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IPv4 kurz vor der Wachablösung durch IPv6
IPv6: Internet-Protokoll kurz vor der Einführung
Seit über zehn Jahren gibt es das Internet-Protokoll IPv6, das mit vielen Schwächen des fast 30 Jahren alten IPv4-Standards aufräumt. Kaum jemand nutzt es derzeit, doch schon bald wird es flächendeckend eingeführt.
Das Internet der Zukunft wird einige Neuerungen erfahren und dazu gehört die Nutzung des neuen Internet-Protokolls IPv6. Neu ist in diesem Zusammenhang relativ, denn bereits seit über zehn Jahren gibt es die Version 6. Mit ihr sollen die bisherigen IP-Adressen gänzlich verschwinden, jedes netzwerkfähige Gerät soll dann eine eigene IPv6-Adresse besitzen.
Laut Christoph Meinel, IPv6-Ratsvorsitzender und zugleich Direktor des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts, sei das eine wichtige Voraussetzung für die Internetkommunikation mit und zwischen Fahrzeugen sowie in Sensornetzwerken mit RFID-Technologie. Großes Potenzial sehen Experten auch im Consumer-Markt und der Vernetzung der Heimelektronik.
Auch für andere Wirtschafts- und Forschungsbereiche ergeben sich ungeahnte Möglichkeiten: So nutzt etwa die japanische Telekomfirma NTT IPv6 bereits heute zur Vernetzung von Erdbebensensoren, die automatisch Warnungen für Verkehrsfunk und Fernsehen verbreiten. Dazu sind Millionen Internetadressen nötig, die nur dank IPv6 im Angebot sind.
Neues Internet-Protokoll
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Dafür braucht man IP-Adressen
Um die Vorteile von IPv6 zu erkennen, muss man einen Blick auf den Aufbau der IPv4-Infrastruktur werfen. Das Internet Protocol (IP) wird im Rahmen der Protokollfamilie TCP/IP zur Vermittlung von Datenpaketen verwendet. Es arbeitet auf der dritten Schicht des OSI-Schichtenmodells und dient dazu, Datenpakete zu adressieren und in einem verbindungslosen, paketorientierten Netzwerk zu vermitteln (Routing).
Damit ein PC, ein Server oder ein Drucker in einem TCP/IP-Netzwerk ansprechbar ist, erhält er eine eindeutige IP-Adresse. Diese stammt in der Regel aus dem internen Adressbereich 192.168.x.x und wird von einem DHCP-Server (Dynamic Host Configuration Protocol) oder einem entsprechenden Router automatisch an die jeweiligen Clients verteilt.
Server, die über das Internet angesprochen werden sollen, benötigen hingegen eine echte IP-Adresse, etwa 80.237.218.219 für den Webserver www.magnus.de. Das bei der Vergabe der internen IP-Adressen eingesetzte Verfahren Network Address Translation (NAT) verletzt jedoch das End-to-End-Prinzip. Die so angebundenen Rechner können nur ausgehende Verbindungen aufbauen; aus dem Internet können sie hingegen nicht ohne weiteres kontaktiert werden.
Dank der automatischen Konfiguration von IPv6-Adressen wird DHCP in vielen Anwendungsfällen überflüssig und die Inbetriebnahme neuer IP-fähiger Geräte wird wesentlich vereinfacht. Denn IPv6 räumt die Möglichkeit ein, jedem Gerät dauerhaft eine eindeutige feste IP-Adresse zuzuweisen.
Auch basiert IPv6 auf einem deutlich schlankeren Routing-Protokoll, welches unter anderem fehlerhafte Datenübertragungen reduzieren soll. Positiver Nebeneffekt: Der entschlackte Header benötigt keine Prüfsumme mehr – die sonst von Router übernommene Kontrolle entfällt. Das sorgt bei IPv6-fähigen Routern für einen spürbaren Geschwindigkeitszuwachs.
Vor allem wenn Server pro Tag mehrere hunderttausend Mails und ein Vielfaches an Web-Anfragen abarbeiten müssen, kann die eindeutige Zuordnung von Ziel- und Sende-Server eine höhere Performance zur Folge haben. Auch für den Web-Surfer ändert sich durch die Einführung von IPv6 nichts, solange eine Webseite nicht durch direkte Eingabe einer IP-Adresse erreicht werden soll (siehe Absatz Zahlenspiele mit IPv6).