Überwachungsapparat

Freiheitskämpfer und Interview mit Mathias Jud

Die bekanntesten Freiheitskämpfer im Netz

  • Liu Xiaobo (China)
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© PC Magazin

Nobelpreis-würdig: Die Wahl des chinesischen Regimekritikers Liu Xiaoba stieß weltweit auf große Resonanz.

Der chinesische Schriftsteller und Systemkritiker Liu Xiaobo, Friedensnobelpreisträger 2010, unterstützte 2008 mit 302 Intellektuellen das Manifest "Charta 08" zum internationalen Tag der Menschenrechte.

Sie forderten im Internet freie Wahlen und eine Gewaltenteilung. Die chinesische Regierung warf Lu vor, Hauptverfasser des Manifests gewesen zu sein. Der 55 jährige wurde zu elf Jahren Haft verurteilt.

  • Hossein Derakshan (Iran)

Er wird der "Vater der Iranischen Blogosphäre" genannt und ist der Todesstrafe nur knapp entronnen. Dafür verurteilte ein iranisches Gericht 2010 den iranisch-kanadischen Aktivisten Hossein Derakshan ("Hoder") zu knapp 20 Jahren Haft. Er war nach Israel gereist (was für Iraner verboten ist) und hat per Blog für die Aussöhnung beider Kulturen plädiert. Die Regierung warf ihm Propaganda gegen islamische Regierungen vor.

  • Slim Amamou (Tunesien)
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© PC Magazin

Vom Blogger zum Spitzenpolitiker: Slim Amamou ist Staatssekretär der tunesischen Übergangsregierung.

Unter dem Twitter-Namen Slim404 fiel Unternehmer Amamou mit Kritik am tunesischen Diktator Ben Ali auf.Dafür wurde der 34jährige inhaftiert.

Nach dem Umsturz kam er wieder frei und gehört der Übergangsregierung an - als Staatssekretär für Jugend und Sport.

  • Amr Salama (Ägypten)

Sein Film "Wählt mit: NEIN", war ein Beschleuniger der ägyptischen Revolution. Darin versammelte er Schauspieler, Politiker und religiöse Führer des Landes vor der Kamera. Der Film verbreitete sich übers Internet wie ein Lauffeuer.

  • Walid Al-Saqqaf (Jemen)

Walid Al-Saqqaf entwickelte die Software Alkasir. Alkasir sucht nach sicheren Tunneln, um geblockte Seiten anzusteuern. Al-Saqqaf war sechs Jahre Redakteur der Yemen Times und gründete das yemenportal.net. Heute forscht er an der schwedischen Uni Örebro.

Interview: Mathias Jud, Mitgründer des digitalen Bilderdienstes Picidae

Pfiffige Gründer: Eine im Prinzip Jahrtausende alte Idee - Informationen in Bildern zu verstecken - nutzten die Picidae-Gründer Christoph Wachter und Mathias Jud.

Wie konnten zwei Schweizer Künstler ausgerechnet eine der besten Applikationen erfinden, um die Internetzensur auszuhebeln? Eine App, die Webseiten in digitale Bilder umwandelt?

Mathias Jud: Die Informatiker versuchten es mit Verschlüsselungssystemen. Wir haben uns die Frage gestellt: Wie stellt sich das Internet in anderen Ländern dar? Wie unterschiedlich sieht es aus? Was kann man sehen und was nicht? Das wollten wir abbilden. Dann sind wir nach China gefahren und sind dort ins Internetcafe gegangen.

Und wie sieht das Internet in China aus?

MJ: Von hier aus gesehen macht es wenig Sinn, dort zu surfen. Man kann auf vieles nicht zugreifen. Viele Seiten sind gesperrt. Aber die Leute hocken da trotzdem stundenlang, essen, rauchen, die leben in den Internetcafes.

Und damit die künftig mehr sehen, haben Sie Picidae erfunden?

MJ: Wir wollten ursprünglich gar nicht zeigen, wie man das Internet freier macht. Aber mit Bildern kann man viele Sperren durchbrechen, vor allem Wortfilter. Wir freuen uns natürlich sehr, dass Picidae immer wieder in Zusammenhang mit Menschenrechten genannt wird.

Und es ist spannend, aus welchen Ländern wir Feedback bekommen: Ein chinesischer Dissident hat genau unser System beschrieben, nur ohne unseren Namen zu nennen. Immer wieder kommen auch Reaktionen aus dem Iran, den arabischen Ländern und auch aus Nordkorea. Wir haben gar nicht angenommen, dass da das Internet funktioniert.

Und wie reagieren die Zensur-Staaten?

MJ: Natürlich gibt es viele Staaten, in denen die URL picidae.net gesperrt ist. Das war uns klar. Aber es gibt Spiegelseiten über Twitter und verschiedene Blogs. Darüber hinaus haben wir keine Repression erfahren.

Man hat nicht versucht, Sie zu stoppen?

MJ: Es hat schon Hackerangriffe auf unsere Server gegeben. Aber jeder Server im Internet wird immer wieder gehackt. Es ist schwierig, zu wissen, wer dahinter steckt. Aber unser Netz ist nicht zu stoppen.

Warum nicht?

MJ: Wir sind ein chaotisches System. Picidae läuft auf vielen Servern, es muss tausende, vielleicht hunderttausende geben. Sie bilden ein Netzwerk, das offen und zensurresistent ist, weil es sich ständig ändert. Das kann man nicht kontrollieren. Wir überblicken das ja selbst nicht mehr.

Und wie sicher sind Ihre Nutzer?

MJ: Wir versuchen, sie zu schützen: Die URL ist jeweils nur eine bestimmte Zeit nutzbar, dann wird sie erneuert. Die Bilder sind auch jeweils nur eine halbe bis zwei Stunden sichtbar. Und wir entwickeln den Picidae-Server weiter. Bald gibt es eine Linux-Version. Wir wollen, dass sich alle ein Bild von der Welt machen können.

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