Ratgeber

ISO-Empfindlichkeit

Die automatische Empfindlichkeitssteuerung ist bequem, aber nicht immer optimal. Horst Gottfried erläutert, wie Sie mit manuellen Einstellungen zu besseren Ergebnissen kommen.

Aufmacher

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Aufmacher

Wenn das Licht knapp wird, hebt die Kamera die Empfindlichkeit automatisch an, oder aber der Fotograf wählt einen höheren ISO-Wert, wenn er merkt, dass er sein Foto verwackelt hat. Unter Qualitätsgesichtspunkten ist die automatische Empfindlichkeitseinstellung allerdings nicht das Mittel der Wahl.

Vergleichsbild ISO-100

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Bei steigender ISO-Empfindlichkeit entsteht ein stärkeres Bildrauschen: Hier zum Vergleich ISO-100...

Ähnlich wie ein höher empfindlicher Film körnigere Bilder mit sich bringt, führt eine höhere Empfindlichkeitseinstellung bei Digitalkameras durch die wachsenden Anteile des "Dunkelstroms" am Gesamtsignal zu mehr störendem Rauschen im Bild. Die dann grieselige Struktur mit vielen unregelmäßig verteilten kleinen bunten Bildpunkten fällt besonders in einfarbigen, dunkleren Flächen auf. Durch die elektronische Verstärkung des nutzbaren Signals wird das physikalisch unvermeidliche Grundrauschen mit verstärkt. Mit zunehmendem Rauschen nimmt zugleich der erfassbare Bildkontrast ab und die Auflösung sinkt. Glücklicherweise macht sich das beim Fotografieren mit einer Spiegelreflexkamera dank der größeren Sensoren und entsprechend größeren Pixel nicht so störend bemerkbar wie bei Kompaktkameras (siehe auch www.6mpixel.org). Der Belichtungsspielraum von Sensoren liegt etwa zwischen dem von Dia- und Farbnegativfilm. Er wird Richtung Überbelichtung durch die möglich Sättigung eines Pixels begrenzt (weiße, zeichnungsfreie Fläche), Richtung Unterbelichtung durch das Rauschen.

Die von manchen Kompaktkameras angebotene Erhöhung der Empfindlichkeit per Pixelbündelung ist übrigens nur eine Notlösung, da dabei die maximale Auflösung des Bildes entsprechend reduziert wird und sich die CCD-Pixel nicht optimal zusammenschalten lassen.

Natürliches Licht statt Blitz Auf eine kürzere Belichtungszeit zu kommen, um stimmungsvolle, aber unverwackelte Fotos mit der Atmosphäre des vorhandenen Lichts zu erhalten, dürfte für die meisten Fotografen der Hauptgrund für die Wahl einer höheren Empfindlichkeit sein. Doppelte Empfindlichkeit bedeutet halbe Belichtungszeit, vierfacher ISO-Wert macht ein Viertel der ursprünglichen Zeit - natürlich nur, wenn keine Programmautomatik die Blende mit verändert. Da bei wenig Licht die Programmautomatik die Blende aber ohnehin so weit öffnet wie es geht, besteht diese Gefahr bei wenig Licht also kaum. Wer aber bei "normalen" Lichtverhältnissen die ISO-Einstellung verändert, tut gut daran, den Blendenwert fest vorzuwählen.

Vergleichsbild ISO-400

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...ISO-400...

Welche Belichtungszeit noch geht, ohne dass eine Aufnahme sichtbar verwackelt aussieht, hängt vom Abbildungsmaßstab ab, der von Brennweite und Aufnahmeentfernung bestimmt wird. Zum Schutz vor verwackelten Fotos empfiehlt es sich, bei Bedarf den ISO-Wert so weit zu erhöhen, dass Sie auf eine Belichtungszeit kommen, die nicht länger ausfällt als sich nach folgender Faustregel ergibt: "längste Belichtungszeit = 1/Brennweite(KB)".

Mit 85 mm Brennweite an der Digital-SLR empfiehlt es sich wegen der effektiven Brennweitenverlängerung (Faktor 1,5 bis 2) also eher, 1/125 s als 1/60 s zu nehmen. Hat das Objektiv oder die Kamera einen optischen Bildstabilisator, können Sie natürlich je nach dessen Effektivität mit längeren Zeiten arbeiten. Mehr als zwei Zeitstufen sollten es erfahrungsgemäß aber nicht sein.

