"Ich entscheide hauptsächlich mathematisch, ob ich calle"

Interview mit Jörg Peisert: "Zahlen sind mein Steckenpferd"

Jörg Peisert lebt derzeit in Düsseldorf und ist gelernter Bankkaufmann. Seit gut 17 Jahren ist er selbstständiger Portfolio-Manager und gilt als Experte für die wachstumsstarken Schwellenländer (Emerging Markets). Jetzt hat er in Las Vegas ein Bracelet gewonnen.

  1. Interview mit Jörg Peisert: "Zahlen sind mein Steckenpferd"
  2. Teil 2: Interview mit Jörg Peisert: "Zahlen sind mein Steckenpferd"
Interview Jörg Peisert

© Stefan Hachmeister

Interview Jörg Peisert

Royal Flush: Deine berufliche Laufbahn lässt darauf schließen, dass du mit Zahlen gut umgehen kannst. Fließt diese Eigenschaft auch in dein Pokerspiel ein?Jörg Peisert: Auf jeden Fall, Zahlen sind mein Steckenpferd und dadurch ist natürlich auch mein Pokerspiel stark geprägt. Ich spiele fast ausschließlich Multi-Table-Turniere und da ist es oft so, dass ich neben der Spielsituation und eventuellen Reads hauptsächlich mathematisch entscheide, ob ich calle.

Royal Flush: Wie lange spielst du schon Poker?

Jörg Peisert: Seit etwa eineinhalb Jahren regelmäßig. Zu Beginn waren es nur Freerolls und Sachpreisturniere. Dann habe ich mich langsam hochgearbeitet, über kleinere Casino-Turniere bis hin zu Events auf europäischer Ebene, wie zum Beispiel die European Poker Tour. Da meine Lebensgefährtin und ich gerne reisen, haben wir auch einige exotische Orte besucht und dort gespielt. Oft verbinden wir Geschäftsreisen mit den Turnieren; so kann man das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Für uns ist das eine ideale Konstellation, Beruf und Hobby zu vereinen.

Royal Flush: Viele erfolgreiche Spieler haben, bevor sie mit dem Pokern begonnen haben, andere Spiele erfolgreich gespielt. Gibt es bei dir da auch eine Vorbelastung?

Jörg Peisert: Nein, eigentlich nicht, Poker ist das erste Spiel, das ich intensiv betreibe. Meine Vorbelastung ist eher der mathematische Aspekt, der von meinem Beruf herrührt. Royal Flush: Nun kommen wir mal zu deinem größten Erfolg, der ja gerade erst einige Tage her ist. Bei deinem WSOP- Bracelet-Gewinn hattest du auf deinem Weg zum Sieg bestimmt viele bekannte Pros an deinem Tisch. Gibt es da vielleicht irgendeine nette Geschichte, die dir passiert ist?

Jörg Peisert: Bei einem so großen Turnier bleibt es natürlich nicht aus, dass der eine oder andere Pro an meinem Tisch war. Eine nette Anekdote gab es zwischen Ian Frazer und mir. Ich konnte Ian mit Flush über Flush aus dem Turnier nehmen. Als ich ihn dann nach meinem Gewinn auf dem Flur traf, gratulierte er mir und meinte "Gut, dass du gewonnen hast, so kann ich allen erzählen, dass ich gegen den Bracelet-Gewinner ausgeschieden bin."b

Royal Flush: Gab es eine besondere Strategie, die du dir für dieses Turnier zurechtgelegt hattest?

Jörg Peisert: Ja, da es sich um ein Drei-Tages-Turnier handelte, war es für mich recht schwierig, über eine so lange Zeit die Konzentration aufrechtzuerhalten und permanent 120% abzurufen. Erschwert wird das Ganze noch dadurch, dass ich Diabetiker bin. Die Konzentration über einen so langen Zeitraum war sicherlich mein größter Gegner, denn die pokertechnischen Aspekte habe ich mir sicherlich in der Vergangenheit recht gut erarbeitet.

Royal Flush: Also würdest du zustimmen, dass es bei dieser Art von Event schon fast in Sport ausartet?

Jörg Peisert: Absolut! Für mich ist es wie auch für die Russen (dort gilt Poker als Sport) eine körperliche Anstrengung und somit als Sport zu bewerten.

Royal Flush: Gab es im Turnier ein Schlüsselmoment, ab dem du an den Bracelet-Gewinn geglaubt hast?

Jörg Peisert: Das erste Mal hatte ich dieses Gefühl, als wir noch zu Fünft am Final Table waren. Zum einen fühlte ich mich recht wohl und konnte den anderen meinen Spielstil aufzwingen. Ab diesem Moment dominierte ich den Tisch und war mir fast sicher, wenn ich nicht einige Bad Beats bekomme, dass es mit dem Sieg klappen würde.

Royal Flush: Welche Zukunftspläne hast du jetzt in Bezug auf Poker?

Jörg Peisert: Für meine Lebensgefährtin Sandra und mich wird sich nicht viel ändern. Wir werden auch weiterhin Casino-Turniere spielen, auch mit kleineren Buy-ins. Sicherlich gibt es dann auch mal den einen oder anderen Abstecher zur EPT oder anderen größeren Events. Doch im Großen und Ganzen sind wir mit dem, was wir bisher gemacht haben ganz zufrieden und werden da auch nichts dran ändern. Poker war und bleibt halt unser Lieblingshobby. Wenn am Ende etwas Geld überbleibt, ist das sicherlich ganz schön, doch auf dem Geld liegt nicht unser Hauptaugenmerk.

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