirklich einen Gain deutlich über 1,0 einsetzen wollen. Bei Gain-Faktoren über 2,0 tritt praktisch ausnahmslos der störende Hotspot auf. In der Praxis bewähren sich im Heimkino Gain-Faktoren zwischen 0,75 und 1,5.

4. Wie hell muss Ihr Bild wenigstens sein?

akustisch transparente Bildwand mit drei Frontlautsprechern im Hintergrund

© Archiv

Echtes High-End: Bei der "Le Wing" von Screen Research fahren hinter der akustisch transparenten Bildwand die drei Frontlautsprecher mit aus der Decke. Damit kann auf Knopfdruck das gesamte Heimkino verschwinden.

Ein weiterer wichtiger Begriff im Zusammenhang mit der Abstimmung von Projektor und Bildwand ist die Leuchtdichte. Jeder Projektor erzeugt eine bestimmte Lichtmenge. Verteilt man diese auf die Fläche der Bildwand, bekommt man eine bestimmte Leuchtdichte. Projiziert man dasselbe Bild auf eine doppelt so breite Bildwand, verteilt sich dieselbe Lichtmenge auf die vierfache Fläche - die Leuchtdichte sinkt auf ein Viertel und damit auch die Helligkeit des Bilds.

In Europa misst man die Leuchtdichte in Candela (cd) pro Quadratmeter, in den USA in Lambert pro Quadratfuß. Professionelle Bildsysteme, etwa ein kommerzielles Kino, müssen auf eine Leuchtdichte von 55cd/m2 oder 16 fL kommen.

Diese Helligkeit nutzt den Kontrastumfang des Auges voll aus, vom schwärzesten Schwarz bis zu einem noch blendfreien Weiß. Gute Kinos halten diesen Wert ein. Im Heimkino sollten Sie zumindest diesen Wert erreichen oder sogar etwas übertreffen, was mit modernen Projektoren auch kein Problem ist.

Der Wert ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Projektor-Lichtstärke, Bildgröße und Gain-Faktor der Leinwand. Mit der Finzelschen Formel können Sie so mühelos für Ihren Projektor und die gewünschte Bildgröße den notwendigen Gain-Faktor errechnen.

Je größer desto besser? Nicht unbedingt. Mehr Infos dazu und anderen Themen auf Seite 3...

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