Vergleichsbild ISO-1600

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...ISO-1600

Die "ISO-hoch"-Automatik neuerer Kompaktkameras, gerne als "digitaler Bildstabilisator" verkauft, macht sich die Tatsache zunutze, dass eine kürzere Belichtungszeit nicht nur vor Unschärfe durch unruhige Kamerahaltung schützt, sondern zudem vor Bewegungsunschärfen im Foto. Diese entstehen, wenn sich das Motiv oder Teile davon während der Belichtung bewegen. Je länger die Zeit, desto größer die zurückgelegte Bewegungsstrecke und damit umso ausgeprägter der Wischer. Dagegen hilft tatsächlich kein optischer Bildstabilisator, sondern nur eine kürzere Zeit - wenn Sie die Bewegungsunschärfe nicht gerade bewusst als Mittel der Bildgestaltung einsetzen wollen. Einige clevere digitale Kompaktkameras erkennen nicht nur Motivbewegungen, sondern sogar ihre Geschwindigkeit, und regeln danach den ISO-Wert gerade so weit hoch, wie es für eine "scharfe" Zeit erforderlich ist. Das gibt es bei Spiegelreflexkameras (noch) nicht. Hier müssen Sie in so einem Fall selbst den ISO-Wert so weit wie nötig hochsetzen.

Durch eine Veränderung der ISO-Einstellung können Sie natürlich auch die anderen durch manuelle Zeit- und Blendenwahl gebotenen individuellen Gestaltungsspielräume erweitern. Wenn Sie einen höheren ISO-Wert wählen und die Belichtungszeit beibehalten, muss die Blende weiter geschlossen werden - und schon haben Sie mehr Schärfentiefe. Umgekehrt ist es sinnvoll, den kleinstmöglichen ISO-Wert zu wählen, wenn man möglichst wenig Schärfentiefe haben will - mit der Digitalkameras reichlicher als KB-Kameras gesegnet sind. So kann der Fotograf die Aufmerksamkeit des Betrachters durch gezielte Fokussierung auf ein Detail lenken und alles davor und dahinter möglichst unscharf halten. Auch ist eine längere Belichtungszeit bei niedrigerem ISO-Wert sinnvoll, wenn Sie sich an Mitschwenk-Aufnahmen von bewegten Motiven versuchen wollen, um das Hauptmotiv vor verwischtem Hintergrund einzufangen und so dem Betrachter einen Eindruck von Geschwindigkeit vermitteln wollen.

Motiv ISO 200

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Die Wahl von ISO 200, um etwa bei Innenaufnahmen die Stimmung des vorhandenen Lichts zu erhallten, ist mit den aktuellen Spiegelreflexkameras unproblematisch.

Ein Kapitel für sich ist die ISO-Einstellung beim Blitzen. Hier lässt sich mit erhöhter Empfindlichkeit die Blitzreichweite vergrößern. Doppelte ISO-Zahl bedeutet 1,4-fache Maximal-Reichweite. Die Höhe der Empfindlichkeit ist auch dafür verantwortlich, in welchem Maße das vorhandene Umgebungslicht neben dem Blitzlicht zur Geltung kommt. Eine höhere ISO-Vorgabe bei gleicher Blitzblende und Belichtungszeit führt dazu, dass das natürliche Licht stärker im Bild sichtbar wird. Das Bild wirkt natürlicher, und nicht vom Blitz erfasste, dunkle Motivbereiche zeigen meist mehr Zeichnung.

Falls das Rauschen im späteren Foto doch störend ausfällt, hat der Digital-Fotograf den Vorteil, dass er immer noch versuchen kann, das am Computer mit einem Bildverbesserungsprogramm "auszubügeln". Dafür gibt es eine Reihe hilfreicher Werkzeuge. Bewährt haben sich z. B. Noise Ninja von picturecode.com, Noise Buster von akvis.com oder auch das Universalwerkzeug DxO Optics Pro.

Auch wenn Sie sich als SLR-Fotograf nicht so viel Sorgen um das Rauschen machen müssen wie bei einer Kompaktkamera, ist eine Einrichtung wie z. B. bei der Pentax K10D sinnvoll, die eine Begrenzung des Spielraums der ISO-Automatik erlaubt. Damit kann man im Normalfall den Spielraum der ISO-Automatik auf die Werte von 200 bis 400 begrenzen und, nur wenn das mal nicht ausreicht, manuell eine höhere Empfindlichkeit wählen. Ein Foto mit leichtem Rauschen ist schließlich besser als ein verwackeltes oder gar nicht gemachtes Foto. Besser als eine ISO-Erhöhung ist es, nach Möglichkeit ein Objektiv mit höherer Lichtstärke zu verwenden. Wenn aber bestmögliche Bildqualität absoluten Vorrang hat, ist die Benutzung eines Stativs nach wie vor unerlässlich.

Menü ISO-Warnanzeige

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Bei der Pentax K10D lässt sich ein ISO-Wert vorwählen, der noch als "problemlos" akzeptiert wird.
Menü ISO-Empfindlichkeit

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Höhere Werte werden bei der manuellen ISO-Wahl zur Warnung gelb dargestellt.

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